
Lieber Herr Jebsen,
nun sind Sie also draußen. Das ging vielleicht schnell, was? Raus aus dem rbb, raus aus dem öffentlich-rechtlichen System, raus aus der politisch-korrekten Gesellschaft. Die rotgrünen Gutmenschen haben gesprochen! Ab sofort gelten Sie als umstritten, es wird künftig in jedem Bericht über Sie heißen, Sie seien durch »krude Äußerungen« aufgefallen. Sie sind gesellschaftlich
jetzt nicht mehr tragbar, Herr Jebsen. Diese Stempel wurden Ihnen aufgebrannt für Jahre, vielleicht für Jahrzehnte, eventuell für immer. Für Sie, Herr Jebsen, wird es hier jetzt ganz schön kalt und ungemütlich werden. Das schreibt Ihnen jemand, der beziehungsweise die sich ganz gut auskennt.
Am sechsten November hatte der durch Gebühren finanzierte rbb-Sender ja bereits einen Warnschuss abgegeben, man hatte Ihre Sendung plötzlich ausgesetzt und ließ stattdessen kommentarlos Musik laufen. Anlass war angeblich, wie es heißt, eine mit rassistisch anmutendem Inhalt an die Öffentlichkeit gelangte E-Mail von Ihnen. Sie sollen einem Hörer, der sich kritisch zu Ihrer Sendung geäußert hatte, eine Nachricht haben zukommen lassen, die unter anderem die Sätze enthielt: »Ich weiß, wer den Holocaust erfunden hat« und »...ich weiß, wer während des gesamten Krieges Deutschland mit Bombersprit versorgt hat. Standardoil, also Rockefeller«. Bislang haben Sie nicht bestritten, Verfasser dieser Email zu sein.
Sie haben die Vorwürfe des Antisemitismus jedoch als »absurd« zurückgewiesen. Sie seien zwar irre, aber kein Antisemit. Und man hätte das ja eventuell auch schon in den achtzehn Jahren Ihrer Mitarbeit vorher merken müssen, sagen Sie. Logik, Herr Jebsen, ist das Letzte, was Ihnen in dieser Debatte weiterhilft. Beweise auch nicht. Sie sind jetzt weg vom Fenster. Denn Sie haben noch viel mehr »auf dem Kerbholz«.
Die Jüdische Gemeinde zu Berlin begrüßte übrigens die »konsequente Entscheidung des rbb«, sich von seinem langjährigen Moderator zu trennen. »Wir empfinden es als vorbildlich, wie die Leitungsebene des rbb letztlich entschieden hat«, betonte Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.
Die Leitungsebene, Herr Jebsen, das klingt doch bekannt, oder? Spätestens mit dem Zitat der Jüdischen Gemeinde Berlin war der Stab über Sie gebrochen. Der rbb hatte sie also schon Anfang
November gewarnt. Doch war das Urteil möglicherweise schon längst gefallen? Denn Sie waren schon länger unter Verdacht geraten. Und schließlich hatte der politisch-korrekte Journalist Henryk M. Broder, der seinen Intellekt immer wieder durch spitz formulierte Angriffe auf unliebsame Personen, auf deren Haarfarbe und auf diverse Gesellschaftsgruppen unter Beweis zu stellen sucht, Ihren Fall höchstpersönlich ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Merkwürdig nur, wie ausgerechnet er an die private Hörer-Email gekommen sein mag. Aber diese Frage stört jetzt keinen großen Geist mehr.
Damit hatten Sie schon einmal sehr schlechte Karten. Broder ist nämlich eine sehr wichtige Exekutive-Instanz in Deutschland, wenn es um das Thema Antisemitismus und Vergangenheitsbewältigung geht. Und übrigens vor allem auch dann, wenn sich der Fall um die berühmtesten Terroranschläge der ganzen Welt, um 9/11, dreht. Broders Universitätsbildung beeindruckt hierzulande viele Menschen, die grummelige Polemik ebenso, auch wenn er eigentlich Studienabbrecher ist, dieser alte Haudegen... Er wird von Rechten wie Linken, von roten und grünen Gutmenschen gleichermaßen geschätzt und protegiert. Und deswegen meldet sich Broder immer dann gerne zu Wort, wenn jemand von der öffentlichen Platte geputzt werden soll. So wie Sie, Herr Jebsen.
Die Einladung in Ihre Sendung lehnte Broder dann übrigens unter Verweis auf eine »Grenzüberschreitung« ab, die die Äußerung zum Holocaust darstelle. Ihre Entlassung wollte Broder dann komischerweise nicht mehr kommentieren. Das sei allein Sache des rbb. Warum sollte er auch? Der Fall war ja schließlich erledigt!
Lieber Ken Jebsen, wenn jemand einen rechten Stempel aufgedrückt bekommt, dann steckt allermeist noch etwas ganz anderes dahinter, das muss man sich immer merken. Der eine macht sich wegen seiner Kritik an der deutschen Migrantenpolitik unbeliebt, der andere prangert die familienzerstörerischen Maßnahmen der Regierung an.
Erinnern Sie sich noch an Ihre Sendung vom 23. August 2011, Herr Jebsen? Der Titel lautete: »KenFM über 9/11 – die Terrorlüge wird zehn Jahre alt!« In fast vierzehn Minuten enttarnen Sie ein geschickt gestricktes Lügenkonstrukt der USA, der CIA und Al-Quaidas. In atemberaubendem Tempo hauen Sie sämtliche Thesen raus, die als gefährlichste Verschwörungstheorien in diesem Lande gelten, einschließlich Ihren Zweifeln an Osama bin Ladens Tötung durch die USA 2011. Man spürt, dass es Ihnen ein dringendes Bedürfnis ist, endlich das zu sagen, was Ihnen offenbar schon lange auf der Seele liegt: die Wahrheit. Sie prangern ebenso die Verlogenheit der Medien an, sie pinkeln all Ihren ergebenen System-Kollegen damit ordentlich ans Bein. Und vielleicht haben Sie dabei ja sogar künftige rbb-Entscheidungen bereits billigend in Kauf genommen, nach dem Motto: Hier stehe ich und kann nicht anders?
Man kann jedem Leser dieses Artikels nur empfehlen, sich das anzuhören, was Sie da gesagt haben. Dahinter steckt eine umfassende Recherche und weitaus tiefere Kenntnisse, als man sie von einem Jugend-Moderator heute erwartet. Ihr rbb-Schicksal, Herr Jebsen, wurde am 23. August 2011, also haargenau drei Monate vor Ihrem Rauswurf, entschieden und keinen Tag später.
Vielleicht hatten Sie tatsächlich noch an eine reelle Chance nach dem ersten ernsten Gespräch mit Ihrer rbb-Chefin Claudia Nothelle geglaubt, die Ihnen, wie es offiziell heißt, ins Gewissen geredet hatte. Doch ist der Gedanke wirklich überhaupt nicht abwegig, dass die Würfel bereits gefallen waren und Sie schön langsam ausbluten sollten, oder? Man ließ ein wenig Gras darüber wachsen,
bis sich die erste Aufregung gelegt hatte, und holte dann zum eigentlichen Schlag aus. Weil Sie mit anderen Äußerungen, ebenso wie die Sängerin Indira Weis, oder wie KOPP-Kollege Gerhard Wisnewski einst, zu einem gefährlichen Systemkritiker geworden waren.
Auch Pop-Sängerin Indira Weis durfte schon ihre Erfahrungen mit Broder und politischen Unkorrektheiten machen. Sie hatte dem Autor gegenüber in der ARD-Sendung »Entweder Broder« Äußerungen zu den Anschlägen vom 11. September 2001 getan, die ihr vorher von Broder selbst in den Mund gelegt worden sein sollen, wie zum Beispiel: »Ich glaube ganz im Ernst, dass die Amerikaner dahinterstecken, die Amerikaner selber, weil komischerweise fast keine Amerikaner in den Twin Towers waren«, sagt Indira. Und: »Die Amerikaner haben Osama selbst gezüchtet und brauchen sich nicht zu wundern, wenn er mal zurückschlägt!«
Das, was in ganz Amerika inzwischen offen geäußert wird, sowohl öffentlich als auch inoffiziell und was zunehmend mehr Offizielle jetzt auch zugeben (müssen), gilt hierzulande, wo Meinungsdiktatur und Propaganda noch das Zepter schwingen, immer noch als so genannte Verschwörungstheorie, also politisch unkorrekt. Auch im Fall Indira Weis schlug Broder hart zu:
Er gestaltete den Zusammenschnitt der Sendung mit den Aussagen der Sängerin derart fies, dass die Bild daraus den »dämlichsten TV-Auftritt des Jahres« machte. In einem offenen Brief rückte die junge Frau dem Siebzigjährigen den Kopf gehörig und ziemlich undämlich zurecht und offenbarte nur dessen »Quotengeilheit«, und welche sonst noch…. Dass hinter seinem hinterhältigen Vorgehen System steckte, ahnte Indira Weis offenbar ebenso wenig wie vielleicht auch Sie, Herr Jebsen.
Tja, Herr Jebsen, eins dürfte klar sein, diese besagte Holocaust-Äußerung in der Öffentlichkeit zu machen, war dann nicht sehr klug. Auch wenn es sich nur um einen einzigen Hörer handelte, dem Sie geantwortet hatten. Man kann ja nie wissen, wer hinter »privaten Anfragen« in Wahrheit stecken könnte. Verschwörungstheorie? Sie hatten damit einen politisch unkorrekten Grund geliefert, dass man Sie ohne Bedenken feuern konnte: Die Nazikeule. Denn die funktioniert in Deutschland immer noch wie geschmiert.
Haben Sie nicht die Hetzjagd auf Thilo Sarrazin erlebt? Der Mann lebt doch, wie auch Sie, in Berlin.
Oder den Fall Eva Herman? Oder kennen Sie die Geschichte des CDU-Politikers Martin Hohmann? Oder den Ausschluss des Brigadegenerals Reinhard Günzel? Oder die Causa Möllemann?
Mann, Herr Jebsen, keiner von den genannten Personen ist oder war je ein Nazi. Aber alle machten den Fehler, zu glauben, auf Missstände in der Gesellschaft und deren Ursachen hinweisen zu müssen. Allen war und ist Seele und Geist schwer, beim Untergang ihres Landes, bei Lügen und politisch gesteuerten Betrügereien einfach zuschauen zu sollen. Das wird hierzulande jedoch nicht gerne gesehen, wie jede einzelne dieser Biografien zeigt.
Lieber Herr Jebsen, ich hatte Ihnen kürzlich eine Email geschickt mit einer Interview-Anfrage, nachdem Sie rausgeworfen wurden. Bislang haben Sie noch nicht geantwortet. Weil Sie sich vielleicht nicht mit jemandem zusammentun wollen, der vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Eva Braun abgestempelt wurde, der beziehungsweise die als krude, als politisch unkorrekt und als gesellschaftlich ausgeschlossen gilt? Weil Sie glaubten, sich noch retten zu können? Und weil Sie dachten, noch etwas lenken zu können an diesem auf den Abgrund hin rasenden Zug, dessen Führerhaus Sie jäh verlassen mussten?
Glauben Sie es mir, Sie haben keine einzige Chance mehr in dieser politisch-korrekten Mediengesellschaft. Jetzt haben Sie sich einen Anwalt genommen, heißt es. Sie klagen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Warum? Weil sie etwa ein arbeitsrechtlich relevantes Recht erworben hätten nach achtzehn Jahren treuer Zugehörigkeit? Es gibt Journalisten, die haben nicht achtzehn, sondern sogar neunzehn Jahre lang nach festem Dienstplan und mit Sozialversicherungskarte beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gearbeitet als Tagesschausprecher. Alle arbeitsrechtlichen Prozesse gingen für den Staat und gegen den Menschen aus.
Schminken Sie sich das alles ganz schnell ab, Herr Jebsen. Niemand wird Ihnen Recht geben, geschweige denn helfen, außer Ihrem Rechtsanwalt, den Sie dafür bezahlen. Wie die Gerichte bei Ihnen dann entscheiden werden, wird sich noch herausstellen. Aber das ist ein langer Weg durch die Instanzen, der einen zermürbt, wenn man nicht große Kraftreserven hat.
Wie viele Freunde sind eigentlich noch übrig geblieben, Herr Jebsen? Was ist mit Ihren Kollegen? Hat sich jemand bei Ihnen gemeldet und Ihnen Mut zugesprochen? Oder haben alle die Hosen voll, sich noch weiter mit einem Nazi abzugeben?
Noch ein Wort zu Ihrer rbb-Intendantin, Dagmar Reim: Wie hat sie sich Ihnen gegenüber verhalten? Kannten Sie sie persönlich? Haben Sie noch einmal mit ihr gesprochen? Oder hat sie Ihren Rauswurf von den Subalternen erledigen lassen? Die Autorin dieser Zeilen kennt Frau Reim auch ganz gut. Sie bildete sich sogar ein, ein bisschen mit ihr befreundet gewesen zu sein. Aber, nach dem Fall Eva Braun, nach den »kruden familienpolitischen Thesen, ein Kleinkind gehöre zu seiner Mutter«, hat sie nie wieder etwas von ihr gehört.
Lieber Herr Jebsen, ich möchte Ihnen Mut zusprechen. Viele Menschen in und um Berlin herum
wissen, dass Sie kein Nazi sind. Etliche ahnen vielmehr, dass Ihnen das Schicksal unseres Landes und die Verflechtungen zu den westlichen Mächten nicht ganz gleichgültig sind. Viele werden traurig sein, dass es wieder einen erwischt hat. Der überwiegende Teil hat längst erkannt, dass es übelst Methode hat, mit denen Leute wie Sie kurzerhand wegradiert werden, weil sie nicht ins System passen. Und immer mehr Menschen wollen nicht mehr stillschweigend dabei zusehen, wie Andersdenkende einfach ausgehebelt werden. Denn das hatten wir doch schon einmal, nicht wahr? Ist es nicht geradezu zynisch, dass die Sache jetzt so herum läuft?
Wie lange noch, fragen sich immer mehr Leute, wie lange noch wird das so weitergehen in diesem Land? Wie lange noch müssen wir schweigen, wenn es um heikle und unliebsame Themen geht? Wie lange noch müssen wir uns vorgeben lassen, was wir zu denken und zu äußern haben und was nicht?
Ich bin der Überzeugung, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird. Denn wir befinden uns in einer schweren Umbruchphase: Falsches fällt, das Licht der Wahrheit durchdringt unseren Raum und entblößt die Lüge. Und die Lügner ahnen es auch schon. Deswegen schlagen Sie noch erbarmungsloser zu.
Wir stehen jetzt gleich vor mehreren Riesenkrisen: Wir steuern einer Finanzkatastrophe entgegen, in Kürze müssen wir den Euro-Zusammenbruch erleben und werden sehenden Auges in eine Inflation schlittern. Unruhen werden unser Land wie auch die übrigen europäischen Staaten erschüttern, weil Teuerung und Armut über viele kommen wird, weil der Versorgungsstaat versagen wird, weil die soziale Sicherheit flöten geht. Unser ohnehin kaputtes Gesellschaftssystem wird gänzlich zusammenbrechen.
Und dann, lieber Herr Jebsen, wenn die Not wirklich groß ist, wenn die Menschen täglich durch Elend und Angst aufs Neue erschüttert werden, dann ist auch der Moment gekommen, wo es kein Halten mehr gibt: Wenn die Wahrheit über unsere kaputten Systeme ans Licht kommt, dann werden wir auch über alles offen sprechen müssen und dürfen. Über Ungerechtigkeiten und Lügen, über Diffamierungen und Diskreditierungen, und dann sind wir auch schon bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, bei Propaganda und diktatorischer Meinungsmanipulation.
Halten Sie durch, Herr Jebsen, Sie sind nicht alleine. Auch wenn Sie durch schwere Zeiten müssen, so scheint doch schon das Licht am Ende des Tunnels. Noch vor kurzem hätte dies auch die entgegenkommende Lokomotive sein können, doch jetzt gibt es berechtigte Hoffnung auf Erholung: Die Zeit der Wahrheit naht.
Sie können übrigens gerne auf meinen Brief antworten, das Angebot für ein Interview steht noch.
Herzliche Grüße
Eva Herman
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