Friday, 29. July 2016
28.02.2011
 
 

Tacheles: Guttenberg und die Wissenschaft

Eva Herman

Es gibt eigentlich nur ein Thema, das derzeit die Gesellschaft beherrscht: Karl-Theodor zu Guttenberg. Emotionen, Gefühle, Empfindungen prägen das aktuelle Stimmungsbild. Der Überflieger ist abgestürzt, der Heiligenschein in den Wolken hängengeblieben. Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Menschen getäuscht. Bei vielen kommt das nicht gut an. Und dennoch: Immer noch steht die Mehrheit der Menschen im Land hinter ihm. Dagegen wehren sich inzwischen allerdings über 20.000 Wissenschaftler, honorige Doktoren und Professoren, und solche, die es einmal werden wollen. Sie fühlen sich und ihre Arbeit entweiht. Haben die meisten von ihnen doch lange Jahre hart für ihren wohlklingenden Titel geschuftet.

Das scheint die Massen jedoch nicht weiter zu interessieren. Die Bundeskanzlerin auch nicht. Schließlich hat sie keinen Wissenschaftler ins Kabinett berufen, sondern einen handfesten Verteidigungsminister. Darauf legt Frau Prof. Dr. Angela Merkel Wert.

Die Opposition legt sich derweil mächtig ins Zeug, um den angeschlagenen Mann weiter zu diskreditieren, gerade so, als hätte sie nicht selbst einen gehörigen Haufen vor der Haustüre, den es endlich wegzufegen gilt. Noch vor nicht allzu langer Zeit waren die Umfragewerte der SPD im tiefsten Keller, Politiker wie Gabriel, Nahles und Steinmeier kleinlaut und verzweifelt. Vor lauter Angst, gleich ganz unter den Teppich gekehrt zu werden, initiierten sie ein Riesenlamento um den missliebigen Bundesbank-Kauz Sarrazin. Auf dessen laut angekündigten Rauswurf wartet die Öffentlichkeit seither immer noch. Sie trauten sich nicht, schmunzelt Sarrazin provokativ, denn es sei schließlich Wahlkampfzeit.

Ist das vielleicht auch einer der Gründe, warum die »Guttenberg-Affäre« einfach nicht aufhören will? Gibt es keine neuen Details mehr, so werden sicherheitshalber von der Opposition Rücktrittsforderungen gestellt. Es ist schließlich Wahlkampfzeit! Bundeswehrangehörige werden interviewt, jene, die hinter dem Minister stehen, werden mittlerweile öffentlich kaum noch kundgetan. Die Gegner schon. Es wäre doch gelacht, wenn man Herrn von und zu Guttenberg nicht endlich von der Platte putzen könnte.

Was ist es, was die Gegnerschaft so unterschiedlich ticken lässt? Was hat der Mann, dass Millionen Menschen trotz des abgekupferten Doktortitels hinter ihm stehen, während die anderen Gift und Galle spucken?

Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Frau Stephanie haben in der zurückliegenden Zeit einige Fehler begangen, die politisch-unkorrekt und deswegen nicht hinnehmbar sind. Stephanie zu Guttenberg fasste ein heißes Eisen öffentlich an: Die Pädophilen-Republik Deutschland. Da verstehen einige Leute keinen Spaß, vor allem bei den links-grünen Mehrheits-Medien nicht. Innerhalb weniger Tage wurde die blonde, strahlende Ministergattin auf den Boden der Republik zurückgeholt: Wer sich für diese Themen stark macht, wird hierzulande abgestraft! Spott und Häme wurden tagelang über Frau zu Guttenberg ausgegossen, Opferschutz hin oder her. Doch damit nicht genug: Manchmal warten die Hauptstadt-Journalisten noch ab, um dann politisch-korrekt noch einmal kräftig nachzutreten. Gelegenheiten kommen immer. Es wurde ihnen leicht gemacht mit der Affäre des Dr. zu Guttenberg.

Der Verteidigungsminister kann es nicht verhehlen, dass auch er zur Sorte der Klartextler gehört (außer, es geht um seine Doktorarbeit). War er doch einer der Ersten, die im Zusammenhang mit deutschen Soldaten in Afghanistan öffentlich von Krieg sprachen. Die Menschen im Lande haben es ihm gedankt. Doch einige kritische Beobachter schrieben das Vergehen mit spitzer Feder in ein Geheimbuch, das immer dann aufgeschlagen wird, wenn man zum Äußersten greifen muss.

Guttenberg und Gattin standen bislang für das, was in diesem Land mittlerweile bis auf ein Minimum zusammengeschrumpft ist: Werte, Tradition, Glaube, Mut und klare Worte. Dass die beiden gerade bei den links-grünen Medien dafür keine Lorbeeren ernten würden, hätte ihnen von vornherein klar sein müssen.

Es ist mehr als bedauerlich, dass Karl-Theodor zu Guttenberg die Chance nicht nutzen konnte, den Deutschen wirklich und durch persönliches Vorleben Verlässlichkeit und Halt zu vermitteln, eben jene Werte, die diese Gesellschaft so dringend benötigt. Wer heute Vorbild sein will, darf nichts, wirklich auch nichts falsch machen. Makellosigkeit, Tadellosigkeit, Zuverlässigkeit, das sind die längst vergessenen Tugenden, die dieses Land bitter braucht. Glaubwürdigkeit muss derjenige haben, der etwas werden will. Wer kann das derzeit aufweisen? Stille im Land. Insofern hat Bundestagspräsident Lammert nicht ganz unrecht, wenn er von einem Sargnagel für die Demokratie spricht.

Jedoch dürfte es in diesem Zusammenhang noch weit mehr dieser Sargnägel geben. So scheint das Ansehen der Wissenschaft leider auch nicht mehr das zu sein, was es vor über hundert Jahren noch war: Innovation, bahnbrechende Erfindungen, revolutionäre Entdeckungen, made in Germany. Lange, lange schon dümpelt sie vor sich hin, diese deutsche Wissenschaft. Bestialische Krankheiten wie Krebs gibt es immer noch, im Gegenteil: Täglich sterben mehr Menschen daran. Demenz, Alzheimer, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Depressionen, alles, so scheint es, sind ungelöste Probleme für die deutsche und die internationale Wissenschaft. Aufrechte Erfinder wie Sauerbruch und Co. sind längst passé. Gibt es doch einmal bemerkenswerte Entdeckungen, verschwinden sie auch nicht selten schnell wieder: Lobbyisten aus Pharma-, Lebensmittel- und Umweltindustrie machen ihren Einfluss geltend. Wer weiß, dass inzwischen mehr Menschen ihren Lebensunterhalt mit der Krankheit Krebs verdienen, als es Kranke gibt, ahnt, dass es schwer im Interesse der Lobbys sein kann, Linderung oder gar Heilung zu finden. Oder nimmt man die mit Milliarden geförderte, jahrelange Forschung zu Solarautos, die jetzt plötzlich als nahezu unbrauchbar abgestempelt werden, oder die Energiegewinnung von Windkraft, deren Räder zu über fünfzig Prozent stillstehen, weil sie ständig kaputt gehen, ahnt man, wie weit es mit der Wissenschaft hierzulande bestellt ist.

Auch die massenhaften Verleihungen von Ehrendoktortiteln an Nichtforscher machen es einem nicht gerade leichter, bei der Ankündigung des Herrn oder der Frau Doktor gleich stramm zu stehen. Ob nun DFB-Ehrenpräsident Mayer-Vorfelder oder der Schauspieler Mario Adorf, bei beiden fehlen jegliche wissenschaftliche Leistungen. Doch sie sind jetzt Doktoren. Diese Ehrendoktortitel werden später nicht mehr hinterfragt: Doktor ist und bleibt Doktor. Ob einer dafür jahrelang gebüffelt hat oder lediglich prominent ist. Sie werden ebenso von jenen Universitäten verliehen, die jetzt laut schreien – und die der Forschung und Wissenschaft langfristig einen Bärendienst damit erweisen.

Die deutsche Forschung lebt vorwiegend vom Geld des bundesdeutschen Steuerzahlers. Dagegen wird es immer weniger, was sie, die Forscher, uns für unser teures Geld zurückgeben können. Auch wenn nicht jedem Steuerzahler die jahrelange Stagnation der deutschen Wissenschaft deutlich ist, findet die unbewusste Erkenntnis darüber ihren Ausdruck vielleicht in der für viele Medien- und Politikvertreter unverständlichen Reaktion der Mehrheit der Deutschen: Bei Guttenberg geht es doch »nur« um einen Doktortitel. Ob er diesen nun hat oder nicht, ist uns egal. Hier geht es in Wirklichkeit um ganz andere, viel wichtigere Dinge, wie zum Beispiel um die Zukunft unseres Landes. In Zeiten von Afghanistan, Libyen und Nordafrika, in Zeiten, in denen zudem die Grenzen nach Osteuropa geöffnet werden sollen, in denen es außerdem um eine umstrittene Reform der Bundeswehr geht, wäre es vielleicht nicht schlecht, einen Verteidigungsminister zu haben, der im Thema ist. Den Doktortitel braucht er für bevorstehende Aufgaben sicher nicht.

 

 

 


 

 

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