Saturday, 27. August 2016
31.08.2010
 
 

Droht ein Goldverbot? Übertriebene Befürchtungen, einfache Vorsichtsmaßnahmen

Bruno Bandulet

Goldanleger sind von Natur aus vorsichtige und misstrauische Menschen. Kein Wunder also, dass das Thema eines Goldverbots immer wieder auftaucht und diskutiert wird.

Zuletzt sorgte eine Meldung aus den USA für Unruhe, wonach ab dem 1. Januar 2012 alle Käufe und Verkäufe auch von kleinen Unternehmen, Selbständigen und Privaten mit einem Wert von mehr als 600 US-Dollar mit einem Formular erfasst werden sollen. Betroffen davon wäre auch der Handel mit Edelmetallen. In Deutschland hingegen beginnt eine solche Registrierungspflicht erst ab 15.000 Euro. Dennoch kursieren Befürchtungen, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis auch in Europa jeder Kauf oder Verkauf von Gold und Silber registriert werde. Oder der Goldbesitz werde ganz verboten. Und dann könne man im Notfall sein Gold nicht mehr zu Geld machen.

Sicherlich ist es richtig, dass alle großen Staaten und Machtgebilde (auch die EU) zunehmend totalitäre Tendenzen aufweisen. Sie manipulieren die öffentliche Meinung, sie überwachen die Kommunikation der Bürger, sie mischen sich in das Privatleben und in die Familien ein und verletzen mittels exzessiver Besteuerung die Eigentumsrechte. Insofern ist das Thema Gold nur ein Aspekt des Ganzen – und nicht einmal der wichtigste. Festzuhalten ist Folgendes: Erstens droht aktuell kein Goldverbot in Deutschland und in der EU. Zweitens gilt es zu fragen, was mit einem Verbot konkret überhaupt gemeint ist. Und drittens bieten sich für die Regierungen verschiedene Alternativen zu einem Verbot an, die aus Sicht des Anlegers als Warnsignale gedeutet werden können.

So enthält der Vertrag von Lissabon, die derzeit gültige Rechtsgrundlage der EU, die Möglichkeit, den freien Devisenverkehr mit Drittstaaten, z.B. mit der Schweiz, zu unterbinden und Devisenkontrollen einzuführen. Praktisch durchführbar wäre auch eine Einschränkung des freien Goldhandels in der EU, wodurch z.B. das Geschäft der Goldfonds (z.B. Xetra-Gold) bedroht wäre. Wahrscheinlich ist das aus jetziger Sicht nicht, weil London nicht mitziehen und dann das Geschäft dorthin abwandern würde. Aber selbst ein Eingriff in den freien Handel wäre nicht identisch mit einem Goldverbot.

Verboten wurde der Besitz von Währungsgold (nicht von Schmuck oder Sammlermünzen!) 1933 von Präsident Roosevelt im Rahmen des Emergency Banking Act. Aktenkundiger Goldbesitz wie z.B. Goldzertifikate und Goldkonten wurde automatisch eingezogen. Münzen und Barren mussten die Amerikaner selbst abliefern. Bezahlt wurde der damals noch niedrige offizielle Goldpreis von 20,67 US-Dollar je Unze. Danach begann Roosevelt, den Dollar schrittweise abzuwerten und den offiziellen Goldpreis entsprechend heraufzusetzen, bis dieser schließlich bei 35 US-Dollar je Feinunze fixiert wurde. Den Bürgern, die der Anordnung folgten, entging also ein saftiger Aufwertungsgewinn. Nicht alle Amerikaner lieferten ihr Gold ab – nach manchen Schätzungen nur 30 Prozent.

Die Situation war eine völlig andere als heute. Gold war damals nicht die Anlage einer kleinen, intelligenten Minderheit, sondern das Geld des Goldstandards. Bis 1933 war der Papierdollar jederzeit eintauschbar und so gut wie Gold, danach ging es Roosevelt vor allem darum, möglichst viel Gold (auch aus dem Ausland) einzusammeln, um die staatlichen Reserven der USA zu vergrößern. Die Goldkonfiskation von 1933 fiel in ein völlig anderes monetäres Umfeld, als es heute vorherrscht. Erst am 31. Dezember 1974 wurde das amerikanische Goldverbot durch Präsident Gerald Ford aufgehoben.

Die Details eines Goldverbots im Dritten Reich konnte ich bislang nicht ausfindig machen. Falls einer der Leser auf entsprechende Gesetze oder Verordnungen stößt, wäre ein Hinweis willkommen. Wie die Wirtschaftswoche am 3. Februar 2009 meldete, »konnten« die Deutschen ihr Gold 1934 gegen einen Festpreis von 147 Reichsmark je Feinunze (4,19 Reichsmark pro Dollar mal 35 Dollar) einlösen. Im Vergleich zu 1933 war das ein Plus von rund 70 Prozent. Die Deutschen hatten demnach im Gegensatz zu den Amerikanern die Möglichkeit, den Aufwertungsgewinn mitzunehmen. Ein schlechter Tausch war es dennoch. In der Währungsreform von 1948 blieb von den Reichsmark-Guthaben weniger als 10 Prozent übrig.

Heute droht in Deutschland und der EU weniger ein Goldverbot, sondern eine schleichende und zunehmende Enteignung der Bürger, die Steuern zahlen und auf staatliche Alimentierung nicht angewiesen sind. Zu den Folterwerkzeugen gehören Reichtumssteuern, Vermögensabgaben, höhere Erbschaftssteuern, eine höhere Belastung von Immobilien und die Neueinführung der Vermögenssteuer in Deutschland – besonders im Fall einer Machtübernahme durch die Linksparteien nach der nächsten Bundestagswahl. Die nötigen Vorarbeiten wurden mit der faktisch totalen Abschaffung des Bankgeheimnisses bereits geleistet. Denn der Fiskus kann nur dann ungehindert zugreifen, wenn er weiß, wieviel der Bürger auf dem Konto hat. Von einer Vermögenssteuer wäre auch Gold betroffen. Dann kann der Staat dauernd etwas abzwacken, mit einer Konfiskation nur einmal.

Die Hauptargumente gegen akute Befürchtungen eines Goldverbots lauten, dass die Verhältnisse ganz anders sind als 1933/34, dass ein Verbot nicht viel einbrächte, weil nur wenige Anleger Gold besitzen, dass das Verbot in der Praxis schwer durchsetzbar ist, und dass der Staat über einfachere und lukrativere Möglichkeiten verfügt, sich zu bereichern. Und: Für Gold gibt es immer einen Markt; falls nicht den legalen, dann eben einen inoffiziellen.

Wer als eingefleischter Pessimist dennoch mit dem Schlimmsten rechnet, dem bleibt es unbelassen, seine Vorkehrungen zu treffen: Er kauft nicht über das Internet und nicht auf dem Postweg, sondern im Tafelgeschäft bei einer Bank, die diesen Service anbietet. Er kann als Ergänzung und Alternative zum Metall die Aktien von soliden Goldminengesellschaften einsammeln, weil er weiß, dass die nordamerikanischen Goldaktien nach Roosevelts Goldraub glänzend abschnitten. Dafür muss allerdings die größere Volatilität der Goldaktien in Kauf genommen werden. Letzteres gilt auch für Silber, das traditionell in der Inflation gut und in einer Deflation schlecht abschneidet. Silber ist kein Bestandteil der Notenbankreserven, gilt nicht als Geld, sondern als Industriemetall und wäre deswegen von einem Goldverbot nicht betroffen.

Größere Vermögen sind ohnehin gut beraten, geografisch zu diversifizieren. Marc Faber empfiehlt die Einlagerung von Gold im Bankschließfach in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur, Hongkong, Indien, Frankreich und in der Schweiz.

Frankreich sollte man, weil in der EU, besser aus der Liste streichen, ebenfalls die Vereinigten Arabischen Emirate aufgrund der Kriegsgefahr am Golf. Zuzustimmen ist Faber, wenn er die USA als letzten Platz bezeichnet, an dem man Gold halten sollte.

Im Übrigen ist es unsinnig, Gold nur deswegen zu meiden, weil man den Regierungen das Schlimmste zutraut. Dann müsste man konsequenterweise erst recht aus sämtlichen Staatsanleihen, Festgeldern und Euro-Guthaben aussteigen. Vernünftiger ist es, auf Warnsignale und näherkommende Einschläge zu achten. Dass Gold in Deutschland immer noch mehrwertsteuerfrei gekauft werden kann, sollte auch einmal positiv vermerkt werden. Außerdem ist die Goldverbotsdiskussion eine typische Begleiterscheinung hoher Preise. Als Gold noch billig war, redete niemand darüber. Man muss sich schon entscheiden, wie man es lieber hätte. Dass einem etwas im Extremfall (gegen Bezahlung) genommen werden könnte, das teuer und wertvoll ist, ist noch kein Grund es nicht zu besitzen.

Schließlich ein Zitat von Michael Coulson aus dem Jahr 2004, eines ganz alten Hasen und Goldspezialisten, der schon am legendären Mining Desk von James Capel in London zusammen mit dem ebenfalls legendären Julian Baring arbeitete: »Gold spielt eine wichtige Rolle als sicherer Hafen, und obwohl viele Regierungen heutzutage behaupten, dass sie wenig oder kein Interesse daran hätten, glauben skeptische Goldanhänger, dass sich die Ansicht der Regierungen schnell ändern könnte, falls finanzielles Chaos zurückkehrt. Um die Gefahr einer Zwangskonfiskation à la Roosevelt zu vermeiden, ist es das Beste, wenn Sie Ihr Gold selbst aufbewahren. Dann haben Sie (später) die Wahl, dem Regierungsbefehl zu folgen oder nicht. Natürlich wäre das ungesetzlich, und es könnten Aufzeichnungen existieren, mit denen der Goldkauf bis zu Ihnen zurückverfolgt werden kann. Außerdem, falls Sie irgendwann Ihr Gold verkaufen wollten, müsste das inoffiziell geschehen mit der wahrscheinlichen Konsequenz, dass ein Abschlag auf den Marktpreis akzeptiert werden muss.«

Dr. Bruno Bandulet ist Herausgeber des Fachdiensts GOLD&MONEY INTELLIGENCE. Infos unter www.bandulet.de. Letzte Buchveröffentlichungen im Kopp Verlag: Das geheime Wissen der Goldanleger; neu erschienen: Die letzten Jahre des Euro – Ein Bericht über das Geld, das die Deutschen nicht wollten

 

 


 

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