Tuesday, 28. June 2016
18.09.2013
 
 

Umfrageschwindel? Union zu hoch, AfD zu niedrig bewertet

Gerhard Wisnewski

Wird kurz vor der Bundestagswahl am 22. September 2013 massiver Umfrageschwindel betrieben? Nach der Untersuchung einer Kommunikations-Agentur wird die Union in den herkömmlichen Vorhersagen deutlich zu hoch, die Alternative für Deutschland (AfD) deutlich zu niedrig prognostiziert. Sollte das stimmen, nützt das natürlich hauptsächlich der Union – während es der neuen Partei AfD schadet.

Zwar hat der Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, gerade einen gerichtlichen Maulkorb verpasst bekommen. So darf er nicht mehr behaupten, dass seine Partei in den Rohdaten des Umfrageinstituts Forsa deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde liege – die Zahlen von dem Institut vor der Veröffentlichung jedoch »heruntergerechnet« würden. »Die

 

Forschungsinstitute nutzen den Spielraum der statistischen Analyse, um uns kleinzurechnen«, hatte er in einem Interview mit dem Handelsblatt gesagt. Das darf er nun zwar vorerst nicht mehr wiederholen. Aber beobachten darf man die Umfrageergebnisse natürlich trotzdem – und sich auch ein paar Fragen dazu stellen.

 

Denn schließlich sind die Umfrageergebnisse nicht irgendwas, sondern beeinflussen massiv den Ausgang der Wahl. Würde eine Partei tatsächlich unter fünf Prozent »gerechnet« werden, hieße das für potenzielle Wähler, dass ihre Stimmen hier verschwendet wären, da diese Partei wegen der Fünf-Prozent-Hürde nicht in den Bundestag käme. Und Tatsache ist: Im Moment schreien sämtliche Umfrageinstitute in Sachen AfD ganz laut: »Verschwendung!«

 

Umfragen als Abschreckung?

 

Während nach den neuesten Umfragen (15. bis 17.9.) die Union auf 38 bis 39 Prozent, die SPD auf 25 bis 27 Prozent, die FDP auf vier bis fünf Prozent und die Grünen auf neun bis elf Prozent kommen, liegt die AfD nur zwischen drei und vier Prozent.

 

Und das ist merkwürdig. Denn manche Medien haben durchaus registriert, dass »die Euro-Kritiker die Menschen mehr mitreißen als die Etablierten«, so die Website der Wirtschaftswoche am 14. September 2013: »In der Studentenstadt Münster etwa, einer Hochburg der Grünen, interessierten sich höchstens 500 Menschen für eine Rede von Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Gerade einmal 350 Zuhörer lauschten dieser Tage den Worten der versammelten FDP-Spitze um Bundesaußenminister Guido Westerwelle, Spitzenkandidat Rainer Brüderle und Gesundheitsminister Daniel Bahr vor der Reinoldikirche in Dortmund. Und die AfD? Eine wenig überraschende Anti-Euro-Rede von Parteichef Bernd Lucke beklatschten und bejubelten in Düsseldorf zuletzt fast 1500 Menschen.«

 

Umfragen sind nicht der Weisheit letzter Schluss...

 

Donnerwetter! Nur in den Umfragen will sich die Begeisterung merkwürdigerweise nicht niederschlagen. Dabei ist es an der Zeit, die dominante Rolle dieser angeblich so seriösen Prognoseinstrumente einmal kritisch zu hinterfragen. Schließlich hatte sich bei der letzten Bundestagswahl 2009 herausgestellt, dass andere Vorhersageinstrumente genauer arbeiten als die gute alte »Umfrage«. Bei einem Vergleich stellte sich zum Beispiel heraus, dass zwei so genannte »Wahlbörsen« die geringste Abweichung gegenüber dem vorläufigen amtlichen Endergebnis aufzuweisen hatten (nämlich Politikmarkt und Wahlstreet). Erst danach kamen die klassischen Umfrageinstitute wie Allensbach, Forsa und Emnid. Wahlbörsen werden im Internet auf Dauer oder für eine bestimmte Wahl von Medien oder anderen Institutionen eingerichtet, um die Chancen von Parteien zu ermitteln. Statt eine »Sonntagsfrage« zu beantworten, kaufen die Teilnehmer »Wertpapiere« der verschiedenen Parteien; der jeweilige Kurs soll dann das Wahlergebnis vorhersagen. Noch genauer als die beiden Wahlbörsen lagen 2009 nur die 18-Uhr-Prognosen von ARD und ZDF, bei denen es sich jedoch eigentlich nicht um »Vorhersagen« handelt, sondern um »Bestandsaufnahmen«. Bei diesen so genannten »exit polls« werden die Bürger nach dem Verlassen des Wahllokals gefragt, was sie tatsächlich gewählt haben. Aber auch »soziale Medien« wie Twitter kann man zur Prognose nutzen. Nach einer Studie der Indiana University in den USA hängt der Erfolg eines Kandidaten davon ab, wie oft er bei dem Kurznachrichtendienst Twitter erwähnt wird – und zwar unabhängig davon, ob sein Name in einem negativen oder einem positiven Zusammenhang genannt wird.

 

Aufgrund der Aussagekraft der »alternativen Prognoseinstrumente« kam man bei wahl-radar2013.de auf die Idee, alle herkömmlichen Wahlprognosen mit den Prognosen aus sozialen Medien und so genannten »Wahlbörsen« zusammenzufassen und daraus eine so genannte »Meta-Prognose« zu erstellen. Das »Wahl-Radar2013« ist ein Projekt der Düsseldorfer Kommunikations-Agentur Osicom. Und bei der neuesten Meta-Prognose vom 16. September 2013 sehen die beiden großen etablierten Parteien doch deutlich schlechter aus als in den gängigen Umfragen – während die AfD signifikant zulegte. Demnach liegt die Union bei etwa 37, die SPD bei 24, die Grünen bei elf, die FDP bei fünf, die Linke bei acht und die AfD bei sieben Prozent.

 

»Auffällige Anomalie«

 

Das ist das eine. Das andere: Beim Vergleich der herkömmlichen Vorhersagen und der Prognosen aus Wahlbörsen und sozialen Medien hat sich gezeigt, dass »die Prognose-Ergebnisse unabhängig von der Prognose-Methode (Umfrage, Social Media oder Wahlbörsen)« bei den meisten Parteien »eng beieinander liegen und zu gleichen Ergebnissen führen«. Was darauf hindeutet, dass sich die Prognosemethoden gegenseitig bestätigen und tatsächlich gültige Werte messen. Beim Vergleich der Werte von Union und AfD habe man jedoch eine »auffällige Anomalie« festgestellt, heißt es auf wahl-radar2013.de. Hier gebe es »deutliche Abweichungen zwischen den Umfrage-basierten Prognosen der Meinungsforschungsinstitute einerseits und den Prognosen auf Basis von Social-Media-Auswertungen und Wahl-Börsen andererseits«. Diese Abweichungen seien für Union und AfD »so signifikant, dass sie mit einer normalen statistischen Fehlerquote nicht mehr zu erklären« seien. Ein Befund, der bereits mehrfach erhoben worden und »bisher stabil« sei. Erstmalig nehme nun aber auch für die SPD »die Spreizung der Ergebnisse« zu.

 

So sahen mit Stichtag vom 8. September zwar alle Prognoseinstrumente die Grünen bei etwa elf Prozent, die FDP bei etwa fünf bis sechs Prozent, die Linke bei etwa acht, die Piraten bei etwa drei und die Sonstigen bei etwa vier Prozent. In den Balkengrafiken waren die Balken der verschiedenen Umfragen also alle etwa gleichauf – allerdings bis auf Union, AfD und neuerdings auch SPD. Da endeten die Balken in ganz verschiedenen Regionen. So kam die Union in den herkömmlichen Umfragen auf stattliche 39,4 Prozent – gleich drei Prozent mehr als bei Wahlbörsen und Social Media. Noch krasser ist der Unterschied bei der AfD. Während die herkömmlichen Umfragen hier nur 3,4 Prozent anzeigten, schnellten die Balken der alternativen Prognoseinstrumente bis auf elf Prozent hoch! Auch bei der SPD bildeten die Balkenenden keine einheitliche Linie. Auch hier wichen Umfragen und Wahlbörsen bzw. Social Media erheblich voneinander ab.

 

Wird hier von einigen Umfrageinstituten also doch getrickst und sozusagen eine »Self-Fulfilling Prophecy« inszeniert? Denn wie gesagt: Je öfter die AfD unter fünf Prozent vorhergesagt wird, desto wahrscheinlicher wird sie auch darunter liegen...

 

 

 

 


 

 

 

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