
Weit gefehlt, so wird nun immer klarer: In den Akten und Verträgen der Lebensversicherer finden sich fast 100 Millionen Lebenspolicen, die auf die stolze Gesamtversicherungssumme von 2,5 Billionen Euro kommen. Jeder Kunde merkt es bereits an seinen Abrechnungen: Die als sicher angepriesenen Lebensversicherungen halten lange nicht, was sie versprochen haben. Die einst vereinbarte Rentensumme ist alles andere als sicher.
Seit ungefähr zehn Jahren fallen die Renditen auf die Lebensversicherungen: Im Jahr 2000 war der Durchschnitt der Rendite auf 7,2 Prozent, nun ist er bereits auf 4,2 Prozent gefallen – Tendenz: weiter fallend. Mittlerweile steht sogar schon der Garantiezins von 2,25 Prozent zur Diskussion; Neukunden werden bereits ab Sommer 2011 weniger als zwei Prozent erhalten, lassen Stimmen aus der Branche verlauten. Die Versicherungen haben – wie jeder andere Sparer momentan auch – schwer unter dem niedrigen Zinssatz zu leiden. Lebensversicherer legen normalerweise zu 95 Prozent das ihnen anvertraute Geld in Staatsanleihen an und haben daher aktuell besonders unter der Politik der Notenbanken zu leiden. Seit Anfang der neunziger Jahre, in der Hochphase der Lebensversicherungen, haben beispielsweise Bundesanleihen rund drei Viertel ihrer Rendite eingebüßt. Die bleibend niedrigen Zinssätze der Notenbanken zwingen die Versicherer somit dazu, ebenfalls ihre Konditionen zu senken, denn andernfalls würden sie selbst in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Daraus erwächst eine Dramatik, die vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre: Die Umlaufrendite, also der Durchschnittszins für öffentliche Anleihen, fiel kürzlich unter die Garantiemarke von momentan 2,25 Prozent. In der Vergangenheit zeigte sich: Immer wenn die Umlaufrendite den Garantiezins erreichte, folgte eine Herabstufung der Garantie für Neukunden, so geschehen im Jahr 2000, 2004 und 2007. Doch die engen Grenzen des Gesetzgebers werden auch diese Marke bald nach unten korrigieren, denn der Garantiezins darf, um wirtschaftlich nicht nachhaltige Versprechen zu vermeiden, laut Gesetz eine bestimmte Marke nicht überschreiten: Nicht mehr als 60 Prozent des Zehnjahresdurchschnitts der Umlaufrendite darf der Garantiezins betragen. Momentan liegt der Schwellenwert bei 2,36 Prozent, vor knapp einem Jahr noch bei 2,5 Prozent – Tendenz: fallend. Sollte sich diese Entwicklung in dieser Weise fortsetzen, wäre dieser Puffer in elf Monaten verbraucht – und der Garantiezins müsste abermals gesenkt werden. Branchenkenner rechnen mit einem großen Schritt von mindestens 0,5 Prozentpunkten, sodass bald eine Eins vor dem Komma stehen könnte.
Dass würde nicht nur neue Kunden treffen, sondern auch Menschen, die bereits eine Lebensversicherung abgeschlossen haben: Sie müssten weitere Abschläge hinnehmen. Die bei Abschluss gegebene Garantie bleibt zwar bestehen, doch Alt-Kunden von Lebensversicherern müssen sich darauf einstellen, dass sie nur noch den Garantiezins bekommen werden. Für die nahe Zukunft ist zu erwarten, dass die Lebensversicherer kaum noch mehr als diesen garantierten Zins an ihre Kunden weitergeben können.
Für alle Versicherten wird das dramatische Folgen haben: Der Renditerutsch wirkt gerade bei langlaufenden Anlagen mit einem enormen Hebel: Jede Senkung schlägt sich kräftig bei der Ablaufleistung nieder. Noch um 2000 konnten Versicherungskunden mit einer Rente von ca. 114.000 Euro nach dreißig Jahren rechnen, bei einer monatlichen Rate von 100 Euro – inzwischen hat sich diese Summe fast halbiert.

Der Plan, dass gesetzliche Rente und private Vorsorge ineinandergreifen, geht für die Sparer nicht mehr auf: Die lange Niedrigzinsphase ist eine Katastrophe für alle, die eine Lebensversicherung abgeschlossen haben. Sollte diese Phase der niedrigen Zinsen noch weiter anhalten, und es sieht ganz danach aus, ist zu befürchten, dass mancher Lebensversicherer, insbesondere die kleineren unter den Firmen, in schwerwiegende Probleme geraten könnten, die gegebenen Garantien einlösen zu können. Wem jedoch dann erst klar wird, dass diese Form der privaten Rente eben doch nicht so sicher ist wie angepriesen, der hat das Problem zu spät erkannt und nicht rechtzeitig gehandelt.
Aller Beteuerungen der Versicherer zum Trotz, dass die vereinbarten Leistungen konstant bleiben werden, kann ich abschließend nur empfehlen: Sollten Sie eine Lebensversicherung haben, schauen Sie, dass Sie Ihr Geld da schnellstmöglich herausholen! Im Zuge einer umfassenden Krisenvorsorge sind Lebensversicherungen für den finanziellen Bereich in höchstem Maße ungeeignet, basieren sie doch auf dem maroden Papiergeldsystem der Staaten. Es ist nicht nur so, dass diese Art Versicherung eine wirklich geringe Rendite bringt – vor allem ist bei einem zu befürchtenden Crash Ihr Geld derart unsicher, dass der Totalverlust droht. Zögern Sie daher nicht: Kündigen Sie so schnell es geht und legen Sie Ihr Geld besser in krisenfeste Werte wie z.B. Edelmetalle an.
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