Sonntag, 11. Dezember 2016
24.01.2012
 
 

»Guttenberg war in schlechter Verfassung?« Was die Massenmedien uns 2011 verschwiegen haben

Laura Küchler

Ein großes Thema des vergangenen Jahres war die Plagiatsaffäre um Vorzeigeminister und Saubermann Karl-Theodor zu Guttenberg. Kaum ein anderer Politiker kann einen solchen Sprint die Karriereleiter hinauf vorweisen wie unser ehemaliger Verteidigungsminister. Der Freiherr mit den zehn Vornamen stammt aus einer alten und sehr wohlhabenden Adelsfamilie, sein Großvater war ebenfalls in der Politik, er war Ende der 1960er Jahre parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt. KOPP-Autor Andreas von Rétyi hat in seinem neu erschienenen Buch  Unzensiert 2012. Was die Massenmedien Ihnen verschweigen den hochspannenden Fall zu Guttenberg beschrieben: Was steckte wirklich hinter dessen rasantem Aufstieg und dem noch schnelleren Absturz?

Wie der Untertitel des Buches bereits verrät, bringt er Licht in die Verdunkelungsversuche der Massenmedien. Welche Fakten also konnten wir den großen Magazinen, Tages- und Wochenzeitungen und dem Fernsehprogramm im vergangenen Jahr, gerade auch im Fall des feinen Freiherrn, nicht entnehmen? Nachdem zu Guttenberg sein Abitur und den freiwillig um drei Monate verlängerten Wehrdienst hinter sich gebracht hatte, begann er 1992 an der Universität in Bayreuth ein Jurastudium, 1993 kam mit Politikwissenschaften, was er in München studierte, noch ein weiteres Studienfach hinzu. Von Rétyi kommentiert erfrischend sarkastisch: »Damit begann das Übel seinen Lauf zu nehmen.« Stimmt, denn wie man beim Weiterlesen in Unzensiert 2012 erfahren kann, war das nicht die einzige Belastung, die der engagierte junge Mann damals auf sich nahm: Verschiedene Aktivitäten in der CSU und weitere Tätigkeiten (er arbeitete unter anderem in der Forstverwaltung seiner Familie mit und war 1996 im Aufsichtsrat der Rhön-Kliniken) forderten

seine Aufmerksamkeit. Als er 1999 sein Studium mit dem ersten juristischen Staatsexamen abschloss, begann er mit dem Verfassen jener unglückseligen Schrift, welche später seiner Bilderbuchkarriere ein rasches Ende bereiten sollte. Gemeint ist seine Dissertation mit dem Titel Verfassung und Verfassungsvertrag.

 

Viele sahen im jüngsten Wirtschafts- und später ebenfalls jüngsten Verteidigungsminister den ersten wirklich authentischen Politiker der letzten Jahre. Er schien genauso adrett zu sein wie seine Frisur, er verkaufte sich gut und scheute sich auch nicht, als Verteidigungsminister umfassende Reformen der Bundeswehr einzuleiten. Viele Pluspunkte sammelte er zudem damit, dass er sich nicht wie viele andere Politiker hinter scheinheiligen Floskeln versteckte, wenn es um den durchaus umstrittenen Einsatz unserer Streitkräfte im fernen Afghanistan ging. Zu Guttenberg war der Erste, der öffentlich zugab, dass der Konflikt zumindest umgangssprachlich durchaus als »Krieg« zu bezeichnen sei, was besonders unserer Kanzlerin immer zuwider war. Immerhin wurde der Einsatz ab Februar 2010 dann offiziell in den Kontext eines »bewaffneten Konflikts« eingebettet. Zu Guttenberg hatte also Courage bewiesen.

 

So glatt, wie er es uns glauben machen wollte, lief es aber in der Karriere dieses Mannes nicht. Andreas von Rétyi enthüllt Fakten, die jeden, der damals zu den Begeisterten und Gutgläubigen gehörte und seine Hoffnungen auf den sympathischen CSUler setzte, nur desillusionieren können. Der Journalist bezieht sich auch auf einen Beitrag von KOPP-Autor Udo Ulfkotte, der bereits 2009 im Informationsdienst KOPP Exklusiv (Ausgabe 14/09) über die wahren Hintergründe von zu Guttenbergs Karriere berichtete. Der Lebenslauf des damaligen Wirtschaftsministers beispielsweise ist laut Rétyi eher Schein als Sein: Angeblich arbeitete er als »wirtschaftlicher Leiter« des Familienunternehmens der zu Guttenbergs, was allerdings von deren Seite nicht bestätigt werden konnte. Ganz im Gegenteil. Auf der Internetpräsenz der Von Guttenberg GmbH war in dieser Zeit folgende interessante Information zu finden: Wir informieren: Aufgrund nicht zutreffender Informationen (u.a. Focus online, Tagesspiegel, Spiegel online u.a. basierend auf einer dpa-Mitteilung) wird unser Fachgroßhandel (...) mit dem CSU-Generalsekretär Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg in Verbindung gebracht. Hierbei informieren wir Sie darüber, dass es sich um Fehlinformationen handelt.«

 

Die großartigen Erfahrungen, die ihn also zum Wirtschaftsminister befähigen sollten, waren schlicht und ergreifend überhaupt nicht vorhanden. Auch die vielgelobten »beruflichen Stationen« in den USA stellten sich nach Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung lediglich als Studienpraktika heraus. Wir sehen, der offenbar vielbeschäftigte und an jeder Ecke engagierte Saubermann hat große Teile seines Lebenslaufs aufpoliert. Ulfkotte stellte bereits Anfang 2011 die entscheidende Frage: »Wie schreibt man da nebenher eine wissenschaftlichen Anforderungen genügende Doktorarbeit? Guttenberg hat unterschrieben, er habe sie selbst verfasst.«

 

Diese Unterschrift war ebenfalls ein Fehltritt, wie sich nun bald herausstellen sollte: »Mitte Februar kamen dann die Fakten nach und nach auf den Tisch. Zuerst ging es um mehrere abgeschriebene Passagen, die in der Arbeit entdeckt worden waren. Als der Minister damit konfrontiert wurde, reagierte er natürlich verärgert. Dies sei abstrus.« Als dann auch noch die Internetplattform GuttenPlag Wiki ihre Arbeit aufnahm und nach einiger Zeit beweisen konnte, dass über neunzig Prozent der gesamten Dissertation aus Plagiaten besteht, war es um den Saubermann von einst geschehen. Der Mann, der aufgrund seines schlechten Staatsexamens eigentlich gar nicht als Doktorand geeignet war (nach einer großzügigen Spende an die Universität Bayreuth änderte sich das), verlor neben seinem Doktortitel auch alle politischen Ämter: Er trat in letzter Konsequenz am 1. März 2011 zurück.

 

Auch hervorragende Kontakte zum amerikanischen Council on Foreign Relations (CFR) halfen nicht, Guttenbergs Absturz zu verhindern. Vorerst. Bei dieser Gesellschaft handelt es sich um ein äußerst einflussreiches Gremium, das sich gerne als »Denkfabrik« bezeichnet und dessen Programm, wozu auch die »internationale Terrorismusbekämpfung« gehört, von David Rockefeller finanziert wird. Das CFR arbeitet eng mit seinem deutschen Ableger DGAP zusammen, der auch unter German Council on Foreign Relations firmiert und dessen Mitglied der Freiherr ist, wie auch viele andere einflussreiche Politiker und Wirtschaftslenker. Zu Guttenberg hat dieser Tage übrigens bekanntgegeben, für einen erneuten Wahlkampf der CSU nicht bereitzustehen. Er bleibe vorerst lieber mit seiner Familie in den USA. Was er da wohl noch zu tun hat?

 

 


 

 

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