Friday, 22. August 2014
18.03.2010
 
 

»Bild-Zeitung«: Sexueller Missbrauch = »wildes Leben«

Gerhard Wisnewski

Eine Zwölfjahrige lernt bei einer Party einen wesentlich älteren Mann kennen. Der stopft die Kleine mit Tabletten und Alkohol voll und vergeht sich anschließend an ihr. Ein klarer Fall von sexuellem Missbrauch? Nicht doch. So was gehört einfach zum »wilden Leben«, meint die »Bild-Zeitung«. In diesem Fall zum »wilden Leben« der Nina Hagen.

»BILD.de erklärt, woran Sie erkennen können, ob Ihr Kind missbraucht wurde«, verspricht die Website des Trash-Blattes Bild ihrem Publikum am 16. März 2010 und zählt einige Symptome auf, wie verstärktes Reinlichkeitsbedürfnis und Klagen über Kopf- und Bauchschmerzen. Außerdem zögen sich missbrauchte Kinder häufig zurück oder würden früher beliebte Orte meiden. Das war's dann auch schon.

Wenige Stunden später verherrlicht dieselbe Website des »wilde Leben der Nina Hagen« und titelt in knallroten Lettern: »Sex schon mit 12 Jahren, Drogen- und Alkoholexzesse, zwei Abtreibungen, ein Selbstmord-versuch«.

Demnach gehören Sex mit zwölf, Drogen- und Alkoholexzesse, Abtreibungen und Selbstmordversuche schon mal per se zu einem »wilden Leben« dazu, sind also einfach »cool«. Wie der »Sex mit 12« ablief, beschreibt Bild auch:

»Meine beste Freundin und ich waren zu einer Party eingeladen worden«, zitieren die Bild-Schreiberlinge aus Hagens neuer Autobiografie Bekenntnisse: »Die Party fand in einer Ostberliner Laubenpieperkolonie statt. Es gab Zigaretten und Bier, vor allem aber supercoole Leute, die alle ziemlich älter waren als wir. Mit wilden Mähnen tanzten sie sich da die Nacht um die Ohren. Plötzlich kam ER zu dieser Party … Ich fühlte mich merkwürdig stark von ihm an- und später leider auch ausgezogen.«

Der Mann war sogar so »supercool«, dass er der damals Zwölfjährigen »eine Hand voll Pillen« hinhielt.

»Nimm mal eine«, habe er dann gesagt: »Gibt dir einen wahnsinnigen Kick! Du musst ordentlich Bier hinterherkippen.« Plötzlich habe Christian ihr seine Zunge in den Mund gesteckt.

 

»Paradiesvogel« Nina Hagen – typisches Opfer von sexuellem Missbrauch

 

»Der Alkohol- und Dormutilcocktail fuhr mir immer heftiger in den Kopf«, zitiert die Bild-Zeitung Hagen weiter: »Sehr bald lag ich mit Christian auf weichen Unterlagen, vielmehr lag Christian auf mir drauf und machte rätselhafte Dinge mit mir. Ich hatte nicht die geringste Peilung, was das für ein Körperteil war, das sich da zwischen der unteren Verschlungenheit von Nina und Christian breitmachte.«

Klar – denn Nina Hagen war zu diesem Zeitpunkt ein Kind.

Erst recht habe sie keine Ahnung gehabt, »warum er wollte, dass ich doch wenigstens meine Hände nach unten, zu diesem Ding hin, bewegen sollte, und was es mit der mechanischen Bewegung auf sich hatte, die ich daran ausführen sollte. Immer rauf und runter, wie seltsam …«

Nicht im Geringsten sei sie auf den Gedanken gekommen, »dass das Sex sein könnte oder mit Sex zu tun haben könnte«.

Und auch auf einen anderen Gedanken ist bis heute wohl niemand gekommen (zumindest kann man das dieser Passage nicht entnehmen), nämlich, dass es sich bei der »wilden« Sexszene um sexuellen Missbrauch handelte. Wobei einem auch noch weitere Straftatbestände einfallen, wie zum Beispiel Körperverletzung und sexuelle Nötigung. Dormutil ist ein Schlafmittel, das erst ab 18 Jahren gegeben werden darf, und wenn, dann natürlich nicht zusammen mit Alkohol. Denn sonst können Schlafmittel wie K.o.-Tropfen wirken.

Offenbar merken die Bild-Redakteure selber nicht mehr, was sie da eigentlich (be-) schreiben. Was einen auch wieder nicht wundert, ist das Blatt doch selber eine einzige sexuelle Belästigung. Die Website wartet mit Überschriften auf wie: »Sex-Workout: Vorspiel-Training für den Orgasmus«, »Cunnilingus: Auch Frauen ist Oralsex wichtig« oder »So haben beide Spaß beim Oralverkehr«. Kein Zweifel – für diese Ratschläge brauchen wir die Schmier-Finken der Bild-Zeitung. An Kiosken, Tankstellen oder neben dem Micky-Maus-Heft im Supermarkt prangen die Bild-Titten auch Minderjährigen und kleinen Kindern entgegen. Die Bild-Zeitung und sexueller Missbrauch oder zumindest sexuelle Belästigung – das ist so ungefähr, als würde der Wolf über den Schutz der sieben Geislein schreiben. Hier wird noch jedes sexuelle Detail vor einem oft minderjährigen oder kindlichen Millionenpublikum ausgebreitet und gnadenlos vermarktet. Derartige Medien sind zweifellos Teil des Problems und nicht der Lösung. An dem Artikel über Nina Hagen wird das überdeutlich.

Aber nicht nur die Bild-Zeitung, auch Hagen selbst scheint »keine Peilung« zu haben, dass sie Opfer von sexuellem Missbrauch wurde.

Dabei zeigt sie weitere typische Symptome, etwa äußerst direkte sexuelle Auftritte. In der österreichischen Talkshow Club 2 vom 9. August 1979 zeigte sie vor laufender Kamera, wie eine Frau masturbiert. Ihre Tochter Cosma Shiva Hagen präsentierte sich bereits nackt auf einem Anti-Pelz-Plakat. Typisch auch die kindlich retardierte Ausdrucksweise von Nina Hagen: »Ich finde es furchtbar, was diese dicke Frau mit mir macht«, schimpfte Hagen einmal in einer Talkshow auf Jutta Ditfurth: »Jutta Ditfurth ist eine blöde, blöde Kuh. Mit dir werde ich nie wieder reden in der Öffentlichkeit!«

Dazu kommt die total zerrüttete Biografie, die Ehe mit einem heroinsüchtigen Gitarristen, der an Aids starb, die »Punkhochzeit« mit einem 17-Jährigen und die Trennung nach einer Woche und weitere (zum Teil gescheiterte) Beziehungen zu Jahrzehnte jüngeren Männern, deren Mutter sie sein könnte. Ihr bizarres Äußeres dient überdies als Schutz, um sexuelle Anziehungskraft gar nicht erst entstehen zu lassen.

Ist sexueller Missbrauch also der wirkliche Schlüssel zu dem bizarren »Paradiesvogel« Nina Hagen? Dass sexueller Missbrauch vor aller Augen stattfinden kann und es keiner merkt, ist zumindest typisch für diese Gesellschaft. Und leider auch für viele Opfer, die oft nicht in der Lage sind, das, was ihnen zugestoßen ist, richtig zu erkennen und zu benennen.

 

Lesen Sie morgen:

Wie man andere und sich selbst als Missbrauchsopfer erkennen kann.

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