Sunday, 26. June 2016
29.08.2013
 
 

US-Kriegsdrohungen: In Syrien entscheidet sich das Schicksal der Welt

Gerhard Wisnewski

Na, na – ist das nicht ein bisschen übertrieben? Keineswegs. Denn Syrien ist der Ort der finalen Kraftprobe zwischen Ost und West. Es ist der Ort, an dem sich die Machtansprüche von West und Ost konzentrieren und komprimieren, bis es zur Explosion kommt. Es sei denn, eine der beiden Seiten gibt nach.

Baschar al-Assad hat Chemiewaffen »gegen das eigene Volk eingesetzt«? Geschenkt. Schließlich lügen die USA über potenzielle Kriegsgegner seit jeher das Blaue vom Himmel herunter: »Ob der Untergang des US-Kriegsschiffes Maine 1898 in Havanna (Spanisch-amerikanischer Krieg), der angeblich überraschende Überfall der Japaner auf die US-Marinebasis Pearl Harbor 1941 (Zweiter Weltkrieg), der angebliche Angriff vietnamesischer Schnellboote auf ein amerikanisches

Kriegsschiff im Golf von Tonkin 1964 (Vietnamkrieg) – all diese Kriegsgründe waren mehr oder weniger inszeniert oder aus der Luft gegriffen«, hieß es noch in meinem letzten Jahrbuch verheimlicht – vertuscht – vergessen 2013. Genauso erlogen wie die angeblichen Babymorde von irakischen Soldaten in Kuwait (1990), die Anschläge von Islamisten auf das World Trade Center (2001) oder die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein (2003). Und nun also soll der syrische Staatschef Assad Chemiewaffen »gegen das eigene Volk« eingesetzt haben? »Was auch immer der Grund für einen Krieg gegen Syrien und den Iran sein wird«, hieß es ebenfalls in dem »Anderen Jahrbuch 2013«, »eines kann man schon jetzt sicher sagen: Er wird erlogen sein«.

 

 

Das ist das eine. Das andere ist, dass mit dem geschaffenen Kriegsvorwand das Gezerre um Syrien nun in eine neue Phase eintritt. Anders als im Fall Libyen hatten sich Russland und China diesmal einer vom Westen angestrebten UN-Resolution über eine »Flugverbotszone« verweigert. In Libyen war die Flugverbotszone schließlich nur dazu genutzt worden, die libysche Luftwaffe zu neutralisieren, um das Land ungestört bombardieren zu können. Nachdem eine Welle der inszenierten Umstürze und Revolutionen über Nordafrika hinweg gegangen war, wollte man der westlich gesteuerten Revolutions- und Putschwalze nunmehr Einhalt gebieten. Seitdem ist klar: Der völkerrechtlich legale Weg zu einem militärischen Eingreifen in Syrien ist versperrt.

 

Vor dem Krieg kommt das Massaker

 

Aber wie ich ebenfalls in verheimlicht – vertuscht – vergessen 2013 geschrieben hatte, »spielen ›Massaker‹ und ›Angriffe auf Zivilisten‹ eine zentrale Rolle bei der weiteren Eskalation«. Dabei steht das Massaker chronologisch zwischen dem inneren Bürgerkrieg und dem offenen Krieg von außen: »Das Massaker beschwört eine Notwehr- oder Nothilfesituation herauf, in der sich Außenstehende berechtigt sehen, dem bedrängten Volk ›zu Hilfe zu kommen‹. Das Massaker verwandelt also die innere Angelegenheit eines Staates in eine auswärtige Angelegenheit – genau das ist sein Zweck.« Dabei werde zwar versucht, »die ›Nothilfe‹ durch den UN-Sicherheitsrat ›zur Bekämpfung der humanitären Katastrophe‹ völkerrechtlich zu legitimieren«. Gelinge das aber nicht, werde versucht, mithilfe des Massakers »eine Art übergesetzlichen Notstand zu begründen, um auch ohne UN-Mandat gegen das jeweilige Land vorgehen zu können«. (S. 154f.)

 

Affront gegen Russland und China

 

Und genau an diesem Punkt sind wir jetzt. Die Chemiewaffengräuel sollen einfach so schrecklich und die Schuld Assads so felsenfest erwiesen sein, dass man gar nicht anders könne, als einzugreifen – UN-Sicherheitsrat hin oder her. Das Problem ist nur, dass man sich damit über das eindeutige »Njet« Russlands hinwegsetzt. Nicht umsonst haben Russland und China praktisch jeden westlichen Resolutionsvorschlag in Sachen Syrien blockiert – weil die beiden Großmächte aus dem Fall Libyen gelernt hatten, dass derartige Resolutionen nur zur Legitimation von Angriffskriegen genutzt werden sollen. Damit haben Russland und China in Syrien eine rote Linie gezogen. Die USA, Großbritannien und Frankreich sollen bei ihren Stellvertreterkriegen Richtung Osten gestoppt werden. Aber wie man sieht, kümmern sich die drei Kolonialmächte den berühmten feuchten Kehricht um diese rote Linie. Sie wollen nun mithilfe der Chemiewaffenlüge den nächsten (schon vielfach durchgespielten) Schritt hin zu einer weiteren Eskalation tun und sich bei ihren militärischen und geostrategischen Plänen nicht aufhalten lassen.

 

Letzter Halt auf dem Weg in die globale Diktatur

 

Und damit stellt sich in Syrien endgültig die Machtfrage: Wer hat auf dem Globus eigentlich das Sagen? Werden Russland und China einen amerikanischen Angriff auf Syrien einfach hinnehmen? Und wenn ja: Was ist das Wort Russlands und Chinas dann noch wert? Und genau das ist die Frage: Nämlich, ob sich die beiden östlichen Großmächte ein Nachgeben überhaupt leisten können. Zum einen wegen des damit verbundenen Gesichtsverlusts in der Welt, zum anderen aber, weil die westliche Militär- und Revolutionswalze dann weiter nach Osten rollen wird – zunächst in den Iran und anschließend nach Russland und China selbst. Im Grunde gibt es also keinen anderen Weg, als den Westen in Syrien zu stoppen. Das ist die letzte Option – der letzte Halt auf dem Weg in eine globale Diktatur des Westens.

 

Das Spiel mit dem Dritten Weltkrieg

 

Exakt deshalb, weil eine militärische Reaktion des Ostens im Raume steht, verfolgt der Westen eine »Salamitaktik« und redet zunächst nur von einem begrenzten Angriff oder einer »Bestrafungsaktion« gegen Assad. Ein »totaler Krieg« wie in Libyen und ein damit verbundener Sturz des Russland-Verbündeten Assad werden vorerst (verbal) ausgeschlossen, weil Washington fürchtet, dass dies endgültig den Casus belli mit Russland bedeuten könnte. Mit einem begrenzten Bombardement möchte man weiter in das östliche Einflussgebiet hineinpfuschen, ohne gleich die totale Eskalation heraufzubeschwören. Wahrscheinlich spekuliert man darauf, die syrischen Streitkräfte punktuell zu schwächen, damit die so genannten »Rebellen« den Rest erledigen können. Und man vertraut darauf, dass Russland ein begrenztes Bombardement nicht zum Anlass für einen Gegenschlag nutzen wird, weil es nicht als derjenige dastehen will, der wegen »einiger Marschflugkörper auf Damaskus« einen Weltkrieg entfacht.

 

In Wirklichkeit aber spielen die westlichen Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, USA, Großbritannien und Frankreich, mit dem Dritten Weltkrieg. Wie in einem Schachspiel ergibt sich aus den bevorstehenden Zügen der Gewinn oder Verlust der Partie um die Macht auf dem Erdball.

 

 

 

 


 

 

 

 

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