Monday, 26. September 2016
07.06.2013
 
 

Filz mit Nadelstreifen: Das Bundesverfassungsgericht und die Rotarier

Gerhard Wisnewski

Das Bundesverfassungsgericht gilt als das höchste deutsche Gericht: seriös, integer, unangreifbar. Doch spätestens seit unserem Bericht über den familiären Filz innerhalb des Gerichts hat dieses Bild leichte Kratzer bekommen. Dabei sind die familiären Bande noch gar nichts gegen die Geheimgesellschaften, in denen sich die Verfassungsrichter tummeln – vor allem bei den Rotariern.

Die Rotarier? Aber was kann man denn gegen die Rotarier haben? Die Rotary und auch Lions Clubs sind schließlich »weltweit tätige Wohltätigkeitsclubs. Beide setzen sich für Frieden, für Völkerverständigung und für humanitäre Dienste ein«, konnte man hier lesen. Und auch bei

Wikipedia heißt es: »Als seine Ziele nennt Rotary humanitäre Dienste, Einsatz für Frieden und Völkerverständigung sowie ›Dienstbereitschaft im täglichen Leben‹.« Tatsächlich organisieren die Clubs Wohltätigkeitsveranstaltungen, Gesundheitsprogramme und andere auf den ersten Blick nützliche Initiativen.

 

Sinn dieser angeblichen »Verschwörung der Anständigkeit« (so ein Rotarier) ist es demnach, »Geschäftsbeziehungen möglichst weltweit durch freundschaftlich-philanthropische Bande zu überwölben und zugleich mit dieser im Zahnrad symbolisierten internationalen Vernetzung von Besitzenden, Bestimmenden und Bedeutenden auch der ländlichen und kleinstädtischen Oberschicht den Ruch des Provinziellen zu nehmen... Jedes Mitglied sollte erfolgreiche Vertreter weiterer Berufe anwerben, und das Clubleben würde alsbald Geschäftspartner in Freunde verwandeln und umgekehrt«. Wie schön.

 

Eine ehrenwerte Gesellschaft

 

Aber auch eine angebliche »Verschwörung der Anständigkeit« ist eine Verschwörung. In Wirklichkeit ist das Charity-Getue nur Fassade und nicht der eigentliche Gegenstand der Verschwörung. In Wirklichkeit sind die Rotarier de facto eine weltweite Geheimgesellschaft, die 1905 in den USA von einem deutsch-amerikanischen Freimaurer namens Gustav Löhr mitbegründet wurde und auch später viele Freimaurer unter ihren Mitgliedern hatte. In nahezu 170 Staaten sollen sich insgesamt über eine Million Menschen bei den Rotariern tummeln. In Deutschland gibt es etwa 1.000 solche Clubs mit über 50.000 Mitgliedern. Hinzu kommen auch noch die ähnlich aufgestellten Lions Clubs. Wobei vor allem die Rotarier nicht irgendwelche Mitglieder sammeln. Sie schöpfen nur die oberste Schicht der Gesellschaft ab, um diese horizontal zu vernetzen und so eine wirksame Steuerung zu ermöglichen.

 

So verknüpfen sich in den Rotary Clubs Richter mit Staats- und Rechtsanwälten, Medizinern, Unternehmern und Journalisten. 1983 war laut Spiegel »jeder achte Clubfreund (11,9 Prozent) […] Mediziner, jeder elfte (8,9 Prozent) erwarb sich Vermögen und Ansehen in Wissenschaft, Erziehung oder Forschung. Die juristische Zunft stellt noch stattliche sechs, die Banken bringen es auf immerhin knapp vier Prozent«. So werden diese internationalen Oberschichten vernetzt und an eine globale Organisation mit ihrem Zentralbüro in Illinois, USA, angebunden. Rotary ist damit ein wichtiges Vehikel der Globalisierung und des »One World«-Gedankens.

 

Einem örtlichen Rotary Club kann man nicht einfach beitreten, sondern muss von Mitgliedern des Clubs zur Aufnahme vorgeschlagen werden. Das reicht aber noch nicht, sondern ist nur die Voraussetzung für den Beginn eines förmlichen Aufnahmeverfahrens. Wie man sieht, sind die Rotarier, was ihre Mitglieder angeht, äußerst vorsichtig und wählerisch. Sich als Bürger selbst zu bewerben, ist nicht drin und ein absolutes »No-Go«: »Wünsche nach einer Berufung müssen um ein paar Ecken lanciert und die Spuren sorgfältig verwischt werden – dann klappt's meistens«, schrieb der Spiegel 1983 in einem Artikel mit dem Titel »Filz in Nadelstreifen«. »Diese Art der Mitglieder-Rekrutierung (Kooptation) lässt unter den Mitgliedern ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen«, heißt es bei Wikipedia. »Nach Ansicht der Rotarier werden so die besten Kräfte einer Region für ihre Gemeinschaft gewonnen.« Ganz sicher – aber zu wessen Nutzen? Zum Nutzen der Gesellschaft oder zum Nutzen der Rotarier?

 

Rotarier = waschechte Globalisten

 

Als weltweit präsente Organisation sind die Rotarier waschechte Globalisten und Feinde der Nationalstaaten. Nicht umsonst ist die Geschichte der Rotarier »eng mit der Geschichte der Vereinten Nationen verknüpft«, wie es hier ganz richtig steht. »Immerhin erarbeiteten 49 Rotarier die Charta der Vereinten Nationen und auch die UNESCO wurde auf der Grundlage einer Rotary-Konferenz gegründet.« So mächtig ist das globale Netzwerk der Rotarier.

 

Mit dabei waren und sind in Deutschland (frühere) Bundeskanzler (Adenauer, Merkel), Bundespräsidenten (Scheel, von Weizsäcker, Herzog, Köhler, Wulff), Minister (Lambsdorff, Genscher), Geheimdienstbosse und Außenminister (Kinkel), Konzernchefs, Aufsichtsratsvorsitzende, Bischöfe und Journalisten (Maischberger, Prantl). Kurz und gut sind bei den Rotariern sämtliche wichtigen Entscheidungsträger und Meinungsmacher der Gesellschaft versammelt, was ihnen das Gewicht einer Gegenregierung oder eines »Staates im Staate« gibt. International gehör(t)en u.a. dazu: George W. Bush, Ronald Reagan, Margaret Thatcher, Bill Gates, Neil Armstrong und Walt Disney.

 

Beispiel Bundesverfassungsgericht

 

Traditionell befinden sich unter den Rotariern auch viele Juristen, denn auch Richter haben schließlich eine Menge zu sagen. Beim deutschen Bundesverfassungsgericht waren bzw. sind mit dabei zum Beispiel Ernst Benda (inzwischen verstorbener Präsident des BVG), Udo di Fabio, Michael Eichberger, Roman Herzog (später auch Bundespräsident), Hans-Joachim Jentsch, Paul Kirchhof (Erfinder der TV-Haushaltsabgabe), der ehemalige Präsident Hans-Jürgen Papier und sogar der jetzige Präsident Andreas Voßkuhle. Ja, dem Spiegel zufolge existierte schon vor Jahrzehnten ausgerechnet in der »Stadt der höchsten Gerichtsbarkeit« (Karlsruhe) ein unglaublicher Rotarier-Filz: »Den drei Karlsruher Rotary-Clubs mit zusammen 144 Mitgliedern beispielsweise gehören nicht nur die Präsidenten des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts an, sondern zugleich deren Vorgänger und etliche höchste Richter.«

 

Demnach gehörten schon damals auch komplette Landesregierungen den beiden Kungel-Organisationen an. So waren sie in der Bayerischen Staatsregierung besonders stark vertreten: »Neben dem bei Lions [Lions Club; eine ähnliche Geheimorganisation] beurlaubten Landesvater Franz Josef Strauß regieren vier weitere ›Löwen‹ und ebenso viele Rotarier – eine Organisationsquote von 90 Prozent, noch schöner als das jüngste CSU-Wahlergebnis.« Und das ist nicht etwa Vergangenheit. Heute zählen in der bayerischen Staatsregierung zum Beispiel Ministerpräsident Horst Seehofer und die skandalumwitterte Justizministerin Beate Merk zu den Rotariern...

 

 

 


 

 

 

 

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