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Frauen sollen arbeiten, so viel wie möglich. Das kann man als Unternehmer natürlich so sehen, es hat aber nichts mit dem Wohl oder gar dem Willen von Familien und Kindern zu tun. Natürlich spart man trotzdem nicht mit bildungspolitischen Allgemeinplätzen wie: »Das Betreuungsgeld könnte dazu führen, dass gerade Familien aus bildungsfernen Schichten die Möglichkeiten einer Kinderbetreuung und damit einen ersten Baustein frühkindlicher Bildung nicht in Anspruch nehmen«, so der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans
Heinrich Driftmann. Ins gleiche Horn bläst sein Kollege Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Handwerks in Deutschland, der ebenfalls lieber Kitaplätze sehen will. Denn, so Kentzler, ausreichende Krippen- und Kitaplätze seien für weibliche Fach- und Führungskräfte unabdingbar, um Familie und Beruf vereinbaren zu können.
Dritter im Bunde ist der sogenannte Wirtschaftsweise und Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph M. Schmidt. Er warnt sogar, es dürfe keine Anreize dafür geben, »dass Mütter keine Erwerbstätigkeit aufnehmen«. Zudem sei nicht ausgeschlossen, dass mit dem Betreuungsgeld »einzelne Eltern dazu angeregt werden, ihren Kindern öffentliche Betreuung vorzuenthalten«. Ein Skandal, man stelle sich mal vor, Eltern verweigerten vorsätzlich die Kinderkrippe für Einjährige!
Ebenfalls mit in der Runde, Thomas Staubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Er kritisiert, ein Betreuungsgeld sende in mehrfacher Hinsicht die falschen Signale aus und hebele »den mühsam errungenen Verdienst des Elterngeldes aus, Mütter zu einer etwas zügigeren Rückkehr in das Erwerbsleben zu bewegen«. Bleibt zuletzt noch Gert Wagner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, dem offenbar die »Hausfrauenehe« ein größerer Dorn im Auge ist und der diese nicht noch weiter als sowieso schon zu viel unterstützt haben möchte.
Es ist fast rührend zu sehen, welche Sorgen sich die Herren der Wirtschaft um die Bildung unserer Kinder machen. Schade nur, dass sie alle Forschungsergebnisse der Bindungs- und Gehirnforschung zu dem Thema nicht gelesen haben, sonst wüssten sie, dass nur ein Kind, das in einer emotional stabilen Umgebung aufwachsen darf, überhaupt die Fähigkeit zu guter Bildung entwickeln kann. Und dafür braucht es in allererster Linie seine Eltern.
Nun gut, nicht jeder hat so viel Zeit zum Lesen, aber die eigenen Erfahrungen gerade der Unternehmer und ihrer Verbände müsste sie doch selbst stutzig machen. Denn im gleichen Maße, wie die Ausweitung der Fremdbetreuung von Kindern im Lande zunimmt, nimmt sogenannte
Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen ab. Und es sind die Unternehmer selbst, die dies in regelmäßigen Abständen beklagen – den Zusammenhang sehen sie dabei aber offenbar nicht, oder wollen ihn nicht sehen.
Es war der gleiche, oben zitierte Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), der noch vor gut zwei Jahren mehr Erziehungsleistung durch die Eltern gerade in diesem Bereich einforderte: »Eltern müssen Tugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit und Durchhaltevermögen ihren Kindern vorleben. Das ist für den Erfolg in Job und Schule genauso wichtig wie fehlerfreies Schreiben. Kindergärten, Schulen und Ausbildungsbetriebe können diese Lücken allein nicht schließen«, so tönte er im Jahr 2009 im Interview mit der Bild-Zeitung. Der DIHK hatte damals eine Umfrage unter den eigenen 14.000 Mitgliedsunternehmen gemacht und zunehmende Defizite bei Disziplin und Belastbarkeit der jungen Leute festgestellt. »Das Gastgewerbe beispielsweise klagt mehrheitlich über schlechte Disziplin, geringe Belastbarkeit und schlechte Umgangsformen«, so Driftmann noch im Jahr 2009. Na so was, Kindergärten, Schulen und Ausbildungsbetriebe können es also nicht leisten, die Eltern sollen ran. Warum will er sie dann nicht dabei unterstützen?
Diese von allen Entscheidungsträgern heiß ersehnte Fremdbetreuung hat allerdings, wie man nicht erst seit gestern weiß, tückische Fallstricke: Kinder, die zu wenig Mutter und zu viel Fremdbetreuung erleben, werden für das Leben untauglich gemacht. Das kann man heute schon trefflich beobachten:
Egal, mit welchem Ausbildungsbetrieb man spricht, überall können die Unternehmer von den gleichen Sorgen und Nöten mit ihren Schützlingen berichten. War es noch vor zwei Jahrzehnten unproblematisch, gute Auszubildende zu finden, ist dies heute ein schwieriges Unterfangen geworden.
Beklagt werden zwar in erster Linie zunehmend schlechte Noten, doch dann folgen die
sogenannten Sekundärtugenden. Wir sprechen von früheren Selbstverständlichkeiten wie anständiges Benehmen, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Belastbarkeit, Durchhaltevermögen, Einsatzbereitschaft. All diese Eigenschaften kommen immer mehr Jugendlichen abhanden – es wird eben nicht mehr soviel zu Hause erzogen. Immer mehr Elternhäuser sind zu Doppelverdienerhaushalten geworden, es bleibt weniger Zeit für die Erziehung der Kinder.
Das Ergebnis ist absehbar. Denn gerade diese persönlichen Eigenschaften können nicht im Unterricht oder in Schulen vermittelt werden. Es sind soziale Kompetenzen, die im Alltag erlernt, von den Eltern vorgelebt und immer wieder eingefordert werden müssen. Das kann keine Schule leisten, dafür braucht es Elternhäuser, die sich kümmern und auch die Zeit dafür haben. Da klingt es nahezu zynisch, wenn der DIW-Vorstandsvorsitzende Gert Wagner sagt: »Es ist heutzutage schwer nachzuvollziehen, warum der Staat Eltern dafür Geld geben soll, damit sie zu Hause bleiben und ihre Kinder erziehen.«
Es ist also schwer nachzuvollziehen, dass der Staat Eltern in ihren grundliegenden Erziehungspflichten unterstützt? Na dann mühen Sie sich doch einfach weiter alleine mit den Auszubildenden herum, Herr Wagner. Die ersten Quittungsbelege Ihrer Milchmädchenrechnung halten Sie doch schon in Ihren Händen!
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