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Nun gibt es neue Nachrichten: Es wird oftmals Fachkräftemangel propagiert, welcher dann jedoch nur auf sehr vereinzelte und spezialisierte Bereiche zutrifft, während ein Großteil jener Fachkräfte, an denen es angeblich mangelt, entweder zu Hartz-IV-Empfängern wird oder im günstigsten Fall entweder fachfremd oder prekär beschäftigt wird. Allerdings wird nun auch anderswo in der Presse immer häufiger zugegeben, dass dies tatsächlich die Wahrheit ist. Das ist eine gute Nachricht.
Fachkräftemangel, was ist das überhaupt? Im Prinzip ist doch hiermit der Mangel qualifizierter Arbeitskräfte in einem bestimmten Bereich gemeint, welcher derart groß ist, dass die Löhne und
Gehälter für die dort Beschäftigten sowie für diejenigen, die dort einsteigen, eigentlich traumhaft sein müssten. Genauso wie die weiteren Karrierechancen und Aufstiegsmöglichkeiten dort. Und je höher die Abschlüsse, die Qualifikationen und der Bildungsstand sind, desto umfassender müssten die Beschäftigten hier für die Zukunft eigentlich ausgesorgt haben. Alter, Geschlecht, Abschlussnoten und andere Sekundärmerkmale müssten in diesem Zusammenhang egal sein. Selbst wer mit über 50 noch umschulen will, sollte hier eigentlich einen guten Einstieg haben.
Und selbst wenn eine solche Person es wegen des reichlich späten Einstieges nicht mehr bis zum Vorstandsvorsitzenden, zum Aufsichtsrat oder zum Betriebsleiter bringen kann, so müsste für eine solche Person ein adäquater und gut bezahlter Job bis zur Pension doch denkbar sein. Genauso wie die betroffenen Unternehmen schon von sich aus Weiterbildungen und Umschulungen für Quereinsteiger anbieten müssten.
So sollte man jedenfalls meinen.
Dass dem nicht so ist, darüber berichten jetzt sogar in Deutschland sogenannte Qualitätsmedien. Tatsächlich werden nämlich im Bereich der Weiterbildungen und der Umschulungen die Arbeitsämter bereits seit Jahren vermehrt aktiv. Besonders gut erkennbar wird dies in einer Dokumentation des ARD. Nur dass die älteren Fachkräfte, an denen es ja angeblich mangelt, hier eher einer Beschäftigungstherapie unterzogen werden – an der letztendlich nur einige recht dubiose Bildungsträger verdienen –, die ansonsten jedoch im Nichts verpufft nach dem Motto: Außer Spesen nichts gewesen.
Wenn der offiziellen Behauptung vom Fachkräftemangel in der erwähnten ARD-Sendung bereits der Spiegel vorgehalten wurde, so dürfte der Artikel »Ingenieurmangel: Mit Karacho in den Schweinezyklus« in Spiegel Online noch ein weiteres Indiz für bereits jahrelange politische Lügen sein. Immerhin wird hier zugegeben, dass die Bundesregierung nur ausweichend auf eine parlamentarische Anfrage der Linken antwortete, ob sie das »Schlüsselproblem« konkret beziffern könne: Es könnten »nur begrenzt Aussagen dahingehend getroffen werden, welche Fachkräftebedarfe nach Branchen, Regionen und Qualifikationen zu einem bestimmten Zeitpunkt unternehmensgrößenspezifisch in Deutschland vorliegen«.
Und unter dem Absatz: »Mehr Absolventen als freie Stellen« wird darauf hingewiesen, dass bereits im November eine Studie aus dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Aufsehen erregte. »Der Fachkräftemangel sei in der Dimension, wie er von der Wirtschaft dargestellt werde, ein Trugbild.«
Wie der Daueralarm mit Studieninteressenten spielt und die Gehälter drückt, kann sich ein jeder unter diesem Link dann selbst durchlesen. Interessant zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang das Statement von Heinz-Josef Bontrup, Professor für Betriebswirtschaft an der FH Gelsenkirchen: »Die Verbände machen Lobbyarbeit für ihre Mitgliedsunternehmen, die haben Angst davor, dass die Gehälter steigen. Das können die Firmen vermeiden, indem das Angebot an Ingenieuren groß genug ist.«
Bontrup bezeichnet den Populismus der Verbände als »völlig verantwortungslos«. Im weiteren Text
wird dann die Frage aller Fragen gestellt, die da lautet: »Wenn Ingenieure so knapp sind, warum steigen dann nicht ihre Gehälter viel stärker?«
Mit Ingenieuren, oder besser ausgedrückt, arbeitslosen Ingenieuren beschäftigt sich auch folgender Spiegel-Online-Artikel mit dem Titel: »Arbeitslose Ingenieure. Wir wurden aussortiert«. Und siehe da, erstmals bekommt die Problematik hier ein Gesicht. Genauer ausgedrückt, sogar verschiedene Gesichter. Gesichter von Leuten, die nicht nur arbeitslos, fachfremd oder prekär beschäftigt, sondern darüber hinaus mutig genug sind, sich nun auch öffentlich und namentlich zu Ihrer Situation zu bekennen.
Vielfach ist hier von älteren Arbeitssuchenden die Rede. Und von einer hochqualifizierten Ukrainerin, die, obwohl angeblich eine höhere Frauenquote sowie ein Zufluss ausländischer Fachkräfte dringend nötig sind, trotzdem keine adäquate Beschäftigung erhält. Ebenfalls wird hier ein anderer Ausländer erwähnt, der bereits Probleme mit seinem ausländischen Namen hat. Diesmal aber nicht mit einem afrikanischen, arabischen oder türkischen Namen. Denn der gute Mann ist eingeborener Europäer und stammt aus unserem Nachbarland Belgien.
Ein weiterer Ausländer, diesmal Elektroingenieur und aus Marokko stammend, kann ebenso über einen Mangel an Problemen am Arbeitsmarkt nicht klagen. Soviel also zur europaweiten Flexibilität des Arbeitsmarktes. Wirklicher Fachkräftemangel sieht anders aus.
Positiv an all diesen neuen Berichten ist, dass die Problematik des angeblichen, oder besser gesagt, herbeigelogenen Fachkräftemangels hier endlich einmal ein Gesicht in Form der nachvollziehbaren Identitäten und Schicksale mehrerer Betroffener bekommt. Wobei es sich in diesem Fall ausschließlich um Ingenieure handelt. Von all den Naturwissenschaftlern und Informatikern sowie den vielen anderen Schicksalen, die sich ebenfalls mit denselben Problemen herumschlagen müssen, ist in diesen Berichten ja noch gar nicht die Rede. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass auch hier so langsam einiges an die Oberfläche kommt, werden weitere objektive Informationen auch bezüglich dieser Personenkreise hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen.
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