Monday, 30. May 2016
08.11.2012
 
 

Edelmetallmesse 2012: Neun Monate bis zum Untergang?

Christian Wolf

Promoter, Profis und Paradiesvögel – sie alle tummelten sich am vergangenen Freitag und Samstag  auf der Edelmetall- und Rohstoffmesse im Olympiapark in München statt am Eröffnungstag (2.11., »Allerseelen«) der Verstorbenen zu gedenken. Die Besucher tanzten leidenschaftlich um das »Goldene Kalb«, das es in Form von Münzen und Barren reichlich anzustarren, anzufassen und zu kaufen gab.  In dem bekanntesten Edelmetall suchen sie Schutz vor schwindsüchtigem Papiergeld und den Kapriolen der Berliner Dilettanten-Regierung, die sie als Wähler zuvor aufs Schild gehoben haben. Aber Hauptsache, man sieht als Besucher die eigene – vermeintliche? – Weitsicht bestätigt.

Einer der größten Vorteile dieser Messe ist vielleicht, dass man nicht allen Vorträgen lauschen kann. Denn sie finden – zeitlich überlappend – auf drei Bühnen statt. Verwirrung stiftet auf jeden Fall schon einmal die Beschilderung, was hoffentlich und wahrscheinlich weniger der Intelligenz der Organisatoren als dem Umstand geschuldet ist, dass die Besucher auch an den zahllosen Ständen

weitgehend unbekannter Minengesellschaften vorbeigelotst werden sollen.

 

Absolut gelohnt hat sich ein Besuch der Messe für diejenigen, die sich den Vortrag Peter Boehringers gönnten. Der Münchner Vermögensverwalter ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Edelmetallgesellschaft (DEG), die hinter der Aktion »Holt unser Gold heim!« steht. Bei seinem Thema »Die vollpolitisierte Ökonomie – Logik und Folgen der permanenten Euro-Rettung« nahm Boehringer wie immer kein Blatt vor den Mund. Kein Nichtjurist dürfte den Ermächtigungsvertrag ESM gründlicher seziert haben und dessen Unglaublichkeiten besser auf den Punkt bringen. Den Zuhörern war am Ende seines niveauvoll-faktenreichen und exzellent stringenten Vortrags  erschütternd klar, dass die Banken in Deutschland und Europa die Macht übernommen haben. Einen Eindruck von Boehringer vermittelt dieses auf der Edelmetallmesse geführte Interview:

 

 

Mittlerweile wird dieser leidenschaftliche Streiter gegen die absurde Euro-Rettung aus Sicht der Berliner Verräter-Regierung wohl zu den Staatsfeinden höchster Kategorie zählen. Was natürlich einem Ritterschlag gleichkommt. Man kann nur hoffen, dass zu Boehringers Lieblingsbeschäftigungen nicht Fallschirmspringen oder Dauerbaden zählt.

 

Anlageexperten …,

 

Deutlich mehr um potenzielle Kundschaft bemüht, aber gleichfalls sehr glaubwürdig, kam ein anderer Münchner Vermögensverwalter rüber. Ralf Borgsmüller ist Fondsmanager und Partner der PSM Vermögensverwaltung und referierte über »Weltschuldenkrise: Goldpreis über 3.000 US$/Feinunze?« An Seriosität schwer zu übertreffen, schickte er seinem Vortrag mit großer Berechtigung ein Zitat Isaac Newtons voraus, das da lautet: »Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean.« Diese Abwandlung des geflügelten Wortes »Ich weiß, dass ich nichts weiß«, kann man sich tatsächlich nicht oft genug klarmachen. Fragt sich nur, wozu man dann Fremde mit der Betreuung seines Vermögens betraut, wenn man Fehler doch auch allein machen und im besten Fall sogar noch daraus lernen kann. Schließlich kennen Börsianer auch die Gleichung: »Information = ruination«. Nun, für Borgsmüller wird Inflation zumindest in den nächsten zwei Jahren kein Thema sein. Die Masse der Menschen hätte schlichtweg kein Geld zum Ausgeben, da die völlige Entkopplung von Finanz- und Realwirtschaft zu extremen Vermögensungleichgewichten geführt habe. Und dazu bringt er auch Beispiele, die mit Blick auf kommende soziale Spannungen frösteln lassen. Schon jetzt beziehen mehr als 49 Millionen US-Amerikaner, was 16 Prozent der Bevölkerung entspricht, Lebensmittelkarten, Millionen sind obdachlos und leben vielfach in improvisierten Zeltstädten.

 

Jeder ist seines Glückes Schmied? Kommt darauf an, wer den Hammer in der Hand hält. Die US-Firmenbosse, die CEOs, verdienten im Jahr 1980 das 42-fache eines durchschnittlichen Arbeiters. 2011 sah das schon anders aus, da gönnten sich die Unternehmenslenker den unglaublichen Faktor 380 des Verdienstes eines Durchschnittsmalochers. Für Borgsmüller haben sich »die finanziellen und politischen Eliten der USA  … seit 1980 zu Ungunsten weiter Teile der US-Bevölkerung bereichert«. Die Mehrheit der Deutschen kann diese Diagnose leidvoll nachvollziehen. Auch hier wartet die Masse seit 20 Jahren auf einen Anstieg der Reallöhne. Die oberen zehn Prozent der deutschen Haushalte erfreuen  sich 53 Prozent des Nettovermögens, während  20 Millionen und damit die Hälfte der Haushalte als Habenichtse in die Röhre gucken. Kombiniert mit der gigantischen Verschuldungssituation fürchtet Vermögensverwalter Borgsmüller, dass die Sparprogramme Europa in Richtung Depression und Revolution bringen werden. Für ihn ist »absolut vorstellbar, dass die Leute die Parlamente in Athen oder Madrid, aber auch irgendwann in Berlin stürmen«. Es werden hierzulande immer mehr, die sich statt »irgendwann« »übermorgen« wünschen.

 

Solche und andere »schwarze Schwäne« – etwa Erdbeben, Tsunamis, Kriege, Platzen der Derivatebombe etc. – werden den Goldpreis in den nächsten zwei bis fünf Jahren nach Einschätzung Borgsmüllers auf mindestens 3.000, wenn nicht sogar bis 10.000 US-Dollar treiben. Wichtiger Pferdefuß dabei: Eine neue Kreditkrise würde auch dem Goldpreis zusetzen.

 

Anarchisten ….

 

Mit derlei Differenzierung hält sich Prof. Dr. Hans-Jürgen Bocker nicht auf. Wer ihn am 4. November auf der Messe erlebt hat, muss am 11.11. als offiziellem Startdatum der Fastnachtssaison zweifeln.

Bocker verlegt diesen Termin jedes Jahr eigenwillig, faktenreich und höchst amüsant um ein paar Tage vor.  Sein Credo: Gold ist alternativlos zum Vermögenserhalt.

 

Damit ist er sich im Prinzip mit einem anderen Original auf der Messe einig. Auch Börsenbriefherausgeber Johann A. Saiger schwört auf den »Rettungsanker Gold«,  lässt kein gutes Haar an der deutschen Regierungstruppe und stachelt seine Zuhörer nicht immer subtil zu mehr als vorrevolutionärem Verhalten an.

 

Als Österreicher kann er immerhin hoffen, auf dem Heldenfriedhof  in Wien seine letzte Ruhestätte zu finden.

 

… und Astrologen

 

Saiger dürfte kaum schmecken, was ein Landsmann von ihm auf der Messe vom Stapel ließ. Österreicher sind – mit allem Respekt – oft Paradiesvögel.  Besonders, wenn sie Börsenbriefe schreiben oder als Astrologen agieren. Manfred Zimmel alias »Amanita« ist sogar ein ziemlich bekannter Vertreter seines Fachs, sorgte – gewandet in leger-blaues Sakko mit knall-orangefarbener Krawatte – auf der Messe für einen brechend vollen Saal sowie sorgenvolle Mienen unter den goldgläubigen Zuhörern. Seine Botschaft: 2013 ist ein Schlüsseljahr, ab nächsten August – dem vermuteten Hoch der Sonnenaktivität, der Inflation und der Inflationsmärkte – geht es für viele Jahre abwärts. Und zwar in allen Bereichen. Nicht nur die Börsen würden dann zu kippen beginnen, mit der Insel der Seligen in Europa sei Schluss und es drohe schlicht der »Verlust aller Sicherheiten«.

 

Das gelte gerade auch für Gold, das bis 2013 Top-Investmentvehikel sei, danach aber nur noch das am wenigsten schlechte. Zum Entsetzen der Zuhörer erwartet Zimmel sogar durch Mutation erzeugtes Gold – »frühestens 2020, eher 2030«.

 

Ob »Amanita« nun die Sterne richtig deutet oder nicht – die meisten der heutigen und künftigen Goldanbeter werden so gerupft enden wie die Jünger des »Neuen Marktes«, weil am Ende einer Hausse immer die Gier regiert. Sie kennen »Auri sacra fames« (der verfluchte Hunger nach Gold) nicht und ignorieren, dass jede Anlageform Ebbe und Flut kennt. Als der Autor dieser Zeilen im Jahr 2000 als Redakteur eines Finanzmagazins Gold beim Preis von 260 US-Dollar empfahl, konnte er sich über zu wenig Spott, Hohn und Gelächter vonseiten der Kollegen nicht beklagen. Spezialisierte Internet-Seiten für fanatische Goldgläubige gab es damals nicht. Die Kollegen berauschten sich am »Neuen Markt« und schreiben heute Artikel mit der alternativlos-plumpen Überschrift »Wer Verstand hat, kauft Gold«. Glückauf! Die Vergangenheitsform hätte ja gepasst.  Wenn eine Hausse ins Alter kommt, sollte man sich mental auf ihr Ende vorbereiten. Doch die Schlussphase beschert in der Regel auch die höchsten Gewinne. Märkte steigen oft länger, als es sich die Anleger vorstellen können, um dann doch in der Euphorie zu kippen. Von solch einer Jubelstimmung ist beim Gold noch nichts zu sehen. Sollte sich der Goldpreis aber in den nächsten Monaten stark erhöhen oder gar verdoppeln, ist Vorsicht angesagt und könnte es lohnend sein, sich an die Worte Zimmels zu erinnern.

 

Noch – oder nur? – neun Monate bis zum Beginn des generellen Untergangs? Was die einen schreckt und zur forcierten Krisenvorsorge schreiten lässt, kann andere erfreuen und dazu animieren, es in der verbleibenden Zeit ordentlich krachen zu lassen. Wenn die Welt hernach so dreist ist und sich unerwartet weiter dreht, geben Sie einfach die Schuld den Astrologen und beantragen Hartz IV. Damit unterstützen Sie auch die interne Weisung der Berliner Marionetten-Regierung: »Armut für alle!«

 

 

Dipl.-Betriebswirt Christian Wolf arbeitete für Tageszeitungen, Magazine und Informationsdienste, unter anderem als Finanzredakteur für die »Fuchsbriefe« sowie als Wirtschaftsredakteur bei Focus Money.

 

 

 


 

 

 

 

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