Saturday, 2. July 2016
13.11.2011
 
 

Demografische Krise? Über die politische Abschaffung von Ehe und Familie

Birgit Kelle

Die gute Nachricht vorweg: Über drei Viertel aller Kinder in Europa wachsen bei ihren verheirateten Eltern auf. Damit dürfte wieder einmal mit dem Bild aufgeräumt worden sein, dass die traditionelle Familie aus Vater-Mutter-Kind(ern) keine Zukunft hat. Die schlechte Nachricht: Auch weiterhin ist nicht zu erwarten, dass sich die Politik mit dem realen Bild von Familie beschäftigt und somit das dominierende gesellschaftliche Familienmodell unterstützt. Stattdessen arbeiten die Politiker/innen in Deutschland massiv daran, genau dieses Bild nachhaltig zu zerstören. Nach wie vor befindet sich die Familie in der öffentlichen Wahrnehmung in der Krise und in Auflösung. Und anstatt anzuerkennen und zu unterstützen, dass in diesen Familien die Zukunft der Europäischen Union liegt, genießen Patchwork-Konstellationen, Homo-Ehe und Alleinerziehende die größere öffentliche Wahrnehmung.

Bei einem Blick quer durch die Familienserien und -Filme im täglichen Fernsehprogramm könnte man meinen, es gibt die normale Familie gar nicht mehr. Patchwork, soweit das Auge reicht, verlassene Frauen und Männer sowie Wohngemeinschaften mit wechselnder Besetzung bestimmen die Szenerie. Wie die neuesten Zahlen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, jetzt zeigen, gehören Kinder und Ehe nach wie vor untrennbar zusammen. Demnach lebten im Jahr 2008 73,8 Prozent der Kinder unter 18 Jahren in der EU mit verheirateten Eltern zusammen.

Weitere 11, 5 Prozent lebten ebenfalls mit ihren Eltern, die aber nicht verheiratet waren, zusammen und nur eins von sieben Kindern lebte in einem Einelternhaushalt.

Für Deutschland sind diese Zahlen leicht verschoben. Hier leben mit 77,6 Prozent sogar überdurchschnittlich mehr Kinder mit verheirateten Eltern, 6,6 Prozent mit  unverheirateten Eltern und 15,1 Prozent mit nur einem Elternteil zusammen. Man könnte also sagen: Wer heiratet, bekommt mit hoher Wahrscheinlichkeit Kinder, die Ehe ist kein Auslaufmodell, sondern vermutlich die Rettung im demografischen Niedergang. Dementsprechend müsste die Politik alles daran setzen, die Menschen zum Heiraten zu bewegen.

Schon im Jahr 2008 hatte Professor Hans Bertram, Mikrosoziologe an der Humboldt-Universität in Berlin, in einer Expertise für das Kompetenzzentrum für familienbezogene Leistungen im Bundesfamilienministerium aufgeschlüsselt, dass die Ehe und Ehedauer die Geburtenrate erhöhen. So heißt es in seinem Bericht: »Die Lebensform mit langer Ehedauer, nämlich mehr als zwölf Jahren, und der Entscheidung als Hausfrau und Mutter zu leben, führt mit 2,2 Kindern zu dem demografisch notwendigen Reproduktionsniveau.«

Bei einer Teilzeiterwerbstätigkeit der Ehefrau und ähnlich langer Ehedauer hält sich das Geburtenniveau immer noch bei 1,8 Kindern pro Frau. Weiter heißt es bei Bertram: »Auch bei der Analyse der anderen Lebensformen im Zusammenhang von Arbeit und Einkommen spielt die Ehedauer eine relativ große Rolle in Bezug auf die Zahl der Kinder. Ist man unverheiratet und verfügt über ein geringes Haushaltseinkommen, ist die Kinderzahl relativ klein. In der gleichen ökonomischen Situation steigt die Kinderzahl bei verheirateten Paaren bei den 37- bis 43- jährigen Frauen von 0,5 auf 1,36 Kinder. Diese wenigen Zahlen machen auch deutlich, dass nicht die ökonomische Förderung der Ehe die Eheschließung beeinflusst, sondern vielmehr die gemeinsame Lebensvorstellung des Paares, sich für Kinder zu entscheiden. Denn unabhängig von der Höhe des Einkommens haben diejenigen, die verheiratet sind, viel mehr Kinder als die Nicht-Verheirateten.«

Da das Familienministerium diese Arbeit selbst in Auftrag gegeben hat, muss man davon ausgehen, dass man dort den Zusammenhang zwischen Ehe und Kinderzahl schon lange kennt.

Dennoch ist man mehr mit der Demontage denn mit der Stützung der Ehe beschäftigt. Das fängt schon verbal an und setzt sich in der Gesetzgebung fort. Nicht nur in den Schriften des Familienministeriums, sondern auch in den meisten Veröffentlichungen der Medien wird die traditionelle Familie aus Vater-Mutter-Kind als überholt dargestellt. Da ist viel von »tradierten« Rollenvorstellungen die Rede und dass diese »überwunden« werden müssten. Die Regierung überschlägt sich förmlich damit, neue Lebensformen – egal in welcher Konstellation – in ihre Politik zu integrieren. Man will fortschrittlich sein, um Himmels willen niemanden außen vor lassen und mit der Zeit gehen. An diesem Punkt stellt sich die Frage nach dem Ei und dem Huhn. Was war zuerst da: Der Abgesang auf die Familie oder deren tatsächlicher Niedergang?

In der Gesetzgebung hat zumindest in Deutschland vor allem die Reform der Unterhaltsgesetzgebung aus dem Jahr 2010 massiv dazu beigetragen, den Status der Familie als Versorgungseinheit und somit als Sicherheitsgarant ins Wanken zu bringen. Denn die Versorgungsgemeinschaft einer Familie, die unter Umständen auch dann noch weiter hält, wenn die Familie auseinander bricht, wurde abgeschafft. Der Staat sieht die Familie nicht mehr als Gemeinschaft an, die gemeinsam durch dick und dünn geht, sondern als Ansammlung von Individuen auf Zeit, die jederzeit aus ihrer Verantwortung ausscheiden können, sich selbst der Nächste sind und die anderen Familienmitglieder sich selbst überlassen können.

Gerade Frauen, die bislang in der Familie die traditionelle Rolle einnahmen und die Kinder erzogen, während der Mann das Haupteinkommen verdiente, sind seit dieser Reform nicht mehr geschützt, sollte der Mann sich aus der Verantwortung stehlen. Nun kann man sagen, gut, eine Frau, die heute heiratet, weiß, dass sie möglicherweise finanziell im Regen steht, wenn die Ehe scheitert und sie sich auf die Kindererziehung konzentriert hat, anstatt an der Karriere zu arbeiten. Doch das Gesetz gilt nicht nur für neu geschlossene Ehen, sondern auch rückwirkend für alle Ehen. Also auch für diejenigen Frauen, die seit 20, 30 oder mehr Jahren verheiratet sind und damals unter ganz anderen gesetzlichen Voraussetzungen und Versorgungsansprüchen geheiratet haben.

Auch die immer wieder neu entfachten Diskussionen über das Für und Wider eines Ehegattensplittings weisen in die gleiche Richtung: Man will die Ehe nicht weiter privilegieren. Zahlreichen Politikern ist sie ein Dorn im Auge. Steht sie doch explizit für eine christlich-konservative Lebensform und das ist einfach nicht sexy, sondern gilt als verstaubt. Auch hier ignoriert man völlig, dass in sämtlichen Umfragen wie etwa der Shell-Jugendstudie, Heiraten und Kinderkriegen auf der Wunschliste der jungen Menschen ganz oben steht.

Die Verfechter von nichtehelichen Gemeinschaften sehen sich durch die Existenz der Ehe ebenfalls benachteiligt. Sie wollen rechtlich die gleichen Privilegien, aber nicht die gleichen Pflichten. Inzwischen ist man an dieser Front dazu übergegangen, die Ehe als Institution auszuhöhlen. Frei nach dem Motto: Was wir nicht abschaffen können, machen wir substanzlos. Denn wenn eine eingetragene Partnerschaft oder eine nichteheliche Gemeinschaft die gleichen Rechte bekommt bis hin zu Steuersplitting und Versorgungsansprüchen, dann ist die Ehe zwar nicht abgeschafft, aber sie hat ihre Alleinstellungsmerkmale verloren.

Nur die Kinderzahlen halten in diesem Szenario nicht mit. Denn man kann zwar jährlich neue Lebensformen gründen und sich ständig neu erfinden – Kinder benötigen jedoch stabile Verhältnisse. Da Zahlen ja bekanntlich nicht lügen und die meisten Kinder, in Deutschland immerhin 77 Prozent, in einer Ehe von Mutter und Vater leben, wäre es doch das Nächstliegende, endlich die Ehe zu unterstützen. Die Geburtenrate ist oft Gradmesser einer geglückten oder gescheiterten Familienpolitik. Zumindest vordergründig tut die Politik alles, um die Zahl der Kinder im Land zu erhöhen und erreicht doch damit gerade in Deutschland nahezu nichts, sondern vielmehr das genaue Gegenteil. Die Geburtenrate steigt bei uns keineswegs, sondern sie sinkt. Und damit stellt sich die Frage, ob die Politik eventuell auf das falsche Pferd setzt, wenn sie die Gleichmacherei zwischen den verschiedenen Lebensformen fördert?

Denn eine Ehe gibt – allen Scheidungszahlen zum Trotz – Sicherheit für die Zukunft. Ob ich Kinder bekomme, hängt im Wesentlichen davon ab, ob ich einen Partner habe und ob er mir das Gefühl vermittelt, auch in Zukunft an meiner Seite zu stehen. Ein Eheversprechen ist nicht immer eine Garantie fürs ganze Leben, aber ein schöner Ausblick, verbunden mit Hoffnung auf die Zukunft.

 

 


 

 

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