Friday, 26. August 2016
26.02.2013
 
 

So schnell kann´s gehen: Löschaktion bei Facebook

Gerhard Wisnewski

Immer mehr Menschen machen sich abhängig von einer einzigen Kommunikationsplattform: Facebook. Sie verabreden sich, sie chatten, sie veröffentlichen Fotos und äußern ihre Meinung. Umso größer der Schock, wenn plötzlich alles weg ist oder erhebliche Lücken in den veröffentlichten Informationen klaffen. So geschehen dem Autor Jürgen Elsässer...

George Orwell hätte gestaunt: Ein dubioser amerikanischer Computerkonzern verwaltet die sozialen Beziehungen von über einer Milliarde Menschen. Und die werden nicht etwa dazu gezwungen, sondern vertrauen ihre Gedanken, Fotos und Beziehungen ganz freiwillig dem Computernetzwerk an, bis sie komplett darauf angewiesen sind. Und dann sitzt der Konzern am

Drücker – bei jedem Einzelnen und auch bei allen zusammen. Hat der Multi erst einmal genügend soziale Beziehungen aufgesaugt, gehen andere Plattformen ein, und die Menschen sind total abhängig.

 

 

Die Rede ist von Onlineplattformen wie Facebook. Dienste wie dieser oder auch Wikipedia und YouTube hatten den Sinn, aus einem Internet, das allen gehörte, ein Internet zu machen, das nur wenigen gehört – durch Monopolisierung. Die monopolistischen Plattformen dieses so genannten »Web 2.0« ziehen so viele Nutzer an, dass irgendwann jeder dazugehören möchte und muss. Während sie die Millionen- oder Milliardenstädte des Internets repräsentieren, sind alles andere nur Dörfer oder einzelne Häuser, die kaum jemand besucht. So bringt man das Internet unter Kontrolle. Und so sind die meisten Internetnutzer plötzlich Diensten wie Facebook, YouTube, Google oder Wikipedia ausgeliefert. Das heißt, Facebook & Co. sind ein Teil der Diktatur der Neuen Weltordnung, die global Meinungen und Beziehungen beobachten und kontrollieren will. Und wenn man erst mal genügend Meinungen und Beziehungen unter Kontrolle hat, hat man es geschafft.

 

Knopfdruck genügt...

 

Bei all diesen Diensten genügt technisch gesehen ein Knopfdruck, um Informationen zu eliminieren – oder auch Beziehungen. Schwarzmalerei? Eine Gruselvorstellung? Mitnichten – sondern aktuelle Realität. Diese Erfahrung musste jetzt Jürgen Elsässer machen, Autor und Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Compact. »Wir haben die von Dir geposteten Inhalte entfernt«, meldete sich am 21. Februar 2013 die Online-Plattform Facebook bei ihm: »Wir haben die folgenden Inhalte, die Du gepostet hast oder deren Administrator Du warst, entfernt, weil sie gegen die Erklärung der Rechte und Pflichten von Facebook verstoßen haben.«

 

Wie bitte: Einfach mal die Facebook-Seiten durchforsten und rausschmeißen, was einem nicht passt? Dabei ging es um ein Thema, das zurzeit von vielen kontrovers diskutiert wird: Die so genannte »Homo-Ehe« und das Adoptionsrecht für Schwule. Aber selbst wenn das Thema von sonst niemandem diskutiert werden würde: Wie kommt ein Kommunikationsanbieter dazu, bei einer bestimmten Angelegenheit das Licht auszumachen? Schaltet demnächst vielleicht die Telekom die Telefonleitung ab, wenn bestimmte Worte fallen? Wer weiß – ausschließen kann man gar nichts.

 

Verteidigung der Familie verboten?

 

In dem gelöschten Facebook-Beitrag sah Elsässer im Adoptionsrecht für Schwule einen »weiteren Angriff auf die Familie«. Wobei sich der Autor durchaus für die Rechte von Homosexuellen einsetzte: »Schwule haben das Recht auf eigene Sexualität und müssen gegen Diskriminierung geschützt sein«, meinte er in dem gelöschten Artikel: »›Eingetragene Lebenspartnerschaften‹ können also sinnvoll sein, um im Krankheits- oder Erbfall die Rechte des jeweiligen Partners zu stärken.« Eine Ehe für Schwule lehnte Elsässer dagegen ab: »Ehe ist nochmal was anderes, denn Ehe ist Familie.«

 

Die »Ehe für alle« sei »ein Terminus der Neuen Weltordnung«, genauso wie »humanitäre Intervention«, und bedeute das krasse Gegenteil des Gesagten: »Die Institution der Ehe wird nicht ausgeweitet, sondern zerstört – wie die ›Humanität‹ durch die Militärinterventionen. Maßgeblich dabei ist die Lösung der Ehe von der biologischen Familie.« Der Gesetzgeber habe die Ehe privilegiert, weil sie die Grundlage für die Reproduktion gewesen sei: »Es ging also nicht um die Förderung einer bestimmten Form von Sexualität, der Heterosexualität, sondern es ging um Biologie und Demografie. Wird der Titel ›Ehe‹ auf alle möglichen sozialen und sexuellen Verkehrsformen ausgeweitet, so verliert er seinen Sinn. Aus einer homosexuellen Verbindung können keine Kinder entstehen.« Die »Ehe für alle« und das Adoptionsrecht für Schwule abzulehnen, habe also nichts mit Diskriminierung von Homosexuellen zu tun – »sondern mit dem Schutz der Familie«. Elsässers Fazit: »Die wichtigste stabile Struktur ist die Familie.«

 

Ehemaliger Bush-Berater Chef bei Facebook

 

Wie weiland bei Orwell oder Kafka (Der Prozess) ist der »Verurteilte« bezüglich seiner »Schuld« auf Vermutungen angewiesen. Konkrete Erklärungen gibt es nämlich nicht. Die Zensur von Facebook könnte »eine Reaktion auf die starke Verbreitung der Compact-Inhalte in den letzten Tagen« gewesen sein, mutmaßte denn auch Elsässer. So hatte es sein Beitrag »Hilfe, die Roma kommen!« auf Platz drei der bundesweiten täglichen Blog-Hitliste geschafft, der zensierte Beitrag über die Homo-Adoption auf Platz acht. Und da Facebook wesentlich zur Verbreitung beigetragen habe, habe man das wohl stoppen wollen. Fragt sich nur, wer eigentlich »man« ist: Irgendeine anonyme Facebook-Redaktion oder -Moderation? Oder etwa gar nicht Facebook selber? Elsässers neueste Vermutung: »Angeblich veranlasst das kein Mensch bei Facebook, sondern das System ist so eingestellt, dass ab einer bestimmten Anzahl von Protesten automatisch abgeschaltet wird.«

 

Sollte das stimmen, könnten Artikel durch eifriges Lobbying vom Netz gemobbt werden. Der zensierte Autor selber tappt noch im Dunkeln, denn wie bei solchen Computermultis üblich, sind Ansprechpartner gar nicht so einfach zu erreichen. Und wenn doch, dann erlebt man womöglich sein blaues Wunder. Der Europa-Chef von Facebook zum Beispiel, Theodore Ullyot, ist ein ehemaliger Assistent von George W. Bush. Dann vielleicht doch lieber auf den eigenen Blog vertrauen. Den zensierten Beitrag gibt es nämlich nach wie vor auf dem Netz, und zwar hier.

 

 

 

 


 

 

 

 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Enthüllt: Die Macht hinter Papst Benedikt
  • Chemotherapie auf dem Speiseteller
  • Lobbying: Mit Mauschelei Milliarden sparen
  • Geheimdienste: Sarkozy erteilte Mordauftrag

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Die Zukunft von Facebook: Beobachtung der Offline-Kaufgewohnheiten der Nutzer, völliger Verlust der Privatsphäre

J. D. Heyes

Gehören Sie zu den zig Millionen Nutzern, die meinen, sie könnten nicht mehr ohne Facebook leben? Wenn Ihnen in einer hochtechnisierten Gesellschaft, in der die Rund-um-die-Uhr-Beobachtung – vor allem online – praktisch Realität ist, an der Wahrung Ihrer Privatsphäre gelegen ist, dann sollten Sie noch einmal darüber nachdenken, ob Ihnen die  mehr …

Facebook-Börsengang: Pannen, Misserfolg und Insiderhandel

Webster G. Tarpley

Der gestrige 18. Mai 2012 war kein guter Tag für den US-Markt und die großen Banken. Eigentlich sollte er der Rettung des amerikanischen Finanzkapitalismus dienen. Die Wall Street war durch zahlreiche Pleiten, Bailouts und den neuesten JP Morgan Chase-Skandal erheblich unter Druck geraten. Ausgerechnet vorgestern wurde auch noch bekannt, dass die  mehr …

Google-Chef Schmidt gibt zu: Datenschürfen bei Google+ zu Werbezwecken

Jonathan Benson

Ganz ähnlich wie schon sein bekannter Vorläufer Facebook ist auch das neue, aber schwächelnde soziale Netzwerk Google+ als ein Instrument entlarvt worden, mit dem Daten der Nutzer abgeschöpft und zu Werbezwecken verwendet werden. In einem Interview mit National Public Radio (NPR) gab Google-Chef Eric Schmidt zu, Google+ sei so angelegt, dass  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Warum die Bankenelite Unruhen in den USA will

Paul Joseph Watson

Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die Behörden in den USA auf weitverbreitete Unruhen vorbereiten. Diese Entwicklung ist keineswegs zufällig, sondern Teil einer oft bewährten Methode der Bankenelite, die Kontrolle eines Landes an sich zu reißen, sich seines Wohlstandes zu bemächtigen und Land und Leute in die Neue Weltordnung zu zwingen.  mehr …

Fleischtheke als Sondermülldeponie: Es drohen Hirntumore und Herzschäden

Christine Rütlisberger

Die vielen Berichte über Pferdefleisch lassen verunsicherte Verbraucher jetzt verstärkt zu Bio-Fleisch und zu Fisch greifen. Das freut die Betrüger der Branche.  mehr …

Sechs Fakten über Speiseöle und Fette, die Ihnen bekannt sein sollten

Jonathan Benson

Über Öle und Fette herrscht ungeheuer viel Verwirrung, denn je nach Art und Verarbeitung können sie gesund oder auch schädlich sein. Da von Gesundheitsbehörden und Mainstreammedien dermaßen viele Halb- und Unwahrheiten darüber verbreitet werden, fällt es vielen Verbrauchern schwer, zwischen beiden Aspekten zu unterscheiden.  mehr …

Geheimdienste: Warum der Papst zurücktreten musste

Udo Ulfkotte

Das Pontifikat endet nach dem Kirchenrecht mit dem Tod des Amtsinhabers. Warum also gibt Papst Benedikt Ende Februar 2013 sein Amt wirklich auf? Geheimdienste haben dazu einen interessanten Bericht erstellt.  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.