Wednesday, 25. May 2016
25.10.2010
 
 

Panik am Wochenende: Politiker rücken langsam mit der Wahrheit raus!

Eva Herman

Schmiert Deutschland ab? Zwei Meldungen schreckten die Bundesbürger am Wochenende auf: »Den Deutschen droht die 45-Stunden-Woche« und »Das Versagen der Eltern kostet die Kommunen Milliarden«. Beide Berichte scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Haben sie aber doch! Sie sind das Ergebnis einer jahrzehntelangen Politik, nach der die sogenannte Emanzipation, die Selbstverwirklichung durch die Erwerbstätigkeit der Frau, zum Hohelied einer ganzen Gesellschaft wurde – einer Politik, die einseitig, kurzsichtig, von selbstverliebten Feministinnen angeheizt, in die falsche Richtung arbeitete, und der niemand Einhalt gebot. Im Gegenteil: Jeder, der warnte, wurde vom Platz geschossen. Doch allmählich merken es auch die letzten Gutgläubigen, die sich in einer funktionierenden Demokratie wähnten: Wir müssen uns warm anziehen, denn jetzt wird es ernst!

Zum ersten Thema: Eine Wochenarbeitszeit von 45 Stunden hält Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen angesichts des Demografiewandels jetzt für unvermeidlich: »Wenn wir gleichzeitig älter und weniger werden, erlaubt die Mathematik nur drei Möglichkeiten: Wir arbeiten zwei Jahre länger als heute. Oder wir erhöhen drastisch die Beiträge zulasten der Jungen. Oder wir kürzen die Renten kräftig. Ich halte die Rente mit 67 für den besten Weg«, erklärt die Ministerin in der Bild am Sonntag. Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Prof. Ulrich Blum, setzt Bild gegenüber noch eins drauf: »Mittelfristig werden wir um längere Arbeitszeiten nicht herum kommen. Dann könnte es 42- oder sogar bis zu 45-Stunden-Wochen geben.«

Wer nach der Ursache der Misere sucht, wird schnell fündig, Frau von der Leyen gab die Antwort gratis dazu: Deutschland hat eine demografische Krise. Warum? Weil zu wenige Kinder geboren werden. Seit wann? Seit Feministinnen und Linke, ebenso das bildungsintellektuelle Establishment, die Erwerbstätigkeit der Frau als höchstes Ziel anstrebten, nämlich Anfang der 1970er-Jahre. Damit wurden familiäre Wertvorstellungen drastisch herunterschraubt. Kinder zu haben, ist inzwischen altmodisch geworden. Einstiger Kinderreichtum wandelte sich in ein Betreuungsproblem. Die Zöglinge stören bei der Emanzipation, bei der Unabhängigkeit vom Mann, bei der Selbstverwirklichung. Wie sang Pippi Langstrumpf einst? »Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!« Inzwischen allerdings setzt die erworbene Unabhängigkeit viele erwerbstätige Frauen unter einen kaum noch leistbaren Dauerdruck. Denn was früher freiwillig war, ist heute ein politisch-korrektes Muss: Jede Frau muss arbeiten! Wer will da noch Kinder haben? Immer weniger Menschen entscheiden sich heute für die Familie. Deutschland ist längst europäisches Schlusslicht in Sachen Geburtenrate.

Nun fehlen sie uns überall, die Kinder. Jene, die nicht zur Welt kamen, bringen auch keine neuen Generationen hervor. Schluss! Ende! Die wenigen Jungen müssen eine wachsende Überlast an Alten pflegen, ernähren und betreuen. Dafür müssen sie lange und viel arbeiten, diese wenigen Nachzöglinge. Denn sonst ist ja keiner da. Dieses Problem wird mit jedem Tag größer. Es wächst ins schier Unendliche und wir ermessen heute kaum, wohin uns das alles noch führen wird. Also, der Plan: 45-Stunden-Woche und Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Vorerst. Diese Zahlen werden steigen.

Zweites Thema des Wochenendes: »Versagen der Eltern wird für Kommunen teuer«, titelte Welt online am Samstag. »Noch nie brauchten so viele Familien staatliche Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder. Die öffentlichen Kassen kostet das Milliarden.« Auch das ist leider traurige Realität. Etwa 4,8 Milliarden Euro hat die Bundesrepublik 2008 für Unterstützungsmaßnahmen bei der Kindererziehung ausgegeben. Für alle Sozialhilfeausgaben zusammengerechnet wurden vergleichsweise 2009 rund 21 Milliarden Euro aufgewendet. Von diesem Geld für Erziehungshilfe bieten Behörden beispielsweise Sprechstunden für besorgte Eltern an, sie schicken Betreuungshelfer in überforderte Familien oder weisen die Kinder ins Heim ein. Im vergangenen Jahr kümmerten sich Betreuungshelfer um 25.235 Kinder und Heranwachsende – im Vergleich zu 2008 ist das eine Steigerung von mehr als zwölf Prozent. Bei den Jüngeren geht es meist um massive Schulprobleme. Und dafür wiederum sind oft die unterschiedlichsten Probleme in den Familien verantwortlich.

Immer mehr Eltern sind nicht mehr in der Lage, die einfachsten täglichen Dinge wie ein Schulfrühstück und einen geregelten Tagesablauf für ihre Kinder zu organisieren. Ihnen fehlt jegliche soziale Grundlage. Die Ursache? Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wer selbst kein stabiles Familienleben kennenlernen konnte, dem wird es selbst später an jeglicher Grundlage mangeln, um einer eigenen Familie Nestwärme und eine gesicherte Struktur zu vermitteln. Wer selbst erleben musste, dass seine Eltern sich nicht umfassend um ihn kümmerten, wie soll er dann wissen, wie es geht? Wer soll ahnen, dass Kinder vor allem eines dringend benötigen: genügend Zeit mit ihren Eltern. Vor allem: Zuwendung und Liebe. Und hier, an diesem Punkt, werden die beiden Themen, die Deutschland seit dem vergangenen Wochenende in Atem halten, zusammengeführt.

Deutlich macht diese Parallele ein Ausspruch des 1820 geborenen Politikers Friedrich Engels, der gemeinsam mit Karl Marx den berühmten »Marxismus« und die »Grundsätze des Kommunismus« entwickelte. Er brachte das, was die ehemalige Sowjetunion nachhaltig zerstörte und was Deutschland seit den 1970er-Jahren in einer ähnlichen Weise bis zum heutigen Tag zunehmend schwächt und nun kollabieren lässt, auf den Punkt. Engels sagte: »Die Beschäftigung der Frau in der Fabrik löst die Familie notwendig gänzlich auf, und diese Auflösung hat in dem heutigen Zustande der Gesellschaft, der auf der Familie beruht, die demoralisierendsten Folgen, sowohl für die Eheleute wie für die Kinder. Eine Mutter, die nicht Zeit hat, sich um ihr Kind zu bekümmern, ihm während der ersten Jahre die gewöhnlichsten Liebesdienste zu erweisen, eine Mutter, die ihr Kind kaum zu sehen bekommt, kann diesem Kinde keine Mutter sein, sie muss notwendig gleichgültig dagegen werden, es ohne Liebe, ohne Fürsorge behandeln wie ein ganz fremdes Kind, und Kinder, die in solchen Verhältnissen aufgewachsen, sind später für die Familie gänzlich verdorben, können nie in der Familie, die sie selber stiften, sich heimisch fühlen, weil sie nur ein isoliertes Leben kennengelernt haben und müssen deshalb zur ohnehin schon allgemeinen Untergrabung der Familie bei den Arbeitern beitragen.«

Noch Fragen? Engels machte unter anderem dieses Wissen zu einem zerstörerischen, politischen System, das bislang Milliarden Menschenseelen beschwerte und erdrückte: den Kommunismus, den Sozialismus. Und seine Vertreter, die Ultralinken, hatten es fast geschafft – die Menschen schier zerstört. Die ehemalige Sowjetunion war nahezu zusammengebrochen, als Michael Gorbatschow das Ruder übernahm. Dieser weitsichtige Politiker erkannte schnell, worin der Fehler lag. Angesichts verfallener Familienstrukturen und etwa 40 Millionen Alkoholikern schrieb Gorbatschow in seinem Buch Perestroika – die zweite russische Revolution:

»Wir haben erkannt, dass viele unserer Probleme im Verhalten vieler Kinder und Jugendlicher – in unserer Moral, der Kultur und der Produktion – zum Teil durch die Lockerung familiärer Bindungen und die Vernachlässigung der familiären Verantwortung verursacht werden. Dies ist ein paradoxes Ergebnis unseres ernsthaften und politisch gerechtfertigten Wunsches, die Frau dem Mann in allen Bereichen gleichzustellen. Mit der Perestroika haben wir angefangen, auch diesen FEHLER zu überwinden. Aus diesem Grund führen wir jetzt in der Presse, in öffentlichen Organisationen, bei der Arbeit und zu Hause hitzige Debatten über die Frage, was zu tun ist, um den Frauen zu ermöglichen, zu ihrer eigentlichen weiblichen Lebensaufgabe zurückzukehren.«

Zu ihrer eigentlichen Lebensaufgabe? Das schrieb Gorbatschow tatsächlich. In Russland haben sich die Verhältnisse seitdem enorm verändert, Frauen erhalten im Verhältnis weitaus mehr Geld, um bei ihren Kindern zu bleiben, wie in anderen »hoch entwickelten« Gesellschaften. In Russland gibt es kaum noch Krippen, denn die Russen wissen inzwischen, wie grausam die Sache ausgeht. Schweden, das einstige Krippen-Herzeigeland, hat ebenso umgeschwenkt: Für jedes Kind gibt es seit dem Jahr 2008 monatlich 300 Euro, drei Jahre lang, damit Mama leichter zu Hause bleibt. Und Frankreich, das von unseren Familienministerinnen gerne ebenso im Krippenzusammenhang als großes Vorbild zitiert wird, erlebt derzeit eine Mütterrevolution, die sich gewaschen hat: Es sind gerade die gut ausgebildeten Akademikerinnen und Intellektuelle, die vorsätzlich ihren Job an den Nagel hängen, um bei ihren Kindern daheim zu bleiben. Sie sind klug und selbstbewusst genug, zu erkennen, wohin dieses System führt. Und sie weigern sich, dieses Spiel weiterhin zulasten ihrer Kinder und Familien mitzumachen.

Wird Deutschland daraus lernen? Was muss uns noch alles widerfahren, damit wir erkennen, dass die derzeitige Krippenpolitik falsch ist und uns zerstört? Zugegeben, das Renteneintrittsalter mit 67 Jahren und eine 45-Stunden-Woche dürften noch die kleinsten Probleme sein, die wir künftig zu bewältigen haben. Doch es warten weitere. Und es werden täglich mehr. Warum öffnen wir nicht endlich unsere Augen?

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