
Seit dem Moment, als er seinen Posten als Vorsitzender der amerikanisch-schweizerischen Bank Crédit Suisse aufgegeben hatte und zur Deutschen Bank gewechselt war, hatte der Schweizer Banker Josef Ackermann systematisch daran gearbeitet, die größte deutsche Bank zu einem Abbild der Wall Street-Banken zu machen. Wie es aussieht, ist ihm dies nur allzu gut gelungen.
Der Anlagenversicherer Assured Guarantee Ltd., Eigentümer der Hypothekenversicherung Assured Guaranty Mortgage Insurance Company of New York, hat Tochterfirmen der Deutsche Bank AG wegen der umstrittenen, durch Hypotheken gesicherten Wertpapiere (Mortgage-Backed Securities, MBS) in Höhe von 312 Millionen Dollar verklagt. Die Versicherung hatte für die umstrittenen Anleihen gebürgt, die sie jetzt als »behaftet mit zügellosem Betrug und falschen Darstellungen« bezeichnet. Assured Guaranty beantragte bei Gericht, die Deutsche Bank zur Rücknahme der Anleihen zu zwingen, für die der Versicherer bereits fast 60 Millionen Dollar an Verlusten erstattet hat und für die weitere Schadensansprüche in zweistelliger Millionenhöhe drohen. Die Klage wurde beim Obersten Gericht des US-Bundesstaats New York gegen DB Structured Products Inc. und ACE Securities Corp. eingereicht. Der Anleiheversicherer, der von dem Milliardär Wilbur Ross unterstützt wird, beansprucht sowohl die Erstattung der bereits ausgezahlten Beträge als auch künftiger Verluste. Es geht also um viel Geld.
Gegenüber der Presse wollte ein Sprecher der Deutschen Bank in New York keinen Kommentar abgeben.
»Die gesamten Anleihe-Pools, die die Deutsche Bank verbrieft und zu einem erheblichen Teil bei den Transaktionen geschaffen hat, sind behaftet mit zügellosem Betrug und falschen Darstellungen«, erklärt Assured in der Anzeige bei dem New Yorker Gericht, außerdem habe es bei der Kreditvergabe kein ordnungsgemäßes Vorgehen gegeben. Weiter heißt es, in mehr als 83 Prozent der nicht bedienten 1.306 Darlehen bei einer der überprüften Transaktionen habe sich ein Widerspruch zu den Angaben und Garantien der Deutschen Bank gefunden. Einfacher und deutlicher ausgedrückt heißt das: der Versicherer bezichtigt die Deutsche Bank der Lüge. Bei dem zweiten überprüften Home-Equity-Loan-Trust-Geschäft habe es laut Assured 86 Prozent der 1.774 Darlehen einen Verstoß gegen die Vereinbarungen gegeben. (1)
Das Wall Street-Modell: Der Schuss geht nach hinten los
Nach Angaben von Quellen in der Frankfurter Finanzszene kam Josef Ackermann ursprünglich mit dem festen Vorsatz zur Deutschen Bank, das traditionsreiche deutsche Bankhaus zu einem Wettbewerber für die erfolgreichen New Yorker Investmentbanken zu machen.
Das Problem besteht nur darin, dass dieses erfolgreiche »Modell« der Wall Street von Anfang an auf Schwindel beruhte, wie 2007 beim Ausbruch des US-Finanz-Tsunamis im Zusammenhang mit der Bündelung und Verbriefung von Tausenden einzelner hochriskanter Hypotheken, die als »sub-prime« oder zweitklassig bezeichnet wurden, offenkundig wurde. Doch auf dieses Modell für Megaprofite und Giga-Boni hat Ackermanns Deutsche Bank anscheinend seine Geschäfte begründet.
In den vergangenen Wochen ist in den USA ans Licht gekommen, dass möglicherweise Millionen Hausbesitzer mit betrügerischen Tricks zur Unterschrift unter Hypothekenverträge gebracht wurden, deren wahre Kosten man ihnen vorenthielt und die erst einige Jahre später erkennbar werden, sodass sie in Zahlungsverzug gerieten. Daraufhin kam und kommt es zur Zwangsvollstreckung, Banken nahmen und nehmen die Häuser wieder in Besitz. Jetzt laufen also auch Gerichtsverfahren gegen die angesehene Deutsche Bank.
»Dämliche Deutsche …«
Nach Angaben des Bloomberg-Autors Michael Lewis hat sich die Deutsche Bank unter Ackermanns Führung über ihre New Yorker Niederlassung bemüht, Goldman Sachs bei der Hypotheken-Verbriefungs-Bonanza der vergangenen zehn Jahre zu übertrumpfen. Lewis belegt, dass die Deutsche Bank in New York wissentlich Giftmüll- oder Ramsch-Anleihen auf der Grundlage amerikanischer Subprime-Hypotheken verkauft hat, vornehmlich an »dämliche deutsche Investoren in Düsseldorf«, wie ein Händler in New York gegenüber Lewis erklärte. (2)
Bei diesen »dämlichen deutschen Investoren in Düsseldorf« handelte es sich, wie sich alsbald herausstellte, um die IKB, die Tochterbank der staatlichen deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau. Interessant ist dabei, dass Ackermanns Deutsche Bank angeblich betrügerisch mit »AAA« bewertete CDO – Collateralized Debt Obligations, zu deutsch schuldenbesicherte Wertpapiere, das sind hoch riskante, um nicht zu sagen betrügerische Wall Street-Hypothekenderivate – an die IKB verkaufte und das zu einem Zeitpunkt, wo die Deutsche Bank wusste oder hätte wissen müssen, dass die Hypothekenkrise in den USA jeden Moment ausbrechen konnte. Tatsächlich scheint die DB ihren Giftmüll bei der KB abgeladen zu haben. Zur gleichen Zeit, als die Deutsche Bank exotische immobilienbesicherte amerikanische Wertpapiere an die »dämlichen deutschen Investoren« bei der IKB verkaufte, ermunterte sie aggressiv andere Wall Street-Banken und Hedgefonds-Manager dazu, auf den Crash eben dieser Hypothekenblase zu wetten. Solange alle Beteiligten Gewinne machten, hat anscheinend niemand in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt eingegriffen. (3)
Ackermann setzte dem Ganzen die Krone auf, als er am 27. Juli 2007 dem Chef der Deutschen Bankenaufsicht BaFin, Jochen Sanio, eine persönliche Nachricht zukommen ließ, die IKB sitze auf einem Berg toxischer Anlagen und könne in eine Schieflage geraten. Ackermann ging sogar vor die Presse und gab zu, er habe gewusst, dass die Deutsche Bank die toxischen Finanzpapiere an die IKB verkauft hatte. (4)
Diese Ankündigung durch Ackermann gilt als Auslöser dafür, dass die IKB an den Rand des Bankrotts geriet, sodass eine Rettungsaktion mit Steuergeldern in Milliardenhöhe notwendig wurde. Natürlich ließ sich der wohltätige Herr Ackermann nicht darüber aus, wie hoch der Gewinn der
Deutschen Bank im Falle eines Zusammenbruchs der IKB ausgefallen wäre. Der Zusammenbruch der IKB war, wie ich in meinem Buch Der Untergang des Dollar-Imperiums beschreibe, der Katalysator dafür, dass die billionenschwere US-europäische Finanzblase platzte. Diese Blase ist allerdings bis heute nicht beseitigt.
Bemerkenswert ist weiterhin, dass die Deutsche Bank zwei Tage, nachdem die Betrugsanzeige bei dem New Yorker Gericht eingereicht wurde, ankündigte, sie habe in den ersten neun Monaten 2010 mehr Geld für die Vergütung der Mitarbeiter im Unternehmens- und Investmentgeschäft zurückgelegt als Goldman Sachs. Die Deutsche Bank könnte damit jedem der 16.194 Mitarbeiter in der Abteilung, wozu nach Firmenunterlagen auch das Transaktionsgeschäft zählt, einen Bonus in Höhe von 285.352 Euro zahlen. Doch das Geld fließt nur an eine Handvoll von Top-Tradern, deren Boni wahrscheinlich in zweistelliger Millionenhöhe liegen werden. »Auf dem Markt herrscht noch immer starke Konkurrenz, Talent hat seinen Wert und seinen Preis, das können wir nicht ignorieren«, erklärte Stefan Krause, Finanzvorstand der Deutschen Bank, laut einem Bericht der Zeitschrift Business Week. »And the beat goes on, and the beat goes on, on, on …« wie es in Sony & Chers legendärem Pop-Song hieß.
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