
Das künstliche Auge besitzt einen »Pupillendurchmesser« von rund 3,5 Metern und thront auf einer Anhöhe des White Sands Missile Range (WSMR) im US-Bundesstaat New Mexico. Auf diesem militärischen Komplex und den ausgedehnten benachbarten Testeinrichtungen existieren umfangreiche optische Anlagen sowie ausgewachsene Observatorien, die hier allerdings vorwiegend für militärische Anwendungen optimiert werden.
Nun also hat die Hochtechnologie-Familie wieder neuen Zuwachs erhalten, in Gestalt eines sehr ungewöhnlichen Teleskops mit beachtlichen Ausmaßen. Und obwohl dieses Instrument mächtig erscheint, seine äußeren Werte nehmen sich gegenüber den inneren dennoch eher bescheiden aus.
Tatsächlich findet sich hier geballte Leistung auf sehr kompaktem Raum. Der gedrungene Riese
hört auf den Namen Space Surveillance Telescope (SST), was seine offizielle Hauptaufgabe klar umreißt: die Überwachung des Weltraums. Nun, eigentlich ist das in der einen oder anderen Form meist die Aufgabe einer solchen Optik, doch hier darf das alles direkter verstanden werden. Denn das innovative SST soll möglichst schnell und umfassend alle Bewegungen und »Aktivitäten« im Raum entdecken und einer Analyse zuführen. Es geht dabei nicht vorrangig um die »Überwachung« physikalischer Abläufe oder die Erforschung einzelner Planeten oder Galaxien, sondern in erster Linie um Himmelkörper, die das Sonnensystem auf verschiedenen Bahnen durchziehen und unterschiedlichster Herkunft sein können.
Weltraumschrott, so heißt es, sei ein Hauptziel der Durchmusterungen. Denn er kann aktiven Militärsatelliten logischerweise ziemlich gefährlich werden. Genau wie winzige Meteoroiden, jene zahlreich im Sonnensystem herumschwebenden Asteroidenbruchstücke, oder auch feindliche Mikrosatelliten, die natürlich gleichfalls mit wichtiger militärischer Weltraumtechnologie zusammenstoßen können. Sie rechtzeitig ausfindig zu machen und zu entschärfen, ist das Ziel. Auch was sich sonst an Unbekanntem und vielleicht Gefährlichem dort draußen bewegt, soll dem Auge nicht entgehen.
Lt. Col. Travis Blake, SST-Programm-Manager, erklärt den wesentlichen Vorteil des neuen
Superteleskops sehr anschaulich: »Gegenwärtig schauen wir wie durch einen Strohhalm in den tiefen Raum. Wir können also zu einem bestimmten Zeitpunkt auch nur einen sehr engen Abschnitt sehen. Das Space Surveillance Telescope versorgt uns hingegen mit einem viel weiteren Blickfeld, durch das wir die Weltraumobjekte wie durch eine Windschutzscheibe sehen können, was unsere Kenntnis über die momentane Situation im Weltraum signifikant vergrößert.«
Das gesamte System ist auf Flexibilität, weites Gesichtsfeld und extrem hohe Lichtempfindlichkeit ausgelegt. Seine Brennweite ist nicht größer als der Spiegeldurchmesser, damit wird das Gerät zur ultimativen kosmischen »Lichtkanone« und ist in der Lage, sehr lichtschwache oder schnell bewegte Objekte zu erfassen. Das hohe Öffnungsverhältnis und einige technische Innovationen ermöglichen eine untypische, extrem kurze Baulänge. Die moderne Montierung bewegt das Instrument flexibel und präzise. Zu den inneren Werten zählt vor allem ein CCD-Detektor modernster Bauart, der nicht mehr flächig, sondern gekrümmt ausgelegt ist. Das spart einige optische Komponenten im Strahlengang, sorgt für hochaufgelöste Bilder bei enormer Empfindlichkeit. Das SST soll nebenher auch zu rapiden neuen Durchmusterungen des Sternenhimmels sowie zur Kometensuche genutzt werden. Zahlreiche weitere Aufgabenfelder könnten sich allerdings auch durchaus in geheim eingestuften Gefilden bewegen.
In den vergangenen Wochen und Monaten wurden bereits »First-Light«-Bilder gemacht, das Instrument hat also die ersten Praxistests unter klarem Himmel schon hinter sich. Weitere Tests sollen folgen. Das Pentagon beabsichtigt, es nicht bei diesem Teleskop allein bewenden zu lassen, sondern eine eigene neue Armada solcher Überwachungsinstrumente zu schaffen.
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