Thursday, 30. June 2016
26.08.2015
 
 

Gelbe Kriminalität: Wird am Gold-Markt die größte Gaunerei der Geschichte gelüftet?

Markus Gärtner

Die EU-Kommission geht Manipulationsvorwürfen im Handel mit Gold und Silber nach. Bei großen Banken herrscht helle Aufregung. Kritische Beobachter der Edelmetall-Märkte sind jedoch kaum überrascht von der Enthüllung. Sie wissen: Die Manipulation des Goldmarktes erreicht ein nie da gewesenes Ausmaß, weil die Konsequenzen exzessiver Schuldenpolitik versteckt werden sollen. Ein niedriger Goldkurs ist eine gute Tarnung. Doch selten sprachen mehr Gründe für den Erwerb der Edelmetalle.

 

Alle kaufen Gold, aber man sieht es den Kursen kaum an. Münzprägeanstalten kommen mit der Herstellung kaum nach, so werden sie rund um den Globus mit Bestellungen bombardiert. Doch der Goldpreis ist seit Jahresbeginn um vier Prozent eingeknickt. Im Zwölf-Monats-Vergleich beträgt der Rückgang zwölf Prozent.

 

Weil es immer offensichtlicher wird, wie stark Investmentbanken an den Futures-Märkten mit Papieraufträgen, die nicht durch physisches Gold unterlegt sind, die Kurse nach unten peitschen, haben jetzt auch die Marktaufseher keine andere Wahl mehr: sie müssen einem der größten Preis-Komplotte auf dem Planeten endlich nachgehen.

 

Deutsche Leitmedien heben in den bisher noch wenigen Berichten hervor, dass es sich lediglich um »vermutete Unregelmäßigkeiten« handle sowie um »mutmaßlich wettbewerbswidriges Verhalten«. Das klingt eher nach einer kleineren Gaunerei. Auf amerikanischen Finanzseiten liest sich das jedoch ganz anders.

 

Die Webseite »Activist Post« (»Aktivisten-Anzeiger«) bringt heute wie viele andere Blogs und Nachrichtenseiten in der englischsprachigen Welt einen Beitrag von Dave Kranzler, einem ehemaligen Ramschanleihen-Händler, der jetzt mit Sitz in Denver Edelmetall-Fonds verwaltet. Laut Kranzler handelt es sich bei den Eingriffen in den Goldmarkt um den »größten Finanzskandal in der amerikanischen Geschichte«. Aufgrund der engen globalen Verzahnung der Finanzmärkte dürfen wir also davon ausgehen, dass das auch für Deutschland gilt.

 

Wir alle haben noch gut die vielen Berichte – und Milliardenstrafen – zur Manipulation von Interbanken-Zinsen, Derivaten, Wechselkursen und anderen Referenzwerten oder Produkten des Finanzsystems in frischer Erinnerung. Verschiedene Großbanken legen für ihre Betrügereien seit Jahren mehr Geld hin als sie an ihre Aktionäre ausschütten.

 

Dass ausgerechnet jetzt (endlich) die Märkte für Edelmetall stärker ins Visier der Finanzfahnder geraten, ist kein Zufall. In weiten Teilen Europas wachsen die öffentlichen Schulden schneller als die Wirtschaftsleistung. In den USA wächst der Schuldenberg seit Beginn des Jahrhunderts zwei Mal so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt.

 

Zusammen mit der exzessiven Geldvermehrung der Notenbanken von Washington über Frankfurt bis nach Tokyo höhlt das den Wert unserer Währungen aus. Weil der Anteil der öffentlichen Schulden, die nicht mit physischem Gold hinterlegt werden können, eskaliert, wird ernsthaft das Vertrauen in das Fiatgeld strapaziert. Viele haben dieses Vertrauen bereits verloren.

 

Der Goldpreis müsste in diesem Umfeld rasant ansteigen. Tut er aber nicht. Der Grund sind jene illegalen Markteingriffe im großen Stil, die Behörden in Europa und den USA in den kommenden Monaten zutage fördern werden. Jedenfalls wenn sie genau hinschauen, was noch keineswegs klar ist.

 

Man braucht aber keine Staatsanwälte und Finanzfahnder, um den Betrug zu entlarven. Ein Blick auf die jedermann zugänglichen Umsatz-Statistiken von Waren-Terminbörsen wie der COMEX genügt.

 

Dort sieht man, dass mit Papieraufträgen ein Vielfaches desjenigen Goldes gehandelt wird, das auf Wunsch für die vereinbarten Kontrakte ausgeliefert werden müsste. Immens große Verkaufsaufträge, die nie eingelöst werden, weil es nur um schnelles Geld geht, pressen den Goldpreis zuverlässig und in immer neuen Schüben zu Boden. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern simple Google-Recherche.

 

Im Internet kursiert ein Schaubild, das zeigt, wie viel größer der Umfang noch offener Papierkontrakte für das Gold in Relation zu dem tatsächlich verfügbaren physischen Gold ist. Die Relation ist 117:1. Würden alle Teilnehmer am Futures-Markt der COMEX auf die Auslieferung des Goldes bestehen, mit dem sie in ihren Kontrakten wetten, bräuchte man also 117 Mal das in den Lagerhäusern befindliche (tatsächlich vorhandene) Gold.

 

Die Manipulation hat sich seit 2011 stark beschleunigt. Das zeigen Charts, die den Goldpreis mit dem Volumen der Liquidität, die Notenbanken geschaffen haben, vergleichen. Bis 2010 laufen diese beiden Kurven einigermaßen parallel. Das bedeutet: Der Goldpreis ging bis zum Beginn des laufenden Jahrzehnts mehr oder minder im Gleichschritt mit der Geldschwemme, die Notenbanker anzettelten.

 

Im Verlauf des Jahres 2010 ging diese Gleichläufigkeit verloren. Und seit 2013 bricht das Gold gegen die ansteigende Kurve des von Notenbanken aus dem Nichts geschaffenen Geldes völlig ein. Dies macht deutlich, wie stark der Goldpreis nach unten manipuliert wurde, um keine Panik über die zerstörte Substanz unserer Währungen aufkommen zu lassen.

 

Der Glaube an das Fortbestehen des uns bekannten Finanzsystems mit dem Dollar als Anker wird mit einem Aufwand – und einer Skrupellosigkeit – beeinflusst, der dem Bau der Pyramiden vergleichbar ist. Doch im Vergleich zu den ägyptischen Bauwerken haben wir es hier mit einem Kartenhaus zu tun. Und niemand weiß, ob wir nicht schon seit ein paar Tagen mit den heftigen Börsenturbulenzen dem beginnenden Einbruch dieses Kartenhauses beiwohnen.

 

Der Goldpreis lässt sich nicht mehr lange gegen die Marktkräfte nach unten zwingen. Denn von der Weltkonjunktur über regionale Konflikte bis hin zu schwelenden Schulden- und Währungskrisen sind wir umringt von Faktoren, die eindeutig für die Edelmetalle sprechen.

 

Topmanager der Minengesellschaften, die Gold abbauen, weisen zudem darauf hin, dass in den kommenden Jahren aufgrund der gesunkenen Gold-Notierungen mit weiteren Einschränkungen der Produktion zu rechnen ist, was den Preisen Auftrieb verleihen dürfte. So sagt der Chef von Gold Fields laut den GoldSeiten ab 2018 einen »starken Rückgang« der Förderung vorher.

 

Und im Newsletter »Sicheres Geld« macht Herausgeber Dimitri Speck auf die Prognosen des amerikanischen Zyklen-Spezialisten Larry Edelson aufmerksam.  Speck verweist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass eine Reihe bekannter und weniger bekannter Zyklen-Theorien für die kommenden Jahre bis zum Ende des Jahrzehnts im Gleichschritt eine Abwärtsbewegung prognostizieren.

 

Das gilt für die bekannten Kondratjew-Wellen ebenso wie für die nach dem französischen Konjunkturtheoretiker Joseph Kitchin benannten Zyklen und den Juglar-Zyklus, den der französische Mediziner und Konjunkturforscher Clement Juglar aufstellte.

 

Larry Edelson hat laut Speck den 7. Oktober dieses Jahres als eine »langjährige Trennlinie zwischen zwei Epochen« definiert. An diesem Tag soll es einen Wechsel geben zwischen unserer Ära, in der die Schulden massiv und rücksichtslos wachsen, und einer neuen Zeitrechnung, in der »die Sünden der Vergangenheit aufgearbeitet werden müssen«.

 

Egal, ob diese wegen ihrer Präzision gewagte Prognose zutrifft oder nicht: Die entscheidende Frage ist, ob uns das hoch-oktanige Finanz-Universum, das Notenbanken bis zur Unkenntlichkeit aufgebläht haben, nicht vorher um die Ohren fliegt. Die ersten Hinweise darauf haben wir in den vergangenen Tagen bereits gesehen.

 

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (38) zu diesem Artikel

28.08.2015 | 15:46

Heinz

Ich sprach mit einem GF von Proaurum in Duesseldorf, ich wuerde sein Geschaeft nicht ganz verstehen. Warum verkauft er Metalle (von WERT) gegen Papiergeld ohne Wert :-) nach einigem Druck, sagte er mir: Frau X, was sollen wir denn machen? Da Deutschland aber weiterhin besetzt ist, kam mir spaeter noch ein anderer gedanke, weil wir ja noch im Krieg sind, sind Kriegslisten erlaubt. Den Rest muss man selber denken :-)


27.08.2015 | 20:08

Hector

Statt Grexit Transferunion von Prof. Dr. Eberhard Hamer http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2216 Griechenland kommt nicht raus aus der Tragödie Euro-Europa zeigt immer mehr die Fratze der Diktatur | von Karl Müller http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2217 Nr. 22, 18. August 2015 «Wir wünschen uns ein Europa, das seine Unabhängigkeit und Souveränität stärker zeigt» Interview des Westschweizer Fernsehens RTS mit dem russischen Präsidenten Wladimir...

Statt Grexit Transferunion von Prof. Dr. Eberhard Hamer http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2216 Griechenland kommt nicht raus aus der Tragödie Euro-Europa zeigt immer mehr die Fratze der Diktatur | von Karl Müller http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2217 Nr. 22, 18. August 2015 «Wir wünschen uns ein Europa, das seine Unabhängigkeit und Souveränität stärker zeigt» Interview des Westschweizer Fernsehens RTS mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2214 Nachdenkseiten Weblog nach Albrecht Müller ("Die Reformlüge") http://www.nachdenkseiten.de «Der Schweizer Sonderfall – ein ziemlich einzigartiges Erfolgsmodell» von Thomas Kaiser http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2208 Die USA werden gegen die Achse Moskau–Peking den kürzeren ziehen Interview mit Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=2209 Peak Oil und 9.11. http://www.fromthewilderness.com


27.08.2015 | 16:50

veysel atayman

Aus Bloch´s "Atheismus im Christentum: Gott will, dass man glaubt, dass es ihn gibt, der Teufel, dass man nicht glaubt, dass es ihn gibt. Das Verhaeltnis 117 zu 1 ist ja etwas Erfundenes, um unser Glauben an die Zuverlassigkeit des kapitalistischen Systems samt seiner Institutionen (Apparate, including Fachmaenner, Bürokraten, politischen Parteien etc ) zu erschüttern. Oder glauben Sie doch, dass es den Teufel gibt?


27.08.2015 | 13:03

Yarsin

Die Perversion, mit Leerhandel aus dem Nichts Gewinne zu erzielen ist eine Ohrfeige für jeden arbeitenden Bürger, der nur gerade so über die Runden kommt. Die Wertschöpfung ohne physischen Gegenwert ist die Seuche unseres Jahrhunderts. Fast alle haben sich davon anstecken lassen und mindestens eine Riesterrente abgeschlossen. Die Unsummen, die dadurch der Versicherungs- und Spekulationsindustrie zur Verfügung gestellt werden verteuern unser aller Leben, führen uns in finanzielle...

Die Perversion, mit Leerhandel aus dem Nichts Gewinne zu erzielen ist eine Ohrfeige für jeden arbeitenden Bürger, der nur gerade so über die Runden kommt. Die Wertschöpfung ohne physischen Gegenwert ist die Seuche unseres Jahrhunderts. Fast alle haben sich davon anstecken lassen und mindestens eine Riesterrente abgeschlossen. Die Unsummen, die dadurch der Versicherungs- und Spekulationsindustrie zur Verfügung gestellt werden verteuern unser aller Leben, führen uns in finanzielle Hörigkeit und beschleunigen den Niedergang der Werte (Nächstenliebe, Menschlichkeit, Ethik, .....). Wir haben die Zügel für unsere Zukunft den Geiz ist Geil Hirnis in die Hände gegeben und der Karren rollt auf den Abgrund zu. Ob oder was da aufgedeckt wird ist im Grunde egal. Das einzig was uns retten kann ist diesen Wahnsinn zu beenden.


27.08.2015 | 12:35

Leo

Bernhard wird Recht haben; ob man dieses Paphlet liest oder nicht, oder man im Kaffeesatz liest oder nicht...Aussagen ohne Beweise sind Behauptungen oder Glaubensbekenntnisse! Und an den Autor des Artikels: Lieber Markus Gärtner, machen Sie den 7. Oktober 2015 doch zu Ihrem persönlichen Feiertag!


27.08.2015 | 12:30

Kai Becker

@pino: Von wegen Angebot und Nachfrage! Fakt ist doch, daß Kauf und Aufbewahrung physischen Goldes
aufwendig und kostenintensiv sind. Da kauft der schlaue Anleger doch lieber ein Stück Papier, auf dem die Lieferung von Gold "garantiert" wird - vom wem? Letztlich von Banken, an deren Seriosität und Glaubwürdigkeit keiner zweifeln kann, wie ja die letzten Jahre überdeutlich erwiesen haben ;-). Und jeder in der Finanzwelt weiß Bescheid

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