Sunday, 19. May 2013
31.07.2012
 

Strategische Kaufchance bei Goldaktien

Christian Wolf

»Wohin nur mit meinem Geld?«  Diese Frage bewegt die mit pekuniärer Potenz ausgestatteten Deutschen mehr denn je, seitdem die Berliner Möchtegern-Regierung  die Ersparnisse ihrer Bürger – das Wort kommt halt sinnigerweise von Bürge – in immer absurderen  Rettungsversuchen für den Euro aufs Spiel setzt. Die Panik der um ihre Posten besorgten Politiker ist verständlich, hat doch die Euro-Titanic den Eisberg schon gerammt. Wenn sie untergeht, sollte man das Boot verlassen haben.

Gerade deutsche Anleger flüchten mit Vorliebe in Immobilien und haben so die Preise in den Ballungszentren extrem nach oben getrieben. Der weitsichtige Investor wie auch der kluge Kaufmann weiß jedoch, dass im billigen Einkauf der Gewinn liegt.  Politische Börsen und künstlich

niedrige Zinsen  lassen selbst professionellste Fondsmanager klagen: »Nichts ist mehr billig.« Wirklich?

 

Wer emotionslos und antizyklisch zu handeln versteht, dem bieten Goldminenaktien nun eine seltene Kaufchance. Sie sind extrem billig und bieten aktuell ein ausgezeichnetes Chance-/Risiko-Verhältnis. Anleger mit einem Faible für Sicherheit – die es heute sowieso nicht mehr gibt – sollten dennoch die Finger von Minentiteln lassen, hier sind Spekulanten und Investoren mit Nerven aus Drahtseilen gefragt.

 

Gold gilt als spekulativ weil volatil, Aktien erst recht. Goldaktien sind die potenzierte Volatilität, keine andere Aktiengattung weist heftigere Schwankungen auf.  Seine Nerven konnte leicht ruinieren, wer 2008 Edelmetalltitel im Depot hatte. Von März bis Oktober verlor allein der Index HUI mehr als 70 Prozent auf ein Tief bei 150 Punkten. Viele Minenunternehmen gingen gar pleite und verschwanden vom Kurszettel, weshalb Streuung in diesem Sektor immens wichtig ist. Um den Absturz von 2008 in ein größeres Bild zu setzen: Wer etwa schon im Jahr 2000 dem Euro-Abenteuer misstraute und das Glück, sowie den Mut hatte, die großen Goldwerte im HUI-Index zu Tiefstkursen unter 40 Punkten zu kaufen (vgl. die Empfehlung des Autors in "Focus-Money" Nr. 50 vom 7.12.2000), sitzt trotz temporärer Rückschläge heute auf Gewinnen von durchschnittlich gut 1.000 Prozent (beim  aktuellen Indexstand 417). Und das steuerfrei. Dagegen steht der mit viel Mediengetöse bedachte deutsche Aktienindex DAX nach zwölf Jahren klar im Minus und weit entfernt von seinem Hoch bei über 8.000 Punkten im März 2000.

 

 

Tarnkappen-Hausse

 

Die meisten Anleger haben die sensationelle Hausse der Goldaktien sowie der Edelmetallpreise in den letzten zwölf Jahren schlicht verschlafen. Von den 08/15-Medien wurden sie nicht darauf aufmerksam gemacht, denn es hätte zu leicht Zweifel am herrschenden Finanz- und Papiergeldsystem geweckt. Und wenn doch berichtet wurde, dann regelmäßig um die temporären Preisspitzen herum, so dass Trittbrettfahrer sich in den anschließenden Korrekturen – besonders mit  Goldaktien, Optionsscheinen und Hebelzertifikaten – blutige Nasen holten und von dem Sektor nichts mehr wissen wollen. Als Ergebnis erleben wir einen langfristigen Anstieg der Edelmetallpreise mit nur wenigen Teilnehmern, eine Hausse mit Tarnkappe. Das breite Publikum schaut zu und traut sich nicht (mehr) einzusteigen. Die einen bekamen als Nachzügler um Zwischenhochs schon auf die Finger, andere reden, handeln aber nicht und finden die Goldpreise schon seit Jahren »zu hoch«. Es gibt sogar solche Anleger, die sich von Finanztest-Komikern mit dem »Argument« beeindrucken lassen, Gold könne man nicht essen. Dann wünschen wir doch guten Appetit mit Euro-Scheinen.

 

Das Publikum ist jedenfalls aktuell wieder einmal gehörig verunsichert. Vielfach wird das Ende des Goldpreisanstiegs ausgerufen, da das Edelmetall seit einem Jahr trotz sich verschärfender Euro-Malaise keine neuen Höhen erklimmt.  So endet in der Regel keine Hausse. Sie stirbt in der Euphorie, die von Kurssprüngen, der Gier breiter Anlegerkreise und der festen Überzeugung gekennzeichnet ist, es könne nur noch weiter aufwärts gehen.  Wir erleben eher das Gegenteil davon.

 

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen noch sehen will, muss man zuerst den Langfristtrend betrachten. Der weist bei Gold seit zwölf Jahren eindeutig aufwärts und ist intakt. Im Sommer 2011 preschte der Goldpreis zu schnell und zu weit bis auf gut 1.900 Dollar Anfang September vor, was er nun schon seit elf Monaten zu »verdauen« sucht. Diese Seitwärts-/Abwärtsbewegung vermittelt charttechnisch den Eindruck einer Konsolidierung im Aufwärtstrend, zumal der Bereich um 1.520/1.540 US-Dollar mehrfach getestet wurde und gehalten hat. Für Anleger, die in Euro rechnen, präsentiert sich der Goldpreis – Berlins und Europas eigenwilliger Regierungskunst sei Dank – weit stabiler und liegt nur gut fünf Prozent unter seinem letztjährigen Allzeithoch bei rund 1.400 Euro pro Unze.

 

Zu den schönsten Geschenken für Investoren und Spekulanten zählt, in einem langfristigen Aufwärtstrend ein mittelfristiges Tief erkennen und nutzen zu können. Dies bietet eine strategische Kaufchance mit großem Gewinnpotenzial bei begrenzten Risiken. Indizien für solch einen selten günstigen Einstiegszeitpunkt finden sich bei den Edelmetallen – und mehr noch bei den Minenwerten – aktuell zuhauf.

 

 

Timing, Timing über alles

 

Erstens ist der Edelmetallsektor bei den Marktbeobachtern derzeit stark »out«.  Abzulesen ist dies an zuletzt nur noch zu 14 Prozent bullish eingestellten Profis für die Goldaktien. Beim letzten Zwischenhoch Anfang September 2011 waren 85 Prozent positiv gestimmt – dies war ein guter Verkaufszeitpunkt. Technisch interessant ist dabei, dass sich die Preisvolatilität stark verringert hat, mehr Dynamik damit bald anstehen dürfte.

 

Zweitens spricht das saisonale Muster für ein Preistief. Im August beginnt in Indien die Heiratssaison und damit die umsatzstärkste Periode am Goldmarkt. Wie die Grafik zeigt, legte der Goldpreis in den letzten zehn Jahren im Monat August mit rund fünf Prozent und im November mit über acht Prozent am deutlichsten zu.

 

Drittens hat sich die Spekulation in New York stark beruhigt, was sich auch daran festmachen lässt, dass die – an Wendepunkten meist richtig positionierten – Commercials historisch sehr niedrige Netto-Short-Positionierungen aufweisen. Aus deren Sicht sind also steigende Preise zu erwarten. Obwohl der Goldpreis sich in der letzten Woche kaum veränderte, haben die Commercials ihre Netto-Short-Positionen um mehr als 22.000 Kontrakte verringert, indem sie vorwiegend Short-Positionen schlossen.

 

Viertens verleihen das konzeptlose Weiterwursteln im  Euro-Chaos, die Spekulation auf neue Gelddruck-Orgien in den USA (»quantitative easing 3«) sowie geopolitische Risiken (Ausweitung des Krieges in Syrien, möglicher Überfall  auf den Iran) dem Goldpreis permanenten Rückenwind. Im aktuellen Goldpreis spiegeln sich diese Aspekte kaum wider.

 

Fünftens macht ein Blick auf den Vier-Jahres-Zyklus Mut, der im laufenden Jahr für ein wichtiges Tief spricht. In den Jahren 2004 und 2008 endeten mittelfristige Abwärtstrends bei Gold, Silber und Edelmetallaktien. Den Vier-Jahres-Zyklus beim Goldminenindex HUI mit dem Start im Jahr 2000 bei rund 35 Punkten sowie Zwischentiefs in den Jahren 2004 und 2008 erkennen Sie im folgenden Chart.

 

Das für 2012 »fällige« Tief könnte bereits hinter uns liegen, wenn man bedenkt, dass mit elf Monaten die Korrektur zeitlich sehr reif ist, dabei trotz negativer Stimmung wichtige Preisböden – bei Gold 1.520, bei Silber 26 US-Dollar – mehrfach gehalten haben und nun die Saisonalität positiv wird. Zudem weisen viele Goldaktien Doppel-Tiefs auf. Ein früherer Tiefkurs wird dabei getestet, aber nicht mehr unterschritten. Diese Formation entpuppt sich gerade bei Edelmallen und deren Aktien oft als Beginn einer Trendwende und Sprungbrett zu höheren Notierungen.

 

 

Goldaktien im Sonderangebot

 

Im Vergleich zu Gold sind die entsprechenden Aktien nun außergewöhnlich billig, denn sie kamen seit letzten September weit stärker unter die Räder.  Verlor der Goldpreis in US-Dollar bislang 14,5 Prozent (von 1.900 auf 1.625), so musste der HUI-Index 35 Prozent (von 640 auf 417 Punkte) Federn lassen. Noch offensichtlicher wird das extreme Nachhinken beim Vergleich mit den Preisspitzen vom März 2008. Damals stand der HUI bei gut 500 Punkten, der Goldpreis bei rund 1.000 US-Dollar. Obwohl Gold seitdem stark auf 1.625 US-Dollar kletterte liegt der Goldaktien-Index mit 417 Punkten noch unter seinem Hoch von 2008. Im Ergebnis notieren viele Goldaktien im Vergleich zum Edelmetall so tief wie auf dem Höhepunkt der Aktienpanik im Herbst 2008. Danach vervielfachten sich die Kurse der Gold- und Silbertitel.

 

Gold- und Silberaktien (hier der Index XAU in Relation zum Goldpreis) sind im Vergleich zu Gold so »ausgebombt« wie am Paniktief vom vierten Quartal 2008.

 

Wenn sich Gold also nur auf dem jetzigen Niveau hält, haben die Aktien dieses Sektors bereits viel Nachholpotenzial. Ganz zu schweigen davon, sollten sich die Edelmetallpreise an Saisonalität, Sentiment, Zyklen und langfristigen Aufwärtstrend halten und damit weiter steigen.

 

Wer nun Empfehlungen für Minenfonds erwartet, wird enttäuscht. Nicht nur die Gebühren (Ausgabeaufschlag, Management-/Verwaltungsgebühren) sind (zu) hoch. Noch mehr schreckt das meist nicht gerade glückliche »Händchen« der Fondsmanager ab. Törichtes Agieren vieler Bosse in der Minenindustrie bedeutet bereits Risiko genug.

 

Selbst ist also der Investor, denn aus eigenen Fehlern lernt man auch am besten. Wer die Aktien bekannter Minengesellschaften kauft, deren Management in der Vergangenheit gute Entscheidungen traf, minimiert schon einmal sein Risiko. Bewährt hat sich außerdem, ein Portfolio von mindestens sechs Titeln zu schnüren (damit man nicht gerade den einen Bankrotteur der Branche erwischt oder übergewichtet hält) sowie über zwölf Werte (der Übersichtlichkeit wegen) nicht hinauszugehen.

 

Das folgende Sextett genügt sowohl fundamentalen als auch  technischen Ansprüchen und ist geografisch diversifiziert: Goldcorp, Eldorado Gold und Silver Standard Resources (mit Sitz jeweils in Kanada), Royal Gold (USA), Gold Fields (Südafrika) sowie Resolute Mining (Australien).

 

Käufe empfehlen sich grundsätzlich an der jeweiligen Heimatbörse, die meist auch die umsatzstärkste ist, um an fremden Handelsplätzen (gerade auch an deutschen!) in engem Handel nicht »abgezockt« zu werden.

 

Ausnahmen hiervon sind Silver Standard, die trotz Sitz in Kanada einen weit höheren Börsenumsatz in den USA aufweist, sowie Gold Fields mit akzeptablem Handel in Frankfurt und Zürich.

 

Kostenlose Chartanalysen für alle Titel unter www.bigcharts.com

 

Dipl.-Betriebswirt   Christian Wolf arbeitete für Tageszeitungen, Magazine und Informationsdienste, unter anderem als Finanzredakteur für die »Fuchsbriefe« sowie als Wirtschaftsredakteur bei Focus Money.

 

 


 

 

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