Sunday, 29. May 2016
26.11.2014
 
 

Gekidnappte Zeitungskästen: Neue Aktionsform gegen Mainstream-Medien?

Gerhard Wisnewski

Eine neue Aktionsform gegen Mainstream-Medien macht sich breit − und zwar durch Zweckentfremdung von Zeitungsboxen. Dabei geht es nicht um Sachbeschädigung oder Diebstahl. Vielmehr legen immer mehr Bürger eigene Medien oder Flugzettel in die Zeitungskästen hinein − und zwar auf den vorhandenen Mainstreamstapel ...

 

Natürlich muss auch ein »alternativer« Journalist wissen, was die Mainstreammedien so schreiben, und zwar nicht nur im Internet. Also machte ich genau vor zwei Wochen mal wieder den Bild-Zeitungsständer an der Ecke auf, um mir eine Zeitung zu kaufen. Doch siehe da: Da lag gar nicht die Bild-Zeitung, zumindest lag sie nicht zuoberst.

 

Sondern mehrere Exemplare der Stimme & Gegenstimme, ein alternativer Informationsdienst, der per Post an zahlreiche Empfänger verschickt wird und der sich bewusst für die gedruckte Form entschieden hat, um den Nachteilen des Internets zu begegnen. S&G setzt auf virale Verbreitung. Auf einer Internetseite kann man die PDFs herunterladen, ausdrucken und weitergeben (»Handexpress«).

 

Jedenfalls erfährt man dort Dinge, die gewiss nicht in dem Bild-Stapel zu lesen standen: Die USA spielten Russland gegen Deutschland aus, hieß es da beispielsweise, »Oppositionelle ukrainische Politiker müssen um ihr Leben fürchten« oder dass Ebola eine »erfundene Epidemie« sein könnte.

 

»Alternative Nutzung« von Zeitungsständern

 

Sauber. Für die Leser von Kopp Online und anderer alternativer Medien sind solche Nachrichten und Thesen zwar keine Überraschung, aber vielleicht für die Bild-Leser, die sich sonst hier ihre Zeitung holen.

 

Ich fischte mir also eine Bild aus dem Stapel darunter und nahm mir auch noch einen S&G- »Handexpress« mit, um anschließend den Stummen Verkäufer der Münchner tz aufzumachen. Doch hier dasselbe Bild: Wieder lagen einige S&G »Handexpress«-Exemplare zuoberst auf dem Zeitungsstapel.

 

Natürlich dachte ich mir nichts weiter dabei, doch in den folgenden Tagen machte ich diese Erfahrung auch mit anderen Zeitungsständern im ganzen Stadtgebiet. Mal lag S&G zuoberst, mal anonyme Flugblätter »Marke Eigenbau«, mal ausgedruckte Artikel aus dem Internet, darunter auch von Kopp Online, Deutsche Wirtschaftsnachrichten oder Compact.

 

Einmal auch eine CD mit einem Vortrag des österreichischen Ökonomen Franz Hörmann oder Aufkleber der Zeitung Junge Freiheit (»No Political Correctness«) oder Sticker mit dem Motto »9/11 selbst gemacht«. Bei Münzgeräten wurden die Blätter oder Medien obenauf gelegt und einfach mit einem Stein beschwert.

 

Stummer Verkäufer als Vertriebsweg

 

Wie es aussieht, haben wir es hier also mit einer neuen Graswurzel-Aktion zu tun. Clevere Leute sind auf die Idee gekommen, die Stummen Verkäufer »anzugreifen«. Und zwar nicht, wie früher zu APO-Zeiten, durch Diebstahl, Beschädigung oder gar Brandstiftung, sondern einfach durch Nutzung − indem die »Stummen Verkäufer« als Vertriebsweg für andere Inhalte genutzt werden.

 

Ob und wie legal das ist, ist freilich die Frage. Ein von mir befragter Rechtsanwalt meinte, das Ganze sei aus seiner Sicht im Hinblick auf Rechtsverstöße oder Vermögensschäden »relativ unverdächtig«:

 

»Strafrechtlich würde mir da nichts einfallen«. Anders sähe das aus, wenn etwas unternommen würde, »was den Verkauf der Zeitungen vereitelt«. Dann könnte natürlich ein Schaden entstehen.

 

Nur: Wie hoch könnte dieser Schaden überhaupt sein, und wie könnte er beziffert werden? Und schließlich gebe es ja auch Leute, die »ihr Brötchenpapier da reinschmeißen«, ohne dass dies Schäden oder Rechtsverstöße beinhalten würde.

 

Infrage käme möglicherweise eine durch den Inhaber oder Betreiber der Zeitungsboxen nicht genehmigte Nutzung, aber, so der Anwalt: »Ist das wirklich eine ernsthafte Nutzung?«

 

Schwerwiegend kann das Vergehen also kaum sein, denn schließlich wird ja nichts gestohlen oder beschädigt. Es wird auch niemand daran gehindert, seine Bild-Zeitung, BZ oder MoPo zu kaufen. Es scheint einfach ein Akt bürgerlicher Gegenwehr gegen die einseitigen Mainstream-Medien zu sein.

 

Dort kann man freilich nichts über dieses Phänomen lesen, versteht sich. Schließlich will man ja auch nicht noch zur weiteren Ausbreitung beitragen ...

 

 

 

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Leser-Kommentare (24) zu diesem Artikel

06.12.2014 | 19:17

Orwell war ein Optimist

@ bernd kemmler ...Sie empfehlen hier die website ... http://free21.org ...welche ich mit grossen Interesse ansurfte, aber keine Site ist hier mehr vorhanden. Recherche zeigte dass dies bis vor kurzen noch der Fall sein musste. Weiss jemand darüber Bescheid was hier los ist? Gab es irgendwelche rechtlichen Eingriffe un die Seite zu verbieten etc. Finde leider keine Info hierübe im Netz!


28.11.2014 | 23:26

kalle

Die AZK kann ich auch nur empfehlen! Da kann Menschen gelauscht werden, die anderen Ortes die Stimme verweigert wird. Wer Interesse an den letzten Jahrgängen hat, siehe bei: http://www.s-und-g.info/ dort können "Jahrbücher" kostenlos herunter geladen werden. oder: http://www.gesundes-deutschland.de/S&G/ die letzten 3 Jahre ... Ich "verliere" meinen Kopp Katalog irgend wie immer im Bio-Laden ...


28.11.2014 | 12:55

Bernd Kemmler

@Kopp: Bitte bringt doch eure Artikel auch als sauber gesetztes .pdf raus. So ähnlich wie das http://free21.org macht. Wenn ich mir ansehe, wie unsere Führer auf den Krieg zusteuern, muss ich sagen, dass die Zeit knapp wird hier noch gegenzusteuern. Optisch ansprechende Ausdrucke zu verteilen kann Menschen wachrütteln. Wir müssen uns wirklich beeilen.


28.11.2014 | 00:51

Steffen

Eine weitere gute Möglichkeit, den einen oder anderen Schlafmichel wachzustupsen: Flugblätter/Aushangblätter mit beispielsweise folgenden klaren Worten: "Briefe versenden für kleines Geld! Google/ Youtube- Suche nach: 3 cent Brief verschicken... Hab´s selbst ausprobiert - funktioniert einwandfrei" Hier liegt die Würze in der Kürze. Es ist doch leider oft so: Ab einer gewissen Anzahl an Zeilen tun sich viele Leute schwer mit "Lesen" und erst Recht...

Eine weitere gute Möglichkeit, den einen oder anderen Schlafmichel wachzustupsen: Flugblätter/Aushangblätter mit beispielsweise folgenden klaren Worten: "Briefe versenden für kleines Geld! Google/ Youtube- Suche nach: 3 cent Brief verschicken... Hab´s selbst ausprobiert - funktioniert einwandfrei" Hier liegt die Würze in der Kürze. Es ist doch leider oft so: Ab einer gewissen Anzahl an Zeilen tun sich viele Leute schwer mit "Lesen" und erst Recht mit "Verstehen"! Andererseits: Eine Möglichkeit, Geld zu sparen, werden selbst viele Schlafschafe nicht ungenutzt verstreichen lassen wollen. Und so ganz nebenbei kriegen sie noch jede Menge interessanter "Verschwörungstheorien" in kleiner Dosierung verabreicht. Und immer dran denken: Steter Tropfen höhlt den Stein! Es muß sich doch endlich etwas bewegen in der Firma Banane!


27.11.2014 | 21:26

Henning B.

gute Idee, Livia, genauso werd´ ichs auch machen. Danke für die Anregung


27.11.2014 | 19:50

Peter Meyer

Es haben sich bisher zwei Leute auf meinen Post gemeldet. Das ist ein Anfang, die Idee, die dahintersteckt, ist eigentlich brillant. Die S&G ist und bleibt kostenlos. Der Gedanke, der dahinter steht, ist folgender. Die Leute, die hinter der S&G stehen, möchten den Menschen einfach eine Alternative zu den MSM bieten. Es wäre toll, wenn jeder, der diese S&G bezieht, seinen Freunden und Bekannten diese auch weiterempfiehlt.

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