Freitag, 18. August 2017
18.04.2016
 
 

Bilderberg 2016: Soll Merkel in Dresden nun politisch »hingerichtet« werden?

Andreas von Rétyi

Im Umfeld der US-Präsidentschaftswahlen haben sich die Bilderberger in den vergangenen Jahren häufig gerne auf amerikanischem Boden getroffen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und 2016 bildet eine solche Ausnahme. Obwohl die hochkarätige Geheimtagung bereits dreimal hintereinander in Europa stattfand, wird die Konferenz im Juni in Dresden abgehalten. Hat das tiefer liegende Gründe? Welche Signalwirkung könnte von dieser Ortswahl ausgehen?

 

Dass Politiker bis hin zum US-Präsidenten austauschbare Marionetten sind, hat die Geschichte wiederholt gezeigt. Der große Kurs wird anderswo bestimmt. Auch die fast überall so sehnsüchtig herbeigesehnte »Wende« von Bush zu Obama hat das seinerzeit eindrucksvoll belegt. Alte Puppen werden in diesem Kasperletheater durch neue ersetzt und Bilderberg spielt dabei eine entscheidende Rolle. Nun ist wieder US-Wahljahr. Und wieder werden die Puppen getauscht.

 

Die Bilderberg-Geschichte lehrt: Weder die Ortswahl noch die Wahl der Teilnehmer geschieht rein zufällig. Und wenn das diesjährige Treffen trotz der US-Wahlen eben nicht in den USA, sondern in Deutschland stattfindet, dann hat das seine guten Gründe. Schon bald steht die Bundestagswahl an. Angela Merkel will weitermachen. Die Frage ist nur: Lässt man sie? Oder wird sie nun in Dresden von den Bilderbergern abgeschossen?

 

Der harte Kern der Bilderberger manövriert Politiker seit Jahrzehnten nicht nur in hohe Ämter, sondern hat etliche unter ihnen auch abgestraft oder ganz aus dem Rennen geholt. Da wird nach Belieben, und vor allem nach Bedarf, gehandelt. Das belegt ein kurzer Blick zurück. Wie sich schnell zeigt, waren auch viele deutsche Politiker zu Gast bei den Bilderbergern, um bald darauf in ein hohes Amt gewählt zu werden.

 

Kurt Georg Kiesinger beispielsweise nahm erstmals 1955 an der Tagung teil, dann wieder ab 1958, um im selben Jahr Ministerpräsident von Baden-Württemberg zu werden, und schließlich 1966 sogar Bundeskanzler. Helmut Schmidt erhielt unter anderem für 1973 eine Einladung zu den Bilderbergern und war dann von 1974 bis 1982 deutscher Kanzler.

 

Im selben Modus folgte Helmut Kohl, der 1980, 1982 und 1988 an den Treffen teilnahm, um zwischen 1982 und 1998 als »Dauerkanzler« zu dienen. Als er im Juni 1988 an der Bilderberger-Konferenz im österreichischen Telfs-Buchen teilnahm, stand unter anderem eine »Neubewertung der deutschen Frage« auf der Agenda der Geheimtagung! Nur ein Jahr später fiel die Mauer, wobei die Globalisten sich die Wiedervereinigung mit der D-Mark bezahlen ließen – sie hatte Kohl opfern müssen.

 

Er wurde bald zum selbstsicheren »Kanzler der Einheit« und äußerte sich auch verblüffend deutlich gegenüber dem damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush: »Freiheit und Selbstbestimmung sind die Grundwerte, auf denen unser Bündnis beruht. Sie sind auch der Kern der deutschen Frage. Niemand hat das Recht, sie den Deutschen in der DDR zu verwehren.« Fast schienen die Globalisten die Worte vorgefasst zu haben. Und ihre Interessen gingen auch über diejenigen Amerikas hinaus.

 

Nun mag man sich fragen, wie weit der Zusammenhang wirklich reicht und wie es hier mit der Henne und dem Ei aussieht – zwischen Bilderberg-Teilnahme und Politik-Karriere. Eine gewisse Kausalität dürfte der Sache jedenfalls kaum abzusprechen sein ...

 

Allerdings geht es auch umgekehrt. Das beweist der Fall Schröder. Anfang Mai 2005 hatte Gerhard Schröder im bayerischen Rottach-Egern noch die Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz begrüßt, um darauf im November desselben Jahres gleichsam »abgekanzelt« und somit abgelöst zu werden, von Angela Merkel. Schröders Oppositionshaltung im Irak-Krieg war zumindest für die US-Fraktion der Bilderberger untragbar geworden. Die gegen die USA und deren Bestrebungen gerichtete Achse Paris – Berlin – Moskau musste zerschlagen werden.

 

Schröder hatte sich in dieser Hinsicht als unzuverlässiger Freund erwiesen. Immerhin scheint er sich keinerlei Illusionen hingegeben, sondern gleich rechtzeitig vorgesorgt zu haben, da er unmittelbar nach dem Amtswechsel seine Beratungsfunktion für den Schweizer Ringier-Konzern bekanntgab. Dessen Chef Michael Ringier fand sich ebenfalls bereits im Kreis der Bilderberg-Gruppe.

 

Und Angela Merkel?

 

Soll nun sie »abgeschossen« werden? Auf dem Bilderberg-Treffen in Dresden, wie einst Schröder 2005? Hat sie nicht alles richtig gemacht? Kaum. Gerade auch die USA dürften wieder mit so einigem höchst unzufrieden sein. Immerhin konstituiert sich der Lenkungsausschuss von Bilderberg in der Regel zu mehr als 30 Prozent aus US-Amerikanern. Die USA präsentieren eine zunehmend kritische Haltung gegenüber der Türkei, während die Bundeskanzlerin nun sogar ein Schmähgedicht gegen den türkischen Präsidenten Erdoğan zur Staatsaffäre werden lässt und damit der Meinungs- und Redefreiheit an den Karren fährt. Ob das wirklich das richtige »Recept« ist?

 

Keine Frage, das Gedicht war alles andere als geschmackvoll. Das sollte es natürlich auch nicht sein. Aber, muss Angela Merkel tatsächlich den Forderungen Erdoğans nachkommen, so fragen auch US-Medien. Die Washington Post nimmt kein Blatt vor den Mund und erklärt, Merkels »Geschwafel« ermutige auch andere Regime, Kritiker aus dem Ausland mundtot zu machen.

 

Die Frage, wie weit Angela Merkel wirklich Herrin ihres eigenen Handelns ist, stellt sich längst nicht mehr. Aber welche unerwarteten, weitreichenden Abhängigkeiten bestehen hier möglicherweise? Es ist schon bemerkenswert, dass der Chef der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI) die Kanzlerin bereits seit Monaten in der Flüchtlingsfrage berät. Bemerkenswert vor allem, wenn man weiß, dass ESI wesentlich vom Open-Society-Netzwerk des George Soros getragen wird.

 

Noch-Präsident Obama hielt den US-Multimilliardär stets auf Distanz, was Soros nachhaltig verärgerte. Unter den Clintons war das noch ganz anders. Und so unterstützt der 85-jährige Börsenguru auch jetzt Hillary Clintons Wahlkampf tatkräftig, um künftig möglichst wieder mehr Einfluss im Weißen Haus zu gewinnen.

 

Im Juni 1991 war William Jefferson Clinton noch Gouverneur von Arkansas. Damals trafen sich die Bilderberger in Baden-Baden. Bill Clinton war seinerzeit mit von der Partie. Schon im August 1992 wurde er dann zum Präsidenten der USA nominiert. Hatte man ihn gleichsam in Deutschland zum US-Präsidenten bestimmt?

 

Beim Bilderberg-Treffen 2015 in Telfs-Buchen war keiner der aktuellen US-Präsidentschaftskandidaten offiziell dabei. Wie wird es jetzt in Dresden 2016 diesbezüglich aussehen? Eine offizielle Teilnehmerliste liegt noch nicht vor. Wird es ein historisches Treffen an einem historischen Ort – ein Treffen, an dem der nächste US-Präsident gewählt und die aus dem Osten stammende deutsche Kanzlerin wirklich »abgeschossen« wird?

 

Wahrlich viele Fragen. Und alles scheint möglich. Auf ihren Meinungsseiten titelte die New York Times jedenfalls schon im Februar: »The End of the Merkel Era« ‒ »Das Ende der Ära Merkel« und ein NYT-Kolumnist forderte den Rücktritt der Bundeskanzlerin. Unter der Überschrift »Deutschland am Abgrund« erklärte Ross Douthat freiweg, Angela Merkel müsse gehen, »damit Deutschland – und der Kontinent, der es umgibt – nicht einen zu hohen Preis für ihre Dummheit bezahlen muss«. Denn der von ihr gewählte Kurs in der Flüchtlingskrise führe unmittelbar ins Chaos.

 

Ihre Unterstützung Erdoğans in Sachen Böhmermann-Schmähgedicht sei – so wiederum die Washington Post, tatsächlich durch die wichtige Rolle Erdoğans in der europäischen Flüchtlingsfrage bedingt. Sie habe eine diplomatische Krise vereiteln wollen. Doch die große Krise ist schon da.

 

Auch Bilderberg dürfte sicherlich einiges zu Merkel abzuwägen haben, nicht erst seit gestern und nicht erst auf dem bevorstehenden Treffen. Es scheint eine gewünschte Ironie der Geschichte, wenn Bilderberg ausgerechnet in jener Stadt tagt, in der sich der Widerstand gegen die Flüchtlingspolitik mit am deutlichsten manifestierte. Offenbar will man in der ohnehin so geschichtsträchtigen Stadt nunmehr wieder Geschichte schreiben, wenn auch klammheimlich.

 

Vor welchem Hintergrund und mit welchem Symbolcharakter, sei dahingestellt. Friedrich Schiller schrieb für die Freimaurerloge »Zu den drei Schwertern« im Jahr 1785 das Gedicht An die Freude, vertont von Ludwig van Beethoven im letzten Satz seiner 9. Sinfonie. Und die Instrumentalfassung des Hauptthemas findet sich bekanntlich als Hymne der Europäischen Union wieder – siehe dazu auch Brüssel, 1. Juli 2014. Historische »Anklänge« gäbe es in Dresden jedenfalls buchstäblich genug. Doch ob es bei der Hymne bleibt oder ob die Bilderberger der deutschen Kanzlerin nun gleichsam »den Marsch blasen«, dürfte sich relativ bald herausstellen.




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