Sunday, 31. July 2016
10.02.2011
 
 

Windräder: Horrende Kosten für den Rückbau der Fundamente

Edgar Gärtner

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 22.000 Windräder. Sie stehen meist in Landschafts- oder gar Naturschutzgebieten. Ihr Fundament besteht aus Tausenden Tonnen Beton. Und der Boden wurde weiträumig um die Fundamente herum mit schweren Maschinen verdichtet und ökologisch zerstört. Irgendwann müssen die Anlagen wieder abgebaut werden. Auf den Kosten in Höhe von derzeit durchschnittlich 150.000 Euro werden dann wohl künftig häufig nicht die Betreiber, sondern die Grundeigentümer (meist Bauern) sitzen bleiben. Dummerweise ahnen die davon noch nichts und freuen sich über die »ökologischen« Windmühlen auf ihren Feldern, die viele der Bauern und Grundstückseigentümer noch teuer zu stehen kommen werden. Denn irgendwann muss irgendwer ja für den Rückbau zahlen.

Zwischen Bochum und Castrop-Rauxel muss jetzt nach einem Gerichtsbeschluss der gerade fertig gestellte hundert Meter hohe Betonmast für ein großes Windrad wieder abgerissen beziehungsweise gesprengt werden. Eine Anwohnerin hatte geklagt, weil sich das Monster nur 270 Meter vor ihrem Haus in der Hauptblickrichtung befindet. Sowohl das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen als auch der 8. Senat des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster sahen im absehbaren Schattenwurf des drehenden Rotors der Windkraftanlage (WKA) eine unzumutbare Einschränkung der Lebensqualität der Anwohner. In einem zuvor ergangenen Urteil hatte das OVG festgelegt, dass der Abstand zwischen einer Windkraftanlage (WKA) und Wohnhäusern mindestens doppelt so groß sein muss wie die Gesamthöhe der WKA samt Rotor. Bei der bis zur Rotorspitze etwa 150 Meter hohen WKA in Gerthe bei Bochum wären das 300 Meter. Für unproblematisch hält das OVG WKA erst mindestens 450 Meter Abstand zur nächsten Wohnbebauung. Das Land NRW empfiehlt einen Abstand von 700 Metern, Umweltschützer sogar 1.000 Meter. Die Betreiber der WKA in Gerthe, ein Kollektiv niedersächsischer Landwirte mit dem Namen »Godewind«, versuchten vergeblich, die Anwohner mit dem Angebot von Baumpflanzungen und von finanziellen Entschädigungen umzustimmen. Das Bundesverwaltungsgericht (BVG) hat inzwischen die Revision abgelehnt, wodurch das Urteil des OVG Münster rechtskräftig geworden ist. Nun muss »Godewind« den 100 Meter hohen »Spargel« sprengen lassen. Was mit dem 30 Meter tiefen Stahlbetonfundament geschieht, ist noch nicht geklärt.

Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf die noch weitgehend ungelöste Problematik des Rückbaus von Windkraftanlagen. Geködert von hohen jährlichen Pachtzahlungen von 15.000 Euro und mehr je Windrad, haben Landwirte überall in Europa bereitwillig Äcker und Wiesen für den Bau immer größerer Windkraftanlagen zur Verfügung gestellt und dabei die Kosten der späteren Demontage der Anlage und ihrer tief in die Erde reichenden Fundamente (derzeit im Schnitt 30 Meter tief) auf die leichte Schulter genommen. Irgendwann ist Zahltag. Irgendwann werden wir uns an den Kopf fassen und erstaunt fragen, warum wir es »umweltfreundlich« gefunden haben, an derzeit schon mehr als 22.000 Stellen in Deutschland die Böden durch gewaltige Betonfundamente ökologisch abzutöten und zu versiegeln.

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