Sunday, 25. September 2016
05.02.2015
 
 

NSU-Staatsaffäre – Das »Paulchen Panther«-Video stammt von einem Trittbrettfahrer

Falk Schmidli

Fast jeder hat davon gehört und dennoch hat es bislang kaum einer gesehen – das »Paulchen Panther«-Video, das dem NSU zugeschrieben wird. Dabei zeigt dieses »Bekennervideo« eines gerade nicht – ein deutliches Bekenntnis zu den Morden. Auch von Insider- oder Täterwissen ist in diesem Machwerk nichts zu finden.

 

Seit einigen Tagen ist das sogenannte »Bekenner-Video« des NSU im Internet zu sehen. Die Quelle dieses Videos ist wieder einmal »fatalist« und der »Arbeitskreis NSU«, der auch bereits eine Analyse des Videos durchgeführt hat. Das Ergebnis wird unsere Leser nicht überraschen: Das Video ist voller Fehler, die eindeutig auf mangelndes Insiderwissen des Erstellers hindeuten.

 

Die Fehler sind so gravierend, dass das Video im Grunde als Lüge entlarvt ist. Es ist dabei nebensächlich, wer das Video aus welchem Grund kreiert hat. Wir werden darüber auch nicht spekulieren. Wichtig ist nur, dass dieser sogenannte Beweis vollkommen unglaubwürdig ist. War diese Unglaubwürdigkeit des Bekennervideos vielleicht der Grund dafür, warum das Video drei lange Jahre vor der interessierten Öffentlichkeit regelrecht versteckt wurde?

 

Das berühmte, aber bisher weitgehend unbekannte »Bekenner-Video« ist insgesamt 15 Minuten lang und besteht aus insgesamt sechs zusammengesetzten Sequenzen der Zeichentrickserie »Der rosarote Panther«. In diese wurden Bilder von den Tatorten oder Zeitungsausschnitte eingefügt. Die Tonspur des Machwerks ist durchgängig original, d.h. man hört kein einziges Mal Uwe Böhnhardt oder Uwe Mundlos, sondern nur den bekannten Sprecher von »Paulchen Panther«.

 

Nationalsozialisten als Hollywood-Fans?

 

Schon die Figur des »Paulchen Panther« ist ziemlich erklärungsbedürftig. Von bekennenden Nationalsozialisten würde man anderes erwarten – z.B. Adolf Hitler, einen Stahlhelm, ein Hakenkreuz, eben das »Szenetypische«.

 

Stattdessen ist auf dem Eingangsbild gleich vier Mal die Hollywood-Trickfilm-Figur »Paulchen Panther« zu sehen. In der Mitte des Intro-Bildschirms prangt das rosa NSU-Logo, das ebenfalls nicht sonderlich nationalsozialistisch wirkt, sondern eher wie das Logo eines »Barbiepuppen-Sammelvereins«.

 

Eine Comic-Figur als Transportmedium eines Bekennerschreibens ist ohnehin ein Novum – wahrscheinlich sogar weltweit. Man sollte meinen, dass gerade Rechtsterroristen etwas Martialischeres wählen würden, als ausgerechnet eine rosa Comicfigur.

 

Skurriler Inhalt für Bekennervideo

 

Während der gesamten 15 Minuten bekennt sich niemand zu den Taten, auch nicht »Paulchen Panther«. Das wäre auch gar nicht möglich, weil auf dem Band – wie gesagt – nur eine Originaltonspur der Zeichentrickserie ist. »Paulchen Panther« spielt in dem Video also gar nicht die Rolle des Mörders. Paulchen kann in dem Film nicht schlafen (05:38), träumt von Morden, sieht sie im Fernsehen, aber begeht sie eben nicht. Er wird in einer längeren Sequenz von einem Hund gejagt.

 

Gelinde ausgedrückt ist das alles in allem ein ziemlich unpassender und sehr erklärungsbedürftiger Inhalt für ein »Bekennervideo«. Ein einziges Mal bei 01:50 sieht man einen Revolver in Paulchens Hand, aber eben keine Automatikpistole, und schon gar keine Ceska mit Schalldämpfer.

 

Weit und breit ist im Video auch kein Hakenkreuz zu sehen, stattdessen findet man bei Minute 03:04 unpassenderweise ausgerechnet das Symbol der »Roten Armee Fraktion« (RAF). Paulchen folgte in dieser Sequenz einem Faden und stolperte dabei über diesen Eckensteher von der RAF. Seltsam. Das wirkt so, als würde in einem islamistischen Bekennervideo Elvis in einer Gastrolle auftreten.

 

Keine Uwes, keine Ceska, kein Schalldämpfer, kein gar nichts

 

Nichts, was typisch am NSU-Fall wäre, taucht in der Geschichte des Videos auf. Kein einziges Mal zeigen sich die angeblichen Macher des Videos, was schon alleine sehr ungewöhnlich für Bekennervideos ist.

 

Die Ceska 83, mit der angeblich die meisten Morde begangen wurden, ist ebenfalls kein einziges Mal zu sehen. Stattdessen taucht sogar eine andere Waffe bei 07:56 auf, eine normale Pistole ohne Schalldämpfer.

 

Da die Ceska mit Schalldämpfer das Markenzeichen der Morde und damit auch der NSU war, sollte man meinen, dass der Mörder es eingebaut hätte. Die falsche Waffe im Film deutet deshalb eher darauf hin, dass jemand dieses Video erstellt hat, dem das Insiderwissen um die Waffe fehlte. Das ist nicht verwunderlich, weil in dieser Mordserie erst zu einem späteren Zeitpunkt der Schalldämpfer auftauchte, ungefähr im September 2006.

 

Dieses Detail aber konnte in der Zeit der Erstellung des Videos nur dem Mörder bekannt gewesen sein. Das Video selbst dürfte wesentlich früher erstellt worden sein, wie wir noch zeigen werden.

 

Inakzeptable Fehler

 

Der auffälligste Fehler ist das falsche Datum bei Minute 08:02 für den Mord an Süleyman Tasköprü, der am 27. Juni 2001 in Hamburg erschossen wurde. Im Video ist es fälschlicherweise einen Tag später. Das ist wie ein Bekennerschreiben von Osama Bin Laden zu »9/12«.

 

Das Schild »9. Türke erschossen« bei Minute 03:55 ist schon deshalb falsch, weil acht Türken und ein Grieche ermordet wurden.

 

Beim Mord an Enver Simsek werden Fotos der Schaufenster seines Blumenhandels in Schlüchtern verwendet, die aus der Zeit nach dem zweiten Nachmieter stammen. Es handelt sich also nicht um Originale des Tatorts, sogenannte Insider-Fotos. Warum nicht? Oder anders gefragt, warum gibt es im ganzen Video keine Fotos, die nur die Täter selbst exklusiv haben könnten?

 

Akute Lustlosigkeit des Erstellers?

 

Auffälligerweise werden gar nicht alle neun Morde im Video explizit behandelt, sondern nur vier aus der Zeit bis zum Jahr 2001.

 

Die Morde Nummer fünf bis neun sind nur als Schautafeln in der Sequenz ab Minute 03:33 zu sehen. Hatten die Täter etwa keine Lust, diese Morde genauso detailliert zu dokumentieren wie die ersten vier? Immer diese lästigen Bekennerbriefe? Oder wurde die Sequenz bei 03:33 einfach nachträglich angefügt?

 

Genauer gefragt: War das Video, das die ersten vier Morde mit Fehlern dokumentiert hatte, nur die Vorlage, in die man später noch schnell das bizarre rosa NSU-Logo, die Schautafelfrequenz ab Minute 03:33 und das Heilbronner Abschlussbild mit der falschen Waffe bei Minute 14:55 ergänzt hat? Diese These einer zweiphasigen Erstellung, die auch hier nachzulesen ist, müsste videotechnisch untersuchbar sein.

 

Kloputzende Terroristen und darauf aufbauende OLG-Logik

 

Im Oberlandesgericht München ist man derzeit anscheinend trotz allem ganz zufrieden mit diesem Video. Man sinniert dort über eine Wette zwischen Zschäpe und Böhnhardt. Die Vereinbarung auf Zschäpes Seite war, dass sie 200 Videoclips bearbeiten würde, wenn sie es nicht schafft, in einer bestimmten Zeit abzunehmen. Böhnhardts Teil der Abmachung war es, die Toilette zu putzen. Böhnhardt verlor, wie Fotos beweisen, die ihn beim Kloputzen zeigen.

 

Das Gericht sieht das messerscharf als Indiz dafür an, dass Beate Zschäpe 200 Mal das Bekennervideo schneiden sollte. Zitat: »Nach Einschätzung der Beamtin muss es sich um die Bekenner-DVD des Terrortrios handeln«.

 

Damit man dies schlussfolgert, muss man zunächst das Bekennervideo als solches schlucken, was schon deshalb ziemlich grenzwertig ist, weil es eine gewaltige intellektuelle Kröte ist. Dann aber noch zu behaupten, man müsse ein (!) Bekennervideo 200 Mal schneiden, ist schon absurd. Angesichts des Resultats ein offensichtliches Missverhältnis, das im Mainstream nicht thematisiert wurde.

 

Viel wahrscheinlicher ist da die These, dass Beate Zschäpe die Sequenzen aus den Überwachungskameras ihrer Wohnung schneiden musste.

 

 

 

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Leser-Kommentare (19) zu diesem Artikel

10.02.2015 | 11:18

Dummfrager

!!! Su. Antwort !!! In "03.09.2014 NSU – ARD-Desinformation beim Thema Überwachungskameras" hatte "GLADIO" seine Strafanzeige aus 01/2012 veröffentlicht. Was ist daraus geworden, wurden Ermittlungen aufgenommen? Sollte ich mir die Antwort eigentlich schon selbst geben können, nachdem der Tätigkeitsbereich des NSU-Bundestagsausschusses erfolgreich und medienwirksam auf den (inszenierten ??) Nebenschauplatz "Kinderporno" abgeleitet wurde ??? Wer...

!!! Su. Antwort !!! In "03.09.2014 NSU – ARD-Desinformation beim Thema Überwachungskameras"
hatte "GLADIO" seine Strafanzeige aus 01/2012 veröffentlicht. Was ist daraus geworden, wurden Ermittlungen aufgenommen? Sollte ich mir die Antwort eigentlich schon selbst geben können, nachdem der Tätigkeitsbereich des NSU-Bundestagsausschusses erfolgreich und medienwirksam auf den (inszenierten ??) Nebenschauplatz "Kinderporno" abgeleitet wurde ??? Wer fragt, geschweige erinnert sich denn noch daran, von Ergebnissen gar nicht zu reden ?
Prometheus hatte auch versucht, die Götter zu täuschen - und bekam letztlich seine Strafe - warten wir mal ab; den Adler hätten wir schon (als Wappentier ;-)


06.02.2015 | 15:26

WachtamRheinbeiRhöndorf

Wer Rohwedder ermorden lies und somit einen Grundstein zum DM-Verrat legte,
dürfte sich hochwahrscheinlich im geistigen Umfelde der Videoersteller und/oder NSU-Ziehväter bewegen/ bewegt haben.


06.02.2015 | 11:01

Odins Wölfe

Das Video ist Copyright by Antifa.


06.02.2015 | 10:55

Piwi

Wer nach der Aktenvernichtung noch an den NSU glaubt, dem ist nicht zu helfen. Der NSU, die RAF, die Roten Brigaden, die alcaida - sie sind spätestens beim ersten Mord Handlanger der Geheimdienste - das ist Aktenkundig und durch öffentliche Aussagen der steuernden belegt. Warum so wenig sichtbares Interesse? Wer legt sich denn schon gerne mit dem Mainstrram an? Wer schwimmt gerne und lange gegen den Strom? ;-@)


06.02.2015 | 09:18

independent

Neues von den POLIT-Strichern ... +-+-+ Verzweifelter Hilferuf eines SPD(!)-Bürgermeisters wegen Türken-Terrors! ... Ein SPD-Bürgermeister – Sie haben richtig gelesen, kein Tippfehler: SPD, nicht NPD. Ein (bisher) friedliches deutsches Dorf und eine türkische Familie mit drei „Plagen“, die 13, 15 und 19 Jahren alt sind. Ein 15-Jähriger(!) zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung(!) Verurteilter. Und letztlich: „seit Ewigkeit“ Hartz I ......

Neues von den POLIT-Strichern ... +-+-+ Verzweifelter Hilferuf eines SPD(!)-Bürgermeisters wegen Türken-Terrors! ... Ein SPD-Bürgermeister – Sie haben richtig gelesen, kein Tippfehler: SPD, nicht NPD. Ein (bisher) friedliches deutsches Dorf und eine türkische Familie mit drei „Plagen“, die 13, 15 und 19 Jahren alt sind. Ein 15-Jähriger(!) zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung(!) Verurteilter. Und letztlich: „seit Ewigkeit“ Hartz I ... http://www.pi-news.net/2015/02/verzweifelter-hilferuf-eines-spd-buergermeisters-wegen-tuerken-terrors/


05.02.2015 | 22:23

Hans

Eigentlich schon ein alter Hut. Aber das Video stammt sicher nicht von einem »Trittbrettfahrer«. Sondern vonseiten derer die den Popanz »NSU« zusammengedichtet haben. Dennoch gut, dass dieses Video noch einmal thematisiert wird. MfG Hans

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