Dienstag, 27. Juni 2017
07.05.2012
 
 

Weltuntergangsszenario: Giftkonzerne sorgen für weltweites Bienensterben

Laura Küchler

Es ist eine einzige Katastrophe: Eine internationale Aktivistengruppe hat für eine Petition fast eine Million Unterschriften gesammelt, um endlich die hochgiftigen Chemikalien vom Markt zu kriegen, die seit Jahren die Bienenbestände weltweit drastisch dezimieren. Doch die verantwortlichen BAYER-Hauptaktionäre scheren sich einen feuchten Kehricht drum: Die Abstimmung auf der Jahreshauptversammlung fiel zugunsten der Weiterführung der Produktion von Neonicotinoiden aus. Das bedeutet das Todesurteil für weitere Milliarden von Bienen, unheilvolle Folgen für das Leben des Menschen sind vorprogrammiert.

Diese Entscheidung in den Chefetagen eines der weltgrößten Chemiekonzerne bedeutet nicht nur

eine hochgefährliche Entwicklung im Umgang mit Pflanzen und Tieren, sie strotzt nicht nur vor Ignoranz und verantwortungslosem Gewinnstreben,  sondern sie hat auch weitreichende und einschneidende Konsequenzen für unser persönliches Leben.

 

 

Bienen mögen zwar zu den kleinsten Lebewesen auf unserem Planeten gehören – aber ohne sie würde unsere Nahrungskette vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten. Nun sind die für den natürlichen Ausgleich elementar wichtigen Bestäuber in akuter Überlebensgefahr: Riesige Felder werden mit giftigen Pestiziden besprüht, ein Massensterben der Bienen hat bereits vor Jahren eingesetzt. Viele Arten sind mittlerweile auf wenige Prozent ihrer ursprünglichen Stärke reduziert und bisher ist kein Ende des Unglücks in Sicht.

 

Den großen Chemiekonzernen, allen voran Bayer, liegt jedoch offenbar nichts am Erhalt der Artenvielfalt der Natur. Eine von avaaz.org ins Leben gerufene Online-Petition mit fast einer Million Unterzeichnern konnte die Bayer-Aktionäre letzte Woche nicht umstimmen: Die Produktion der todbringenden Gifte geht weiter – und mit ihr der Export.

 

Bayer ist der größte Hersteller der betroffenen Chemikalien weltweit, der Hauptsitz des Konzerns ist hier in Deutschland. Obwohl die vielen Proteste Bayer bisher nicht dazu bringen konnten, ganz von der Herstellung dieser schädlichen Sorte von Pestiziden abzusehen, haben die ersten vier Länder Europas schon reagiert: Auch in Deutschland dürfen seit 2008 keine Felder mehr mit bestimmten für Bienen schädlichen Chemikalien gedüngt werden. Diese Verbote sind jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, bedenkt man, dass Bienen weltweit 90 Prozent aller von uns angepflanzten Pflanzen bestäuben und somit am Leben erhalten. Das ist nach Schätzungen ein Drittel der in vielen Ländern der Welt verfügbaren Nahrung, welche zudem einem monetären Wert von 40 Milliarden Dollar entspricht.

 

Außerdem sind alle noch so wichtigen Verbote nutzlos, wenn wiederholt massive Ausnahmen genehmigt werden, wie es besonders beim Maisanbau und der Behandlung der Maisfelder mit Chemikalien wie Clothianidin immer wieder vorkommt. Clothianidin soll die Maispflanzen vor Drahtwurmbefall schützen. Trotz sehr strenger Auflagen für die Landwirte bleibt die Gefahr für die Bienen bestehen, denn sie haben teilweise Flugradien von fast zehn Kilometern. Zudem wird der ertragreiche Maisanbau immer weiter ausgebaut, was die Dichte an für Bienen gefährlichen Regionen deutlich erhöht.

 

Imker sind hilflos und empört über den laschen Umgang mit Verboten und Ausnahmeregelungen, züchten sie doch mitunter jahrelang an einem Bienenvolk und sind vom Ertrag ihrer Bienen abhängig. Auch die Schadensersatzzahlungen in Höhe von zwei Millionen Euro, die der Bayer-Konzern bereits freiwillig an die betroffenen Imker geleistet hat, reichen ihnen im Vergleich zu der geleisteten Arbeit und der Höhe des Verlustes niemals aus.

 

Auch die Vielfalt unseres Speiseplans ist unmittelbar von dem Massensterben der Bienen bedroht: Es geht schon lange nicht mehr nur um das köstliche Honigbrötchen, dass wir morgens zum Kaffee essen. Da Bienen wie bereits erwähnt einen Großteil der Pflanzen, die unsere Nahrung hervorbringen, bestäuben, kann es schnell mit der Auswahl vorbei sein. Denn: Wenn die Pflanzen nicht mehr bestäubt werden, vermehren sie sich nicht mehr, und verschiedene Obst- und Gemüsesorten könnten genauso verschwinden wie Nüsse oder Getreide. Ganz zu schweigen davon, dass mancherlei Pflanzen auch Tieren als Nahrungsquelle dienen. Die Folgen dieses verantwortungslosen Handelns sind gewaltig.

 

Schnelle Reaktionen auf die Weiterverbreitung dieser Pestizide sind absolut notwendig, die Zeit drängt. Der Biologe Dr. Mickaël Henry hat die Reaktionen von Bienen auf bereits sehr geringe Mengen der gefährlichen Chemikalien untersucht und ist gemeinsam mit seinen Kollegen vom französischen Institut national de la recherche agronomique zu äußerst beunruhigenden Ergebnissen gekommen. In einem Radiointerview sagte er:

 

»Wir haben mit kleinsten Dosen des Insektengifts gearbeitet, verglichen mit den Mengen, die normalerweise Bienen töten. Wir haben herausgefunden, dass das Mittel das Verhalten der Bienen verändert. Thiamethoxam verwirrt die Sammelbienen, so dass sie sich verirren. Füttert man Bienen mit dieser schwachen Insektiziddosis, ist für sie das Risiko zwei- bis dreimal größer, auf dem Weg zurück zum Stock zu verschwinden als für jene Bienen, die nicht damit in Kontakt gekommen sind«.

 

Weiterhin führt Dr. Henry aus, dass es schnell um die Existenz eines ganzen Bienenvolks gehen kann, denn wenn die Zahl der sich verirrenden Bienen die der jungen, nachkommenden Bienen übersteigt, dezimiert sich ein Bienenvolk sehr rasch und kann keine Vorräte mehr für den Winter anlegen. Die kalte Jahreszeit kann somit seinen Tod bedeuten.

 

Das Gleichgewicht der Natur ist sehr empfindlich und benötigt unseren Schutz, denn auch wenn man es beim Einkauf im angenehm klimatisierten Supermarkt schnell vergessen kann: Der Mensch ist ebenfalls ein Teil der Natur und somit von ihr in jeder Hinsicht absolut abhängig!

 

Auch die Aktivisten von avaaz.org haben das erkannt und wollen sich dem Bayer-Konzern gegenüber nicht geschlagen geben. Auf ihrer Internetseite heißt es zum Thema: »Halten wir den Druck aufrecht – unterzeichnen Sie die Petition und erzählen Sie Freunden und Bekannten davon. Sobald wir eine Million Unterzeichner erreichen, übergeben wir die Petition direkt an den Vorstand und den Aufsichtsrat von Bayer. Als nächstes rufen wir nach starken Gesetzen zur Rettung der Bienen«.

 

Wenn auch Sie einen Beitrag zur Rettung der Bienen leisten wollen, können Sie die Online-Petition hier unterzeichnen.

 

Der Kampf um das Leben der Bienen geht also in eine nächste Runde. Warum übergeordnete Institutionen und Regierungen nicht beherzt eingreifen, ahnt man leider: In Zeiten wie diesen regieren alleine noch Kurzsichtigkeit, Gewinnmaximierung und Kostensenkung. Den Folgen dieses unverantwortlichen Handelns verschließt man sich einfach. Lange geht das natürlich nicht mehr, und dann ist es zu spät. Und zwar für uns alle.

 

Wie heißt es doch: Sterben die Bienen aus, so stirbt auch der Mensch. Der deutsche Nobelpreisträger Albert Einstein brachte es noch deutlicher zum Ausdruck: »Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr!«

 

 


 

 

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