Friday, 1. July 2016
22.11.2011
 
 

Brauner Terror – eine Schattendebatte

John Lanta

Immer wieder ist erstaunlich, wie Politik und Medien mit wichtigen Fragen umgehen. Die jüngste Sau, die sie durchs deutsche Dorf treiben: die in ekelhafter Manier so getauften »Döner-Morde«. Hier soll nicht zum hundertsten Mal beleuchtet werden, dass ja nicht etwa Nahrungsmittel umgebracht wurden, sondern Mitmenschen – oder dass mit dem Wort ›Döner‹ eine Ferne signalisiert wird, die dem Töten in der Nachbarschaft nicht zukommt.

Das »Celler Loch« (1978), der Anschlag auf das Münchner Oktoberfest (1980) waren nur Kleinigkeiten. Hier geht es um mehr. Hier soll gezeigt und nachgewiesen werden, dass unsere Geheimdienste, Polizei und Bundeswehr ständig in blutigste Geschäfte verwickelt sind, in riesigem Ausmaß, in Deutschland, in Europa – und weltweit.

Seit Bestehen der Bundeswehr können ausgewählte Soldaten – aber auch Nachrichtendienstler – sich freiwillig für geheime Sonderkommandos in aller Welt melden, werden mit anderen Uniformen oder in zivil irgendwohin geflogen, töten Menschen und kehren zurück. Nie hat ein Bundesverteidigungsminister darüber ein Wort verloren, nie hat ein deutsches Medium diese Dinge aufgegriffen, weil offenbar sehr schnell der entsprechende Chefredakteur regierungsseitig

»eingenordet« wird: »Finger weg – nationales Interesse«. Allein, dass dieses Schweigen funktioniert, auch dann noch, wenn eine halbe Kompanie einen Einsatz (im Irak) nicht überlebt, beziehungsweise langsam an Krebs stirbt, wie es vor drei, vier Jahren ans Licht kam, das sollte zu denken geben. Diese Story wurde damals an ausgewählte Medien zur Recherche gegeben – ohne jeden »Erfolg«.

Doch auch das ist noch nicht entscheidend, noch nicht »groß genug«. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die »Terror-Lüge«, um das Vorspiegeln einer Sicherheitslage, die in guten Teilen selbstgebastelt ist. Zwei Autoren haben hier in Deutschland zur Aufklärung der Ereignisse und Tatsachen Bahnbrechendes geleistet: Christoph Hörstel mit der Einführung des Begriffs »Terrormanagement«, den er nach eigenen Angaben zuerst in seinem Landeskunde-Unterricht für ausgewählte Führungskräfte der deutschen ISAF-Truppe im Jahre 2006 einführte. Unter »Terrormanagement« versteht Hörstel das planmäßige Aussuchen, Trainieren, Ausrüsten und Anleiten von Terroristen durch Geheimdienste genau der Länder, in denen (unter anderem) diese Terrorschüler schließlich Anschläge durchführen sollen.[i]

Da geht es nicht nur um die »Al-Qaeda«, die zunächst auch ein CIA-gestütztes Netzwerk ist – und die sich ohne Genehmigung durch pakistanische Dienste keinen Meter weit bewegen könnte, wobei wiederum die pakistanischen Dienste ihrerseits ohne zumindest stillschweigende Genehmigung auch nur wenige Meter Spielraum haben, selbstverständlich abhängig von der Wichtigkeit der jeweiligen Fälle und Operationen. Hörstel beruft sich ausdrücklich auf einen  hochkarätigen Informanten aus dem Bundeskanzleramt, der ihm die Sachverhalte bestätigt habe – und immer noch an seinem Platz sitzt..

 

Besonders peinlich: Gerade die Islamische Jihad Union (IJU) wird vom ehemaligen britischen Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, als CIA-Gründung bezeichnet. Ausgerechnet diese IJU wiederum soll laut ex-Bundesinnenminister Schäuble und namhaften anderen auch unsere wackeren Terrorkrieger ausgebildet haben.

Jürgen Elsässer wiederum hat die wichtigsten Terroranschläge der letzten Jahre in Europa untersucht.[ii] Ergebnis: Ständig hatten die zuständigen Polizeien und Geheimdienste ihre Arme so intensiv im Spiel, dass sich dem Analysten eine spielführende Rolle aufdrängt. Wenn von zwölf Terroristen in Madrid (2004) fünf bei der Polizei sind, wenn die Sprengstoffübergabe von Lauschagenten live mitverfolgt werden kann, sogar auf mehreren Kanälen, wenn beim Londoner Attentat (2005) gleichzeitig eine Terrorübung ablief, deren Übungsszenario weitgehend so aussah wie der Anschlag selbst, wenn gelogen wird, die Bomben hätten in den Waggons gelegen, tatsächlich jedoch in den U-Bahn-Schächten versteckt waren, weswegen eben die Züge nicht auseinandergedrückt, sondern die Zugböden von unten ins Zuginnere hochgedrückt wurden – und so weiter: Dann liegt eben Terrormanagement durch staatliche Stellen vor, nichts Anderes.

 

Jetzt aber kommen die Heroen des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) und schwingen tolle Reden voller Entrüstung – vor allem über den Verfassungsschutz. Das wäre so, als wollte man sich bei einer fortdauernden Bankraubserie über die Polizei aufregen, weil sie Falschparker nicht verknackt. Und diese »Kontrolleure« hatte Hörstel bereits 2008 exakt über das Geflecht westlicher und pakistanischer Dienste mit Al-Qaeda informiert,[iii] hatte auf vermeidbare Verluste unter Bundeswehrsoldaten hingewiesen, hatte sogar in einem sicheren Drittland ein persönliches Gespräch mit einem der Versorger der IJU angeboten – sowie für einen oder zwei der Abgeordneten ein persönliches Gespräch mit dessen pakistanischem Agentenführer in dessen pakistanischem Büro. Und als niemand diese Angebote annahm – und die Informationen nach Jahren erkennbar keine politischen Konsequenzen hatten, sprach Hörstel öffentlich von einem »Parlamentarischen Komplizengremium« und wies noch humorvoll darauf hin, dass damit die markteingeführte Abkürzung »PKGr« erhalten bleibe.

 

Diese Tatsachen werden jede Woche am Dienstag im Kanzleramt im Lagebericht der Geheimdienste besprochen. Die Kanzlerin, sämtliche Ministerien, Parteichefs und Fraktionsführungen sind stets unterrichtet. Wir werden von einer erschreckend homogen verschworenen Terrormanagement-Truppe regiert. Diesen Leuten ist nichts zu teuer, um uns in Angst und Schrecken zu halten. Das heißt, sie wollen uns in Ruhe ausplündern, sonst würde sich der Aufwand ja nicht lohnen, für die Auftraggeber dahinter.

 

PS

Der ehemalige BKA-Mann von Wedel, der ein sehr interessantes Buch[iv] geschrieben hat, erzählte dem Autor, dass es ein ihm gut bekanntes und gern vom BND genutztes Umzugsunternehmen war, das den »Hassprediger« Reda Seyam mit Sack und Pack nach Deutschland brachte. Seyam war in das Attentat auf Bali verwickelt, sein Schweigen nach außen musste erkauft werden. Wedel ermittelte zu erfolgreich, deshalb bekam er Probleme. Ganz rührend klingt die Version von Wikipedia.

 

 


[i] Christoph R. Hörstel: Brandherd Pakistan, Berlin 2008, SS. 190ff, 279ff

[ii] Jürgen Elsässer: Terrorziel Europa, Graz 2008

[iii] Schreiben Hörstels vom 14.12.2008 liegt dem Autor vor

[iv] Michael von Wedel, Jürgen Kremb: Die Abrechnung, München 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

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