Samstag, 25. März 2017
21.05.2012
 
 

Buße für den Holocaust? Sarrazin über den Euro und Deutschland

Eva Herman

Thilo Sarrazin hat ein neues Aufreger-Buch geschrieben: Europa braucht den Euro nicht. Schon vor dessen Veröffentlichung schlugen die Wellen hoch: Empörte Proteste unserer Politiker-Gutmenschen, die entsetzt auf die Einladung Sarrazins in die gestrige ARD-Sendung »Günther Jauch« reagiert hatten. Denn Sarrazin bringt Vergleiche aus dem Dritten Reich in die Debatte ein, und das geht ja bekanntlich »gar nicht«. Am gestrigen Abend trafen sich dennoch der Bilderberger und wahrscheinliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und der Euro-Skeptiker Thilo Sarrazin in der ersten Reihe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zum Live-Duell. Eine Sternstunde.

Ex-Bundesbankvorstand und SPD-Parteimitglied Thilo Sarrazin beschreibt in seinem neuen Buch die Lebenslügen der kriselnden »Gemeinschaftswährung« und widerlegt vehement das inzwischen berühmte Merkel-Schlagwort »Scheitert der Euro, scheitert Europa.«

 

Und es scheint so etwas wie ein bisschen neuer Mut über die deutsche Journalistenszene gekommen zu sein, ein Mut, den möglicherweise auch die Bürger im Land durch beharrlichen Widerspruch herausgefordert haben: Die Massenmedien schweigen oder schreien nicht mehr zu Sarrazin, sondern sie müssen sich mit dessen »umstrittenen« Thesen, die in Volkes Seele meist die Mehrheit genießen, langsam etwas sachlicher auseinandersetzen.

 

Vielleicht aber sollte der einzige Gegenpart an diesem Abend, Peer Steinbrück, einfach auch nur durch die Hintertür als SPD-Kanzlerkandidat salonfähiger gemacht werden? Das dürfte nach Ablauf der einstündigen Sendung  jedoch deutlich misslungen sein.

 

Natürlich ist es eine Frage von Quote und Auflage: Wer Thilo Sarrazin und sein neues Buch zu seinem Debattenthema macht, darf sich höchster Aufmerksamkeit gewiss sein. Und da beschäftigt man sich notgedrungen auch schon einmal mit dem provokanten, angeblichen Zusammenhang zwischen der Euro-Einführung und der »Buße für den Holocaust und den Weltkrieg«. Doch dazu später.

 

Der ehemalige Bundesbankvorstand widerspricht in seinen Büchern dem herrschenden Mainstream laut und unnachgiebig und scheut sich nicht, das, was viele Bürger denken, kompromisslos auszusprechen: Ob es um die »Integrations-« oder auch um die »Euro-Lüge« geht. So auch gestern Abend um 21:45 Uhr im Ersten Deutschen Fernsehen. Dem seit letzten Jahr weitgehend  stigmatisierten Thilo Sarrazin wurde gestern der teuere rote ARD-Teppich ausgerollt, von Starmoderator Günter Jauch höchstpersönlich.

 

Mit stolzgeschwellter Brust textet Jauch die Sendung unter dem Hinweis an, dass es bereits im Vorfeld wütende Proteste bundesdeutscher Politiker gegeben habe. Fast trotzig schaut er, als er dann anfügt: »Wir finden aber: So eine Diskussion muss möglich sein. Thilo Sarrazin contra Peer Steinbrück im Live-Duell im Gasometer!«

 

Die Regie zeigt Live-Bilder, die zeitgleich vor dem Studio aufgenommen werden: Dort halten ein paar Demonstranten Spruchplakate in die Höhe, auf denen sie ihren Unmut darüber zum Ausdruck bringen, dass die ARD einen wie den Sarrazin überhaupt vor die Kamera holt: »Halt‘s Maul, oder wir schlagen zurück«, steht da zu lesen.

 

Jauch zitiert mit etwas besorgtem Unterton den SPD-Politiker und Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, der Sarrazins Euro-Thesen als »schwachsinnig« bezeichnet hatte. Auch die Grüne Renate Künast, die stets fast diktatorisch jegliche lebendige Diskussion unterdrücken will und Sarrazin gleich wieder in die rechte Ecke schiebt, wird mit ihrer dringenden Mahnung zitiert, ein »nationalistischer Unsinn« wie der von Sarrazin passe nicht in den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag. Auch CDU-Finanzminister Schäuble wird von Jauch erwähnt: Dieser bezeichnet die Sarrazinthesen als »himmelschreienden Blödsinn«, der Minister unterstellt Sarrazin dabei entweder »Überzeugung« oder ein »verachtenswertes Kalkül«.

 

So! Damit hat Jauch jetzt den politisch korrekten Anforderungen zunächst Genüge getan und die Liste einiger öffentlicher Gegenstimmen abgehakt, und nun geht’s los. Der ARD-Moderator will wissen, ob Sarrazin sich vor zehn Jahren »so gar nicht über die Einführung des Euro gefreut habe«?

 

Er sei gespalten gewesen, sagt das SPD-Mitglied Sarrazin und weist darauf hin, dass er als Beamter des Bundesfinanzministeriums  in der Anfangsphase »dabei gewesen« sei. Weil er jedoch wisse, wie Politik und Geschichte funktionierten, sei er eher skeptisch gewesen. Sarrazin sei aber auch von dem »Projekt fasziniert« gewesen, gibt er ehrlich zu und nennt sein 1998 erschienenes Buch Der Euro, Chance oder Abenteuer?, in welchem er die voraussichtlichen Schwierigkeiten des Euro in der Zukunft ebenso beschrieben hatte, wie er auch die Situation der Euro-Krisenländer in diesem Buch bereits vorwegnahm. Sarrazin erklärt gegenüber Jauch, bis in die Jahre 2006/2007 sei er dann der Meinung gewesen, dass der Euro sich doch ganz gut »zurechtlaufe«.

 

Jauch führt das Gespräch straff, fällt öfter ins Wort, die redaktionell ausgearbeiteten Punkte müssen schließlich abgearbeitet werden, denn der große Klotz von Holocaust und Weltkrieg wartete schließlich auf Erörterung. Der Moderator kündigt einen Einspieler an, in welchem  Thilo Sarrazin und sein »Aufregerbuch« erneut thematisiert werden, frei nach dem Motto: Wenn schon Skandal, dann richtig! Mitten in der schwersten Krise des Euro streue Sarrazin mit seinem neuen Buch Salz in die Wunde, heißt es da. Sarrazins Hauptthese: »Ökonomische Vorteile, die durch Daten und Fakten belegbar wären, hat die gemeinsame Währung in den ersten dreizehn Jahren ihres Bestehens nicht gebracht«.

 

Weiter wird Sarrazins Buch zitiert: »Die Vorteile, die wir durch den Euro gehabt haben, sind Scheinvorteile gewesen!« Deutschen Wohlstand und Aufschwung hätte es auch ohne Euro gegeben. Man habe mit dem Euro die politische Union erzwingen wollen. »Wenn geplant war, den Euro als ›Band der europäischen Völker‹ zu benutzen, das den Zusammenhalt fördert, so ist das Gegenteil eingetreten«.

 

Über die zum Teil tatsächlich sehr unterschiedliche Mentalität, Kultur und Tradition der Euro-Länder gibt es in dem neuen Sarrazin-Buch ebenso zahlreiche Aussagen, die in dem ARD-Beitrag als »Klischees« und später von Peer Steinbrück als »bizarr« zerpflückt werden. Bei Sarrazin heißt es, die wirtschaftlichen Probleme der Griechen  seien »tief in der Mentalität und den Traditionen der griechischen Gesellschaft verwurzelt«. Zu Italien bemerkt er in dem Anti-Euro-Buch: »(…), dass vorausplanendes Nachdenken und rationale Argumentation nicht die wesentliche Triebfeder dieser Gesellschaft« seien. Ist das wirklich alles so falsch?

 

Er schüre Vorurteile, heute wie damals, als er das Buch Deutschland schafft sich ab veröffentlicht habe, heißt es in dem Jauch-Einspieler weiter. Sein Bestseller über Deutschlands Migrationsprobleme spalte schließlich ganz Deutschland.

 

Merkwürdig ist dabei nur, dass alle dazu veröffentlichten Umfragen ganz andere Ergebnisse zutage gebracht haben: Zwischen 80 und 95 Prozent der deutschen Bürger sind hier in Wirklichkeit auf Sarrazins Seite, was auch der Millionen-Absatz seines Buches beweist. Man fragt sich, wer in der ARD-Jauch-Redaktion für diese Recherche zuständig war, Volontäre vielleicht? Vor allem, weil Moderator Jauch wenig später eine eigene Dimap-Infratest-Umfrage präsentiert, nach der sich 49 Prozent der Deutschen aktuell gegen die Euro-Einführung aussprechen, ebenso wird Jauch später den Ex-Kanzler Helmut Kohl mit den Worten zitieren, dass bei einer möglichen Volksbefragung zur Euro-Einführung wohl etwa siebzig Prozent der Bürger sich DAGEGEN ausgesprochen hätten.

 

Von einer Spaltung Deutschlands kann da wohl kaum die Rede sein, vielmehr sind sich die Deutschen weitgehend einig, ganz im Gegensatz zu den Mainstreammedien und vielen Politikern, die sich ihre eigene Wahrheit zurechtzuzimmern suchen. Wie lange wohl noch?

 

Jauch richtet nun mit sorgenvoller Miene die Frage an Peer Steinbrück, der das neue Sarrazin-Buch komplett gelesen haben will, ob die Aufregung darüber gerechtfertigt sei. Steinbrück räumt aber erst einmal mit Vorurteilen über seine eigene Person auf, ohne auf die Frage einzugehen: Er säße nicht, wie sein Nachfolger, Bundesfinanzminister Schäuble, behaupte, in dieser umstrittenen Sendung, weil er seine Chancen auf eine SPD-Kanzlerkandidatur positiv beeinflussen wolle. Sondern er säße alleine deswegen dort, weil er Thilo Sarrazin und dessen zum Teil fundamentalen Fehleinschätzungen widersprechen wolle, rechtfertigt er sich.  Dazu kommt es aber dann nicht mehr, weil der Star-Moderator ihm das Wort abschneidet und sich wieder Sarrazin zuwendet.

 

Er will wissen, ob es bis heute ohne den Euro und mit der D-Mark besser gelaufen wäre, worauf der Ex-Bundesbankvorstand klarstellt, dass er sich gegen die Merkel-Aussage stelle: »Scheitert der Euro, dann scheitert Europa«. Das mache den Menschen Angst und sei sachlich falsch. Er, Sarrazin, sei überzeugter Europäer. So glaube er auch an europäische Integration. Allerdings definiere er Europa über drei Elemente: Frieden und Freiheit, Wohlstand und Arbeit für alle, die arbeiten wollten. Für diese drei wichtigen Voraussetzungen sei allerdings eine Gemeinschaftswährung nicht notwendig, ebenso wenig wie für den deutschen Export.

 

In einem erneuten Einspieler, der durch schwergewichtige Zeugen einen weiteren Beeinflussungsversuch der öffentlichen Meinung zu nehmen sucht, die deutsche Wirtschaft brauche den Euro unbedingt, beschwört der DIHK-Vorsitzende Martin Wansleben die Vorteile der »Gemeinschaftswährung«, und an genau einem einzigen Beispiel, dem des Unternehmens Nordzucker, wird die gesamte deutsche Wirtschaft festgemacht. Tenor: Alles in Butter auf‘m Kutter!

 

In den vom Anklatscher forcierten Applaus ruft Günther Jauch Thilo Sarrazin zu: »Kennen Sie irgendeinen DAX-Vorstand, der das anders sieht?« Und um klar zu machen, welche Antwort er erwartet, fügt Jauch an: »Ich kenn‘ keinen!«

 

Na ja, und dann erfolgt so etwas wie ein Schlagabtausch zwischen Steinbrück und Sarrazin, den zweiter klar gewinnt: Steinbrück bezeichnet den Euro und die europäische Integration vehement als »Glücksfall«! Er wirft Sarrazin Geschichtsblindheit und -vergessenheit vor, Deutschland verdanke der Integration nach 1949 schließlich die Aufnahme in die westliche Völkergemeinschaft, ebenso den Wiederaufbau und die Demokratie. Und letztlich auch die Wiedervereinigung. Daraus resultierten allerdings Verpflichtungen, so der Bilderberger Steinbrück im Brustton der Überzeugung, eine europapolitische Verantwortung. Ein Rückschritt zur nationalen Währung würde unweigerlich zur Destabilisierung Europas führen.

 

Schnitt auf Thilo Sarrazin: Steinbrück sei ein guter Redner und »mache das schön«, lobt dieser den SPD-Genossen. Allerdings bleibe bei einer Untersuchung seiner Aussagen »nichts übrig«. Sarrazin habe es sich mit seinem Buch und den Untersuchungen wahrlich nicht leicht gemacht. Der große Erfolg der europäischen Integration habe BIS zur Einführung des Euro stattgefunden. Frieden, Freiheit, Wohlstand, Wachstum, Handelsintegration seien also DAVOR initiiert worden. Seit der Gemeinschaftswährung desintegrierten sich die Länder vielmehr. Er nennt Schweden, die Schweiz oder Großbritannien, Länder ohne Euro, die wesentlich stärker wuchsen als Deutschland. Der Euro habe keine Vorteile gebracht und nun entwickelten sich wachsende Risiken, für die Süd- und Westländer bringe die Währung wachsende Nachteile. Vor allem stifte der Euro Unfrieden, wie man deutlich erkennen könne.

 

Dass Peer Steinbrück im Zusammenhang mit der Euro-Einführung immer wieder auf 1945 zurückkommt, und immer wieder die Verantwortung Deutschlands für die »Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts« hervorhebt, dürfte der öffentlich erhitzten Vorabdiskussion über Sarrazins These der »Holocaust-Buße« geschuldet gewesen sein. Erläuterungen und Begründungen dazu liefert Steinbrück jedoch nicht, nur, dass »der Euro eine wichtige Rolle« spiele, betont der SPD-Mann mehrfach. Die Abschaffung des Euro und eine damit verbundene Re-Nationalisierung würde jedoch unweigerlich zu »sehr dumpfbackigen und sehr nationalistischen Tönen führen, für die es in einigen europäischen Ländern auch schon Parteien« gebe. Diese Gefahr blende Sarrazin vollständig aus, so der entschiedene und politisch sehr korrekte Widerspruch Steinbrücks.

 

Und dann kommt der Moment, der im Vorfeld schon für die hochschlagenden Emotionen sorgte, das umstrittene Sarrazin-Zitat: »In der deutschen Politik votieren Vertreter von SPD, Grünen und der Linkspartei mehrheitlich für Euro-Bonds.« Diese Politiker seien getrieben »von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben«.

 

Steinbrück zeigt seine in diesem Moment natürlich erforderliche Empörung: »So geht das nicht!«, geht er sofort dazwischen und erinnert in diesem Augenblick fatal an die ebenso entrüstete Margarete Schreinemakers und den noch aufgebrachteren Johannes B. Kerner, die im Oktober 2007 in der Autobahndebatte in der berühmten Kerner-Sendung erbost pumpten: »Autobahn geht gar nicht!«

 

Man kann Thilo Sarrazin wirklich dankbar sein für derartige notwendige Provokationen, wird dadurch doch der von ihm beschriebene Reflex der empörten Gutmenschen immer deutlicher, denen schon alleine die Nennung eines Begriffs aus dieser üblen Zeit genügt, um unmissverständlich klarzumachen: Das geht gar nicht!

 

Doch wie soll ein Volk jemals wieder zu so etwas Ähnlichem wie Selbstbewusstsein gelangen, wenn die Wurzel der Krankheit nicht einmal erwähnt, geschweige denn aufgearbeitet werden darf?

 

Günther Jauch ist ein alter Hase, und auch wenn er in den letzten Jahren seinen bundesdeutschen Ruhm eher durch eine heitere Quizsendung bei RTL begründete, so ist er dennoch Journalist genug, um diesen Fall jetzt seriös verhandeln zu wollen. Also versucht er, den Autor Sarrazin ebenso zu provozieren: »Betreiben wir eine Art modernen Ablasshandel für den Massenmord im Dritten Reich?«, fragt er Sarrazin.

 

Dieser verweist auf die »sehr berührende Rede von Helmut Schmidt beim SPD-Parteitag«, der genau »diesen Vergleich« gezogen habe: Zwischen »unserer Schuld am Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust bis hin zur Verpflichtung auf die europäische Integration«.

 

Sarrazin unterscheide in seinem Buch drei Dinge:

 

Erstens: Hat der Euro für uns wirtschaftliche Vorteile? Und wenn ja, was sind die Garantien beziehungsweise Vorteile? Zweitens: Ist der Euro ein geeignetes Mittel, um die europäische Integration zu befördern? Und der dritte Punkt laute in etwa: Soll die deutsche Schuld aus der Vergangenheit, aus der Nazi-Diktatur und dem Völkermord ein Argument für eine Gemeinschaftswährung sein? »Und ich sage nein: Das kann kein Argument für eine gemeinsame Währung sein!«

 

Sarrazin plädiert für die Trennung zwischen der deutschen Schuld und einer Gemeinschaftswährung. Dass Deutschland jetzt auch noch die Schulden anderer Länder übernehme, sei gleich gar nicht einzusehen.

 

Der mögliche SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück beißt sich im weiteren Verlauf der ARD-Sendung die Zähne an dem zähen Sarrazin aus. Er beschwört fast hilflos den Euro, warnt vor dessen Scheitern, vor großen Unruhen und Not. Steinbrück versäumt es jedoch zu betonen, dass vor allem MIT dem Euro dieses Elend ins europäische Haus gekommen ist, wie bereits in Griechenland, Spanien, Portugal, Italien klar ersichtlich. Steinbrück versäumt ebenso, die Alternativen aufzuzeigen, die schon seit Jahren von den berühmten Euro-Kritikern Prof. Karl Albrecht Schachtschneider oder Prof. Wilhelm Hankel vorgeschlagen werden: wieder mehr nationale Identität und Rechte der Völker, deren Anrechte auf eigene Merkmale von Kultur und Tradition, Erhaltung der Gegensätze unter Rücksichtnahme auf die unterschiedliche Wirtschaftskraft zwischen Nord- und Südeuropa. Über all das spricht der ehemalige Bundesfinanzminister und Euro-Schwärmer nicht.  Er verliert des Öfteren den Faden, am Ende der Sendung fehlen ihm die Argumente weiteren Widerstands.

 

Wer mehr über die »umstrittenen Thesen« Thilo Sarrazins erfahren möchte, über die Unterschiede zwischen romanischem und germanischem Finanzstil, über den Zusammenhang der Weltdepression und der Euro-Krise, über Sarrazins Einschätzung zum Fiskalpakt, zum ESM  und den Eurobonds, und wie der Autor sich das künftige Europa und das künftige Deutschland ohne den Euro vorstellt, der sollte einfach dessen neues Buch lesen. Passenderweise ist es ab heute hier erhältlich.

 

Die ersten Empörungsrufe nach der Jauch-Sendung gibt es übrigens auch schon. Vor allem die Roten und Grünen entrüsten sich und benutzen nach alter Manier das, was bislang immer am besten funktionierte, um ein Mitglied dieser Gesellschaft zu verunmöglichen: Die Nazikeule. So bezeichnete Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin die Sarrazin-Standpunkte als »erbärmlich« und sprach von »D-Mark-Chauvinismus«. Auch rutsche Sarrazin immer weiter nach rechts ins Abseits. Es sei erbärmlich, dass er den Holocaust heranziehe, um seinen Thesen zu Eurobonds größtmögliche Aufmerksamkeit zu sichern, so Trittin.

Der Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck, konstatierte, wäre er Sozialdemokrat, würde er »diesen Hetzer nicht in meiner Partei dulden«. Offenbar könne Sarrazin den Juden den Holocaust nicht verzeihen«, so Beck. In ein ähnliches Horn stieß der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider, er nannte Sarrazins Eurokritik nationalistisch und reaktionär. Der schleswig-holsteinische SPD-Landeschef Ralf Stegner forderte Sarrazin zum Parteiaustritt auf.

 

In den Medien liest man heute, nach Jauch, ebenso die üblichen Bezeichnungen für Abweichler der veröffentlichten Meinung: Keine Ahnung, eiskaltes Kalkül, Brandbeschleuniger, oder, um es mit dem Steinbrück-Zitat auszudrücken: Alles Bullshit. Doch läuft alles erheblich verhaltener ab als im Sommer 2010, als Sarrazin sagte: Deutschland schafft sich ab. Wer sich jedoch ein Bild über Volkes Meinung machen will, der sollte einfach die zahlreichen Kommentare durchlesen wie zum Beispiel bei Welt-oder Focus-Online. Hier wird deutlich, dass die Menschen im Land längst Bescheid wissen über unsere Politiker und deren Pläne und Ziele. Und über den Euro, der nach Ansicht vieler längst schon tot ist. Wie heißt es in einem Kommentar? Heile Euro-Welt? Lächerlich!

Auch wenn man nicht in allen Punkten mit ihm übereinstimmen muss: Wir sollten Thilo Sarrazin dankbar sein für diese so notwendige und endlich auch öffentlich in Gang gesetzte Diskussion über den Euro und über Deutschlands ganz spezielle Rolle in diesem merkwürdigen Spiel.

 

 

 

 

 

 


 

 

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