Wednesday, 1. June 2016
27.08.2010
 
 

Lebensversicherungen: Die private Rente ist keineswegs sicher

Gerhard Spannbauer

Eine Lebensversicherung galt gerade in den neunziger Jahren als das Anlageinstrument schlechthin: Alleine der Name schien schon Glaubwürdigkeit auszudrücken, schließlich versicherte man ja das Wichtigste schlechthin, nämlich die eigene Existenz. Nachdem klar wurde, dass die gesetzliche Rente doch nicht ganz so sicher sei, wie im legendären Ausruf von Norbert Blüm noch felsenfest behauptet wurde, legten sich die deutschen Bürger millionenfach eine zusätzliche Absicherung für ihre gesetzliche Rente zu, manch einer sogar in zweifacher Ausführung. Fast 25 Millionen neuer Lebenspolicen wurden in den neunziger Jahren abgeschlossen, denn die Lebensversicherer konnten in dieser Zeit glaubhaft versichern, dass diese Anlageform eine bombensichere Sache für die private Altersvorsorge sei.

Weit gefehlt, so wird nun immer klarer: In den Akten und Verträgen der Lebensversicherer finden sich fast 100 Millionen Lebenspolicen, die auf die stolze Gesamtversicherungssumme von 2,5 Billionen Euro kommen. Jeder Kunde merkt es bereits an seinen Abrechnungen: Die als sicher angepriesenen Lebensversicherungen halten lange nicht, was sie versprochen haben. Die einst vereinbarte Rentensumme ist alles andere als sicher.

Seit ungefähr zehn Jahren fallen die Renditen auf die Lebensversicherungen: Im Jahr 2000 war der Durchschnitt der Rendite auf 7,2 Prozent, nun ist er bereits auf 4,2 Prozent gefallen – Tendenz: weiter fallend. Mittlerweile steht sogar schon der Garantiezins von 2,25 Prozent zur Diskussion; Neukunden werden bereits ab Sommer 2011 weniger als zwei Prozent erhalten, lassen Stimmen aus der Branche verlauten. Die Versicherungen haben – wie jeder andere Sparer momentan auch – schwer unter dem niedrigen Zinssatz zu leiden. Lebensversicherer legen normalerweise zu 95 Prozent das ihnen anvertraute Geld in Staatsanleihen an und haben daher aktuell besonders unter der Politik der Notenbanken zu leiden. Seit Anfang der neunziger Jahre, in der Hochphase der Lebensversicherungen, haben beispielsweise Bundesanleihen rund drei Viertel ihrer Rendite eingebüßt. Die bleibend niedrigen Zinssätze der Notenbanken zwingen die Versicherer somit dazu, ebenfalls ihre Konditionen zu senken, denn andernfalls würden sie selbst in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Daraus erwächst eine Dramatik, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre: Die Umlaufrendite, also der Durchschnittszins für öffentliche Anleihen, fiel kürzlich unter die Garantiemarke von momentan 2,25 Prozent. In der Vergangenheit zeigte sich: Immer wenn die Umlaufrendite den Garantiezins erreichte, folgte eine Herabstufung der Garantie für Neukunden, so geschehen im Jahr 2000, 2004 und 2007. Doch die engen Grenzen des Gesetzgebers werden auch diese Marke bald nach unten korrigieren, denn der Garantiezins darf, um wirtschaftlich nicht nachhaltige Versprechen zu vermeiden, laut Gesetz eine bestimmte Marke nicht überschreiten: Nicht mehr als 60 Prozent des Zehnjahresdurchschnitts der Umlaufrendite darf der Garantiezins betragen. Momentan liegt der Schwellenwert bei 2,36 Prozent, vor knapp einem Jahr noch bei 2,5 Prozent – Tendenz: fallend. Sollte sich diese Entwicklung in dieser Weise fortsetzen, wäre dieser Puffer in elf Monaten verbraucht – und der Garantiezins müsste abermals gesenkt werden. Branchenkenner rechnen mit einem großen Schritt von mindestens 0,5 Prozentpunkten, sodass bald eine Eins vor dem Komma stehen könnte.

Dass würde nicht nur neue Kunden treffen, sondern auch Menschen, die bereits eine Lebensversicherung abgeschlossen haben: Sie müssten weitere Abschläge hinnehmen. Die bei Abschluss gegebene Garantie bleibt zwar bestehen, doch Alt-Kunden von Lebensversicherern müssen sich darauf einstellen, dass sie nur noch den Garantiezins bekommen werden. Für die nahe Zukunft ist zu erwarten, dass die Lebensversicherer kaum noch mehr als diesen garantierten Zins an ihre Kunden weitergeben können.

Für alle Versicherten wird das dramatische Folgen haben: Der Renditerutsch wirkt gerade bei langlaufenden Anlagen mit einem enormen Hebel: Jede Senkung schlägt sich kräftig bei der Ablaufleistung nieder. Noch um 2000 konnten Versicherungskunden mit einer Rente von ca. 114.000 Euro nach dreißig Jahren rechnen, bei einer monatlichen Rate von 100 Euro – inzwischen hat sich diese Summe fast halbiert.

Der Plan, dass gesetzliche Rente und private Vorsorge ineinandergreifen, geht für die Sparer nicht mehr auf: Die lange Niedrigzinsphase ist eine Katastrophe für alle, die eine Lebensversicherung abgeschlossen haben. Sollte diese Phase der niedrigen Zinsen noch weiter anhalten, und es sieht ganz danach aus, ist zu befürchten, dass mancher Lebensversicherer, insbesondere die kleineren unter den Firmen, in schwerwiegende Probleme geraten könnten, die gegebenen Garantien einlösen zu können. Wem jedoch dann erst klar wird, dass diese Form der privaten Rente eben doch nicht so sicher ist wie angepriesen, der hat das Problem zu spät erkannt und nicht rechtzeitig gehandelt.

Aller Beteuerungen der Versicherer zum Trotz, dass die vereinbarten Leistungen konstant bleiben werden, kann ich abschließend nur empfehlen: Sollten Sie eine Lebensversicherung haben, schauen Sie, dass Sie Ihr Geld da schnellstmöglich herausholen! Im Zuge einer umfassenden Krisenvorsorge sind Lebensversicherungen für den finanziellen Bereich in höchstem Maße ungeeignet, basieren sie doch auf dem maroden Papiergeldsystem der Staaten. Es ist nicht nur so, dass diese Art Versicherung eine wirklich geringe Rendite bringt – vor allem ist bei einem zu befürchtenden Crash Ihr Geld derart unsicher, dass der Totalverlust droht. Zögern Sie daher nicht: Kündigen Sie so schnell es geht und legen Sie Ihr Geld besser in krisenfeste Werte wie z.B. Edelmetalle an.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Nächste Klatsche: Irland wird herabgestuft

Michael Grandt

Finanzmärkte schlagen Alarm: Wie lange ist Irland noch zahlungsfähig? Die Nachricht kommt für Insider nicht unerwartet, aber für die vielen Schönredner-Politiker zum absolut falschen Zeitpunkt, verkünden sie doch seit Wochen »Alles ist gut«. Die Senkung der Bonitätsnote für Irland könnte mittelfristig zu einer neuen Krise in der EU führen.  mehr …

KOPP Online im Gespräch: »Lebensversicherer sind nicht immun«

Michael Grandt

Dr. Carsten Zielke von der Geschäftsbank »Société Générale« und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) über die Sicherheit von Lebensversicherungen, das niedrige Zinsniveau und Fremdwährungsrisiken. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) scheut sich vor der Beantwortung der Fragen.  mehr …

Aufsichtsbehörde kommt Lebensversicherern entgegen

Michael Grandt

Keine Frage, auch die Assekuranz leidet unter der Weltschuldenkrise, denn auch in ihrem Portfolio befinden sich Staatsanleihen. Ausgerechnet die BaFin, die eigentlich im Sinne der Versicherten handeln sollte, lockert nun die Anlagevorschriften, damit die Versicherungen die Anleihen maroder Staaten nicht verkaufen.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Wachsende Islamfeindschaft in den USA

Niki Vogt

Die hochemotionale Debatte über die Moschee am »Ground Zero« beschäftigt die amerikanische Medienlandschaft seit Wochen. An dem Thema entzündet sich Grundsätzliches. Die unbewältigten und nicht verheilten Verletzungen in der Bevölkerung durch die über 3.000 Toten bei den Anschlägen vom 11. September werden absichtlich wieder aufgerissen und als  mehr …

Der Nächste bitte: Südafrikas Präsident Jacob Zuma wirbt in China um Aufnahme in die BRIC-Gruppe

Wang Xin Long

Der südafrikanische Präsident, Jacob Zuma, besuchte diese Woche Peking, seine letzte Station auf der Reise zu den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Zuma, der mit einer 300 Personen starken Wirtschaftsdelegation und einer seiner Frauen angereist war, wurde in Peking mit vollen militärischen Ehren begrüßt.  mehr …

KOPP Online im Gespräch: »Lebensversicherer sind nicht immun«

Michael Grandt

Dr. Carsten Zielke von der Geschäftsbank »Société Générale« und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) über die Sicherheit von Lebensversicherungen, das niedrige Zinsniveau und Fremdwährungsrisiken. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) scheut sich vor der Beantwortung der Fragen.  mehr …

Preppers – auf geht’s in den Zusammenbruch!

Niki Vogt

In den USA sieht die Lage für weite Teile der Bevölkerung nicht nur nicht rosig, sondern ziemlich dramatisch aus. Die Vereinigten Staaten sind nach dem Urteil namhafter Ökonomen bereits längst bankrott. Die Infrastruktur-Osteoporose ist unübersehbar geworden. Aber Amerika wäre nicht Amerika, wenn es nicht eine neue Bewegung gäbe, die das Problem  mehr …

Nächste Klatsche: Irland wird herabgestuft

Michael Grandt

Finanzmärkte schlagen Alarm: Wie lange ist Irland noch zahlungsfähig? Die Nachricht kommt für Insider nicht unerwartet, aber für die vielen Schönredner-Politiker zum absolut falschen Zeitpunkt, verkünden sie doch seit Wochen »Alles ist gut«. Die Senkung der Bonitätsnote für Irland könnte mittelfristig zu einer neuen Krise in der EU führen.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.