Glaubwürdigkeits-GAU: Der Fall des ARD-Journalisten Ranga Yogeshwar
Eva Herman
Seit dem Reaktorunglück von Fukushima ist ARD-Journalist Ranga Yogeshwar ein viel gefragter Mann. Doch kaum jemand ahnt, dass Yogeshwar wohl zwei Herren dient: der Wahrheit, zu der er als ARD-Journalist verpflichtet ist, und der Kraftwerksbranche, von der er ebenfalls Geld erhielt.

Yogeshwar arbeitet schon seit Jahrzehnten für die ARD. Er moderiert zahlreiche Sendungen, ist Gast in vielen Talkshows und war lange Jahre leitender WDR-Redakteur. In den vergangenen Tagen
wurde er den Zuschauern in Zusammenhang mit dem Reaktorunglück von Fukushima stets als Wissenschaftsexperte präsentiert. Dann erläutert er den Zuschauern angeblich ganz neutral Zusammenhänge. Der Mann wirkt auf den ersten Blick seriös. Aber ist er auch glaubwürdig?
Ranga Yogeshwar arbeitet seit Jahren schon auch für die Energieunternehmen E.ON und EnBW. Und er moderierte im Januar 2009 die Verleihung des Innovationspreises der deutschen Wirtschaft. Ausgerechnet der AKW-Betreiber EnBW stiftete einen Teil des Preises. Früher war Yogeshwar auch für ThyssenKrupp tätig. Das Unternehmen baut auch Kernkraftwerke. ThyssenKrupp-Chef Ekkehard
Schulz forderte früher längere Laufzeiten für Atomkraftwerke in Deutschland und war eine von 40 Personen, die den »Energiepolitischen Appell« unterzeichnet haben. Und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar flankierte die Aktivitäten des Unternehmens, war etwa mit einer eigenen Show im »IdeenPark« in der Schalke-Arena, wo die ThyssenKrupp-Initiative »Zukunft Technik entdecken« präsentiert wurde. Auch der Energie-Riese E.ON engagierte Yogeshwar als Moderator für den E.ON Future Award. Im Jahr 2008 war Yogeshwar dort zudem auch Gastredner. Und Yogeshwar, der als ARD-Wissenschaftsjournalist eigentlich zurückhaltend sein sollte, ist gleich bei sechs Redneragenturen gelistet. Spätestens, seitdem 2009 bekannt wurde, dass immer mehr ARD-Moderatoren mit einer Stunde Vortrag oft mehr Geld verdienen, als etwa bei der ARD in einem ganzen Monat, sollten unsere Sinne für die Nebentätigkeiten angeblich unabhängiger Journalisten geschärft sein.
Wer diese Hintergründe kennt und sich die Interviews des angeblich unabhängigen ARD-Wissenschaftsjournalisten der vergangenen Wochen noch einmal anschaut, den beschleicht ein unangenehmes Gefühl. Das allerdings ist erst der Anfang. Es lohnt sich, die Person Yogeshwar einmal näher zu betrachten. Und dann könnte sich bei manchen Lesern das unangenehme Gefühl in der Magengegend noch weiter verstärken.
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