Friday, 30. September 2016
18.01.2011
 
 

Friedrich Schillers Tod: Sensationelle Entdeckung bestätigt den Mordverdacht (Teil 1)

Armin Risi

Eine verschlüsselte Botschaft von Goethe in seinem Faust II verrät beziehungsweise bestätigt, was schon vielfach geäußert wurde, nämlich dass Friedrich Schiller (1759–1805) ermordet wurde. Den Bericht über diese Entdeckung habe ich exklusiv in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Mysteries veröffentlicht. Hier beim Goethe-Code geht es nicht einfach um eine Theorie, sondern um ein nachprüfbares Indiz. Wir müssen nicht wie beim »Da Vinci Code« auf eine spekulative Weise ein Gemälde interpretieren, sondern können direkt auf Goethes Text zurückgreifen. Die Botschaften, die Goethe (1749–1832) in seinen Faust II eincodierte, insbesondere seine Zeugenaussage zu Schillers Ermordung, waren derart brisant, dass Goethe verfügte, dieses Manuskript dürfe erst nach seinem Tod veröffentlicht werden. Im folgenden Artikel, der in zwei Teilen veröffentlicht wird, möchte ich auf die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit dieser Entdeckung und dem dadurch bestätigten Mordverdacht eingehen.

»1805: Schiller stirbt. Insider wissen: Es war ein Giftmord, und Goethe ist – indirekt – darin verwickelt. 1830: Der alte Goethe versteckt seine Zeugenaussage im Faust II – als Flaschenpost für die Zukunft. Und als literarische Zeitbombe. Erst jetzt, 180 Jahre später, wurde diese brisante Botschaft entdeckt und entschlüsselt (vom Autor dieses Artikels). Eine explosive Sensation. Exklusiv in MysteriesMit diesen Zeilen beginnt mein Artikel in der aktuellen Ausgabe der zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift Mysteries (1/2011; erhältlich an jedem größeren Kiosk und auch über den Kopp-Versand), Überschrift: »Geheimcode in Goethes Faust enthüllt: Schiller wurde ermordet!«

Wenn es stimmt, dass eine der größten Persönlichkeiten der Weltliteratur ermordet wurde und dies vertuscht werden konnte, dann ist dies von hoher historischer und aktueller Brisanz.

Im vorliegenden ersten Teil des Artikels geht es um Goethes verschlüsselte Botschaft und um die Fragen bezüglich der offiziellen Darstellung von Schillers Tod. Thema des zweiten Teils sind die Fragen nach den Gründen und Hintergründen der mutmaßlichen Ermordung Schillers.

 

Frage 1: Worin besteht Goethes codierte Botschaft im Faust II, und was besagt sie?

Der Code besteht darin, dass man die Buchstaben der betreffenden Zeilen umstellen kann und dass dadurch eine zweite, verborgene Aussage zum Vorschein kommt. Goethe hat hintereinander fünf Zeilen auf diese Weise konstruiert. Goethe bestätigt dort, dass Schiller ermordet wurde, er nennt sogar den Namen des Giftes und den Namen des Drahtziehers. Ebenso erwähnt er ein makabres Detail zu Schillers Leichnam. In den ersten vier Zeilen codierte er zweimal den Namen »Schiller« ein, und in der fünften Zeile findet sich Goethes eigener Name, quasi als Unterschrift. Die vollständige Herleitung und Schritt-für-Schritt-Entschlüsselung mit allen grundlegenden Hintergrundinformationen habe ich in meinem Artikel in Mysteries (1/2011) dargelegt.

 

Frage 2: Sind diese Buchstabenkombinationen nicht einfach Zufall? Könnte man in denselben Zeilen nicht auch ganz andere Wortkombinationen finden?

»Zufall« ist der einzige Einwand gegen die verschlüsselte Zweitbedeutung dieser Zeilen, denn dass die zweite Bedeutung in Goethes Originalzeilen vorhanden ist, kann jeder selbst nachprüfen. Die Behauptung, man könne die Buchstaben der besagten Zeilen auch noch zu anderen Wortkombinationen umformulieren, stimmt nicht. Die Buchstabenkombinationen lassen sich nicht willkürlich zurechtbiegen. Wer das meint, darf folgendes Experiment durchführen: Lesen Sie meine Entschlüsselung der besagten fünf Goethe-Zeilen durch und versuchen Sie dann, die jeweilige Wortkombination selbst herauszufinden. Sie werden sogleich sehen, wie oft Sie sich verrennen, und vor allem werden Sie sehen, dass diese verschiedenen Anläufe zu keinem sinnvollen Satz führen. Die Bedingung ist, dass Sie alle Buchstaben verwenden, es dürfen keine Buchstaben übrigbleiben, kein einziger! Sie werden sehen: Diese Zeilen führen zu keiner anderen sinnvollen Zweitbedeutung außer zu diesen versteckten Aussagen zu Schillers Tod.

Wir haben hier also fünf aufeinanderfolgende Zeilen, die sich alle umformulieren lassen und die in dieser versteckten Bedeutung alle etwas zu Schillers Tod sagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in fünf Zeilen hintereinander nur durch Zufall der Fall ist, ist praktisch gleich null. Dazu kommt, dass die fünfte Zeile sogar, wie als Unterschrift, Goethes Namen enthält. In den nachfolgenden Zeilen lassen sich keine sinnvollen Zweitbedeutungen mehr finden. Warum? Weil Goethe dort nichts mehr konstruiert hat.

Ein weiterer Beweis dafür, dass Goethe eine Botschaft verschlüsselt hat, ist der Ort, wo er diese fünf Zeilen versteckte, nämlich im zweiten Akt an einer Stelle, die im Original bereits eine Mordanklage enthält, vorgetragen durch »Die Kraniche des Ibykus«! Man braucht kein großer Kenner der deutschen Literatur zu sein, um zu wissen, dass dies der Titel eines der berühmtesten Schiller-Gedichte ist. Durch die Nennung der »Kraniche des Ibykus« erinnert Goethe jeden Leser sogleich an Schiller, und genau dort hat er die verborgene Schiller-Botschaft versteckt! Fünf Zeilen hintereinander, die allesamt verschiedene Informationsteile zu Schillers Tod enthalten, und dann auch noch an einer Stelle, die direkt auf Schiller hinweist, das ist kein Zufall. Und mehr noch: Was ist der zentrale Inhalt von Schillers Gedicht »Die Kraniche des Ibykus«? Die Ermordung eines Dichters!

 

Frage 3: Besteht ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen Schillers Ballade »Die Kraniche des Ibykus« und dem, was Goethe in seinen »Kranichen des Ibykus« geschrieben hat?

Geschrieben hat Schiller seine berühmte Ballade »Die Kraniche des Ibykus« im Jahr 1797. Goethe schrieb seine »Kraniche des Ibykus« um 1830. Es ist also anzunehmen, dass er Punkte von Schillers Gedicht aufgriff, vor allem weil er dort ja auch seine verschlüsselte Botschaft versteckte.

Schiller hingegen konnte 1797 als 38-Jähriger nicht wissen, dass er acht Jahre später durch Gift ermordet wird. Deswegen brauchen wir in seinen Zeilen nicht nach verborgenen Hinweisen auf seinen Tod zu suchen. Goethe jedoch hat nach alledem, was geschehen ist, Schillers »Kraniche des Ibykus« mit ganz anderen Augen gelesen. Bei Schiller wird der Dichter Ibykus von zwei Mördern in einem Wald überfallen und getötet. Schiller schrieb:

 

Er ruft die Menschen an, die Götter,

Sein Flehen dringt zu keinem Retter […]


Und schwer getroffen sinkt er nieder,

Da rauscht der Kraniche Gefieder;

Er hört, schon kann er nicht mehr sehn,

Die nahen Stimmen furchtbar krähn.

»Von euch ihr Kraniche dort oben,

Wenn keine andre Stimme spricht,

Sei meines Mordes Klag’ erhoben!«

Er ruft es, und sein Auge bricht.

 

Der letzte Wunsch des ermordeten Dichters war also, dass die Kraniche eine Mordklage erheben. Und genau diesen Punkt griff Goethe auf. Seine Kraniche in Faust II erheben eine furchtbare Mordklage und Mordanklage:

 

DIE KRANICHE DES IBYKUS:

Mordgeschrei und Sterbeklagen!

Aengstlich Flügelflatterschlagen!

Welch ein Aechzen, welch Gestöhn

Dringt herauf zu unsern Höhn!

Alle sind sie schon ertödtet,

See von ihrem Blut geröthet;

Mißgestaltete Begierde

Raubt des Reihers edle Zierde.

Weht sie doch schon auf dem Helme

Dieser Fettbauch-Krummbein-Schelme.

Ihr Genossen unsres Heeres,

Reihenwanderer des Meeres,

Euch berufen wir zur Rache

In so nahverwandter Sache.

Keiner spare Kraft und Blut,

Ewige Feindschaft dieser Brut!

 

Der alte Goethe schwört durch seine Kraniche »ewige Feindschaft dieser Brut«, und er ließ sie – in verborgener Form – die Klage und Anklage zu Schillers Ermordung erheben. Goethe verkündet auf diese Weise, dass Schiller ermordet wurde – und von wem.

 

Frage 4: Wie können wir von einem vertuschten Mord ausgehen? Die Lexikontexte und Biografen betonen alle, Schiller sei schon lange totkrank gewesen und man müsse froh sein, dass Schiller überhaupt sein 46. Lebensjahr erreicht habe.

Wenn wir die Biografie Schillers sachlich betrachten, erkennen wir, dass die Behauptung, Schiller sei schon lange totkrank gewesen, erst nach seinem Tod in die Welt gesetzt wurde, und zwar bereits am Tag nach seinem plötzlichen Tod. Schiller starb am 9. Mai 1805. Schillers Leibarzt war abwesend, und es war sicher kein Zufall, dass dem Dichterfürst gerade zu dieser Zeit das Gift verabreicht wurde. Aufgrund der Abwesenheit des Leibarztes konnte der herzogliche Arzt, Dr. Huschke, bei Schiller erscheinen, als dieser nach der ersten Giftportion ums Leben ringend darniederlag. In meinem Mysteries-Artikel zitiere ich den Augenzeugenbericht von Schillers Schwägerin Karoline von Wolzogen, die damals in Schillers Haus anwesend war. Sie beschreibt, wie Dr. Huschke Schiller ein Glas Champagner gab, und sie betont, dass dies Schillers »letzter Trunk« war. Schillers Frau und Familie wurden nach Schillers Tod sogleich aus dem Haus geschickt, und am Tag danach vollzog Dr. Huschke eine Obduktion. Schillers Frau hatte dazu weder einen Auftrag noch eine Einwilligung gegeben, und es lag auch kein Grund zu einer Obduktion vor. Offiziell war Schiller ja eines natürlichen Todes gestorben! Und Obduktionen werden normalerweise in einem Spital oder an einem gerichtsmedizinischen Ort durchgeführt. Dr. Huschke führte jedoch »husch-husch« eine Obduktion in Schillers Haus (!) durch – mit nur einem Assistenten –, und die beiden beeilten sich danach zu verkünden, was die (angebliche) Obduktion gezeigt habe: Schillers Organe seien angegriffen und zerfallen, zum Teil sogar schon aufgelöst gewesen. Der Schlüsselsatz lautete, und er widerhallt bis zum heutigen Tage in den meisten Schiller-Biografien: Es sei ein Wunder, dass Schiller überhaupt »so lange« gelebt habe!

Am 19. Mai schrieb Dr. Huschke einen Obduktionsbericht an seinen Chef, Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Dieser Bericht ist derart voll von Übertreibungen (aufgelöste Nieren, faule Lunge in breiartigem Zustand, Herz nur noch ein »leerer Beutel« ohne Muskelsubstanz usw.), dass kein Zweifel besteht: Dieser Bericht war fiktiv und diente nur der Vertuschung der wirklichen Todesursache. Die Schiller-Biografen verhalten sich hier erstaunlich: Ein absurder Obduktionsbericht wird kritiklos geglaubt und sogar verteidigt, und substanzielle Verdachtpunkte, die auf eine Ermordung hinweisen, werden pauschal abgelehnt und nicht einmal im Ansatz in Betracht gezogen. Den Mordindizien gegenüber sind sie blind kritisch und ablehnend, dem dubiosen Obduktionsbericht gegenüber sind sie blind kritiklos und gläubig.

 

Frage 5: Was lässt sich zusammenfassend zu Schillers Gesundheit sagen? Es ist doch eine biografische Tatsache, dass er mehrfach schwer erkrankte. Es liegen nicht wenige Briefe vor, in denen er klagt, wie krank er sei.

Alle Portraits, die während Schillers Lebenszeit entstanden sind, zeigen einen energievollen, dynamischen Mann. Diese Darstellungen waren nicht idealisierend, sondern naturgetreu. Schiller hatte eine starke gesundheitliche Konstitution und nahm gerade deshalb nur wenig Rücksicht auf seine Gesundheit und arbeitete oft über Wochen hinweg die Nächte hindurch, bis es ihn irgendwann einmal wieder gesundheitlich »erwischte«. Wenn er darniederlag, hat er natürlich gejammert, er sei krank, könne nicht arbeiten und komme zu nichts. Das geht aus seinen Briefen hervor, die man jedoch nicht falsch auslegen sollte, das heißt: nicht gemäß der Theorie, die erst nach Schillers Tod in die Welt gesetzt wurde. Sogar in den Tagen vor seinem Tod hoffte Schillers Frau Charlotte, dass er sich wieder, wie schon so oft, erholen würde, und vertraute auch zu diesem Zeitpunkt auf Schillers starkes Wesen.

Wäre Schiller schon seit Jahren dahinsiechend und dem Tod geweiht gewesen, hätte er als Ehemann, als Vater von vier Kindern und als Hausbesitzer ein Testament aufgesetzt oder sonstwie letzte Verfügungen hinterlassen, vor allem auch hinsichtlich eines Familiengrabs. Er hat aber nichts von alledem getan. Sein Tod kam für alle überraschend.

 

Frage 6: Wie zeigt sich Schillers Gesundheitszustand im Verlauf seines Lebens?

Als Dreizehnjähriger wurde Schiller in die herzogliche Militärakademie eingezogen, wo er für sieben Jahre ohne Urlaub einem rigiden Drill unterworfen war. Ein schwächlicher Jüngling hätte dies nicht durchgestanden. Schiller jedoch hielt durch und schloss seine medizinische Ausbildung mit einer Dissertation ab. Zusätzlich schrieb er während dieser Zeit Gedichte und die ersten Fassungen seines Bühnenstücks Die Räuber. 1780 wurde er Regimentsarzt. Als der Herzog von Stuttgart dem jungen rebellischen Schiller jegliche literarische Arbeit verbot und bei einer Zuwiderhandlung mit einer Festungshaft drohte, floh Schiller im September 1782 nach Mannheim. Im September 1783 erkrankte er in Mannheim an Malaria (damals im sumpfigen Rheintal keine unübliche Krankheit) und überlebte dank seiner starken Konstitution. Die Literaturgeschichtsschreiber, die der Darstellung glauben, die nach Schillers Tod von Dr. Huschke verbreitet wurde, sehen zum Teil bereits hier, 1782/83, den Beginn von Schillers Tod. So heißt es im Buch Deutsche Literatur von Walter Clauss, das jahrzehntelang (1943 bis 1970) ein Standardwerk war: »Es war eine Herausforderung des Schicksals, die Schiller teuer hat bezahlen müssen: ein jahrelanges Ringen um die nackte Existenz, bittere Entbehrungen und der unwiederbringliche Verlust seiner Gesundheit waren der Preis für die gewonnene Freiheit.«

Wie bereits gesagt: Wegen seiner robusten Veranlagung nahm er keine große Rücksicht auf seine Gesundheit und zog sich deshalb des öfteren Fieber, Erkältungen und andere Krankheiten zu. Aber er erholte sich jeweils relativ schnell. 1791 folgte die häufig zitierte Lungenentzündung, die heute

Schiller auf dem Totenbett (Kupferstich nach der Zeichnung von Ferdinand Jagemann, 10. Mai 1805)

meistens als Grund genannt wird, warum Schiller immer totkranker geworden sei. 1793/94 sehen wir Schiller jedoch mit seiner Frau Charlotte (sie hatten 1790 geheiratet) auf Reisen in seiner schwäbischen Heimat. Der sterbende Herzog war nicht mehr an der Macht, und Schiller, obwohl finanziell immer noch um seine Existenz ringend, genoss als Dicher bereits einen beträchtlichen Erfolg und Ruhm. Sein Schwabenurlaub wurde ihm von adligen Verehrern seiner Dichtung ermöglicht, die ihn über drei Jahre hinweg mit einem jährlichen Betrag von 1.000 Talern sponsorten.

Im Winter 1795/96 lag er dann wieder für einige Monate im Bett. Im November 1804 holte er sich bei einem Hoffest einen starken Katarrh, unter dem er bis in den Februar 1805 litt. Wir sehen also: Schiller war nicht ständig krank und schon gar nicht totkrank.

Schiller war ein leidenschaftlicher Schriftsteller. Wenn er über seinen Arbeiten saß, vergaß er sich und seine Gesundheit und verließ die Wohnung manchmal während mehrerer Wochen fast nie – vor allem in seinen Jena- und Weimar-Jahren. Dazu rauchte er, ernährte sich ungesund und bewegte sich zu wenig, was zu Verstopfungen und Darmkoliken führte und ihn für Krankheiten anfällig machte. Modern ausgedrückt: Schiller war ein Workoholic. Wann immer er jedoch zu einer gesunden Lebensweise fand, war er schnell bei Kräften, so 1788/89, als er außerhalb von Rudolstadt wohnte und des Öfteren weite Spaziergänge unternahm. 1792, nach seiner Lungenentzündung, lebte er im Sommer am Stadtrand von Jena in der Natur und fand so wieder zu seiner Gesundheit zurück. 1793/94 begab er sich, wie bereits erwähnt, mit seiner Frau Charlotte für drei Vierteljahre in seine schwäbische Heimat, wo er zahlreiche Reisen unternahm und den Berichten zufolge bei bester Gesundheit war.

 

Frage 7: Wie war Schillers Gesundheit in den Jahren bis 1805?

Schiller hatte vier gesunde Kinder, zwei Söhne (geb. 1793 und 1796) und zwei Töchter (geb. 1799 und 1804). Als er am 9. Mai 1805 starb, war seine jüngste Tochter noch kein Jahr alt.

In den Monaten Mai bis Juli 1804 reiste er mit seinen zwei Söhnen nach Berlin und Potsdam, wo er einen vollen Terminkalender hatte: viele persönliche Begegnungen, auch auf Schloss Sanssouci und Schloss Charlottenburg, Veranstaltungen zu seinen Ehren, Theaterbesuche usw. Gleichzeitig tätigte er Abklärungen, weil er plante, mit seiner Familie nach Berlin zu ziehen. Königin Luise hatte Schiller eingeladen, Prinzenerzieher am Preußischen Königshof zu werden, und wollte seine Tätigkeit auch andersweitig fördern. Schiller wollte dieses Angebot annehmen, zumal er sich in Weimar nicht mehr wohl fühlte. Der Besuch in Berlin zeigt, dass Schiller im Jahr 1804 voller Pläne war. Er war offensichtlich nicht dem Tod geweiht, zumindest nicht aus der Sicht seiner Gesundheit …

Als Schiller von seiner Berlin-Reise nach Weimar zurückkehrte, befielen ihn plötzlich Darmkrämpfe, die vier Tage lang anhielten, ihn aber noch für zwei Monate sehr schwächten. Schiller wollte aus Weimar wegziehen, nicht zuletzt auch, um sich dem Einflussbereich von Herzog Carl August und der dortigen Logenkreise zu entziehen. Carl August war, wie Goethe, Mitglied der Freimaurer und des Illuminatenkreises. Schiller jedoch gehörte zu keiner dieser Organisationen. Seinen zehnten Brief zu Don Carlos beginnt er mit der klaren Feststellung: »Ich bin weder Illuminat noch Maurer.« Schiller war kein Gegner dieser Geheimbünde, er war ein kritischer Beobachter, der einerseits ihre hohen Ideale und ihren guten Kern wertschätzte, andererseits aber auch ihre dunklen Seiten erkannte und kritisierte. (Mehr hierüber in Teil 2.) Dass Schiller gleich nach seiner Rückkehr nach Weimar plötzlich von seltsamen Krämpfen heimgesucht wurde, lässt angesichts dessen, was wir heute wissen, den Verdacht entstehen, dass bereits damals (im Sommer 1804) ein erster Vergiftungsversuch stattgefunden hat.

 

Frage 8: Im Wikipedia-Eintrag zu Schiller steht Folgendes: »Eine Zeitung verbreitete wenige Monate vor Schillers Tod die Falschmeldung, er sei tot.« Ist das nicht ein Zeichen, dass Schiller damals totkrank war und man jeden Moment erwartete, er würde sterben?

Das ist eine Interpretation auf der Grundlage der späteren Fehldarstellung. Im Mysteries-Artikel lege ich dar, dass Schiller im April 1805 wieder voll aktiv war. Er schrieb an seinem neuen Theaterstück Demetrius und ging wöchentlich dreimal in das Theater, weil er dort beruflich zu tun hatte. Am 28. April nahm er an einem Hoffest teil. Es besteht der Verdacht, dass ihm dort die erste Portion Gift »serviert« wurde. Schiller fühlte sich nach diesem Fest unwohl, ging aber am 1. Mai ins Theater zu einer Aufführung. Gegen Ende dieses Theaterabends brachen bei ihm Krämpfe und Schüttelfrost aus. Schillers Leibarzt war damals für einige Wochen abwesend, und der 1. Mai ist bekanntlich, wie auch in Wikipedia nachzulesen ist, der Gründungstag von Adam Weishaupts Geheimbund der »Illuminaten« (1776). Weishaupt war 1805 im Hintergrund sehr aktiv. Er starb erst 1830, zwei Jahre vor Goethe. Dass damals eine einzige Zeitung eine Falschmeldung über Schillers Tod veröffentlichte, sieht eher nach einer ritualhaften Ankündigung aus, die – falls diese Vermutung stimmt – von einem Chefredakteur veranlasst wurde, der offensichtlich zu den genannten Kreisen gehörte.

Wie wir heute aus Goethes verschlüsselter Botschaft wissen, war Schillers Ermordung damals bereits eine beschlossene Sache, ein »Fluch«, wie er es nennt. Nicht nur eine Zeitung kündete Schillers Tod an, auch Goethe selbst hatte Vorahnungen oder geheimes Vorwissen. In den Briefen von Heinrich Voss ist zu lesen, dass Goethe am Neujahrstag 1805 eine Glückwunschkarte an Schiller schreiben wollte, diese aber zerriss und eine zweite schrieb, weil er beim ersten Mal versehentlich »der letzte Neujahrstag« geschrieben hatte. Am gleichen Tag erzählte Goethe Frau von Stein von diesem Vorfall und soll dabei gesagt haben, er ahne, dass er oder Schiller in diesem Jahr sterben werde. War dies Präkognition oder ein als Vorahnung getarntes Vorwissen? In diesem Zusammenhang bekommt auch die ominöse Zeitungsmeldung einen anderen Stellenwert.

 

Fast eine Anekdote ...

Ein weiteres Beispiel für eine ominöse Aussage fand ich im Magazin P.M. History vom November 2004. In dieser Ausgabe war die Streitfrage um die Echtheit des Schiller-Schädels das Titelthema. (In der Fürstengruft von Weimar liegen zwei Schillersärge mit zwei Skeletten und zwei Schädeln. Heute wissen wir, dass beide Skelette und auch beide Schädel nicht von Schiller stammen.) In diesem P.M.-Artikel wurde auch die Mordfrage erwähnt, aber im gewohnten Stil lächerlich gemacht. Auf S. 70/71 wurde eine Computeranalyse von Schillers Horoskop eingefügt. Darin steht erstaunlicherweise Folgendes: »Im Horoskop finden wir einen Spannungsaspekt zwischen seiner Sonne (= Körper) und dem Planeten Neptun (= Schwäche, Vergiftung). Der Neptun als Planet der diffusen Illusionen hat seinen Idealismus zweifellos noch erhöht. Doch konnte sich Schiller seinetwegen seiner Feinde nicht erwehren.« Sogleich wird hinzugefügt, diese »Feinde« seien winzige »Eindringlinge« gewesen, also die Bakterien der Lungenentzündung von 1791! – Wenn man sich nicht von den »diffusen Illusionen« des Neptun täuschen lässt, so könnte man die Stichwörter Feinde und Vergiftung auch anders interpretieren ...

 

 

 


 

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