Mittwoch, 7. Dezember 2016
05.09.2011
 
 

Wir sind das Volk: Wie wir Politik und Medien jetzt auf die Sprünge helfen müssen

Eva Herman

So manch ein Mensch, dem konservative Werte und traditionelle Gemeinschaftstugenden noch nicht ganz einerlei geworden sind, fragt sich heute oft verzweifelt, warum er immer seltener seine Weltsicht in den öffentlichen Medien und in der Politik wiederfindet. Das, was zunehmend von oben herab entschieden und berichtet wird, weht nicht selten sogar rundweg am gesunden Menschenverstand vorbei. Beispiele?

Die Euro-Rettung auf Kosten Deutschlands:  Zwei Drittel der Deutschen, 66 Prozent, sind der Meinung, dass der Bundestag dem erweiterten Euro-Rettungsschirm nicht zustimmen sollte. Das belegt eine aktuelle Umfrage. Euro-Bonds? Die SPD-Forderung stößt ebenso mehrheitlich auf Ablehnung. Über die Hälfte der Deutschen, 55 Prozent, sind nicht der Ansicht, dass diese Maßnahme für unser Land günstig ist. Etwa 80 Prozent der Deutschen sind außerdem davon überzeugt, dass »der schlimmste Teil der Euro- und Schuldenkrise uns noch bevorsteht«.  Die mehrheitlichen Aussagen der deutschen Bürger lauten im Klartext: Hallo, ihr da oben, wir wollen eure Politik nicht mehr!

 

 

Kritische Medien-Beiträge zu diesen und vielen anderen Themen finden sich dennoch immer noch mehrheitlich nur verhalten. Wenn ein Fachmann einmal Klartext in einem Presse-Interview reden darf, so stehen diesen Aussagen gleich mehrere sogenannte Expertenartikel oder andersgerichtete Interviews und Kommentare gegenüber, die eilig alles wieder relativieren. Tagelange, mediale Hetzjagden sind hier nicht ausgeschlossen.

 

 

Die Euro- und Schuldenkrise verängstigt die Menschen. Die Grundstimmung im Land lautet: 60 Prozent sind beunruhigt über die derzeitige Lage . Es sind die kleinen und es sind die ganz großen Dinge, die wachsenden Unmut der Menschen im Land bringen. Immer seltener finden sie ihre Meinung in Politik und Medien wieder. Die Kluft zwischen Regierenden und Untergebenen wächst. Das Vertrauen in die Politik ist auf niedrigste Werte abgestürzt, Wahlversprechen werden nicht eingehalten, ob es die Grünen bei Stuttgart 21 sind oder die explodierende Enttäuschung von Millionen von CDU/CSU-Wählern, die konservative und selbstverständliche Werte von ihren Parteiführern ausgehebelt und abgeschafft sehen, weil diese ihre Fahnen ständig mit dem Wind drehen.

Neueste Umfragewerte: Der Regierung Kanzlerin Angela Merkels und Wolfgang Schäubles (beide CDU) wird nicht mehr vertraut. Dass ihre Maßnahmen für Lösungen aus der Krise sorgen, glauben die Deutschen auch nicht. Die Mehrheit der Bürger schaut mehr als skeptisch in die Zukunft. Rund 57 Prozent machen sich Sorgen um ihre Ersparnisse. Eine Mehrheit von 57 Prozent geht davon aus, dass »keine Partei« Wege aus der Krise findet.

Nachdem Altkanzler Kohl vor wenigen Tagen heftige Kritik an der Politik seines ehemaligen Zöglings, der Ex-DDR-Bürgerin Angela Merkel geübt hatte, stimmen ihm nach der neuen ARD-Umfrage mehr als zwei Drittel der Deutschen, 68 Prozent, zu. Deutschland sei schon »seit einigen Jahren keine berechenbare Größe mehr«. Kohl hatte moniert, Deutschland habe keinen Standpunkt und keine Ideen mehr: »Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alles verspielen.«

Es ist spannend, zu beobachten, wie die Mainstream-Medien mit diesen neuen Zahlen und Fakten derzeit umgehen. Man kann ja eigentlich schon froh sein, dass die Negativ-Umfragen überhaupt gemeldet werden. Und dann? Werden weitere Untersuchungen angestellt? Werden die Bürger verstanden? Werden Lösungen vorgeschlagen, wie man diesem wachsenden Dilemma entkommen könnte? Wird an die Verantwortung der Handelnden der weltweiten Politik, Banken und Börsen, appelliert? Wird umgedacht und umgekehrt?

Wer von den Denkern, den sogenannten Intellektuellen, wer aus Öffentlichkeit, Show oder Wirtschaft, traut sich denn noch nach vorne? Ja, gewiss, die Abgehalfterten: Wie Erwin Teufel, der Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs, der längst im Ruhestand ist. Er meldete sich vor kurzem zu Wort und schimpfte auf Merkel und Co. Und jammerte alten Werten hinterher. Jetzt meldet er sich! Jetzt, wo er nichts mehr zu verlieren hat. Ebenso Helmut Kohl. Oder Helmut Schmidt, der ebenfalls hinter allen her krächzte, Kohls Merkel-Kritik sei berechtigt. Aber schließlich hätte Kohl selber auch Fehler gemacht… Und so weiter.

Die alten Garden schimpfen jetzt aus ihren bequemen Ruhesesseln heraus. Denn, noch einmal: Sie haben ja nichts mehr zu befürchten. Im Gegenteil, dem Ältestenrat lauscht man mit bemühter Miene eifrig, klingen da doch weise Töne durch, die schon längst vergessen geglaubt waren.

Ach ja, da war ja vor kurzem auch noch der Zwischenruf des amtierenden Bundespräsidenten Wulff, der die EZB kritisiert hatte. Der darf das auch, denn er ist in seinem Präsidentenschloss ebenso sicher. Ihn gefährdet eine kritische Bemerkung nicht in seinem Amt, solange er dabei nicht die berühmten Silberlöffel anrührt. Und wer weiß, wie diese Zwischenbemerkung überhaupt zustande kam? Hatte die Kanzlerin vielleicht sogar ihren Segen vorher dazu gegeben, um die brodelnde Unruhe mit dieser »kritischen Haltung von oben« wieder zu besänftigen?

Wie gesagt, milde Kritik wird hin und wieder laut. Aber von wem? Es sind eben genau diejenigen, die nichts zu befürchten haben. Aber wo sind die Tatkräftigen aus dem Hier und Heute? Die Macher? Welches Mannsbild haut endlich einmal auf den Berliner Parlamentstisch und räumt, wie schon lange nötig, gehörig auf? Welche Politikerin beweist uns, dass Frauen wirklich besser Politik machen, indem sie es ist, die sich mutig nach vorne wagt und sich im Sinne des Volkes äußert? Wer von all den gut verdienenden und angesehenen Bundespolitiker/innen setzt sich zwischen die Stühle und für uns ein? Wer wagt es, die Wahrheit zu sagen? Wer gibt den Menschen endlich wieder Hoffnung?

Wohin man auch schaut: Gähnende Leere. Natürlich kommen vereinzelte Zwischenrufe von Leuten wie dem FDP-Politiker Frank Schäffler, der der EZB einen fortgesetzten Rechtsbruch vorwirft, indem sie Staatsanleihen überschuldeter Euroländer aufkauft und damit die Schulden sozialisiert.  Und es gibt auch einige Abgeordnete, die sich den Rettungsschirmplänen  entgegenstellen. Weil unter anderem nämlich immer mehr Bürger ihnen schreiben und Dutzende Petitionen gegen die staatsvernichtenden Pläne laufen.

Doch wer versteht uns Bürger wirklich? Wer vertritt uns? Wo finden wir ihn? Und welche Medien melden das überhaupt? Die wenigen Skeptiker kommen doch kaum zu Wort. Weil sie politisch unkorrekt sind. Sie werden meist totgeschwiegen. Und wenn sie doch einmal etwas sagen dürfen, etwa in TV-Talkshows, dann sitzen ihnen so viele Gegner gegenüber, dass sie schnell mundtot gemacht werden.

Eine sachliche und objektive Berichterstattung, in der so genannte konservative Themen vertreten werden, findet doch kaum noch statt. Warum? Eine wichtige Antwort ist sicher diese:

Weil die meisten Mitarbeiter der deutschen Presse selbst politisch auf linker bzw. grüner Seite verortet sind. Das nicht überraschende Ergebnis brachte eine Studie der Freien Universität Berlin zutage, die letztes Jahr im Auftrag des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes durchgeführt wurde. Von knapp fünftausend befragten Journalisten fühlen sich demnach ganze neun Prozent  der CDU zugehörig, während fast 50 Prozent links, rot oder grün wählen und der größte Teil weiterer 36 Prozent sich dorthin gezogen fühlt. Den minimalen Anteil von 7,4 Prozent FDP-naher Journalisten muss man in diesem Zusammenhang kaum noch erwähnen, zumal die Partei zur Zeit der Studienerhebung noch einen weitaus besseren Stand hatte als heute.

Der mit Abstand größte Teil deutscher Journalisten denkt, fühlt und schreibt also links und grün. Trifft sich prima, oder? Das ist sie, die häufig erwähnte und diffus spürbare Macht der Medien! Der Mannheimer Medienwissenschaftler Jochen Hörisch  bringt es auf den Punkt, wenn er von einer wachsenden Mediokratie spricht, von den Medien als Vierter Gewalt. Er unterstreicht die Machtfülle, mit welcher die Presse heutzutage ausgestattet ist. Wenn Medien eine Gewalt seien, müsse man sehr gute Gründe anführen, um zu sagen: Was für Legislative, für Exekutive und Judikative gilt, soll für Medien nicht gelten, so Hörisch.

 

In den etablierten Kreisen derzeitiger Bundeshauptstadtentscheider und ihrer obersten Hofberichterstatter finden sich damit immer weniger so genannte Konservative, selbst wenn sie Parteien angehören, die ein christliches »C« tragen und derartiges eigentlich von sich behaupten. Das heißt: die wenigsten Medienschaffenden, Autoren und Journalisten leben selbst nach einem konservativ ausgerichteten Wertebild: Der geringere Teil von ihnen ist verheiratet und hat Kinder.

Das gleiche gilt übrigens auch für Politiker: Immer weniger von ihnen bevorzugen heute noch die klassische Familie als ihren persönlichen Lebensentwurf. Dafür nehmen die Single-Existenzen wie auch unverheiratete Lebensabschnitts-Partnerschaften zu. Überraschend ist hier vor allem die wachsende Zahl von lesbischen und schwulen Partnerschaften, die namentlich von Medienschaffenden wie auch von Politikern zunehmend gelebt und in die Öffentlichkeit getragen werden. Das ist, um etwaigen Spekulationen vorzubeugen, keinesfalls diskriminierend gemeint, sondern dient als ein wichtiger Beitrag der Bestandsaufnahme, in der es um den rasant wachsenden gesellschaftlichen Wandel geht.

 

Fazit: Wir werden von Linken und Grünen regiert, die die Macht haben, andere Meinungen zum Schweigen zu bringen, medial und politisch. Oder besser: Denen wir die Macht (noch!) geben, damit sie konservative Stimmen zum Schweigen bringen. Unsere derzeitige traurige Situation, die aktuellen Umfragen, die das Vertrauen der Bürger in ihre Volksvertreter im Keller sehen, sprechen eine deutliche Sprache.

 

Bleibt die wichtige Frage: Warum lassen wir uns das eigentlich alles gefallen? Warum haben wir das teure Zeitungsabonnement immer noch nicht gekündigt, obwohl wir jeden Morgen aufs Neue vergeblich nach etwas suchen, das wir verstehen, das unsere Sicht auf die Welt widerspiegelt und das uns uns verstanden fühlen lässt? Warum zahlen wir immer noch GEZ-Gebühren, wenn doch die wirklich kritischen und hochseltenen Beiträge nur noch nachts um 1:45 Uhr auf ARTE gezeigt werden, während wir mit sinnlosem täglichen Talkshow-Geschwafel und Tagesschau-Meldungen zugeballert werden, die unseren kritischen Verstand betäuben wollen?

 

Warum protestieren wir nicht? Warum schreiben wir den Bundestagsabgeordneten nicht jeden Tag Emails, dass wir sie nicht mehr wählen werden, wenn sie unsere Werte weiterhin zur Mülldeponie befördern?

Dass eine Gegenwehr Erfolg haben wird, das zeigt uns der Fall Sarrazin. Wurde der Mann anfangs für seine Thesen des Buches Deutschland schafft sich ab medial hingerichtet, so waren es die Bürger mit ihren Millionen von Protesten, mit Briefen, Emails und Anrufen, welche Medien-Titanen wie den Springerkonzern haben umschwenken lassen (müssen!). Die Zeitungsmacher wussten, dass sie ihre Leser verlieren werden, wenn sie weiterhin auf dem Negativkurs mit Sarrazin blieben. Wer sich heute das vor kurzem veröffentlichte Jahres-Resümee über Sarrazin in Bild und Co. durchliest, erkennt leicht, dass die Herrschaften in Berlin erheblich vorsichtiger geworden sind.

 

Also, mehr Mut, liebe Bürger! Nur ran! Es wird Zeit, aufzuwachen. Wir stehen doch schon am Abgrund. Und Sie haben das längst erkannt. Sie sollten sowohl den Medien als auch Politikern schnellstens auf die Sprünge helfen. Denn: Wir sind das Volk! Dieser Satz hat vor 22 Jahren die Geschichte Deutschlands schon einmal umgeschrieben.

 

 


 

 

 

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