Friday, 19. September 2014
08.09.2013
 
 

Pflichtgespräch zur Altersvorsorge – alltäglicher Betriebswahnsinn

Janne Jörg Kipp

Alltag in deutschen Unternehmen: Pflichtschulungen zur betrieblichen Altersvorsorge. Von vielen Betrieben gut gemeint, von fürsorglichen Unternehmern gestattet, geht es hier um eiskalten Vertrieb. Zwangsbeglückung auf Kosten und zu Lasten beider Seiten – wir raten ab.

Die Rente ist sicher, hat Norbert Blüm einst gesagt und damit inzwischen generationenübergreifend Altersarmut gefördert. Die Wahrheit lautet: Wer sich auf die staatliche Rente verlassen muss, ist verlassen. Oft geht es am Ende eines harten Arbeitslebens an die

gesetzlich definierte Mindestgrenze, sodass Rentner und Hartz-IV-Empfänger um das höhere Einkommen konkurrieren. Die staatliche Lösung ist wohlwollend formuliert gut gemeint: Förderung der privaten Vorsorge. Die Ergebnisse sind meist kolossal schlecht.

 

Die gesamte Vertriebsbranche für Finanzprodukte wird uns widersprechen, denn zahlreiche Musterrechnungen zeigen, wie vorteilhaft diese Strategie ist. Gefördert von steuerlichen Erleichterungen und staatlichen oder privaten Zulagen ergeben sich für viele Anlageformen enorme Nettorenditen. Und weil offenbar wie von Zauberhand Geld geschaffen werden kann, erhalten viele Vertreter bei gutmeinenden Unternehmen Zutritt zu betrieblichen Veranstaltungen. Oft sogar noch verbunden mit Anwesenheitspflicht.

 

Genau dies allerdings ist genau einen Schritt zu gut gemeint. Denn auf vielen dieser Veranstaltungen wird noch nicht einmal die Hälfte der Wahrheit erzählt. So werden die Musterrechnungen eigenem Erleben nach oft verkürzt um die späteren Steuerschulden, die sich antürmen. Eine Nettorendite von 2,5 oder drei Prozent wird naturgemäß geringer, wenn Sie die Erträge später wieder nach eigenem Einkommensteuersatz versteuern müssen.

 

Sicher: Es gibt Freibeträge und zudem ist der Steuersatz oft niedriger als während des Arbeitslebens, da das Einkommen niedriger liegt. Nur schwebt über allem das staatliche Damoklesschwert. Diese heute noch scheinbar harmlose Versteuerung kann jederzeit geändert werden. Staatlichen Bestandsschutz über die Regelungen zum Zeitpunkt des Abschlusses gibt es nicht.

 

Das heißt unvermeidlich: Wer solche langfristigen Verträge abschließt und bei der Kalkulation der Nettorenditen die aktuellen Gegebenheiten sowie eine permanente Einzahlung unterstellt, ignoriert quasi jede menschliche Erfahrung. Rechnen Sie mit dem Nichtkalkulierbaren: Arbeitslosigkeit, Krankheit, Liquiditätsbedarf, steuerliche Änderungen. Die Welt wird in zehn, 15 oder 20 Jahren anders aussehen als heute.

Zudem ignorieren die Musterrechnungen durch die Bank die Entwicklung der Inflation. In Deutschland beträgt die Inflationsrate durchschnittlich zwei bis 2,5 Prozent, wenn Sie zehn, 15 oder 20 Jahre zurückgehen. Nur haben wir im 20. Jahrhundert bekanntermaßen auch andere Zeiten erlebt. Und in den USA schnellt die inoffizielle Inflationsrate – gemessen an den Preisen von 1980 sowie 1990 und bei derselben Warenkorb-Zusammenstellung – gerade hoch auf mehr als fünf Prozent.

 

Wohlgemerkt: Wir reden von Zeiten ohne große Wirtschafts- oder Finanzkrise. Krieg findet in den großen westlichen Regionen nicht statt und noch haben wir asiatische Schwellenländer wirtschaftlich im Griff.

 

Auch hier gilt: Rechnen Sie mit dem Unmöglichen – einer steigenden Inflation. Vor diesem Hintergrund ist eine langfristige Rendite von zwei bis 2,5 oder auch nur drei Prozent für die Altersvorsorge viel zu niedrig. Wenn Sie von drei Prozent Rendite ausgehen und 2,5 Prozentpunkte Inflationsrate abziehen, bleibt nach Ableistung der Steuerpflicht in aller Regel unter dem Strich ein Minusbetrag.

 

Der Staat bedient sich von den Bruttoerträgen, und da wäre bereits eine 30-prozentige Steuer bei einer Rendite von drei Prozent mit einer Steuerlast von fast einem Prozentpunkt zu rechnen. Die wahre Steuerlast, bezogen auf die inflationsbereinigte Rendite, ist also wesentlich höher als die offiziell ausgewiesene.

 

Zu den Risiken gesundheitlicher Natur, der beruflichen Entwicklung, zum Liquiditätsbedarf und dem politischen Rahmen gesellt sich daher noch das Inflationsrisiko bei langfristigen Verträgen. Wenn Sie dazu die niedrigen Zinsen in Rechnung stellen und wissen, dass Sie den Vertrieb mitbezahlen, bleibt von der betrieblichen Altersvorsorge nicht viel.

 

Auch gutmeinende Unternehmen und Unternehmer sollten daher »Gespräche« über die betriebliche Altersvorsorge zumindest nicht zur Pflichtveranstaltung werden lassen.

 

 

 


 

 

 

 

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