Samstag, 10. Dezember 2016
01.03.2015
 
 

Verheimlichte Realität und sichere Zukunft: Arm, ärmer, Aleman

Christian Wolf

 

»Der Staat muss untergehn, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.«

(Friedrich Schiller, Demetrius)

 

Mit einer Megalüge werden Sie und ich seit Jahren von hauptamtlichen Politganoven belästigt und beleidigt: »Die Deutschen haben vom Euro am meisten profitiert!« Dies müssen wir uns sogar in der Zeit nach Aschermittwoch anhören. Wer sind nun diese Profiteure? Einige gibt es tatsächlich, ein paar Deutsche befinden sich auch darunter. Bonusbeworfene, brachial agierende Banker, international jonglierende Großkonzerne, Superreiche sowie opportunistische und (semi)kriminelle Politiker und Lobbyisten. »Die Deutschen« aber verarmen.

 

 

Die Fakten:

 

Die folgenden Grafiken werden Sie nicht in der deutschen Hof- und Lügenpresse finden.

 

Was früher der »Völkische Beobachter« war, sind heute die »Vereinten Völkischen Verwirrer«, die es als tägliche oder wöchentliche »Prawda« gar nicht wert sind, namentlich aufgeführt zu werden.

 

Was die deutschen »Qualitätsjournalisten« nicht anpacken (wollen), leistet ein Deutscher in Belfast. Dr. Joachim Jahnke erstellt und veröffentlicht Grafiken aus Daten von OECD, EZB, Eurostat, Banken etc.

 

Diese »Wochenbriefe« zeigen ein ungeschöntes Bild deutscher und europäischer Wirklichkeit.

 

 

Realität 1: Nur in den Eurokrisenländern Portugal und Griechenland haben sich die Löhne und Gehälter seit dem Jahr 2000 noch schlechter entwickelt.

 

 

Realität 2: Die deutschen Renten sind gemessen am letzten Arbeitseinkommen – von Irland abgesehen – die niedrigsten der Eurozone und bei niedrigen Arbeitseinkommen (halber Durchschnitt) sogar die niedrigsten überhaupt.

 

Realität 3: Das Nettovermögen der Masse der deutschen Haushalte ist niedriger als in jedem anderen Euroland. Nach Daten der Europäischen Zentralbank aus der Befragung von 62 000 Haushalten für 2010 betrug das Medianvermögen, das die obere von der unteren Hälfte der Vermögen teilt, hierzulande 51 400 Euro – halb so viel wie im Durchschnitt der Eurozone und gerade mal ein Viertel von Belgien. Ein spanischer Haushalt kommt danach auf 181 000 Euro.

 

 

Realität 4: Wohneigentum ist in Deutschland wenig verbreitet. Im Euroraum liegen wir mit 44 Prozent Wohneigentums-Haushalten auf dem vorletzten Platz. Der Altersarmut ist damit Tür und Tor geöffnet.

 

Realität 5: Gerade in Deutschland ist das Vermögen in den Privathaushalten extrem ungleich verteilt. Damit fällt die große Mehrheit der deutschen Haushalte gegenüber den anderen Euroländern noch weiter zurück. Nach aktuellen Berechnungen des DIW vereinigen 0,1 Prozent der reichsten deutschen Haushalte 14 bis 15 Prozent des Gesamtvermögens auf sich. Den reichsten zehn Prozent der deutschen Haushalte gehören danach sogar 63 bis 74 Prozent des Gesamtvermögens.

 

Realität 6: Deutschland liegt bei der Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit dem Jahr 2000 beim Vergleich mit anderen Euroländern nur im unteren Mittelfeld. Wie war das noch einmal, Herr Schäuble, Frau Merkel, was predigen Sie ständig? »Deutschland hat am meisten vom Euro profitiert!« Aha. Nachsitzen! Oder, besser noch: Abtreten!

 

Das ist leider noch nicht alles. Damit Sie keinen Schaubild-Kollaps bekommen und Ihnen von zu vielen Grafiken nicht schwindlig wird, sei nur darauf hingewiesen, dass

  • bei den »in Arbeit und trotzdem Armen« (neudeutsch »working poor«), die zusätzlich zum Lohn als »Aufstocker« auf Hartz-4-Leistungen angewiesen sind, Deutschland nur noch von den krisengeschüttelten Ländern Spanien, Italien und Griechenland überboten wird.

  • entsprechend der Anteil von armutsgefährdeten Arbeitnehmern in Deutschland bei rund acht Prozent liegt (zum Vergleich in Finnland nur bei zwei, in den Niederlanden bei drei Prozent).

  • als Folge schlechter Arbeitseinkommen die Kinderlosigkeit hierzulande steigt. Bei der Geburtenrate, die die Zahl der Geburten pro Bevölkerung angibt, ist Deutschland seit Jahren Schlusslicht und wurde zuletzt nur noch von Portugal unterboten.

  • das deutsche Netto-Rentenniveau – ohne Berücksichtigung der weiter reduzierenden Besteuerungseinflüsse des Alterseinkünftegesetzes – von 57,4 Prozent im Jahr 1985 schrittweise bis auf 43 Prozent in 2030 sinkt.

  • Dafür verantwortlich sind insbesondere »Riestertreppe« (pro Jahr 0,5 prozentige Absenkung der Bemessungsgrundlage für die Rentenanpassung, bis vier Prozent erreicht sind) und Hinterhältigkeiten, die als »Nachhaltigkeitsfaktor« und »Ausgleichsfaktor« bemäntelt werden.

 

Doch viele Deutsche haben Wahrnehmungsstörungen und/oder glauben der Regierungspropaganda. Sicher haben Sie es auch schon im Freundes- oder Kollegenkreis erduldet, dass Desorientierte das Märchen vom Euro-Profiteur Deutschland nachäffen.

 

Künftig müssen Sie sich nicht mehr aufregen, brauchen auch kein Nudelholz oder Baseballschläger, sondern halten dem/der Holzwegwandler(in) einfach die obigen Grafiken unter die Nase – worauf gewiss der Rest der Runde die Riechorgane über den Lügenpropagandist rümpft.

 

Denn es ist eine unglaubliche Chuzpe, was Politganoven sich erdreisten und viele Deutsche sich auch noch gefallen lassen:

 

Zuerst raubt man uns unter falschen Versprechungen und dreisten Lügen (Wahlplakat der CDU von 1999: »Muß Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen? Ein ganz klares Nein!«) die D-Mark, dann stürzt unser Wohlstand als Folge der Sch(w)undwährung im europäischen Vergleich total ab, wir werden von »unseren« Politikern zusätzlich verhöhnt, die uns weismachen wollen, Deutschland hätte »vom Euro am meisten profitiert«, damit wir als verarmte Vollidioten auch noch abnicken, unrettbare Pleiteländer und hemmungslos agierende Banken zu »retten«. Wo bleibt Ihr Aufschrei? Oder hat Friedrich Schiller doch recht, als er formulierte:

 

»Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen!« ...?

 

Falls Sie es vergessen haben oder es Ihnen sogar peinlich sein sollte – es hilft nichts: SIE sind das Volk!

 

 

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Leser-Kommentare (84) zu diesem Artikel

11.10.2015 | 13:02

rospo

Meine besten Jahre waren die 80, und die 90iger Jahre. Ich hatte Arbeit und konnte Geld für ein neues kleines Auto zurücklegen (das alte wurde immer dran getauscht). Der Euro ist nur noch die Hälfte wert. War der Einkaufwagen zur damaligen Zeit voll, ist er heute halb voll, oder sogar weniger. Profitiert haben nur die Unternehmen mit den EURO, ab nicht der Arbeitnehmer mit seiner Lohnsteuerkarte.


05.05.2015 | 13:40

Hojer, Manfred

Warum wird die Erhöhung von "Diäten" (lustig, nicht) nicht im gleichen Umfange vorgenommen wie die Einkommensentwicklung der Gesamtbevölkerung, oder noch besser, der Rentner? Warum gibt es immer noch Bürger, die die Parteien wählen, die seit Jahren all das Gemauschel und "in die eigene Tasche wirtschaften" praktizieren? Da betrügt ein Politiker über 20 Jahre, gibt Jahr für Jahr falsche Einkommens-erkläruneng ab, und dann schlägt die Justiz gnadenlos zu: Er...

Warum wird die Erhöhung von "Diäten" (lustig, nicht) nicht im gleichen Umfange vorgenommen wie die Einkommensentwicklung der Gesamtbevölkerung, oder noch besser, der Rentner? Warum gibt es immer noch Bürger, die die Parteien wählen, die seit Jahren all das Gemauschel und "in die eigene Tasche wirtschaften" praktizieren? Da betrügt ein Politiker über 20 Jahre, gibt Jahr für Jahr falsche Einkommens-erkläruneng ab, und dann schlägt die Justiz gnadenlos zu: Er bekommt Bewährung! Was sind das für Richter im Namen des Volkes? Die Flut an Beamten wird uns, wenn sie Pensionäre werden, noch das Grauen lehren, denn die Rücklagen dafür reichen bei weitem nicht. Was macht man mit den Hartz-4-lern, die ja nur minimale Rentenansprüche erwerben, aber auch einen Heimplatz, ärztl. Versorgung usw. haben wollen. Nicht allen, aber ganz vielen gehört "Feuer unter den Arsch".


28.04.2015 | 10:55

J.Stanley

Ich bin auch sehr stark eingeschränkt seit dem Euro, alles ist wesentlich teuer als zuvor. Bestes Beispiel die Gastronomie. Hat man früher für eine Pizza vielleicht 8,50 DM bezahlt sind es jetzt 8,5 € somit haben wir hier eine Preissteigerung von ca. 100% erfahren und das legt uns ja im Gehalt keiner oben drauf... Eine Rückkehr zur DM kann ich nur befürworten, vielleicht kann man dann auch mal wieder ein paar Mark beiseite legen. Aktuell bin ich teil der Mittelschicht, die durch...

Ich bin auch sehr stark eingeschränkt seit dem Euro, alles ist wesentlich teuer als zuvor. Bestes Beispiel die Gastronomie. Hat man früher für eine Pizza vielleicht 8,50 DM bezahlt sind es jetzt 8,5 € somit haben wir hier eine Preissteigerung von ca. 100% erfahren und das legt uns ja im Gehalt keiner oben drauf... Eine Rückkehr zur DM kann ich nur befürworten, vielleicht kann man dann auch mal wieder ein paar Mark beiseite legen. Aktuell bin ich teil der Mittelschicht, die durch gestiegene Kosten sehr zu leiden hat. Außerdem würde es der DM wesentlich besser gehen, wenn all das was jetzt dem Euro "zugute" kommt nur in die DM einfließt. Ich habe keine Lust weiterhin mit meinen Steuergeldern den Euro zu stützen ...


07.03.2015 | 09:29

DJ

Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast. Oben werden überwiegend nur relative Angaben gelistet. Wie wäre es mal mit absoluten Zahlen. Wie viel Rente beziehen die Deutschen im Schnitt im Vergleich zu den Nachbarländern? Wie sieht es mit dem Anstieg der Staatsverschuldung aus? Wer lebt über seine Verhältnisse? Der geringere Anstiegt der Einkünfte war politisch gewollt, um die Wettbewerbssituation von D zu verbessern, was auch funktioniert hat. Wie schaut es mit...

Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast. Oben werden überwiegend nur relative Angaben gelistet. Wie wäre es mal mit absoluten Zahlen. Wie viel Rente beziehen die Deutschen im Schnitt im Vergleich zu den Nachbarländern? Wie sieht es mit dem Anstieg der Staatsverschuldung aus? Wer lebt über seine Verhältnisse? Der geringere Anstiegt der Einkünfte war politisch gewollt, um die Wettbewerbssituation von D zu verbessern, was auch funktioniert hat. Wie schaut es mit der Rate der Arbeitslosen in den Ländern aus? Was müssen die anderen in welcher Höher von ihrer Rente oder Einkünften in welcher Höhe noch bezahlen (in Holland ist die KFZ Steuer z.B. sehr hoch)? Wie sieht es mit der Innovationskraft (die Einkünfte generiert) im Vergleich aus und welche Sondersituationen haben einzelne Länder (z.B. Ölfelder in der Nordsee)? Mit zunehmendem Wohlstand sinkt die Nachwuchsrate in allen Ländern der Welt. Da die Nachwuchsrate in D sehr niedrig ist, wäre das eher ein Indiz für hohen Wohlstand. Die oben zusammengestellten Infos sind in keinster Weise aussagekräftig, unseriös, einseitig, typisch für Kopp und auch nicht besser als was und die Mainstream-Medien auftischen. Wer das ungefiltert aufnimmt, ist selber schuld.


04.03.2015 | 18:13

geja

Es ist eine Schande, wie unsere Politiker die Wahrheiten verdrehen. Deutschland wird total ausgeschlachtet, so scheint es der Plan weniger zu sein, die die Macht und das Kapital in Händen halten. Jeder, der nur ein klein
wenig an diesen sogen. Wahrheiten kratzt, wird hemmungslos in die rechte Ecke verschoben!


03.03.2015 | 15:39

Heinz-Peter Müllejans

Wir leben in der Selbstbedienungs-Republik. Nach ein paar Jahren haben Politiker Rentenansprüche die ein Arbeitnehmer nie erreichen kann. Dann sorgen sie nach der alten Weisheit weiter nur für sich :" Halt Du sie arm, ich halt sie dumm. Parteibücher spielen dakeine Rolle, das Ergebnis ist immer das Gleiche.

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