Saturday, 24. September 2016
31.08.2010
 
 

»Indigokinder« in den Superstar-Talentshows

Armin Risi

In vielen Ländern sind wieder die Superstar-Talentwettbewerbe 2010 angelaufen oder bereits abgeschlossen. Diese Fernseh-Shows können als billige Unterhaltung und Ablenkung von den wirklichen Problemen der Welt bezeichnet werden. Manchmal werden dabei aber auch wirklich große Talente entdeckt, die auch ein kritisches Publikum zu begeistern und zu berühren vermögen. In diesem Artikel möchte ich einige Beispiele von jungen Künstlern erwähnen, die man als »Indigo-Kinder« bzw. Indigo-Jugendliche bezeichnen könnte. Außergewöhnlich ist ein Beitrag aus dem aktuellen Wettbewerb in China.

 

»Indigokinder«

Der Begriff »Indigokinder«, der heute zu einem esoterischen Allerweltswort geworden ist, bezieht sich auf besonders begabte und sensitive junge Menschen, die dem Geist der neuen Zeit entsprechen und alte Strukturen herausfordern oder mit ihrem Talent neu beleben. Einige dieser Kinder sind mittlerweile erwachsen. Die Zuordnung des Begriffs »Indigokind« kann nur subjektiv sein, und solche Kinder hat es natürlich immer schon gegeben. Das Besondere an der heutigen Zeit ist die wachsende Anzahl dieser Kinder, die mit ihrem künstlerischen Talent oder mit ihren sonstigen Begabungen auffallen. Ob diese wachsende Anzahl einfach auf die technischen Möglichkeiten zurückgeht, die heute ganz anders sind als noch vor fünfzig Jahren, oder ob tatsächlich zunehmend »neue« bzw. »alte« Seelen inkarnieren, sei dahingestellt.

 

Ein Pianist ohne Arme

Beim chinesischen Talentwettbewerb, der (nach dem US-Vorbild »America’s Got Talent«) »China’s Got Talent« genannt wird, trat in der ersten Runde von 8. August 2010 ein 23-Jähriger auf, dessen Beitrag momentan auf youtube weltweit die Menschen beeindruckt und schon weit über eine Million Mal angeschaut wurde.

Liu Wei stammt aus Peking und verlor 1997 mit zehn Jahren aufgrund eines Unfalls mit einer Stromleitung beide Arme. Nach 45 Tagen intensiver Behandlung war sein Leben gerettet, und der Knabe wollte weiterleben. Er lernte, ohne Arme zu essen und sich anzuziehen, dann lernte er auch, einen Computer zu bedienen. Mit 19 begann er sogar, mit seinen Füßen Klavier zu spielen, und nun, vier Jahre später, hatte er einen Auftritt vor einem Millionenpublikum in China – und danach via Internet auch weltweit. Er spielte »Mariage d’amour« von Richard Clayderman.

Die Dreier-Jury und das Publikum sind zutiefst bewegt, sowohl wegen Lius Musik als auch wegen seines Schicksals und seiner Persönlichkeit. Nach der ersten Vorstellung sagt der Juror, ihm fehlten die Worte – er, Liu solle etwas sagen. Und Liu sagt: »Für mich gab es nur zwei Möglichkeiten im Leben: entweder bald zu sterben oder mein Leben auf eine wundervolle Weise zu leben. Niemand sagt, dass man das Piano nur mit den Händen spielen darf.« Und er lacht und strahlt voller Lebensfreude. Der Juror, der seine Sprache wiedergefunden hat, kommentiert: »Ich denke, es geht nicht nur mir so, auch den anderen in der Jury und dem Publikum: Wenn wir Liu Wei zuschauen und seine Musik hören, dann verschwinden in unserem Leben all unsere Klagen und Unzufriedenheiten. Seht diesen jungen Mann, wie er Klavier spielt. Ich denke, wir sollten aufhören zu klagen, und wir sollten tun, das du sagst: das Leben auf eine wundervolle Weise leben. DANKE!«

Die Frau in der Jury fügt hinzu: »In dir sehen wir Talent im Talent. Ich denke, wirkliches Talent bedeutet, das eigene Potential mit dem ganzen Leben zum Ausdruck zu bringen, und nicht einfach nur, um eine Show vorzuführen. Ich bin sehr bewegt.« Der erste Juror sagte zur Frage, ob Liu in die nächste Runde kommen soll: »Bei einem Begabten wie Dir sollten wir nicht einfach JA sagen. Wir sollten sagen: Sei gesegnet, und DANKE!«

Im Begleitfilm zu seinem Auftritt sagte Liu: »Als ich zehn Jahre alt war, hatte ich einen Unfall, der mir zeigte, wie zerbrechlich das Leben ist. In jedem Moment können wir es in Sekundenschnelle verlieren.« Er lebt ohne Klage und ohne Selbstmitleid: »Es ist eine innere Einstellung. Ich sage mir einfach: wenn ich es will, dann tu ich's.«

Auf youtube schreiben Hunderte von Menschen, wie sehr dieser junge Mann sie in ihrem eigenen Leben inspiriert und ihnen neue Kraft und Zuversicht gibt. Diese fast übermenschliche Ausstrahlung und Wirkung ist Lius eigentlicher Erfolg. Es ist zu bezweifeln, dass er diesen Wettbewerb gewinnen wird – mit den Zehen kann man einfach nicht so virtuos spielen wie mit den Fingern. Er selber hofft, unter die letzten drei zu kommen, und will auf jeden Fall weiterhin Musik machen.

 

 

 

Australia’s Got Talent 2010

Auch in Australien sorgte ein »Indigo-Boy« für Aufsehen, der 15-jährige Bobby Andonov, der gefühlvoll und ausdrucksstark wie ein langjähriger Profi singt. In der ersten Runde sang er Leonard Cohen’s »Hallelujah« und begeisterte die Jury. »Dies ist die beste Version dieses Lieds, die ich je gehört habe!« Im Final schaffte er es dann nicht zum endgültigen Sieg, aber auch hier bekam ein junger Mensch dank dieser Fernsehveranstaltung die Möglichkeit, viele Menschen zu erreichen und zu berühren.

 

 

 

 

Im folgenden möchte ich zwei junge Talente aus früheren Jahren erwähnen, die in ihrem Land dann auch tatsächlich den ersten Preis gewannen: die damals 11-jährige Bianca Ryan (heute ist sie 15) und die 24-jährige Kseniya Simonova.

 

 

Kseniya Simonova

Seit 2009 hat auch die Ukraine eine Fernsehsendung, die der Sendung »Deutschland sucht den Superstar« entspricht. Siegerin dieses ersten Talentwettbewerbs war eine junge Frau, die weder sang noch ein Wort sprach: die 24jährige Kseniya Simonova (geb. 1985). Was sie vorführte, war eine Sandanimation. Sie zeichnet von Hand eine fließende Abfolge von Bildern in eine dünne Schicht von feinem Sand, genauer gesagt Vulkanasche, die auf einer von unten beleuchteten Glasplatte liegt. Ihre Zeichnungen werden über eine Filmkamera auf eine Leinwand projiziert. Der Fluß der Zeichnungen ist auf die Sekunde genau perfekt auf die Begleitmusik bzw. die Begleitgeräusche abgestimmt.

Kseniya hatte ihr Talent erst ein Jahr zuvor, 2008, entdeckt, als ihr Geschäft aufgrund der Finanzkrise geschlossen werden musste. Sie begann mit Strandzeichnungen, entwickelte aber schnell ihren eigenen Stil der Sandanimation. »Symphonien in Sand« wird ihre Kunst auch genannt. Die Zeitungsberichte und viele Kommentare verwendeten das Wort »zaubern«: Kseniya zaubere in einer universell verstandenen Sprache Szenen aus dem Sand wie ein Dichter Worte aus der Sprache. Bei ihrem Auftritt im Finale klatschte das Publikum an einer Stelle im Takt, und Kseniya tanzte dazu, ohne beim Zeichnen einen Fehler zu machen oder die sekundengenaue Synchronisation zu verpassen. Die youtube-Aufzeichnungen ihrer Auftritte wurden seit den letzten vierzehn Monaten über 20 Millionen Mal angeschaut.

Als Siegerin gewann sie eine Preissumme im Wert von umgerechnet rund 100.000 Euro. Aus einem youtube-Kommentar geht hervor, dass sie in diesen Talentwettbewerb einstieg, um Geld aufzutreiben, weil sie einem todkranken Mädchen helfen wollte, was sie dann auch tat. Sie kaufte sich dazu auch ein Haus und gab einen Teil des Geldes an wohltätige Zwecke. Sie leitet eine Bewegung, die sich gegen Abtreibungen einsetzt, und ist auch sonst in vieler Hinsicht aktiv.

Der in dieser Filmaufzeichnung zu sehende Auftritt war Kseniyas großer Durchbruch, mit dem sie das Finale des Talentwettbewerbs erreichte.

Sie zeichnet Szenen aus dem Zweiten Weltkrieg: die Invasion und Besetzung der Ukraine durch Hitlers Armeen. Für die Ukraine war diese Zeit besonders katastrophal: rund 10 Millionen Menschen, ein Viertel der Gesamtbevölkerung, kamen ums Leben. Und nach dem Krieg fielen weitere Millionen von Menschen den Massakern und Aushungerungsmanövern durch Stalin zum Opfer.

Die Sandanimation beginnt mit einer Szene von Frieden und Liebe: ein Liebespaar sitzt auf einer Bank. Dann verdüstert sich die Szene plötzlich, und eine Radiostimme verkündet: »Achtung, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit: Heute, am 22. Juni 1941 um vier Uhr morgens hat die deutsche Armee unsere Grenzen angegriffen. Der Zweite Weltkrieg hat uns erreicht ...« Währenddessen zeichnet Kseniya die Wirren des Krieges. Flugzeuge. Angstverzerrte Gesichter. Bomben. Ein kleiner Junge im Laufgitter. Die Frau bekommt einen Brief von der Front, das Gesicht der jungen Mutter wird zur alten Frau, aber der Brief bleibt. Ihr Mann kam vom Krieg nicht zurück. Sie und ihr Kind gehen zum Grab des unbekannten Soldaten. In der Schlußszene zeichnet Kseniya die junge Mutter mit dem Kind. Der tote Mann erscheint im Fenster, und Kseniya schreibt auf Russisch:


1945

Ты всегда рядом

»Du bist immer bei uns«

 

(Nähere Informationen, auch zur Musik: google »Sand Requiem FAQ«)

 

 

Final-Auftritt Teil 1

 

 

Final-Auftritt Teil 2

 

Kseniya zeichnet in ihrem Final-Auftritt zuerst die Erde, aus der sie eine schwangere Frau werden lässt, dann die glücklichen Eltern mit dem neugeborenen Kind. Der Sohn wächst heran und wird Maler, nimmt sich aber keine Zeit für seine Eltern. Sein alt gewordener Vater liegt im Sterben, die Mutter versucht, den Sohn telefonisch zu erreichen, aber niemand antwortet. Der Vater stirbt. Später sieht die alte Mutter ihren Sohn im Fernsehen. Auch sie stirbt. Erst jetzt, wo es zu spät ist, erinnert sich der Sohn an seine Eltern. Er kniet vor dem Grab. Die Eltern schauen vom Himmel herab. Kseniya schreibt: »Komm nicht zu spät.«

 

Kseniya bei der Preisverkündung

 

 

 

 

Bianca Ryan

Ihr Auftritt bei der ersten Durchführung von »America’s Got Talent« 2006 ist bereits legendär, und auf youtube gehört die Aufzeichnung dieser Sendung insgesamt zu den 100 meistgeschauten Musikvideos:

 

 

Bianca Ryan (geb. 1.9.1994) war damals elf Jahre alt und trat mit dem anspruchsvollen Soul-Lied »And I’m telling you I’m not going« auf. Als sie ankündingte, sie werde dieses Lied singen, reagierte die Jury skeptisch, aber schon nach den ersten Zeilen waren die drei Jury-Mitglieder sprachlos, und das Publikum reagierte mit einem Begeisterungssturm. Sie gewann diese erste amerikanische Talentshow, und bereits im November 2006, kurz nach ihrem zwölften Geburtstag, erschien ihre erste CD. Es folgten Konzerte in den USA und in Europa, und heute gehört sie zu den viel versprechendsten Nachwuchskünstlerinnen der USA. Immer wieder betont sie in Interviews, ihr Hauptanliegen sei es, andere junge Menschen zur Verwirklichung ihrer Talente und ihrer Kreativität zu inspirieren.

 

Bianca Ryan (2006), kurz nach ihrem 12. Geburtstag, live bei der Martha-Stewart-Show. Sie singt das Lied von Bette Midler, »The Rose«.

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