Sunday, 26. June 2016
04.01.2010
 
 

Ist Gott altmodisch, Margot Käßmann?

Eva Herman

Ein turbulentes 2009 ging zu Ende, viele Menschen winkten ab und sind froh, dass nun ein Neues Jahr mit neuen Chancen angebrochen ist.

Man hätte sich wirklich wünschen können, dass wenigstens die letzten Tage einigermaßen ruhig verlaufen mochten, doch weit gefehlt. Im Ausland war die Hölle los, von Iran bis Pakistan, von Irak, Athen, Afghanistan, USA und Jemen herrsch(t)en kriegsähnliche Zustände, wurden und werden Menschenrechte mit Füßen getreten.

Längst nicht so martialisch ging es bei uns zu, nun gut, aus der Schweinegrippe wurde jetzt die Scheingrippe, doch stockt einem der Atem bei der Lektüre des Tagesspiegels am Sonntag, den 26. Dezember 2009. Da heißt es unter anderem:

»Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hat sich gegen das von der schwarz-gelben Koalition beabsichtigte Betreuungsgeld gewandt. ›Immer noch ist unser Betreuungs- und Bildungssystem darauf eingestellt, dass ein Kind um 13.30 Uhr nach Hause kommt, dass jemand gekocht hat und mit ihm Hausaufgaben macht. Dieses Familienbild entspricht nicht mehr der Realität‹«, sagte Käßmann dem Berliner Tagesspiegel am Sonntag. Am bedrückendsten sei »die wachsende Kinderarmut und dass viele Kinder und Jugendliche selbst nicht mehr daran glauben, aus der Armut herauszukommen«. Daher sei die Ganztagsschule wichtig – »viel wichtiger als ein Betreuungsgeld«, ergänzte Käßmann. Ein Betreuungsgeld »könnte eher ein Anreiz für manche Eltern sein, Kinder gerade nicht einer Betreuungseinrichtung anzuvertrauen«.

 

Margot Käßmann (Copyright Foto Lawrenz)

 

Im Ernst, genau das steht dort. Und davon scheint die frisch gewählte EKD- Ratsvorsitzende fest überzeugt zu sein, was auch immer diese Einstellung mit dem Amt der christlichen Vorzeigefrau Nummer eins in Deutschland zu tun haben mag.

Wir wissen in diesem Augenblick nicht, welche persönlichen Erfahrungen bei dieser abenteuerlichen Einschätzung der EKD-Ratsvorsitzenden eine Rolle spielen mögen, vielleicht hat sie ihre eigene Aussage für immer geprägt, als sie unlängst etwas von sich gab, das so ähnlich klang wie: sie wolle am liebsten 24 Stunden am Tag Bischöfin sein. Nun kommt ja seit Oktober der EKD-Ratsvorsitz noch dazu, da hat sie dann wirklich allerhand um die Ohren und ist vielleicht deswegen sogar ganz froh, wenn ihre vier Kinder weit weg von anderen Leuten betreut werden und ihr nicht mehr ins Gehege kommen können, ebenso wenig der Gatte, den sie hatte.

Auf jeden Fall scheint Margot Käßmann der festen Ansicht zu sein, dass Kinder, die mittags aus der Schule kommen, kein Mittagessen mehr brauchen und auch niemanden an der Seite benötigen, der sich mit ihnen beschäftigt und sich gemeinsam mit ihnen um die Schularbeiten kümmert.

Nein, ganz anders: Die Gören sollen erst gar nicht nach Hause kommen, sondern sie sollen schnell viel lernen, damit sie später ganz schlau und gebildet sind. Sie sollen also möglichst hübsch fremdbetreut werden, am liebsten gar auch 24 Stunden? Sie sollen ihre Nachmittage bei Fremden in Fremdeinrichtungen verbringen, ohne persönliche Rückzugsgebiete, ohne private Nischen, ohne das eigene Zimmer, ohne das Bett, auf das sie sich mal werfen können, ohne ihre Geschwister, ohne ihre Freunde, ohne ihre Haustiere, ohne ihre Fahrräder und Gärten, ohne individuelle und familiäre Angebote und Verbindungen. Kinder gehören nicht ins, nein, sie gehören aus dem Haus! Am liebsten 24 Stunden? Damit Mutti auch 24 Stunden lang arbeiten und Geld verdienen kann? Und wenn Mutti doch einmal abends nach Hause kommen sollte, hundemüde, Vati auch, die Kinder auch, dann soll in den verbleibenden zwei, drei Stunden ein trautes Familienleben entwickelt werden, damit die Kinder Urvertrauen und Selbstbewusstsein, menschliche Bindungen und Verantwortungsgefühl für andere Menschen und für das Leben erlernen.

Sehr geehrte Margot Käßmann! Denken Sie, dass Sie mit diesen öffentlichen Aussagen wirklich ein leuchtendes Vorbild für das christliche Verständnis von Familie seien? Ihr persönliches Vorstellungsmuster sieht also in jedem Fall die Fremdbetreuung vor, weil dies jetzt modern ist? Sie sagten wörtlich: »Dieses Familienbild entspricht nicht mehr der Realität!« Wirklich nicht? Wer sagt das denn? Die Feministinnen, ja, ja, aber die haben doch meistens gar keine Kinder, sie haben von Familie genau sowenig eine Ahnung wie vom Abwaschen. Haben sich etwa die Bedürfnisse aller Kinder im Land mit einem Schlag geändert? Oder wessen Bedürfnisse? Die der Frauen, die am liebsten 24 Stunden im Job sein wollen? Außer Ihnen, sehr geehrte Frau Käßmann, kenne ich niemanden, der freiwillig so viel arbeiten möchte. Viele Frauen müssen in die Erwerbstätigkeit, weil das Geld nicht reicht, eben weil auch nur vom Staat finanziell gefördert wird, wer nicht zuhause bleibt. Ist alles modern!

Und Sie werfen bei Ihrer Forderung und dem Entwurf eines neuen Familienbildes auch noch ohne Not das geplante Betreuungsgeld für Kleinkinder, welches maximal bis zum dritten Lebensjahr bezahlt wird, aber auch frühestens eventuell für 2013 beschlossen sein soll, und eventuell ja auch nur in Form von Gutscheinen ausgegeben werden soll, weil die Muttis und Vatis sonst das viele Geld versaufen könnten, Sie werfen also diese 150 Euro Betreuungsgeld für Kleinkinder mit der Fremdbetreuung für Schülerinnen und Schüler, die bis zu ihrem 18., 19. Lebensjahr zur Schule gehen, in ein und denselben verrosteten und wirklich langsam ausgeleierten Feminismuspott? Ich wäre Ihnen für eine logische Aufschlüsselung hinsichtlich dieser merkwürdigen Vermischung dankbar.

Sehr geehrte Frau Käßmann, um ehrlich zu sein, ich verstehe Sie nicht mehr. Können Sie sich noch daran erinnern, als wir beide vor wenigen Jahren in Ihrer schönen Marktkirche im niedersächsischen Hannover gemeinsam das Reformationsfest und auch das Pfingstfest gestalteten und Sie damals über den Heiligen Geist sprachen? Es waren sehr eindrucksvolle Veranstaltungen und ich erinnere mich ausgesprochen gerne daran. Denn damals hatte ich Hoffnung! Hoffnung für dieses Land, Hoffnung für die kleinen Kinder und Hoffnung für die Mütter. Da stand eine Frau von uns, Sie, nämlich Sie, Frau Käßmann, eine Mutter von vier Kindern, eine Ehefrau, eine Familienmanagerin, mit weiblichen Gefühlen und Empfindungen, fernab von Ihrem 24-Stunden-Job als Bischöfin. Sie sahen schön aus, hatten ein klares, leuchtendes Gesicht und Sie waren ganz weich, Sie sprachen über die Liebe, über das menschliche Miteinander, über Wärme, und sie sprachen, wie schon erwähnt, vom Heiligen Geist. Fast war es mir damals, als sei er direkt über uns gewesen, der Heilige Geist, der ja Gottes Willen darstellt und die ewige Wahrheit.

Natürlich kennen Sie die Bibel, Frau Käßmann, viel besser als ich, denn Sie haben ja mehr oder weniger 24 Stunden am Tag mit ihr zu tun. Doch haben Sie die vielen Verse und sogar die Gebote über die Frau, den Mann und die Kinder wirklich aufmerksam gelesen? Über die Aufgaben, die Gott uns Menschen übertrug? Es stimmt schon, die Bibel ist bereits ziemlich alt, und das Rad der Geschichte hat sich weiter gedreht. Die Zeiten sind jetzt anders, viel moderner, globalisierter, feminisierter und genderisierter. Aber glauben Sie wirklich, dass Gott seine ehernen Schöpfungsgesetze deswegen verändert hat, anpasste an uns kleine, moderne Erdkrustenwürmer?

Schauen Sie sich um, Frau Käßmann: Hätte unser Schöpfer wirklich einen einzigen Grund, sich an uns zu orientieren, die wir jenes erschreckende Menschengesamtwerk schufen von Krieg, Terror, Gewalt, Lieblosigkeit und seit neuestem einer beängstigenden Geschlechterneutralisierung, die Sie ihn, den urewigen Gott, bereits als »Schwester« bezeichnen ließen? Nein, Frau Käßmann, das können Sie nicht wirklich glauben. Dies würde ja auch bedeuten, dass er, unser Allmächtiger Vater im Himmel, fehlbar wäre. Halten Sie als EKD-Ratsvorsitzende das echt für möglich?

Als ich Sie damals in Hannover erlebte, wäre eine solche Veränderung für mich nicht denkbar gewesen. Nun ja, inzwischen ist viel passiert, ich weiß. Sie sind EKD-Ratsvorsitzende geworden, und ich bin beim NDR rausgeflogen. Unsere Wege gingen diametral auseinander. Vielleicht würden wir zwei immer noch gemeinsame Andachten in Hannover feiern, wenn ich mich damals nicht öffentlich für die Bedürfnisse von Kleinkindern und gegen Gender Mainstreaming ausgesprochen hätte. Wer das tut, der wird nämlich mit der Nazikeule verfolgt und manchmal wird er auch totgeschlagen. Keine Sorge, ich lebe noch, und heute beweisen über ein Dutzend Gerichtsurteile, dass ich zu keinem Zeitpunkt diese angebliche Äußerung tätigte, sondern das Gegenteil der Fall war. Aber sei es drum: Mir geht nämlich jetzt plötzlich ein völlig wahnwitziger Gedanke durch den Kopf: Wäre es möglich, dass auch Sie gefährdet wären, wenn sie sich öffentlich für die natürliche Bindung von Mutter und Kind aussprechen würden? Sie, als EKD-Ratsvorsitzende und 24-Stunden-Bischöfin? Bisher dachte ich immer, dass nur blonde Moderatorinnen unter die Räder kommen, wenn sie sich zu laut als Kinderanwalt einsetzten. Aber Sie, Frau Käßmann, wie steht es mit Ihnen? Wer könnte einer mächtigen Frau, die fast direkt nach der Kanzlerin kommt, denn etwas anhaben? Oder ist das alles am Ende doch wirklich Ihre eigene, Ihre persönliche Meinung?

Haben Sie sich, sehr geehrte Frau Käßmann, eigentlich jemals mit einem Bindungsforscher oder mit einem Kinderpsychologen über die Ursachen von Aggression und Gewalt, Adipositas, Bulimie, Todessehnsucht, Komasaufen etc. unterhalten? Wie viele Gespräche haben Sie mit Lehrern geführt, die keinen Rat mehr für unsere bindungslosen, verirrten, jungen Menschen wissen? Sind Sie sich der immensen Verantwortung bewusst, die Sie, Frau Käßmann, mit Ihrer öffentlichen Position übernommen haben? Ihr Wort gilt etwas! Es bedeutet den Menschen viel! Sie werden ernstgenommen, und jetzt, seit Sie EKD-Ratsvorsitzende Deutschlands geworden sind, gehören Sie mit zu den einflussreichsten Personen dieses Landes. Sie sind für die Menschen, die evangelisch getauft sind, vergleichbar mit dem Papst für die Katholiken, sie vertreten den Schöpfer in Deutschland! Haben Sie einmal gehört, was Ihr katholischer Kollege, der Papst, zu diesem Thema sagt?

Frau Käßmann, glauben Sie wirklich, dass unser Schöpfer Kinderkrippen und Ganztagsschulen für unsere Kinder vorgesehen hat? Oder sind Sie der Meinung, dass Gott altmodisch ist, weil er eben keine Krippen und keine Ganztagsschule eingerichtet hat, sondern als natürliche Bezugspersonen für jedes Kleinkind und Baby dieser Erde, bei Mensch und nahezu jedem Tier gleichermaßen, die Mutter an erster Stelle und dann auch gleich den Vater und das übrige Rudel, sprich, die Familie, dachte? Tierkinder werden übrigens in der Fremdbetreuung, also dem Fremdrudel, in den allermeisten Fällen aufgefressen, dort meint es niemand wirklich gut mit den Kleinen.

Und haben Sie eigentlich schon gehört, dass 95 Prozent aller Krippenbetreuerinnen in Deutschland ihr eigenes Kind NIEMALS in die Fremdbetreuung geben würden?

Wissen Sie übrigens, welche Worte zu diesem Thema von Jesu Christi im Matthäus-Evangelium zu finden sind? Ja, natürlich wissen Sie es, Sie sind schließlich die EKD-Ratsvorsitzende Deutschlands! Ich möchte mit den Worten des Gottessohnes schließen und an Ihr Herz, liebe Frau Käßmann, und an Ihren lebendigen Geist appellieren, denn ich wünsche mir aus meinem tiefsten Herzen, dass es gelinge möge, die Empfindung, die Nächstenliebe und die Barmherzigkeit weit über das Goldene Kalb des Materialismus und der Globalisierung zu stellen und wirken zu lassen, wenigstens so lange es um das Christentum geht, welches doch den Willen Gottes als alleroberstes Gebot betrachtet, oder?

 

»Wer aber einem von diesen Kleinen,

die an mich glauben,

Ärgernis gibt,

dem wäre es besser,

wenn ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt

und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.«

Matthäus-Evangelium, Kapitel 18, Vers 6

 

Herzliche Grüße und ein gesundes Neues Jahr!

Eva Herman

 

 

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