Dienstag, 6. Dezember 2016
31.05.2014
 
 

»Glühender Antisemit«: Jutta Ditfurth verliert Prozess gegen Compact-Gründer Jürgen Elsässer

Gerhard Wisnewski

Preisfrage: Wie arbeitet eigentlich ein Journalist? Na, ganz einfach: Erst recherchiert er, und dann schreibt er, werden Sie sagen. Falsch! Jedenfalls im Fall der altlinken Autorin Jutta Ditfurth. Die bezeichnete den Compact-Gründer Jürgen Elsässer erst als »glühenden Antisemiten« und recherchierte erst dann: Als Elsässers Unterlassungsklage bei ihr eintrudelte, bettelte sie auf Facebook um Beweise für ihre Behauptung. Peinlicher geht’s kaum. Vor Gericht erlitt sie jetzt eine krachende Niederlage...

 

Wer erinnert sich nicht an diese Sendung: Jutta Ditfurth in Hochform – die Alt-Linke »wie sie leibt und bebt«: Die Rechten und die Antisemiten erobern Deutschland und Europa, und Jutta Ditfurth muss mal wieder ganz dringend die Welt retten. Seit einiger Zeit hatte sie beobachtet, »dass sehr unterschiedliche neurechte Gruppen, aber auch offene Nazigruppen« für etwas mobilisieren, »was

ihre gemeinsame Minimalplattform zu sein scheint, zu so genannten Friedensdemos in über 20 Städten in der Bundesrepublik, immer montags«, erzählte sie am 17. April 2014 in einem Interview bei 3sat.

 

 

Jutta Ditfurth auf heißer Spur

 

Nun ist es aber so, dass auch der gerissenste Faschist Jutta Ditfurth nichts vormachen kann. Denn schließlich mache sie schon »seit 30 Jahren antifaschistische Arbeit« und beobachte schon seit einiger Zeit, »wie sich jetzt eine Querfront-Strategie entwickelt«.

 

»Querfront«? Donnerwetter – da spitzt der geschockte Zuschauer die Ohren: »Das heißt, offen faschistische Kreise haben sich überlegt, wie rekrutieren wir bis hin in alternative und irgendwie linke Kreise, und haben sich in ihrer Sprache gemäßigt, haben sich neue Begriffe ausgedacht...« Wenn zum Beispiel der Organisator dieser Friedensdemos, Lars Mährholz, alle Kriege der vergangenen 100 Jahre auf die amerikanische Federal Reserve Bank zurückführe, »dann deutet er damit in diesen Kreisen an: jüdische Weltverschwörung«.

 

Die neuen Nazis und Antisemiten bezweifelten nicht mehr, dass sechs Millionen Juden vernichtet worden seien, sondern redeten lieber von der »Ostküste« oder behaupteten, »die Fed ist schuld«. Na, wenn das mal nicht selber eine »antisemitische Verschwörungstheorie« ist! Denn schließlich kann man Ditfurth in dem Interview so verstehen, die Federal Reserve Bank sei praktisch ein jüdisches Projekt. Hat das wirklich einer der Redner behauptet?

 

Wie »rechts« ist Jutta Ditfurth?

 

»Auf diesen Seiten« (also wohl auf den Websites der Demo-Organisatoren) finde man »antisemitische Karikaturen, Hassschriften gegen die Rothschilds, und was auch immer«. Der Kontext sei sehr schnell entschlüsselbar, man müsse nur »die Worte kennen, mit denen die agieren«. Na, vielen Dank. Diese Art von Sterndeuterei beherrscht natürlich nur – man ahnt es schon: Jutta Ditfurth »herself«. Wobei man jetzt langsam an der so genannten Alt-Linken zu zweifeln beginnt: Ausgerechnet Kritik an den schlimmsten Großkapitalisten soll also verboten sein, weil diese antisemitisch sei? So kann man sich als Linke natürlich auch abschaffen.

 

Unversehens gründet sie eine Art Gedankenpolizei und unterstellt jedem, der große Finanzinstitutionen oder Kapitalisten kritisiert, ein Antisemit zu sein. Damit schafft sie diesen Finanzinstitutionen eine vorgeschobene Verteidigungslinie oder einen Schutzschirm, so dass sich niemand mehr in die Nähe wagt. Ein seltsames Verhalten für eine »Linke«. Jutta Ditfurth – die Verteidigerin des Großkapitals? Sollte man nicht mal die Frage stellen, wie rechts eigentlich Jutta Ditfurth ist?

 

Wenn »Forscher« sich verforschen

 

Das war aber noch nicht alles. Der Knaller kommt ja noch: Wer denn hinter dieser Bewegung stecke, will die 3sat-Interviewerin wissen. Mehrere Namen seien im Moment wichtig, antwortet Ditfurth: Zum Beispiel ein Propagandist namens Ken Jebsen und Jürgen Elsässer, »der mal Kommunist war und heute glühender Antisemit und Schwulenfeind ist«.

 

Naja: Leute, die früher mal links waren und heute hinter der Fed lauter Juden wittern, kennen wir ja. Spaß beiseite: Weil Elsässer diese Titulierung aber gar nicht komisch fand, verklagte er die übereifrige Dame.

 

Die Bezeichnung »Antisemit« ist in Deutschland nämlich nicht durch die freie Meinungsäußerung gedeckt, sondern muss schon mit harten Beweisen unterfüttert werden. Meine Wenigkeit hatte schon 2009 ein höchstrichterliches Urteil in dieser Sache erstritten. Eine ebenfalls übereifrige, mit einem Doktortitel ausgestattete »Forscherin« des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) hatte nahe gelegt, ich würde Verschwörungstheorien vertreten, die durch die (antisemitischen) »Protokolle der Weisen von Zion« angeregt seien: Ich hätte die These vertreten, »jüdische Kreise« hätten von den Anschlägen des 11. September 2001 gewusst, »weshalb es so gut wie keine Opfer gegeben habe«, behauptete Dr. Juliane Wetzel.

 

Außerdem hätte ich behauptet, »der Mossad habe von den Anschlägen gewusst und Israel habe Nutzen daraus gezogen«. Leider hatte die angeblich hochwohllöbliche Forschungsstätte ZfA überhaupt keine Beweise für diese Darstellung. All das findet sich gar nicht in meinen Büchern. Das Zentrum für Antisemitismusforschung musste eine Unterlassungserklärung abgeben und wurde vom Kammergericht Berlin zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro verurteilt.

 

Dünne Materialsammlung

 

Mitunterzeichnet wurde die Unterlassungserklärung von ZfA-Direktor Wolfgang Benz. Besonders brisant: Da auch die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an der Ausstellung mitgewirkt hatte, unterschrieb die »Forscherin« Wetzel die Unterlassungserklärung auch für das Ausstellungsteam der Gedenkstätte. Wozu ich schrieb: »Man wird in Zukunft sagen dürfen, dass das Zentrum für Antisemitismusforschung und das ›Ausstellungsteam‹ der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nachweislich falsche Behauptungen aufgestellt haben. Speziell der Eindruck, die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gehe recht freihändig mit den Fakten um, ist verheerend.«

 

Und nun also die nächste »Antisemitismus-Forscherin« in Gestalt von Jutta Ditfurth. Wie gesagt: Normalerweise kommt die Recherche vor der Veröffentlichung. In diesem Fall aber bettelte Ditfurth erst nach Elsässers Klage um Informationen, ob und warum der überhaupt ein Antisemit sei: »Fb-FreundInnen, die über Infos und Materialien zu Jürgen Elsässers Antisemitismus verfügen, bitte ich herzlich, mir solches möglichst ab HEUTE zuzusenden«, jammerte sie am 21. Mai 2014 auf ihrer Facebook-Seite: »...am liebsten via E-mail, aber auch via PN bei Facebook.«

 

Logisch, schließlich musste es ja schnell gehen. »Unglaublich«, fand Elsässer das auf seinem Blog: Offensichtlich habe Ditfurth ihn also auf 3sat »einfach frech verleumdet, ohne selbst Material gegen mich in der Hand zu haben…« Ditfurth versprach, sie werde das von Facebook-Freunden gesammelte Material »am Ende dann zusammenstellen und allen, die mir geholfen haben, zur Verfügung stellen. Elsässer hat also einen dicken Fehler gemacht...«

 

Eh klar. Allerdings nur im Wunschdenken von Jutta Ditfurth. Leider fiel die beeindruckende Materialsammlung über den »Antisemiten Elsässer« am Ende wohl ziemlich dünn aus. Und zwar so dünn, dass das Landgericht München Ditfurth ihre oben genannten Äußerungen am 28. Mai 2014 untersagte...

 

 

 

 

 


 

 

 


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