Falsches Heizen belastet die Gesundheit und den Geldbeutel
Edgar Gärtner
Gut 40 Millionen Wohnungen werden in Deutschland falsch beheizt, schätzt der inzwischen in Oberbayern im (Un-)Ruhestand lebende Bau- und Heizungsingenieur Alfred Eisenschink. Auf der Homepage des von ihm mitbegründeten gemeinnützigen Verbraucherschutzbundes »Club of Home« erklärte er, was die üblichen Zentralheizungssysteme mit Öl- oder Gas-Heizkessel seiner Meinung nach falsch machen: Sie heizen die Luft auf, statt die Hausbewohner durch Wärmestrahlen (Infrarot) zu wärmen. Dabei wirbeln sie eine Menge Feinstaub auf, der die Atemwege belastet.
Eisenschink kam in den 1950er-Jahren, als er in den Diensten des Ölkonzerns Esso stand, mehr durch Zufall auf eine gesündere und obendrein wirtschaftlichere Art der Raumheizung. Sein Arbeitgeber wollte in der Nachkriegszeit den Heizölabsatz ankurbeln. In Deutschland gab es aber damals noch kaum Zentralheizungen. Bis in die Mitte der 1960er-Jahre wurden noch über 80 Prozent der deutschen Wohnungen mit Holz-, Kohle- und Ölöfen beheizt. Da der nachträgliche Einbau von Zentralheizungen mit den bis heute üblichen wuchtigen Heizkörpern wegen der dabei entstehenden Schmutz- und Lärmbelästigungen als unzumutbar erschien, trug der Ölkonzern seinen Ingenieuren auf, kompaktere Heizsysteme zu entwickeln, die ohne großes Aufheben nachträglich eingebaut werden konnten. Dabei kamen die Ingenieure auf eine Lösung, für die es in den USA schon Vorbilder (Baseboards) gab: flache Konvektoren anstelle der üblichen Fußleisten entlang der Zimmerwände. Wie es sich erst später herausstellte, heizen diese Flachkonvektoren die Wände auf. Und diese übertragen dann die Wärme in Form von Infrarotstrahlen auf die Bewohner. Die Atemluft bleibt dabei vergleichsweise kühl. Es wird kein Staub aufgewirbelt.
In den Mittelmeerländern hat dieses Prinzip der Strahlungsheizung neuerdings in Form von Wandbildern, die als Infrarotstrahler fungieren, Furore gemacht. Solche elektrischen Bildheizungen finden zurzeit vor allem in Spanien reißenden Absatz. Doch Alfred Eisenschink rät von ihnen wegen der damit verbundenen Elektrosmog-Belastung ab und schwört weiterhin auf die von ihm und seinen früheren Esso-Kollegen entwickelten Heizleisten mit Warmwasser-Kreislauf. Doch diese konnten
den Massenmarkt bislang nicht erobern, obwohl der Ersatz herkömmlicher Radiatoren durch Heizleisten je Wohnraum nur etwa 500 Euro kostet. Schuld daran, so Eisenschick, sind gleichermaßen kartellartige Festlegungen der Heizungsinstallateure und der Gesetzgeber. Im Klartext: Gesetzliche Vorschriften folgen nicht naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern dem Druck einflussreicher Lobbies.
Unter anderem durch die Energiesparverordnung (EnEV) schreibt der Staat in Mietwohnungen zum Beispiel den Einbau von Thermostatventilen und Heizkostenverteilern vor. Dadurch sollen die Mieter angehalten werden, die Heizungen ausgerechnet nachts zu drosseln, um die »Energieeffizienz« zu erhöhen beziehungsweise Heizkosten zu sparen. In Wirklichkeit bewirken diese Vorkehrungen genau das Gegenteil: Das Wiederaufheizen abgekühlter Wände und Räume erfordert erheblich mehr Energie, als während der Heizpausen in kalten Nächten eingespart werden kann. An diesem physikalischen Zusammenhang kann keine Verordnung etwas ändern. Wirtschaftlich heizt nur, wer Gebäude gleichmäßig beheizt. Die Heizkosten können dann ohne aufwendige Erfassung des individuellen Heizwärmeverbrauchs einfach auf die jeweilige Wohnungsgröße umgelegt werden. »Effizient« sind die staatlichen Vorschriften nur für die Anbieter von Thermostatventilen. Diese haben mit ihrer nutzlosen Technik Milliarden verdient. Ähnlich ist es bei der vorgeschriebenen Wärmedämmung der Gebäude, die letztlich nur den Dämmstoffherstellern nutzt. Denn in Gebäuden mit ordentlichen Ziegelmauern und Strahlungsheizsystemen wie Kachelöfen, Heizleisten oder Infrarot-Bildstrahlern bringen sie keine Kosteneinsparung, sondern stattdessen Gesundheitsgefahren infolge des Nässestaus und der dadurch begünstigten Schimmelbildung in völlig abgedichteten Wohnschachteln aus Styropor.
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