Friday, 30. September 2016
13.10.2011
 
 

Urkomisch: Bild-Kolumnist Wagner heult plötzlich verlorenen Werten nach

Eva Herman

Wer Bild liest, kommt an Chefkolumnist Franz-Josef Wagner kaum vorbei. Regelmäßig meldet sich der fast Siebzigjährige auf Seite zwei, um Prominenten und Nichtprominenten entweder verbal einzuheizen, sie unerträglich zu umschleimen oder sie mit vulgären Entgleisungen schwer zu beleidigen. Der auch als Gossen-Goethe bekannte 68er, der sich in seinen Rubriken häufig und offenbar am liebsten mit den Themen Frauen, Sex und Körpersäften beschäftigt und sich selbst und seine persönlichen Vorlieben dabei selten auslässt, gilt in Insiderkreisen als berufsjugendlicher, cholerischer, hysterischer »Gaga-Kolumnist«. In seiner gestrigen Kolumne jault der immer betont lässige ehemalige Möbelpacker jedoch plötzlich laut auf:

 

Eine unerwartete Sehnsucht nach Familie hat ihn gepackt. Er beschreibt in seinem wie immer kurzen Text, wie »neulich in der S-Bahn ein junges Mädchen einem älteren Herrn seinen Sitzplatz«

angeboten habe. Der mit Turnschuhen, Jeans und Poloshirt Bekleidete habe jedoch beleidigt abgelehnt, weil er sich nicht alt fühle.

Bild-Wagner springt dann unvermittelt in die Sendung »Hart aber fair«, wo er auf den Schlagersänger Peter Kraus eindrischt, der »so tat, als wäre er ewig jung. Er tanzte, er rockte«. Na, sowas? Geht ja gar nicht!

Wagners küchenpsychologische Diagnose gipfelt darauf in der Erkenntnis: »Ich denke, dass die schlimmste Alterskrankheit nicht die Demenz ist, sondern der Jugendwahn. Ich denke, dass Viagra scheiße ist, die Tablette, die alte Männer in junge Männer verwandelt.«

Auf diesen geistigen Ich-denke-Erguss in Europas größter Tageszeitung geht dann das jämmerliche Geheule richtig los: »Ich will meinen alten Großvater wiederhaben, meinen lieben Großvater im Schaukelstuhl und Pfeife rauchend. Meinen lieben Großvater, der einschläft, wenn er von früher erzählt«, greint Chefkolumnist Wagner.

Was da plötzlich nur los sein mag im Oberstübchen des langjährigen Gitane-filterlos-Rauchers? Könnte es vielleicht an seinem nun doch fortgeschrittenen Alter liegen, dass der Mann, der im Suff angeblich schon vom Springer-Hochhaus springen wollte, und der werteorientierte Menschen wie mich öffentlich als dumme Kuh bezeichnete (dafür musste Wagner eine hohe Geldstrafe bezahlen), plötzlich Sehnsucht nach so etwas wie Beständigkeit, Verlässlichkeit, Rücksicht und Verantwortung bekommt?

Jahrelang hatte er diese Werte – zumindest printverbal und für jedermann sichtbar – kräftig  mit Füßen getreten. Wagner wäre nicht der Erste, in dem mit zunehmenden Jahren das Erkennen reift, um was es im Leben eigentlich einzig und alleine geht: Um den freiwilligen Zusammenhalt von Menschen, der auf der wahren Liebe begründet ist. Und den findet man eben nun einmal zuallererst in der kleinsten gesellschaftlichen Zelle: in der Familie.

Tja, Herr Wagner, Sie tun mir jetzt fast leid. Fast siebzig mussten Sie werden, um das zu begreifen. Aber ich kann Ihnen nur zustimmen: Das ist es wirklich, was alleine zählt! Der eine entdeckt diese Wahrheit früher, der andere später, und wiederum andere sterben dumm. Es wäre ein Glück, wenn Sie nicht zur letzten Gruppe gehörten.

Auch mit Ihrem letzten Wunsch in dem kleinen Artikel von gestern haben Sie, Herr Wagner, recht. Der lautete dann noch: »Ich will auch meine Großmutter wiederhaben. Und keine Großmutter mit Bodypiercing und Tattoos am Hintern. Wovon ich träume, ist eine Gesellschaft von Mama, Papa, Oma, Opa«.

Wenn Sie das wirklich ernst meinen, Herr Wagner, dann bitte ich Sie inständig, wenigstens einen Teil dessen, was Sie jahrzehntelang an gesellschaftlichen Scherben als Mainstream-Journalist mit verursacht haben, in Ihrer letzten Zeit bei Bild wieder aufzuräumen.

Wenn Sie es tatsächlich ernst meinen sollten, dann setzen Sie sich jetzt wirklich für diese von Ihnen ersehnte Gesellschaft ein, die auf Familie, auf Mama, Papa, Kindern, Oma und Opa beruht. Mit Haut und Haaren sollten Sie das tun.

Dazu gehört übrigens, dass Sie die Oberweite von Müttern nicht weiter als begehrenswerte Sex-Appetizer betrachten, sondern als wichtigste Nahrungsquelle für Körper und Geist der Kleinkinder. Dazu gehört, dass sie Frauen ehren, vor allem jene,  die ihre Kinder selber zuhause erziehen und nicht in staatliche Fremdbetreuung geben. Dazu gehört auch, dass Mann und Frau nicht ausschließlich Sexpartner für immer neue Spielchen sind, sondern vor allem verlässliche, verantwortungsvolle Lebensgefährten, Eltern, die in der öffentlichen Diskussion unterstützt und gestärkt werden müssen.

Tun Sie das doch, Herr Wagner, satteln Sie Ihr Pferd um und reiten Sie mit einem besseren Gewissen in den Sonnenuntergang. Es wird Ihr Schaden sicher nicht sein.

 

Herzliche Grüße

Eva Herman

 

 


 

 

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