Wednesday, 1. June 2016
16.03.2016
 
 

»Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei«

Birgit Stöger

Deutschlands Sparkassenkunden werden aufgrund der Nullzinspolitik des EZB-Chefs Mario Draghi bald für ihre Girokonten bezahlen. Jedoch sind dies nur die Vorboten für die verheerend falsche Zinspolitik der EZB.

 

»Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei.« Das kündigte Georg Fahrenschon (CSU), Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), am Dienstag in Frankfurt bei der Bilanzpressekonferenz des Verbands schon einmal an. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bringe mit ihren Strafzinsen Deutschlands Sparkassen in Bedrängnis. Das werden zukünftig Millionen Kunden zu spüren bekommen, so der ehemalige bayerische Finanzminister Fahrenschon.

»Weiter Vollgas führt zur Katastrophe«

 

Fahrenschon stimmte bereits Ende 2015 die 413 deutschen Sparkassen angesichts niedriger Zinsen auf schwere Zeiten und große Veränderungen ein. Nun sieht sich der Sparkassenchef einmal mehr bestätigt. Mit seiner Entscheidung in der letzten Woche, den Leitzins auf null Prozent zu senken, habe der EZB-Chef eine neue Ära eingeleitet.

 

Alle Marktteilnehmer müssen angesichts dieser falschen Zinspolitik neue Ertragsquellen erschließen. Zu einer unternehmerischen Antwort gehörten aber auch eine verursachungsgerechtere Bepreisung von Leistungen und deutliche Kosteneinsparungen, auch beim Personal, so der Verbandspräsident weiter.

 

Bereits im Jahr 2015 wurden bei den Sparkassen 6427 frei gewordene Stellen nicht wieder besetzt. Dieser Trend werde sich in einer sozialverträglichen Gestaltung fortsetzen. »Die ›falsche Zinspolitik‹ der EZB zwinge alle Banken dazu, neue Ertragsquellen zu finden. Kürzlich erst hatte der DSGV-Präsident Mario Draghi im Vorfeld der jüngsten Zinsentscheidung massiv kritisiert. In einer »Sackgasse muss man den Mut haben umzudrehen«, so sein Appell. »Weiter Vollgas führt zur Katastrophe.«

 

Kommt der EZB-Bargeldschutz?


Als Reaktion auf die aggressive Niedrigzinspolitik der EZB hatten die deutschen Sparkassendirektoren bereits Anfang des Monats über »unkonventionelle« Maßnahmen laut nachgedacht. Bei den Sparkassen kursieren die Überlegungen, größere Geldbeträge lieber über Nacht im eigenen Haus zu behalten, als sie zu ungünstigen Konditionen bei der EZB zu parken.

 

Die Sparkassen fragten sich, »ob es für sie wirtschaftlicher sein könnte, hohe Bargeldwerte nicht ‒ wie bisher ‒ bei der EZB einzulagern, sondern stattdessen selbst zu verwahren«, so die FAZ, die aus einem Rundschreiben des bayerischen Sparkassenverbands, dem 71 Sparkassen angehören, zitiert. Mutmaßlich seien die Kosten für Verwaltung, Versicherung und Lagerung niedriger als die Aufschläge der EZB. Das würden Beispielrechnungen belegen.

 

Die Sparer vor Negativzinsen bewahren

 

Als Fazit seiner Rede stellte Fahrenschon dar, dass die Sparkassen-Finanzgruppe der zinsbedingt sehr schwierigen Marktsituation aus einer Position der Stärke heraus begegnen könne. Jeder Zweite in Deutschland habe seine Hauptbankverbindung bei einer Sparkasse. Der nächste Wettbewerber komme auf 25 Prozent, die größte Direktbank auf etwa drei Prozent. Rund 50 Millionen Kunden würden somit den Sparkassen vertrauen. Dieses Vertrauen zu erhalten sei die wichtigste Aufgabe.

 

Weiter verwies Fahrenschon darauf, dass die Kreditwirtschaft durch die Politik vor wenigen Wochen verpflichtet wurde, Konten für jedermann zu führen. Zu den rund 1,4 Millionen Bürgerkonten aus dem letzten Jahr seien noch einmal rund 250 000 Flüchtlingskonten hinzugekommen.

 

Als besondere Aufgabe sehe die Sparkassengruppe es an, vor allem die privaten Kunden vor den gravierenden Auswirkungen der Geldpolitik der EZB zu schützen. Kurzfristig gehe es vor allem darum, die Sparer vor Negativzinsen zu bewahren. Das wolle die DSGV sicherstellen. Und dies werde sicher auch zulasten der Ertragslage der Sparkassen gehen. Dennoch werde kein Marktteilnehmer auf Dauer gegen künstlich veränderte Marktbedingungen agieren können, so der Hinweis des Sparkassenpräsidenten. Deshalb rechne er damit, dass die Sparkassen im Markt bei großen Einlagenvolumina gewerblicher Anleger schon bald Verwahrgebühren sehen werden.

 

Massiv von der falschen EZB-Politik betroffen die Altersversorgung der Deutschen

Noch viel größere Belastungen der Kunden mache er aber auf mittlere und längere Sicht aus, denn von fehlenden Zinsen und Zinseszinsen sei vor allem die Altersversorgungen der Deutschen betroffen. Hier werde teilweise krass unterschätzt, welche Lücken sich im Alter auftun werden. Davon werden viele betroffen sein, so die Befürchtung. Institutionen wie die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer, Pensionsfonds, die Zusatzversorgungen, die gesetzliche Rentenversicherung, Stiftungen sowie Industrie und Mittelstand ‒ bei nicht mehr ausfinanzierten Pensionszusagen ‒ werden zwangsweise zu den Betroffenen gehören.  

Man dürfe sich, so die Warnung, von kurzfristigen Entwicklungen nicht täuschen lassen: Die Geldpolitik der EZB hat für die vorhandene Vermögenssubstanz langfristig eine verheerende Wirkung. Sie belohne die Schuldner und schädige die Gläubiger. Es drohen mittelfristig in allen davon betroffenen Lebensbereichen höhere Beiträge. Spätestens damit sei die Niedrigzinspolitik der EZB dann in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

 

»Die Geldpolitik der EZB ist falsch. Sie ist gefährlich«

Abschließend stellte Fahrenschon nochmals deutlich heraus: »Die Geldpolitik der EZB ist falsch. Sie ist gefährlich. Sie ist nutzlos, weil keinerlei positive Effekte mehr erkennbar sind. Und sie ist aus unserer Sicht auch nicht mehr sachgerecht, weil sie sich an einem angesichts der Ölpreisentwicklung nicht sinnvollen Inflationsziel ausrichtet. Die EZB verfehlt ihre eigenen Ziele und verführt zu einer sorglosen Risikopolitik. Der letzte Donnerstag war ein schwarzer Tag für die Vermögenslage unserer Bevölkerung und für eine nachhaltige Finanzpolitik.«

 

Die Sparkassen haben laut Focus ihre Gratiskonten bereits eingeschränkt und bieten sie nur noch bestimmten Kundengruppen wie Schülern und Studenten an. Vor Negativzinsen sollen die Kunden ja bewahrt werden, so das Versprechen Fahrenschons.

 

 

 


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