Saturday, 2. July 2016
18.05.2012
 
 

Gekauft: Wie die Industrie Feministinnen sponsert

Birgit Kelle

Eine der lautstärksten Feministinnen Europas ist die Französin Élisabeth Badinter. Sowohl in ihren Büchern als auch in öffentlichen Diskussionen geht sie hart mit Müttern ins Gericht. Doch was die meisten nicht wissen und was Badinter wohlweislich auch niemals erwähnt: Ihre ideologischen Ansichten werden großzügig bezahlt, denn die Frau erhält Millionen von der Industrie, damit sie weltweit den Verkauf von Babyersatznahrung ankurbelt und Mütter vom Stillen abhält.

Sie zieht stets ordentlich gegen mütterliche Fürsorge und Verantwortung vom Leder: In ihrem Buch Der Konflikt: Die Frau und die Mutter geißelt Badinter zum Beispiel die internationale Stillgesellschaft La Leche Liga als eine nahezu krakenhafte Gesellschaft, die weltweit Mütter

indoktriniere und sie durch das Stillen an Heim und Kind fessele. Sie spricht von einer Versklavung der Frauen, die angeblich durch öffentlichen Druck gezwungen werden, quasi als Milchkühe herzuhalten. Fast ein ganzes Kapitel lang widmet sie sich dem Thema und fast könnte man meinen, es gehe ihr tatsächlich um die Sache und nur um die angebliche Freiheit der Frauen.

 

Ein bisschen ist das so, als würde die Lobby der Fleischproduzenten vegetarische Ernährung geißeln. Wer würde sie ernst nehmen? So ist es auch bei Badinter, deren Buch sich mit dem Hintergrundwissen um ihre lukrativen Geschäfte in ganz anderem Licht liest. Mag sein, dass es ihr auch um die Frauen geht. Der Ton, den sie anschlägt gegenüber Menschen, die Mütter zum Stillen ermuntern möchten, ist nicht gerade freundschaftlich. Ihr eigenes Verhältnis zum Stillen wohl auch nicht.

 

Wie sonst könnte man solche Zitate aus ihrem Buch erklären: »Dabei zögern manche Anhängerinnen der Leche Liga nicht, das Gefangensein der Mutterschaft in der Political Correctness und all jene Ratgeber zu kritisieren, die über das Muttersein naive Klischees verbreiten, ohne mit einem Wort die Kehrseite der Medaille zu erwähnen: die verlorene Freiheit und ein gefräßiges, despotisches Baby, das seine Mutter verschlingt.« Die stillende Mutter ist also ein naives Dummchen, das nicht sieht, wie sie versklavt wird und ein Kind, das von der Mutter Milch fordert, steht auf einer Stufe mit einem Parasiten.

 

Natürlich vergisst sie in ihrem Buch auch nicht, darauf hinzuweisen, dass die Ersatznahrung für Babys in den vergangenen Jahren massiv an Qualität gewonnen habe - das könnte aus einem Werbeflyer des Babynahrungsherstellers Nestlé stammen, des Unternehmens, dessen Werbeetat schon seit zig Jahren von der französischen Werbeagentur Publicis verwaltet wird. CEO ist Maurice Lévy, im Büro nebenan sitzt die Tochter des Firmengründers Marcel Bleustein-Blanchet, sie ist Verwaltungsratsvorsitzende und Großaktionärin der Agentur, ihr Name: Élisabeth Badinter.

 

Es wundert auch nicht, dass Frau Badinter nichts mehr aufregt als Mütter, die vom Erwerbsleben abgehalten werden durch das böse Stillen. Auch hier vermischen sich Interessen der Agentur mit angeblich ehernen Zielen der Frauenbewegung, denn Agenturchef Levy ist zusätzlich Präsident der einflussreichen Arbeitgebervereinigung Afep.

 

Ist es also überzeugend, wenn eine Frau, die Millionen damit verdient, dass künstliche Babymilch verkauft wird, sich gegen das Stillen einsetzt? Nicht nur Nestlé als einer der größten Babynahrungshersteller gehört zu den Kunden von Élisabeth Badinter, sondern auch andere Produzenten von Säuglingsnahrung wie Similac oder auch Enfamil, die auf dem amerikanischen Markt stark vertreten sind.

 

Wie hoch die Werbeetats sind, über die wir sprechen, ist öffentlich nicht zu erfahren. Doch Publicis ist ein weltweites Großunternehmen mit zahlreichen Tochtergesellschaften. Die Agentur gehört zu den größten weltweit und hat laut eigenem Jahresbericht weltweit über 48.000 Mitarbeiter und im Jahr 2010 einen Umsatz von über 4,5 Milliarden und einen Gewinn von 526 Millionen.

 

Einen ganz besonderen Beigeschmack bekommt das Engagement von Élisabeth Badinter gegen das Stillen durch die Tatsache, dass das Unternehmen Nestlé, durch das sie Geld verdient, bereits seit Jahren und immer wieder in die Kritik gerät durch seine massive Werbung für Kindernahrungsmittel und Babynahrung. Bereits im Jahr 1974 kam es zu einem handfesten Skandal, als internationale Entwicklungshilfegruppen die Broschüre Nestlé tötet Babys veröffentlichte. Die Organisationen prangerten die irreführende Werbung für Flaschennahrung von Nestlé in Dritte-Welt-Ländern an, die dort zahlreiche Mütter veranlasste, das Stillen einzustellen.

 

In zahlreichen Regionen der Erde hatten die Werbebestrebungen des Konzerns  dazu geführt, dass das Milchpulver unter ungenügenden hygienischen Bedingungen angesetzt wurde. Durch die mangelhafte Energieversorgung in diesen Ländern wurden die Flaschen nicht ausreichend sterilisiert und der hohe Preis der Ersatznahrung für die Babys führte dazu, dass die Mütter die Milch zu sehr verdünnten, damit sie reichte.

 

In der Folge erkrankten unzählige Babys an Durchfall und anderen bakteriellen Infekten, andere litten an Unterernährung, viele starben an den Folgen. Das Ausmaß war so groß, dass im Jahr 1981 die Weltgesundheitsorganisation WHO sich veranlasst sah, die internationale Vermarktung von Babynahrung durch starke Restriktionen zu regeln, die den Anbietern von Babynahrung Marketingmaßnahmen und irreführende Werbung verbietet.

 

Es wäre zumindest ehrlich gewesen, wenn Frau Badinter selbst darauf hingewiesen hätte, dass sie in dieser Situation in einem Interessenskonflikt steht. Dann könnte man über ihre Thesen zumindest diskutieren. Nicht jede Frau will stillen. Andere wiederum wollen stillen, aber es klappt, aus welchen Gründen auch immer, nicht. Es ist ein hochsensibler Prozess zwischen Mutter und Kind, in dessen Verlauf sich die Menge der Muttermilch dem Bedarf des Kindes anpasst. Eigentlich ein kleiner, wunderbar perfekter Kreislauf, wenn er nicht gestört wird. Dennoch bleibt es eine sehr persönliche Entscheidung jeder Mutter. Man kann einer Mutter nur empfehlen, ihr helfen, muss aber auch andere Entscheidungen respektieren. Es ist nicht jedermanns Sache, irgendwo in der Öffentlichkeit ein Kind zu stillen, nur weil es gerade Hunger hat.

 

Zu diesem Thema gibt es gerade eine lebhafte Diskussion in den Vereinigten Staaten, dort hat aktuell das Time Magazine mit seinem aktuellen Cover erneut die Debatte um das Für oder Wider des Stillens entfacht: Dieses zeigt eine Mutter, die ihren vierjährigen Sohn stillt.

 

Als Mutter von vier Kindern kann ich nur persönlich berichten und Mut machen. Ja, es ist eine Umstellung und ich war anfangs in so mancher Nacht genervt, weil ich schon wieder aufstehen musste. Doch ist die Arbeit ungleich größer, wenn man nachts auch noch Fläschchen erwärmen muss, während die Muttermilch immer und überall wohltemperiert vorhanden ist. Und ich kann im Umkehrschluss von einer unglaublichen Ruhe, von Frieden und Zweisamkeit mitten in der Nacht berichten. Von dem unbeschreiblichen Glück, wenn einen aus der Dunkelheit der Nacht zwei Augen fixieren und auch nach einer halben Stunde Trinken kein einziges Mal den Blick abwenden. Dieses Glück würde ich keiner Mutter vorenthalten wollen – wenn sie es denn sucht.

 

Gemeinhin gilt das Stillen eines Kindes als die gesündeste Variante der Ernährung eines Babys zumindest bis zum sechsten Lebensmonat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt es, wir haben deswegen sogar stillfreundliche Krankenhäuser mit Gütesiegel, wir haben Stillberaterinnen und sogar das Recht, täglich die Arbeitszeit zweimal zu unterbrechen, um unsere Kinder zu stillen oder Milch abzupumpen. Wie lange es sein sollte, darüber herrscht keine Einigkeit – bis zum vierten Lebensjahr ist in der Tat eher die Ausnahme, und man kann darüber diskutieren.

 

Wissenschaftlich gibt es jedoch nicht nur nichts dagegen einzuwenden, sondern das lange Stillen wird aus Gründen der psychischen Stabilmachung für die Kinder auch für dieses Alter ausdrücklich empfohlen. Die Vorteile des Stillens sind medizinisch erwiesen, sowohl für die Mutter als auch ihr Kind. Frauen, die insgesamt etwa zwei Jahre lang stillen, senken somit ihr Brustkrebs- und Unterleibsrisiko um mehr als fünfzig Prozent. Und zahlreiche Studien erbringen den Beweis, dass das Stillen Kinderleben rettet.

 

Für die Mütter in den Ländern der Dritten Welt hatte es übrigens  überhaupt keinen Nutzen, dafür aber enorme Kosten, die Ernährung ihrer Kinder auf künstliche Milch umzustellen. Genutzt hat es nur Nestlé – unzählige Kinder dagegen haben es mit ihrem Leben bezahlt.

 

Die Zahlen der WHO dazu sind ebenso erschreckend: Durchschnittlich sterben weltweit jährlich etwa 1,5 Millionen Säuglinge, weil sie nicht gestillt werden. In diesem Buch finden sich zahlreiche Fakten zu den teilweise kriminellen weltweiten Machenschaften der Babynahrungsindustrie.

 

Ob die Feministin Élisabeth Badinter anlässlich dieser Zahlen wohl noch ruhig schlafen kann? Bei der nächsten hitzigen mütterdiskriminierenden Diskussion, die sie auch hierzulande immer wieder los tritt, sollten wir uns einfach die WHO-Zahlen und die Machenschaften der Babynahrungsindustrie noch einmal vor Augen führen. Dann wissen wir, welchem Nest sie entstammt, die feine Feministin Élisabeth Badinter.

 

 


 

 

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