Freitag, 24. Februar 2017
30.11.2015
 
 

Deutschland und der Islam: Eine Kampfansage an »das große Appeasement«

Markus Gärtner

Er schrieb für die Süddeutsche, die FAZ und den Focus, bevor er zu Cicero wechselte. Alexander Kissler ist vom Werdegang her ein Systemjournalist, ein Mainstream-Mann. Trotzdem hat er sich vom blanken, kritikfreien Willkommens-Mantra der Massenmedien abgekoppelt und sein viel beachtetes Buch Keine Toleranz den Intoleranten geschrieben. Es ist im Gütersloher Verlagshaus im August 2015 erschienen, wurde also geschrieben, bevor ARD, ZDF und die Zeitungen den Zustrom der Flüchtlinge nach Deutschland wie Angela Merkels Erziehungsministerium begleiteten und jegliche Kritik am Asylrausch in die Nazi-Ecke verdonnerten.

 

Kissler erklärt den Lesern in seinem Buch, »warum der Westen seine Werte verteidigen muss« anstatt sich in »vorauseilenden Unterwerfungsgesten« zu üben, nur um »weiter an der Illusion festhalten zu können vom friedlichen Nebeneinander von Freiheit und Freiheitsfeindschaft«.

 

Würden Kisslers Ausführungen im Vorwort des Buches bei einer Demonstration von PEGIDA geäußert, die Leitmedien hätten sie umgehend als »rechtspopulistisch« gebrandmarkt. Das sind sie aber nicht. Kissler bleibt derlei platte und haltlose Kritik erspart. Hoffentlich nicht nur, weil er den Stallgeruch jener etablierten News-Branche trägt, die platte Propaganda der realistischen und unvoreingenommenen Betrachtung vorzieht.

 

Kisslers Diagnose könnte aus der Zeit NACH den Anschlägen in Paris am 13. November stammen: »Dem Westen also und den Juden als dessen Exponenten ist der Krieg erklärt worden – nur von einer kleinen Minderheit der Muslime, aber in einem Tonfall der Rechtfertigung und der Anklage, der Brücken baut zum Mehrheitsislam.« Warum traut sich kaum jemand sonst im Mainstream, das so deutlich zu sagen? Stattdessen bekommen wir jeden Tag diesen Quatsch serviert, der radikale Islam habe mit dem Islam nichts zu tun.

 

Kissler hat sich laut seinem Vorwort als Autor mühsam und aufwändig fit für das Buchprojekt gemacht. Man sieht es am besten an den vielen Beispielen, mit denen er seine Thesen untermauert. Das Buch profitiert von einer Fülle aktueller Bezüge und Anschauungsmaterial.

 

Während die Terrorbrigaden des IS kulturelle und religiöse Pfeiler des Abendlandes wie Rom, Athen und Jerusalem ins Visier nehmen, fallen Politik, Medien und Kirchen laut Kissler durch »pure Halt- und Haltungslosigkeit« auf: »Aus Angst wie aus Bequemlichkeit regiert in Ansehung des militanten Islam das große Appeasement«, schreibt er. Ja, es ist Angst, die ihn umtreibt, besonders beim Blick nach vorn:

»Ich frage mich, wie lange ich hier auf den Straßen von Berlin mich noch frei und sicher werde fühlen können, ohne in jedem abweisenden Gesicht einen Attentäter in spe zu sehen und mich nicht aus dem Haus zu trauen.«

Dass der Westen sich weitgehend selbst in diese Richtung bewegt, hat nicht nur mit dem Messer der Terroristen an dessen Hals zu tun, sondern auch mit der Schere, die viele von uns im Kopf haben.

 

Das ist der Grund, warum der Autor ein ganzes seiner zwölf Kapitel der Beschreibung widmet »Wie der Westen sich abschafft, die Freiheit zensiert und dabei trotzdem schrecklich guter Laune ist«. Das ganze Buch ist ein großes Staunen darüber, wie viel Toleranz unsere Zivilisation ihren erklärten Feinden entgegenbringt.

 

Eines der stärksten und einprägsamsten Bilder, die Kissler in dem Buch nutzt, stammt von dem Comic-Zeichner Ralf König, der eine Pariser Modenschau mit drei vollverschleierten Wesen nachgestellt hat. In dem Bild sieht man, wie sich drei vollverschleierte Wesen in je einem schwarzen, dunkelgrauen und signalblauen Gewand über einen roten Steg bewegen. Darunter heißt es: »In der kommenden Modesaison präsentieren sich Meinungsvielfalt, Pressefreiheit und Sinn für Satire in vorbildlich tolerantem Outfit.«

 

Das Bild illustriert, so Kissler, wie der Westen sich in falsch verstandener Toleranz zu einem Leichenredner in eigener Sache macht: »Toleranz ist dann selbst ein Schleier, der verbirgt und verrät, wofür einzutreten ihm aufgetragen war, als seine Anwälte noch Locke und Voltaire hießen: die Freiheit der abweichenden Meinung und des anderen Bekenntnisses, nicht deren Alleinherrschaft.«

 

Vom Karlsruher Kopftuch-Urteil über die Rolle der Frau in der Gesellschaft – wo sich die Unvereinbarkeit von Islam und christlich geprägtem Abendland am deutlichsten offenbart - bis hin zu den Pariser Anschlägen, die Kissler aus zeitlichen Gründen nicht mehr in seinem Buch berücksichtigen konnte, spannt er einen langen Bogen vielsagender Ereignisse und Beispiele. Sie bringen seine Forderung »Keine Toleranz den Intoleranten« insgesamt gut lesbar, anregend und in wohltuender Deutlichkeit auf den Punkt.

 

 


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