Samstag, 27. Mai 2017
02.03.2016
 
 

Claudia Roth lässt Henryk Broder aus Münchner Runde ausladen

Birgit Stöger

Die politische Talkrunde des öffentlich-rechtlichen Bayerischen Rundfunks (BR), die Münchner Runde, beschäftigte sich am vergangenen Dienstag mit dem Thema »Flüchtlingskrise: Schafft Merkel noch die Wende?«. Zum Streitgespräch geladen waren der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller (CSU), Claudia Roth (Grüne), der ehemalige griechische Außenminister Dimitris Droutsas und der Publizist Henryk M. Broder.

 

Wie der unbequeme Kolumnist auf seinem Blog Achse des Guten aktuell berichtet, sei an ihn von der verantwortlichen BR-Redaktion im Vorfeld eine Anfrage ergangen, ob er zum betreffenden Termin verfügbar sei. Dies bejahte der Publizist, und er habe daraufhin eine offizielle Einladung erhalten mit der Bitte, sich am Dienstag um 19.45 Uhr im Hauptstadtstudio der ARD einzufinden. Die Sendung würde um 20.15 Uhr aufgezeichnet werden.

»Deutschland verrecke«-Parolen gehört und trotzdem mitgelaufen

 

Broder habe sich insbesondere auf Claudia Roth gefreut, da er diese schon seit Längerem fragen wollte, warum sie Ende November bei einer Anti-AfD-Demonstration mitgelaufen sei, auf der »Deutschland, du mieses Stück Scheiße!« gerufen wurde.

 

Die benannte Demonstration gegen den Delegiertenparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Hannover, die vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und einem »Mitglied aus der linken Szene« angemeldet wurde, war vom linksextremistischen Schwarzen Block der Antifa angeführt worden.

 

Hinter »Deutschland, du mieses Stück Scheiße« rufenden Linksextremisten reihten sich neben dem »bürgerlichen Bündnis«, Bürgermeister Thomas Hermann (SPD), SPD-Chef Alptekin Kirci, Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne), FDP-Ratsherr Wilfried Engelke und weiteren Politikern auch die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth ein.

 

In dem Demonstrationszug waren nach Medienberichten darüber hinaus Rufe wie »Deutschland verrecke« und »Nie wieder Deutschland« zu hören. Nach einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung konnten Roth und alle anderen Teilnehmer die Parolen hören »und liefen doch weiter mit«.

 

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt kritisierte die Teilnahme Roths an der durch Linksextremisten angeführten Demonstration daraufhin öffentlich. Ihm würde es »im Traum nicht einfallen, Linksextremisten hinterherzulaufen, selbst wenn sie für eine vermeintlich gute Sache auf die Straße gehen würden«, so Wendt in seiner Kritik. Die Teilnahme der Grünen-Politikerin Roth überrasche ihn jedoch wenig.

 

Wendt verwies auf Roths Demonstrationsteilnahme im Mai 1990 zusammen mit Jutta Ditfurth (Grüne) und Angelika Beer (ehemals Grüne, jetzt Piraten) in Frankfurt am Main. Die Damen hatten damals hinter einem Transparent mit der Aufschrift »Nie wieder Deutschland!« gegen die Wiedervereinigung demonstriert.

 

Wendt meinte hierzu, dass er niemandem vorwerfe, was dieser einmal vor 25 Jahren gesagt habe. Jedoch sollte man schon wissen, hinter welchen Fahnen man herlaufe: »Ich würde mir jedoch wünschen, dass Politiker wie Frau Roth sich bei solchen Demonstrationen auch bewusst machen, dass sie hohe Staatsämter repräsentieren.«

 

Warum darf Claudia Roth bestimmen, wer teilnimmt?

 

Henry M. Broder muss sich wohl den Gedankengängen Wendts angeschlossen haben, da es ihn ebenfalls interessiert hätte, wie sich Roths Teilnahme mit ihrem Amt als Vizepräsidentin des Bundestages verträgt.

 

Broder sieht sich jedoch nun dieser Gelegenheit beraubt, Claudia Roth dazu zu befragen. Wie der 69-Jährige berichtet, habe er nur eine halbe Stunde nach der Einladung mitgeteilt bekommen, dass es zu einer »kleinen Änderung« gekommen sei. Der eigentlich bereits vereinbarte Termin zur aktuellen Sendung könne nicht gehalten werden.

 

Die Nachfrage seitens des nun ausgeladenen Diskutanten, ob der Grund für die Absage Frau Roth sein könne, wurde bejaht. Leider wisse die Redaktion nicht, was zwischen Broder und Roth vorgefallen sei. Bedauerlicherweise sei jedoch klar, dass nicht beide zur selben Sendung geladen werden könnten.

 

Er sei sich keiner Schuld bewusst, wisse auch nicht, welche Animositäten Roth gegen ihn hege, außer dass er einige Male geschrieben habe, was er von ihr halte, so Broder. Nicht mit ihm an einem Tisch sitzen zu wollen sei Roths gutes Recht. Warum aber dann nicht Roth, sondern er ausgeladen wird, diese Frage stellt sich nicht nur Henryk M. Broder.

 

 

 

 

 

 

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