Droht ein neuer weltweiter Preisschock bei Getreide?
F. William Engdahl
Nachdem auf der nördlichen Halbkugel der kälteste Winter seit Jahren hinter uns liegt, beschert uns nun der Sommer besonders in Nordamerika eine Rekordhitze, die sich dort erheblich auf die Getreideernte auswirken wird. Mehrere Faktoren tragen zu einem erneuten Anstieg der weltweiten Getreidepreise bei, der ähnlich drastisch wie der vom Sommer 2008 ausfallen könnte.
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Maßgeblich trägt dazu der Druck bei, den die mächtige Getreidelobby in den USA, die Konzerne ADM, Cargill und Bunge, auf wichtige Länder ausüben, die traditionellen Getreidereserven abzubauen und stattdessen dem Privatsektor – dem Getreidekartell – das Management der Lagerhaltung zu überlassen. Das Resultat: wir leben in einer Welt, die zur Geisel selbst geringfügiger Versorgungs-Schwankungen geworden ist.
Wie die India Times berichtet, ist die weltweite Versorgung mit Reis durch eine Dürre bedroht. In Virginia führt die Hitze nach Aussage der Landwirte zu empfindlichen Ernteausfällen. Aus Syrien wird wegen ausbleibender Regenfälle eine Nahrungsmittelknappheit gemeldet. Höchst beunruhigend ist jedoch der jüngste Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums, wonach in diesem Jahr die Anbauflächen für Mais gegenüber dem Vorjahr um ca. 400.000 Hektar (1 Million acres) geschrumpft sind. Die USA sind der weltweit größte Exporteur von Mais, einem wichtigen Bestandteil von Viehfutter. Wie das US-Landwirtschaftsministerium weiter mitteilt, sind die Lagerbestände um ca. 300 Millionen Scheffel Mais zurückgegangen. In all diesen Berichten sind die Schäden durch den giftigen Regen infolge der Ölkatastrophe am Golf von Mexiko natürlich noch gar nicht erfasst.
Zusätzlich zu der Hitze in den gesamten USA herrscht derzeit auch in Kanada, Russland und Kasachstan – allesamt wichtige Getreideanbauländer – eine Hitzewelle. In Russland ist die erwartete Erntemenge von ursprünglich 90 Millionen Tonnen um fünf Millionen gesenkt worden.
Im Juli 2008 hatte der Ölpreis den Rekordwert von 147 Dollar erreicht; Rohstoff-Spekulanten nahmen den deutlichen Anstieg der Maisanbauflächen für die Biospritproduktion zum Anlass, die Preise monatelang um 200 Prozent in die Höhe zu treiben. Der Preis für Reis verdreifachte sich innerhalb von drei Monaten beinahe, der Anstieg betrug zeitweise 50 Prozent im Zeitraum von nur zwei Wochen.
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