Friday, 1. July 2016
11.12.2012
 
 

Zeitungssterben: Die Leser sind schuld

Gerhard Wisnewski

Leidet ein Bäcker unter Umsatzrückgang, geht er ans Regal und schnuppert mal an seinen Brötchen. Verkauft sich eine Zeitung nicht mehr, schaut sie keineswegs in ihren eigenen Artikeln nach, sondern beschuldigt die Leser, also ihre Kunden.

In der Medienbranche herrscht lustiges Rätselraten: Warum verkaufen sich bloß die großen Zeitungen nicht mehr? Eine nach der anderen geht ein: Erst die Nürnberger Abendzeitung und die Frankfurter Rundschau, dann die Financial Times Deutschland, die Junge Welt soll ebenfalls in Schwierigkeiten sein. Auch die verkaufte Auflage des Spiegel geht zurück. Im November 2012 sah das Branchenmagazin Meedia den Spiegel auf einem 21-Wochen-Tief. Demnach erreichte Der

Spiegel mit seinem China-Titel vom 15. Oktober 2012 »im Einzelverkauf an Kiosk & Co. nur eine Auflage von 285.878 – der schwächste Wert seit 21 Wochen.« »Noch deutlicher unter dem Soll« sei der Stern mit seinem Titel von Bundeskanzlerin Angela Merkel gelandet.

 

Eben – denn schließlich ist das ungefähr so originell wie das Neue Deutschland zu Zeiten Erich Honeckers. Und als Covergirl funktioniert die Bundeskanzlerin nun mal ebenfalls nicht. Die Quittung bekommen unsere Blattmacher jeden Tag: »Die deutsche Presse erlebt nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit derzeit die größte Entlassungswelle seit Bestehen der Bundesrepublik«, berichtete der Nachrichtensender n-tv. »Vorher sind mal einzelne Redaktionen insolvent gegangen. Aber das war nie die Größenordnung, die heute erreicht wird, wo wir mehrere Redaktionen haben, die viele Menschen freisetzen«, zitiert der Sender eine Sprecherin der Bundesagentur in Nürnberg.

 

 

Die Leser sind schuld

 

Natürlich, so die Antwort der etablierten Medien, liegt es nicht am Produkt, sondern an allem Möglichen: dem Markt, den veränderten Konsumgewohnheiten, der Gratis-Mentalität im Internet. Vor allem aber am Leser, der den etablierten Medien in Scharen von der Fahne geht: »Leser müssen sich klarmachen, wie ihre Nachrichten entstehen – und entscheiden, was sie ihnen wert sind«, verteilt Spiegel Online fröhlich die Verantwortlichkeiten. Dabei muss es genau anders herum heißen: »Journalisten müssen sich klarmachen, was ihnen ihre Leser wert sind, und dass sie die Wahrheit lesen wollen.« Nichts da: »Dass innerhalb kürzester Zeit mit FTD und Frankfurter Rundschau gleich zwei überregionale Zeitungen vor dem Aus stehen, sollte auch Nicht-Journalisten beunruhigen«, meint Spiegel Online, »selbst wenn sie die Blätter noch nie in der Hand gehalten haben. Denn ohne sie wird das Informationsangebot ärmer«. Wieder falsch. Denn das Informationsangebot wird durch die Pleite der einen oder anderen Einheitszeitung keineswegs ärmer. Sondern es ist bereits arm.

 

Das Informationsangebot an der bloßen Zahl der Zeitungen oder Medien zu bemessen, bedeutet, im bundesdeutschen Medienmarkt DDR-Mentalität wieder aufleben zu lassen. Denn dort gab es schließlich auch immerhin 40 Tageszeitungen. Aber nur eine Meinung. Die Leser wollen aber nicht immer mehr vom immer Gleichen, sondern sie wollen eine wirkliche Auswahl und Informationsvielfalt – und vor allem den Willen und das Streben nach Wahrheit. Und das erkennen immer mehr Leser eben eher in dem einen oder anderen Blog oder in alternativen Medien wie KOPP Online.

 

Recycelter Einheitsbrei

 

Nicht doch: »Ein großer, wenn nicht der größte Teil relevanter Nachrichten im Netz wird bis heute in traditionellen Redaktionen geschrieben«, prahlt Spiegel Online: »Wer das nicht glaubt, möge einen Blick auf Google News werfen. Die dort aggregierten Meldungen stammen weitgehend von Printmedien oder deren Online-Seiten – nicht etwa von Bloggern, die vor einigen Jahren schon als die Zukunft des Journalismus galten.«  Diese Aussage ist natürlich ein Schwindel. Denn vermutlich weiß auch der Spiegel-Redakteur, dass Google News lediglich den Einheitsbrei aus Tagesthemen, Tagesschau, Stern, Spiegel und der Tageszeitung recycelt, den man sowieso schon nicht mehr lesen kann. Indem Google News nur die etablierten Medien anbietet, verschafft es ihnen wieder mehr Zugriffe. Andere werden von Google News überhaupt nicht erfasst, egal wie hoch deren Zugriffszahlen sind.

 

Wer das nicht glaubt, möge einmal bei Google News unter »Personalisieren« versuchen, Medien wie KOPP Online, Alles Schall und Rauch, eigentümlich frei oder Ähnliches auszuwählen. Diese Nachrichtenseiten werden von Google News dabei schlicht nicht angeboten. Mit den Inhalten hat das rein gar nichts zu tun, sondern mit einer privaten Form der Zensur. Google News ist eben Teil desselben Problems, das die etablierten Medien darstellen, und nicht Teil der Lösung. Natürlich vergisst Spiegel Online auch, die Alternativen zu Google News zu erwähnen, wie zum Beispiel das Nachrichtenportal Net News Global. Schon vor Jahren habe ich einmal einen kleinen Vergleichstest zwischen Google News und Net News Global veranstaltet. Dort wird eine viel größere Medienvielfalt erfasst. Wer einmal bei Net News Global nachgeschaut hat, begreift überhaupt erst, welche Zensur Google News darstellt. Und welche Zensur auch Net News Global eines Tages ausüben könnte – denn schon jetzt werden auch dort bestimmte Medien ausgegrenzt. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Noch ist Net News Global ein beschämendes Beispiel für die Mainstreammedien, wie es auch anders gehen kann.

 

 

 

 


 

 

 

 

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