Saturday, 25. June 2016
31.08.2010
 
 

Thilo Sarrazin: Warum Kerner und Beckmann ein bestimmtes Gen zu teilen scheinen.

Eva Herman

Lieber Thilo Sarrazin,

da sitzen Sie am Montagvormittag bei Ihrer Buchpräsentation in der Berliner Bundespressekonferenz. Hätten Sie mich vorher um Rat gefragt, ich würde Ihnen abgeraten haben von dieser Stätte. Sie bringt nicht selten eine Menge Ärger mit sich. Es ist fast genau drei Jahre her, als ich dort saß und mein Buch »Das Prinzip Arche Noah« präsentierte. So wie Sie gestern sprach ich damals ebenso über die demografische Katastrophe unseres Landes, so wie Ihnen brannte mir das Thema ebenso im Herzen: Deutschland, ja, Europa stirbt aus - und niemanden scheint es zu interessieren. Was danach geschah? Ich jedenfalls flog überall raus: Aus dem NDR, aus Organisationen, aus der Kerner-Sendung. Die Medien verdrehten meine Aussagen und erklärten mich zur Persona non grata.

Jetzt sind Sie dran! Sie sollen auch fliegen: Aus der SPD, aus der Bundesbank, und Sie werden jetzt ebenso erleben, wie Menschen, die Sie gestern noch grüßten, sich heute abwenden werden. Ihre Aussagen? Sie werden ebenso verdreht und hochgeheizt, bis Sie abstürzen! Ginge es nach den Wünschen zahlreicher Politiker und Medienvertreter, eben nach jenen Leuten, die sich inzwischen Lichtjahre vom »Stammtisch« entfernt haben, müssten Sie für immer in die Wüste geschickt werden. Zum Schweigen. Zum Nicht-mehr-stören. Und dafür tun die eine Menge! Man muss ja nur in die Medien schauen.

Mit Ihrem neuen Buch bringen Sie schmerzende Fragen zum Ausdruck, die inzwischen viele Menschen beschäftigen, wie zum Beispiel: Wie wollen wir in diesem Land leben? Was behindert die Integration ausländischer Mitbürger in Deutschland? Sie formulieren zwar nicht immer so, wie es Politik und Medien gefällt, manchmal sind Sie drastisch, um wachzurütteln, sie provozieren, zuweilen erschrecken Sie die Gemüter. Doch Ihre Auseinandersetzung mit diesen Themen war längst überfällig, sie hätten von den politischen Akteuren, die jetzt so laut schreien, seit Jahren schon auf die Agenda gesetzt gehört unter der Überschrift »Krisenbewältigung«. Lieber Herr Sarrazin, Sie wissen selbst, dass man nicht alle muslimischen Mitbürger über einen Kamm scheren kann, wahrscheinlich haben Sie ebenso wie viele Menschen einen »Lieblingsdöner« um die Ecke und kaufen eventuell Ihr Gemüse beim Türken um die Ecke, wie man das übrigens nicht nur in Berlin, sondern auch hier in Hamburg tut.

In der Pressekonferenz haben Sie erklärt, wer Sie sind und was Sie treibt. »Mein Denken versuche ich, aus der Gesamtlogik zu entwickeln«, sagten Sie. Sie wollen verstehen und gestalten, und die drängenden Themen einbinden in das Größere und Ganze. Der Umstand, dass Deutschland dabei ist, sich abzuschaffen, schmerzt Sie. Der Abschied Deutschlands aus der Geschichte ebenso, konstatierten Sie.

Nahezu neunzig Prozent der Bevölkerung stehen hinter Ihnen. Die Menschen scheinen ähnliche Befürchtungen zu haben. Warum gibt das den Verantwortlichen nicht endlich, endlich zu denken?

Merkwürdig, dass die Presse sich für die Reaktionen der Menschen im Land so wenig zu interessieren scheint. Gerade so, als könnten es sich die Kollegen überhaupt noch leisten, an der Grundhaltung ihrer Leser einfach vorbeizuschreiben. Ich ahne nicht, sondern ich weiß in diesem Moment definitv, dass es hunderttausende erboster Briefe, E-Mails und Faxe geben wird, die die Zeitungs-, Radio-, Fernseh- und Internetredaktionen erreichen werden, Stellungnahmen, die Ihnen, Herr Sarrazin, den Rücken stärken wollen. Bei mir war es damals ähnlich - es ist ein unendlicher Trost.

Da sitzen Sie bei Beckmann, und wenn Sie mich vorher gefragt hätten, aber lassen wir das….Nach nicht einmal zwei Minuten Sendezeit wundere ich mich plötzlich nicht mehr, warum der blonde und blauäugige Reinhold Beckmann so häufig mit seinem ebenso blonden und blauäugigen Moderationskollegen Johannes Baptist Kerner verwechselt wird: Es sind die dieselben Suggestivfragen und Manipulationsversuche, Sie, Herr Sarrazin, gleich zu Beginn der Sendung abzuurteilen, als »Spalter der Nation«, als »Demagoge«. Sie werden unterbrochen, dürfen nicht ausreden, und den Knopf im Ohr des Moderators, der ihn mit der Regie verbindet, muss man nicht sehen, um ihn zu bemerken. Es ist nahezu dasselbe Tribunal wie vor drei Jahren bei Kerner, nur mit anderen Teilnehmern. Ob Renate Künast, Olaf Scholz, Ayül Özkan oder Rangha Yogeshwar, alle warten nur darauf, ihrer politisch-korrekten Empörung Luft zu machen.

Gleichgültig ist dabei, dass Sie von einer N24-Umfrage sprechen, wonach 95 Prozent der Zuschauer direkt nach der Pressekonferenz der Meinung waren, Sie seien mit Ihren Aussagen eben nicht zu weit gegangen. Egal auch, dass Sie klarstellen, was Sie wirklich sagten. Nein, Herr Sarrazin, Ihre Erklärungen interessieren hier niemanden. Es ist auch nicht an einer Aufklärung gelegen, sondern die Sensation soll weitergehen, denn das wusste damals schon Herr Kerner: Sensation bringt Quote! Quote bringt Geld - und Daseinsberechtigung.

Lieber Herr Sarrazin, vor Ihnen stehen schwere Zeiten. Es wird nicht mehr viele Menschen geben, die an Ihrer Seite bleiben. Jedenfalls von jenen, die nicht nach ihrem Herzen handeln, sondern denen gesellschaftliches Ansehen wichtiger erscheint.

Sie werden jedoch neue Menschen dazu bekommen, Menschen, mit deren Unterstützung Sie nicht gerechnet haben. Die Gutmenschen gehören nicht dazu. Die schreien jetzt da draußen weiter, während ihr Land kontinuierlich dem Niedergang entgegensteuert.

Noch scheint kaum jemand aus den öffentlichen Polit- und Promi-Medienkreisen in der Lage zu sein, innezuhalten, fair zu prüfen, konstruktiv weiterzudenken und Entscheidungen zu treffen. Das Leid im Land muss noch größer werden, bis die Unzufriedenheit der Bürger eskaliert. Das wird geschehen, schneller, als die zahlreichen Schreihälse da draußen es sich wünschen mögen.

Bleiben Sie derweil stark, Herr Sarrazin. Es gibt Millionen Menschen, die Sie stützen. Verlieren Sie nie den Mut. Bleiben Sie sich treu, und lassen Sie sich bloß nicht unterkriegen. Und üben Sie Nachsicht: Denn zahlreiche »Gutmenschen« wissen nicht, was sie tun.

Sie haben während der Pressekonferenz mit einem leisen Satz das zum Ausdruck gebracht, was Sie im Grunde Ihres Herzens treibt: »Wenn man so lange dem Staate dient, so bleibt es nicht aus, dass man diesen liebt - und auch sein Staatsvolk«. Das waren Ihre Worte, die Ihre Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit zum Ausdruck bringen über die Sehnsucht, hier in diesem Land, das Sie lieben, noch etwas zum Guten zu wenden.

Mit herzlichen Grüßen

Eva Herman

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