Wednesday, 1. June 2016
21.06.2012
 
 

Dritter Weltkrieg: Ist Syrien die »rote Linie«?

Gerhard Wisnewski

Planen Russland, China und der Iran wirklich gemeinsame Manöver in Syrien, wie die iranische Nachrichtenagentur Fars meldet? Keineswegs, dementiert eine Beraterin des syrischen Präsidenten Assad: »Es gibt nichts Derartiges und kann es auch nicht geben.«. So, so. Aber trotzdem lohnt sich die Frage, ob Syrien für Russland und China nicht genau jene »rote Linie« ist, die vom Westen nicht überschritten werden darf – es sei denn, er will Krieg.

Der Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Fars vom 19. Juni 2012 verursachte beträchtliche Aufregung. Ein arabischer Fernsehsender und israelische Zeitungen griffen ihn auf. Danach wollen Russland, China und der Iran zusammen mit Assad-Truppen in Syrien die größten Manöver abhalten, die der Nahe Osten je gesehen hat. Ägypten habe bereits die Durchfahrt von zwölf chinesischen Kriegsschiffen durch den Suezkanal genehmigt;  neben iranischen Schlachtschiffen und U-Booten sollen sich auch russische Kriegsschiffe und Atom-U-Boote, Flugzeugträger und

Minenräumer beteiligen. Alles in allem sollen 90.000 Soldaten, 1.000 Panzer und 400 Flugzeuge bei den »Übungen« in Syrien dabei sein. Zwar dementierte die syrische Präsidenten-Beraterin Bouthaina Shaaban die Meldung: »Diese Informationen entsprechen nicht der Wirklichkeit. Es gibt nichts Derartiges und kann es auch nicht geben.«

 

Aber dennoch lohnt es sich, noch etwas über das Szenario nachzudenken. Denn wäre nicht genau jetzt damit zu rechnen, dass Moskau und Peking gegenüber den USA und dem Westen eine Linie in den Sand ziehen? Und wäre Syrien nicht der letzte Ort, an dem man diese Linie ziehen könnte?

 

 

Steht es bereits »Spitz auf Knopf«?

 

Nicht eine Eskalation an sich wäre schließlich die Überraschung, sondern der späte Zeitpunkt. Seit 20 Jahren darf sich das US-Imperium herausnehmen, was es will. Ob das nun die »bunten Revolutionen« in den ehemaligen Sowjetstaaten sind, die immer neuen Lügen und Kriege um Afghanistan und den Irak (»Massenvernichtungswaffen«) oder der herbei getrickste Krieg  gegen Libyen:  Egal, um welches Land es sich handelte, die verdeckten und offenen Kriege bewegten sich immer nach Osten, einschließlich der  künstlichen »Revolutionen«, die sich von Tunesien aus über Libyen nach Syrien fortpflanzten. Schließlich durften die USA und Israel auch den Iran beschuldigen, bedrohen und mit immer neuen Schikanen überziehen.

 

 

Wo ist die »rote Linie«?

 

Die ganze Zeit fragte man sich: Wo ist eigentlich die rote Linie? Dürfen die USA den halben Globus umkrempeln, ohne dass die anderen Großmächte dem Treiben Einhalt gebieten? Wie lange würden Russland und China dem Spielchen noch zusehen? Denn schließlich ist es ja wie mit einem unerzogenen Kind: Zeigt man ihm keine Grenzen auf, wird es erstens immer aggressiver und zweitens immer weiter machen. Und am Ende stehen natürlich Russland und China selbst auf der Speisekarte.  In den vergangenen Monaten war anhand von verschiedenen Reden zu beobachten, dass Russland und China ihr Verhalten im Fall Libyen (nämlich die Zustimmung zur Einrichtung einer »Flugverbotszone«) als schweren Fehler betrachten und daher neue UN-Resolutionen gegen Syrien konsequent abblocken, die lediglich eine Eintrittskarte für die USA und andere westliche Mächte nach Syrien werden sollen. Und da Russland und China sicher kein Interesse haben, die rote Linie erst auf dem eigenen Territorium zu ziehen, führt an Gegenmaßnahmen eigentlich kein Weg vorbei. Schließlich wäre da auch noch der angeblich gegen iranische Angriffe gerichtete »Raketenschild« in Polen, der jedoch nur einen wirklichen Sinn ergibt: Russland bei einem westlichen Angriff seiner Verteidigungsfähigkeit zu berauben. Daher gibt es vielleicht auch nur noch ein kleines Zeitfenster, um eine rote Linie zu ziehen, und zwar ein für allemal.

 

»Präsident Wladimir Putin ist sich der Tatsache bewusst, dass die USA weiterhin darauf bestehen werden, Raketen auf Russland zu richten und es mit Militärbasen einzukreisen«, so der US-kritische Journalist Xavier Lerma in der English Pravda. »Er hat nie erwartet, besser behandelt zu werden als die nordamerikanischen Indianer.« Putin sehe die dunklen Wolken und habe bereits im Mai letzten Jahres gewarnt, dass die »Achtung der staatlichen Souveränität und das Recht jeder Nation, ihre Wahl zu treffen, ein Teil jener Garantien sind, dass sich die Tragödie des vergangenen Krieges (WW2) nicht wiederholen wird.« Umgekehrt könnte man das so verstehen, dass Angriffe auf die nationale Souveränität wie beispielsweise in Libyen oder Syrien zu einem Dritten Weltkrieg führen könnten.

Pro-russische Beobachter und Journalisten wie Lerma sehen in Putin denn auch den Führer einer russisch-chinesischen und auch iranischen Allianz gegen den aggressiven westlichen Imperialismus: »Ob Sie ihn nun lieben oder hassen: Der Weltfrieden liegt in seinen Händen. Die USA werden der Gewalt nicht abschwören, daher ist es nun an Wladimir und Co. Präsident Putin wird Russland und andere Länder vereinen, um die US-Aggression zu stoppen. Er könnte sogar den Dritten Weltkrieg verhindern.«

 

Na, dann: viel Erfolg.

 

 


 

 

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