Samstag, 10. Dezember 2016
14.02.2012
 
 

Zensur an der FH Düsseldorf: Ein Stück aus dem Tollhaus

Gerhard Wisnewski

Handfester Skandal an der Fachhochschule Düsseldorf: Politisch unliebsame Studenten werden von Dozenten beschimpft und beleidigt, bekommen schlechte Noten und fallen durch.

Nehmen wir nur den Fall der Studentinnen Lisa W. und Sirra J. Im letzten Jahr besuchten die beiden ein Seminar an der FH Düsseldorf über die »Musik des Widerstandes«. Am 23. November 2011 hielten sie ein Referat über die »Musik der Wahrheitsbewegung« nach dem 11.09.2001. Nachdem sie ein Interview und Musikvideos der Hip-Hop-Band »Die Bandbreite« gezeigt hatten, wurde das Referat von den beiden Seminardozenten Hubert Minkenberg und Frank Henn abgewürgt. Und zwar unter Zuhilfenahme ganz eigener wissenschaftlicher Bewertungskriterien: »Herr Henn sagte während des Referats nach circa zehn Minuten: ›Ich hab´ kein Bock mehr!‹«, berichtete hinterher Lisa W. »Nach Abbruch unseres Vortrages äußerte er Frau J. und mir gegenüber: ›Das, was wir hier heute gesehen haben, erinnert mich an Psychiatrie. Leute, die so etwas denken, sitzen in der geschlossenen Anstalt. Es ist ganz klar eine Gratwanderung‹.«

 

Psychiatrisierung politisch Unbequemer war freilich ein Merkmal des Stalinismus. Derselbe Dozent geht gerne mit dem Motto »Jede Bewegung will Musik werden« hausieren – nur wenn es sich um eine soziale Bewegung handelt, scheint er damit Probleme zu haben.

 

 

Ein Stück aus dem Tollhaus

 

Das Ganze spielt nicht in der längst untergegangenen DDR, sondern wie gesagt an der noch nicht untergegangenen Fachhochschule Düsseldorf. Quasi, um den Studentinnen »noch eine Chance zu

geben«, bekamen sie von den Dozenten nunmehr den Auftrag, das Referat schriftlich auszuarbeiten. Was zu einer regelrechten Fleißarbeit ausartete – mit 50 Seiten und etwa 100 Quellenangaben.

 

 

Resultat: Wieder durchgefallen. Die Begründung des FH-Professors Hubert Minkenberg vom 12. Januar 2012 liest sich wie ein Stück aus dem Tollhaus: Eine E-Mail gespickt mit Beleidigungen, Rechtschreibfehlern und vor allem Falschbehauptungen. Selbst wenn die Arbeit nicht wissenschaftlich wäre: die Bewertung durch die Dozenten sollte es sein. Doch ganz oben auf der Liste der »studentischen Vergehen« erwähnt Minkenberg, dass der in der Hausarbeit zitierte Schweizer Konfliktforscher und 9/11-Skeptiker Dr. Daniele Ganser weder Professor noch an der Uni Basel« sei: Auf der offiziellen Webseite der Uni tauche er nicht auf »und sein Name ist nirgendwo zu finden«. Minkenberg: »Ich habe dann in der Uni Basel angerufen. Herr Dr. Ganser ist dort als Lehrender unbekannt!!«

 

 

FH-Dozenten mit einfachsten Recherchen überfordert

 

Nun, auch Menschen verschwanden im Stalinismus auf wundersame Weise, egal ob von Arbeitsstellen oder Fotos – und nun auch aus Universitäten und von Internetseiten? Nicht doch. Vielmehr stellt sich die Frage: Darf ein Professor, der nicht einmal eine primitive Recherche auf einer Webseite durchführen kann, weiter Professor sein? Wer auf der Seite der Uni Basel den Namen Ganser eintippt, erhält jede Menge Fundstellen, zum Beispiel:

 

Dr. Daniele Ganser

Wissenschaftlicher Mitarbeiter Historisches Seminar
Institut für Soziologie
Petersgraben 27
CH-4051 Basel

 

Wie es scheint, sind hier nicht die Studenten, sondern der Dozent schon mit einfachsten Recherchen überfordert. Was Minkenberg aber nicht davon abhält, sich dauernd auf die »wissenschaftliche Lauterkeit« und die »Grundlagen der Wissenschaftlichkeit« zu berufen.

 

 

Dozenten mobben Studenten

 

Kurz und gut: Die FH Düsseldorf ist Schauplatz eines handfesten Skandals, nämlich wie offensichtlich inkompetente Dozenten politisch unbequeme Studenten mobben. Dabei kümmern sie sich den berühmten feuchten Kehricht um die Freiheit von Wissenschaft und Kunst oder das Recht auf freie Meinungsäußerung - ganz wie weiland ihre Kollegen in der DDR.

 

Dabei hat zumindest einer der beiden als Professor und Beamter offenbar einen Eid auf die Verfassung geleistet. Laut Artikel 80 der nordrhein-westfälischen Verfassung leistet jeder Beamte folgenden Amtseid:

»Ich schwöre, dass ich das mir übertragene Amt nach bestem Wissen und Können verwalten, Verfassung und Gesetze befolgen und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe. Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden.«

 

Außerdem sind »die Beamten und sonstigen Verwaltungsangehörigen … Diener des ganzen Volkes, nicht einer Partei oder sonstigen Gruppe«:

 

»Sie haben ihr Amt und ihre Aufgaben unparteiisch und ohne Rücksicht auf die Person nur nach sachlichen Gesichtspunkten wahrzunehmen.«


Eine Antwort auf meine Frage nach seinem Beamtenstatus habe ich von Minkenberg nicht erhalten. An der FH Düsseldorf herrscht über den Vorfall offenbar Nachrichtensperre. Denn auch eine Antwort der Pressestelle der FH Düsseldorf traf nicht bei mir ein, obwohl die Fachhochschule nach dem Landespressegesetz (§ 4) zur Beantwortung von Presseanfragen verpflichtet ist. Mit Verfassung und Gesetzen nimmt man es dort wohl nicht so genau. Dabei wäre es auch spannend zu erfahren, was die FH eigentlich gegen die Videobotschaft von »Bandbreite«-Frontmann Marcel Wojnarowicz unternehmen will, in der er den Vorfall minuziös schildert. Demnach »wurden die beiden Studentinnen mehr oder weniger zum Abbruch des Referats gezwungen«.

 

 

 

Auch die sonstigen Schilderungen in dem Video scheinen unstrittig zu sein, denn bis jetzt musste Wojna das Video nicht vom Netz nehmen. Die FH Düsseldorf habe einen Juristen beauftragt, sich der »Thematik anzunehmen«, schrieb mir als Einziger Dozent Henn. »Da kein Abschluss der Sache gegeben ist, sind wir gehalten, von Statements abzusehen.« Besonders viel scheint die Uni dem Video also nicht entgegenzusetzen zu haben. Es steht nun immerhin seit einem Monat im Netz...

 

Haben Sie Erfahrungen mit Zensur und politischer Unterdrückung an Ihrer Schule oder Universität gemacht? Schreiben Sie dem Autor: wisnewski@gerhard-wisnewski.de

 

 


 

 

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