Dienstag, 27. Juni 2017
23.06.2012
 
 

Nahostexperte: »Der Irankrieg ist Israels Krieg«

Gerhard Wisnewski

Ein neues Buch reizt Hetzer und Kriegstreiber bis zur Weißglut: Michael Lüders Iran: Der Falsche Krieg. Vermutlich, weil es der Wahrheit zu nahe kommt...

Junge, Junge – muss dieses Buch gut sein: »Aberwitzig« sei das, was da geschrieben stehe, »an Niedertracht kaum zu überbieten«, ein »Arsenal der Schönrednerei«,  eine »Verzerrung der Realität« und, und, und. Aber warum gut? Ganz einfach: Die Hasstirade stammt von dem proisraelischen und antideutschen Kampfblatt Jungle World (7.6.2012). Und das ist andererseits die reinste Empfehlung. Einmal neugierig geworden, besorgte ich mir das Buch Iran: Der Falsche Krieg von dem Nahostexperten Michael Lüders. Lüders gehört zu den wohltuend rationalen Stimmen inmitten der von allen Seiten betriebenen Kriegshetze und wagt es auch mal, Wahrheiten auszusprechen, die dem Rest des Mainstreams schon längst abhanden gekommen sind –

zusammen mit seiner Moral. Und so stellt der promovierte Islamwissenschaftler in seinem leicht zu lesenden und zu verstehenden Buch den Irankonflikt vom Kopf auf die Füße – was den Bellizisten natürlich überhaupt nicht passen kann.

 

 

Keine Beweise für Atomwaffenprogramm

 

»In diesem Konflikt geht es nur vordergründig um das iranische Atomprogramm«, meint Lüders. In Wirklichkeit seien die USA und Israel bemüht, die Regionalmacht Iran, deren Politik nicht pro-westlich ausgerichtet sei, in die Schranken zu weisen. »Bemerkenswert ist, dass zur Begründung des Irankrieges fast wortgleich dieselben Argumente herangezogen werden, die bereits der Rechtfertigung des Irakkrieges dienten. Das allein sollte Anlass für Misstrauen und Skepsis sein.« Und ob: Denn vor dem Irakkrieg logen vor allem die USA und Großbritannien das Blaue vom Himmel herunter. »Die Dämonisierung der Islamischen Republik Iran in westlichen Medien und der Politik folgt bis in einzelne Formulierungen hinein jener des Irak vor zehn Jahren.« Was dem Irak seine nicht vorhandenen »Massenvernichtungswaffen«, ist dem Iran sein »Atomwaffenprogramm«. Für dessen Existenz nämlich, so Lüders, gebe es nicht die geringsten Beweise.

 

Der im November 2011 veröffentlichte Iran-Report der Atomaufsichtsbehörde IAEA »führt an keiner Stelle den Nachweis, dass der Iran an einer Atombombe baut. Stattdessen wirft er Teheran vor, nicht alle Details seines Atomprogramms offengelegt oder rechtzeitig an die IAEA-Zentrale weitergeleitet zu haben.« Wörtlich sei in dem Bericht »von wachsender Besorgnis« die Rede, »dass das iranische Nuklearprogramm eine militärische Dimension haben könnte«. – »Wachsende Besorgnis«? »Haben könnte«? »Ein rauchender Colt sieht anders aus«, konstatiert denn auch der Nahostexperte. Nicht doch. Bei Spiegel Online wurde daraus ein »alarmierender Bericht der IAEA über das iranische Atomprogramm«. – »So macht man Politik«, meint Lüders.

 

 

Verständigung verboten

 

Auf 180 Seiten enthüllt der Autor unglaubliche Fakten, zum Beispiel den Umstand, dass nach dem amerikanischen Iran Threat Reduction Act kein Angestellter oder Angehöriger der Regierung mehr mit dem Iran reden darf. Verständigung ist also unmöglich. Ein vergleichbares Gesetz habe es noch nie gegeben: »Zu keinem Zeitpunkt ist es dem Weißen Haus oder dem State Departement, dem Außenministerium, untersagt gewesen, mit wem auch immer Kontakt aufzunehmen oder zu verhandeln, offen oder geheim – nicht einmal in Kriegszeiten. Hätte sich Präsident Roosevelt mit Hitler treffen wollen, hätte ihn kein Gesetz daran gehindert.« Der Iran Threat Reduction Act baut dagegen so hohe Hürden auf, dass es zu einer Verständigung gar nicht kommen kann.

 

An dieser Stelle wird auch klar, warum die Israel-Lobby so schäumt. Denn Lüders benennt klar Ross und Reiter und legt dar, dass die ganze Konstruktion des Konflikts weniger im Interesse der USA als vielmehr dem Israels liegt. Unerschrocken nennt er Lobbyorganisationen wie beispielsweise das stramm proisraelische AIPAC (American Israel Public Affairs Committee), das den US-Präsidenten in Sachen Iran vor sich her treibe – im Einklang mit der israelischen Regierung und den US-Neokonservativen.  Für Lüders wedelt im Verhältnis Israels zu den Vereinigten Staaten schon längst »der Schwanz mit dem Hund«: »Der Irankrieg ist, wie ausgeführt, wesentlich Israels Krieg.«

 

 

Feigheit vor dem Freund


Man hätte gut Lust, das Buch in Gänze zu zitieren, so faktenreich und augenöffnend ist die Lektüre.  Es liefert jede Menge Argumente und überzeugende Analysen gegen den neuesten militärischen Irrsinn Israels und des Westens. Gegen Ende warnt Lüders auch vor einem »Frontstaat Deutschland« und davor, dass ein Irankrieg auch Deutschlands Krieg werden würde. An diesem Beispiel erläutert Lüders, warum wir einen anderen Blick auf das deutsch-israelische Verhältnis brauchen. Dieses sollte nicht länger von einer Formel bestimmt werden, die einst der israelische Historiker Tom Segev prägte: »Feigheit vor dem Freund«.

 

Fazit: unbedingte Kaufempfehlung! Selten waren 14,95 Euro so gut angelegt...

 

 


 

 

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