Thursday, 29. September 2016
14.12.2010
 
 

Berlin-Konferenz: Es gibt keine Alternative zur Anpassung an den Klimawandel

Edgar Gärtner

Während sich hysterische grüne Aktivisten, UN-Bürokraten und nationale Klima-Diplomaten im vornehmen mexikanischen Badeort Cancún zum Abgesang der Klimapolitik nach Kioto-Muster versammelten, luden das Europäische Institut für Energie und Klima (EIKE) und das Berlin-Manhattan-Institut am 3. und 4. Dezember 2010 im Berliner Maritim-Arte-Hotel zum dritten Mal jene Wissenschaftler ein, die sich einen kühlen Kopf bewahrt hatten.

Prof. Vincent Courtillot, der Chef des Institut de Physique du Globe in Paris, erklärte in seinem einleitenden Übersichtsvortrag, warum der von Politpromis und dem »Weltklimarat« IPCC angestrebte klimawissenschaftliche »Konsens« auf einen Holzweg führt. Courtillot erinnerte an das Schicksal der vor dem Ersten Weltkrieg aufgestellten Kontinentaldrift-Theorie des deutschen Meteorologen Alfred Wegener. Hätte ein Gremium wie der IPCC darüber befunden, wäre die inzwischen unter der Bezeichnung »Plattentektonik« allenthalben akzeptierte Theorie für die Erklärung von Erdbeben und Gebirgsauffaltungen bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts beinahe einstimmig verworfen worden. Ein einzelner unbeirrter Wissenschaftler kann also gegenüber einer erdrückenden Mehrheit konventionell denkender Kollegen recht behalten. Wissenschaftliche Kontroversen können deshalb nie als endgültig beigelegt betrachtet werden.

Das gilt umso mehr für Disziplinen, die sich mit so einem komplexen Gegenstand wie der Entwicklung der klimatischen Bedingungen des Planeten Erde beschäftigen. Der israelische Astrophysiker Nir Shaviv wies darauf hin, dass die vom IPCC favorisierten Computermodelle die kühlende Wirkung der Wolken vernachlässigen. Stattdessen rechneten die »Klimaretter« ausschließlich mit einer positiven Rückkopplung von CO2 und Wasserdampf in der Atmosphäre und gelangten dabei zu einer unrealistisch hohen »Klimasensivität« von CO2. Wegen der kühlenden Wirkung der Wolken sei das Netto-Feedback aber wahrscheinlich Null. Sowohl Shaviv als auch Courtillot sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der bei schwacher Sonnenaktivität in die Erdatmosphäre eindringenden kosmischen Strahlung und dem durchschnittlichen Bewölkungsgrad(Svensmark-Effekt). Die Veränderung der Wolkenbedeckung könne während der sogenannten Madden-Julian-Oszillation Schwankungen der Sonneneinstrahlung von acht Watt je Quadratmeter bewirken, während der von den IPCC-Autoren angenommene »Treibhauseffekt« allenfalls Schwankungen in der Größenordnung von einem Watt je Quadratmeter Erdoberfläche erklären könne, schätzte Courtillot. Entscheidend für die Entwicklung des Wettergeschehens und der Temperatur sei aber nicht die Globalstrahlung, sondern die UV-Strahlung. Diese beeinflusst die sogenannte Nordatlantische Oszillation (NAO) und ihr Gegenstück auf der Südhalbkugel der Erde. Die Erwärmung habe sich in Westeuropa nicht, wie der ansteigende CO2-Gehalt der Luft, allmählich vollzogen. Vielmehr zeigten die meisten Messstationen zwischen 1986 und 1989 einen sprunghaften Anstieg. In Nordamerika folgte die Temperaturentwicklung einem ganz anderen Muster.

Damit bestätigte er, was dem deutschen Physiker Dr. Horst Borchert (Mainz) nach jahrzehntelangen Messungen aufgefallen ist. Borchert sieht einen Zusammenhang mit dem starken Rückgang der Schwefeldioxidbelastung der Luft infolge der Umsetzung der deutschen Großfeuerungsanlagen-Verordnung und mit dem starken Sonnenwind (gemessen als Protonen-Höhenstrahlung) während des überaus aktiven 22. Sonnenfleckenzyklus. Da der aktuelle 24. Solarzyklus besonders schwach ausfällt, erwartet Borchert, dass der verstorbene Amateur-Astronom Theodor Landscheidt mit seiner Prognose einer schmerzhaften Abkühlung der Erde in den kommenden Jahrzehnten recht behält.

Wir sollten aber sowohl auf eine Abkühlung als auch auf eine weitere Erwärmung der Erde vorbereitet sein und in Bezug auf CO2 den Mut haben, nichts zu tun, meint der australische Geophysiker Bob Carter. Die aktuelle Entwicklung müsse im Kontext eines vor Jahrmillionen begonnenen erdgeschichtlichen Abkühlungstrends gesehen werden. Die im 20. Jahrhundert registrierte leichte Erwärmung der Erde entspreche der Temperaturdifferenz, die beim Herabsteigen von einem hundert Meter hohen Hügel eintritt. Es bleibe den Menschen nichts anderes übrig, als sich an Klimaveränderungen anzupassen. Manchmal erfolgten diese allerdings in der Geschichte auch ohne menschliches Zutun so abrupt, dass nur die Flucht als Ausweg bleibe.

Carters Kollege Ian Plimer, ein international renommierter Fachmann für Vulkanismus, beschäftigte sich mit der vom IPCC und einschlägigen Massenmedien hochgespielten Gefahr einer Versauerung der Meere durch den Eintrag von CO2. Der mit Abstand bedeutendste Eintrag von Kohlensäure in den Ozean stamme nicht von den Menschen, sondern von Millionen von unterseeischen Vulkanen, stellte Plimer klar. Mit deren Basalteruptionen gelange aber auch viel Kalk in die Meere, der die Säure neutralisiert. Vulkanisches CO2 trage die gleiche Isotopenhandschrift wie CO2 aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Deshalb sei die Behauptung, der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre gehe in der Hauptsache auf die Industrialisierung zurück, mit großer Vorsicht zu genießen.

Ohnehin sei der Kreislauf des Kohlenstoffs vom globalen Wasserkreislauf abhängig. Und dieser werde von der Sonne angetrieben, betonte der in Ottawa und Bochum lehrende Geologe Jan Veizer. Die Computermodelle des IPCC stellten die Welt schlicht auf den Kopf, da sie dem CO2 die Rolle des Hauptantriebs der Klimaentwicklung zuschreiben. Dem konnte der in Leipzig lehrende Geoinformatiker Werner Kirstein nur beipflichten. Die in den IPCC-Modellen angenommene Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs entbehre jeglicher Datengrundlage. Prof. Kirstein stellte fest, der Meeresspiegel steige zurzeit überhaupt nicht. Auch das prognostizierte weitere Abschmelzen des Arktis-Eises sei nicht eingetroffen, betonte Prof. Kirstein. Die Eisdecke hat sich in den letzten Jahren wieder ausgedehnt. Das auf 3.000 Messbojen fußende neue ARGO-Netz weist übrigens aus, dass sich der Ozean in der gleichen Zeit leicht abgekühlt hat.

EIKE-Mitglied Prof. em. Horst-Joachim Lüdecke konnte an Hand des Skalengesetzes von Hurst demonstrieren, dass die Temperaturentwicklung seit dem 19. Jahrhundert nicht zufällig fluktuierte, sondern einem Trend folgt, der auf Schwankungen der Sonnenaktivität als Antrieb hinweist. Prof. em. Friedrich-Karl Ewert (Paderborn) konnte an Hand einer Analyse der Rohdaten von 800 ausgewählten Mess-Stationen überdies zeigen, dass es auf der Welt überhaupt keinen einheitlichen Temperaturtrend gibt. Er bestätigte damit die Aussagen von Courtillot und Borchert. Phil Jones und andere dem IPCC zuarbeitende Forscher konnten nur deshalb eine Temperaturzunahme ausmachen, weil sie die Daten von Mess-Stationen, die eine Abkühlung zeigen, nicht berücksichtigten. EIKE-Pressesprecher Diplom-Meteorologe Klaus-Eckart Puls wies darauf hin, dass auch die vom IPCC an die Wand gemalte Zunahme schwerer Stürme nicht eingetreten ist. Im Gegenteil: Der Windkraftindex ist in den letzten 15 Jahren um 20 Prozent gesunken. Das erklärt so manche Pleite in der Windkraftbranche.

Warum diese in Mainstreammedien dennoch als »Jobmotor« gerühmt wird, untersuchte der bekannte Fernsehjournalist Günter Ederer. Er stellte dar, wie es einer gut organisierten und eng mit der Politik verflochtenen grünen Lobby gelungen ist, die egoistische Durchsetzung völlig unwirtschaftlicher und unzuverlässiger Formen der Energieerzeugung als »nachhaltige Entwicklung« zu verkaufen. Prof. Dieter Ameling, der ehemalige Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, berichtete, der vom Bundesumweltministerium eingesetzte Rat von Sachverständigen für Umweltfragen habe schon in seinem Gutachten von 2001 die Meinung vertreten, »energieintensive Altindustrien« hätten in Deutschland keinen Platz mehr. Doch diese »Altindustrien« wie Bergbau, Zement, Stahl, Papier, Chemie und Keramik besorgten in Deutschland 20 Prozent der Bruttowertschöpfung. In der aktuellen Finanzkrise zeige es sich, wie gut die Deutschen daran getan haben, ihr Land als weltweit bedeutenden Industriestandort zu erhalten. Nur in China und Südkorea ist derzeit der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt höher als in Deutschland. Werde der Ausbau der unwirtschaftlichen »erneuerbaren« Energien jedoch fortgesetzt, müssten energieintensive Industrien abwandern. Im kommenden Jahr werde die Stromeinspeisevergütung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) bereits 32 Prozent des Industriestrompreises ausmachen. Er könne deshalb seinen ehemaligen Arbeitgeber Thyssen-Krupp gut verstehen, wenn er jetzt massiv in Brasilien investiert und deutsche Standorte mittelfristig zur Disposition stellt.

 

Wie erwartet, berichteten linkslastige Medien über diese hochkarätige Veranstaltung völlig voreingenommen und in abfälligem Ton. Die ZDF-Sendung »Frontal« suggerierte, die »Skeptiker« gingen Kontroversen mit Vertretern des IPCC aus dem Weg. Dabei ist es genau umgekehrt.

 

 


 

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