Wednesday, 28. September 2016
20.01.2013
 
 

Kabarett-Altmeister Hildebrandt gründet »Störsender«

Gerhard Wisnewski

Endlich, kann man da nur sagen: Die besten und berühmtesten deutschen Kabarettisten haben die Nase voll von weichgespülten Programmen und gründen ihren eigenen »Störsender«. So heißt das Projekt, das schon bald auf Sendung gehen soll. Wird auch Zeit. Denn deutsches Kabarett & Comedy befinden sich auf einem Tiefpunkt.

Haben Sie nicht auch schon mal das Gefühl gehabt, dass die Scherze der deutschen TV-»Comedians« oder -Kabarettisten irgendwie weichgespült sind? Ja, dass sie ihre Witze neuerdings immer mehr im Sinne der  offiziellen Propaganda reißen? Wenn es zum Beispiel gegen Christian Wulff geht, treten die Witzbolde noch heute gerne nach – obwohl an dem

Ex-Bundespräsidenten voraussichtlich kein strafrechtlich relevantes Stäubchen hängen bleiben wird. Ebenfalls gerne hart rangenommen: die FDP.

 

Seit sich Außenminister Westerwelle im März 2011 im UN-Sicherheitsrat der Stimme enthielt und sich dem Libyen-Krieg verweigerte, ist die Partei zum Abschuss freigegeben. Und seitdem arbeiten die deutschen TV-Comedians bzw. -Kabarettisten eifrig am Ende der Liberalen mit. Auch Islamisten, die sich in die Luft sprengen, sind nicht nur ein Lieblingskind der Propaganda, sondern auch der deutschen Comedy. Endlos die abgestandenen Witze über die 72 Jungfrauen, die auf die Märtyrer angeblich im Paradies warten. Haha – ich lach mich tot. Kabarett und Comedy ähneln bisweilen einem medialen Aasfresser, der sich die Überreste holt, die ihm die Mächtigen hinwerfen.

 

Politisch korrektes Lern- und Lachprogramm

 

Wo es der herrschenden Meinung nicht schnell genug geht, hilft mancher Comedian gerne nach. So werden Politiker veräppelt, weil sie nicht schnell genug Kita-Plätze schaffen, den angeblich gefährlichen CO2-Ausstoß nicht genügend reduzieren oder nicht endlich die Frauenquote einführen.

Kurz: Comedy und bisweilen auch Kabarett sind oft nichts weiter als ein politisch korrektes Lern- und Lachprogramm, denn beim Lachen lernt es sich schließlich viel leichter. Die größten Lachnummern lässt man dagegen links liegen, wie beispielsweise die offizielle Verschwörungstheorie von Osama und den 19 Räubern, die angeblich das World Trade Center zum Einsturz brachten. Seltsamerweise fand das kein Kabarettist komisch. Oder hab ich da was übersehen? Die deutschen Witzbolde scheinen jedenfalls voll auf Linie zu sein und befinden sich in der ernstesten inhaltlichen Krise seit den Tagen der DDR.

 

Das Fernsehen macht sich in jede Hose, die man ihm hinhält

 

Aber wenn ich das richtig verstehe, stinkt das erstens auch vielen Kabarettisten und Comedians und liegt zweitens nicht nur an ihnen, sondern auch an den öffentlich-rechtlichen Redakteuren, die bei manchem Programm den Rotstift ansetzen. Das ist in etwa der Hintergrund eines neuen TV- bzw. Videoprojekts, das demnächst auf Sendung gehen soll und dem sich die berühmtesten deutschen Kabarettisten und zum Teil auch Comedians angeschlossen haben, um endlich mal Klartext zu reden. Ganz vorne mit dabei: Dieter Hildebrandt. Dem Vernehmen nach wird der große alte Herr des Kabaretts »immer wütender«. Motto: »Die Öffentlich-rechtlichen machen sich in jede Hose, die man ihnen hinhält – und die Privaten senden das, was drin ist.«

 

 

Ein wütender alter Herr

 

Im zarten Alter von 85 Jahren gründet der Altmeister zusammen mit anderen Mitstreitern den Internetsender Störsender.tv. Laut eigener Darstellung ist der Störsender »ein unabhängiges Crossover-Projekt«, in dem Kabarett, Journalismus, Satire, Kampagne und Störaktionen vereint werden sollen. Ziel sei es, »Menschen und Organisationen zu stören, die ihrerseits die Demokratie stören«.  Das Projekt sei für alle gedacht, die »sich mit dem Status quo nicht abfinden und wenigstens kämpfen« wollen. Noch grantiger als Hildebrandt sei nur noch Dieter Hanitzsch, das Münchner Karikaturisten-Urgestein. Der will nicht nur mitzeichnen; sein Sohn Stefan ist auch Projektleiter und Entwickler von Störsender.tv. 2013 wolle man »20 Mal ein TV-Magazin produzieren, in dem Dieter Hildebrandt regelmäßig auftritt«. Dazu gebe es in der etwa 30-minütigen Magazin-Sendung »Animationen, Interviews, Berichte über Störaktionen und Auftritte von Hildebrandts liebsten und besten Kollegen«.

 

Spenden sind nicht futsch...

 

Und wenn Hildebrandt zum Stören aufrufe, sei zum Beispiel auch Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig nicht weit. Auch Georg Schramm und Roger Willemsen hätten schon »seit Längerem zugesagt«. Inzwischen seien »sehr viele großartige Künstler Feuer und Flamme und wollen das Störkraftwerk anheizen«. Darunter Ottfried Fischer, Monika Gruber, Gerhard Polt, Urban Priol, Martina Schwarzmann, Ludo Vici, Konstantin Wecker, Hans Well und Sigi Zimmerschied. Doch wie das im Medienbereich so ist, braucht man außer Begeisterung auch noch jede Menge Geld. Knapp 90.000 Euro sind bis jetzt zusammen gekommen (Stand 17.1.2013), 125.000 Euro werden für den ersten Sende- und Produktionsbetrieb veranschlagt.

 

Dafür hat Erfinder Stefan Hanitzsch ein pfiffiges Finanzierungskonzept entwickelt. Je nach Höhe der Spende erhält man auf Wunsch als »Dankeschön« Bücher, Poster, Störsender-Freiabos, Freikarten sowie Handsigniertes der Störsender-Prominenz. Für 9.999 Euro kann man sogar »Gründer-Gottheit« werden und im Anschluss an jede Folge im Programm erscheinen. Das alles gibt’s aber nur bei Finanzierungserfolg. Und der stellt sich erst nach dem 10. Februar 2013 heraus – dem offiziellen Finanzierungsstichtag. Wenn es nicht reicht, gibt’s zwar keine »Dankeschöns«, aber dafür das eingezahlte Geld zurück. Obwohl die Videos kostenlos zu sehen sind, erhält man als Abonnent von Störsender.tv einige Vorteile: Zum Beispiel HD-Qualität und eine Stimme für die Abstimmung über das Programm.

 

 

Klingt gut, nicht? Oder ist das nur eine neue Maskerade des Mainstreams, um erwünschte Botschaften mit noch größerer Kabarett-Power und -Autorität an den Mann zu bringen? Mal sehen: Wir werden in den kommenden Monaten immer mal wieder bei Störsender.tv

 

 

 


 

 

 

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