Monday, 30. May 2016
02.12.2014
 
 

Zündschnur auf der Zielgeraden: Der Nachrichtenfluss offenbart eine Welt auf dem Zahnfleisch

Markus Gärtner

Die Mega-Nachrichten kommen fast schon im Minutentakt. Sie künden alle davon, dass unsere Welt mit explodierenden Schulden, dümpelndem Wachstum, korrumpierter Politik und wachsender Wut im Wahlvolk am Rande des Erträglichen angekommen ist. Wie weit ist es bis zum Kliff? Das kann niemand sagen. Aber es riecht quasi so, als hätte das Grande Finale begonnen.

 

Man schaue sich den Nachrichtenfluss der vergangenen Tage an: Der Ölpreis kollabierte allein am Freitag um zehn Prozent. Das ist ein Ausschlag, der eine ganze Industrie − und unsere von Energie abhängige Welt gleich mit − auf den Kopf stellt.

 

Der russische Rubel beschleunigte zu Wochenbeginn wegen der kollabierenden Öl-Notierungen seinen Absturz dramatisch. Russland schleudert einem wirtschaftlichen Kollaps entgegen, der das Ende der Ära Putin einleiten könnte. Ein Ziel, das im Drehbuch von Washington höchste Priorität genießt.

 

In der Nacht auf Montag gab außerdem der Energiekonzern E.ON die radikalste Zäsur in der deutschen Wirtschaftsgeschichte bekannt. Der größte private Versorger der Welt wirft auf einen Schlag das konventionelle Geschäft mit Atom, Gas und Kohle über Bord.

 

Das klingt für den flüchtigen Beobachter nach einem simplen Kurswechsel. Doch es ist eine Revolution, die sämtliche Strommasten im Land schwingen lässt. Hier geht es um die radikale Umwälzung der Energiemärkte und den gnadenlosen Kampf großer Konzerne, bei deren Umbau das Zepter zu schwingen.

 

Es sind aber nicht nur Wirtschaftsnachrichten, die Schockwellen auslösen. In Italien kommt Ex-Premier Berlusconi auf die Bühne zurück und verlangt, die Lira als Parallelwährung zum Euro einzuführen. Eine solche Meldung hätte vor Jahren ganz Europa wochenlang in Atem gehalten. Jetzt kommt sie als eine von vielen Zombie-Nachrichten daher, die wir täglich zu verdauen haben.

 

In Frankreich feiert Ex-Präsident Sarkozy derweil sein Comeback als Chef der Konservativen. Ganz nebenbei erfahren wir, dass Griechenland ein weiteres Hilfspaket bekommt. Zehn Milliarden Euro als »vorsorgliche« Finanzhilfe.

 

Seit wann werden eigentlich Rettungsboote ausgeworfen, bevor das Schiff zu schwanken beginnt? Nur wenn der Kapitän weiß, dass es auf jeden Fall absäuft. Die Ankündigung des neuen Hilfspakets schleicht sich durch den Hintereingang, nachdem uns mindestens seit 2013 versichert wurde, dass es kein weiteres geben würde.

 

Heimlich, still und leise wird auch die Austeritäts-Politik ausgesetzt. Sie führte sowieso nicht zum Sparen, sondern höchstens zu reduzierten Defiziten.

 

Doch am Freitag kündigte EU-Kommissionschef Juncker an, die großen Defizitsünder Italien und Frankreich nicht abzustrafen, während Bundesfinanzminister Schäuble in einem Radio-Interview zu Protokoll gab, kein großes Aufheben darum zu machen und sich stattdessen der Defizit-Verletzungen im kleinen Kreis anzunehmen. Was soll hier verheimlicht oder versteckt werden?

 

Schon vor ein paar Tagen gaben drei der führenden Notenbanken, die seit der Finanzkrise fanatisch die Welt mit Liquidität überfluten, eine neue Runde monetärer Eskalation bekannt. Die People´s Bank in Peking, die EZB in Frankfurt und die japanische Notenbank öffnen die Geldschleusen noch weiter.

 

Die Fed in den USA dürfte nicht lange auf sich warten lassen, wenn das Deflationsmonster weiter seine Kreise zieht.

 

Was haben all diese Nachrichten gemeinsam? Ganz einfach: Sie signalisieren eine Welt, der nichts Besseres mehr einfällt, um ihre bekannten Probleme zu überwinden. Eine immer höhere Dosis derselben Arznei – sprich Politik – zum Lösen der alten Probleme, die bisher mit demselben Rezept nicht gelöst worden sind.

 

Frankreichs Konservative »zaubern« mangels Alternativen ausgerechnet den Verlierer der vergangenen Präsidentenwahl aus dem Hut, um 2017 den Sozialisten Hollande abzulösen, dem die Wähler in Umfragen bekanntlich völliges Versagen bescheinigen.

 

Hier ist nur EINE Schlussfolgerung erlaubt: Entweder hat Europa keine besseren Leute, oder die alten, die uns den ganzen Schlamassel aus Schulden und Stagnation eingebrockt haben, mauern erfolgreich gegen jegliche Veränderung. Es trifft bei genauem Hinsehen beides zu.

 

Die Notenbanken schöpfen unterdessen NOCH mehr neues Geld, obgleich die Liquiditätsfluten der vergangenen Jahre weder die Arbeitsmärkte deutlich belebt, noch jene Inflation beschert haben, die die horrenden Schulden kosmetisch »beseitigen« soll.

 

Die zunehmende Duldung der Budget-Defizite in den großen Volkswirtschaften der Euro-Zone stellt derweil ein weiteres Eingeständnis dar, dass unsere politische Kaste keine Ideen hat, wie sie uns aus der Dauermisere führen kann. Und das bei biblischen Geldfluten sowie Zinsen, die seit Jahren am Boden sind.

 

Der beste Beleg dafür, dass es langsam richtig eng wird, ist eine andere Beobachtung: Das Establishment aus Finanzwirtschaft, Politik und Leitmedien verbarrikadiert sich hinter wachsenden Barrikaden.

 

Politiker reagieren auf die letzten kritischen Fragen, die noch gestellt werden, allergisch. Jean-Claude Juncker verweigerte der Süddeutschen Zeitung und dem NDR ein Interview mit der Begründung, die eingereichten Fragen seien »widerlich«. Jede Frage, so der Ex-Premier der Steuer-Fluchtburg Luxemburg, sei »ein Angriff«.


Wie sieht unsere politische Kaste eigentlich diese Welt, wenn sie berechtigte Fragen in einer pluralistischen Demokratie als Attacke und Majestätsbeleidigung empfindet? Sicher nicht als eine, in der Stimmen aus dem Wahlvolk aufgenommen und in politische Entscheidungen für die Wähler umgemünzt werden.

 

Und welche brauchbaren Informationen kommen unten bei Wählern, Sparern, Familien und Mittelstand an, wenn die Leitmedien so viele Alarmsignale übersehen und die Berichterstattung so einseitig werden kann wie im Falle des Ukraine-Konflikts, in der Putin zum alleinigen Aggressor gestempelt wird?

 

Mit solchen Fragen und Zweifeln beladen, und mit wuchernden Schulden und gelähmter Politik konfrontiert, sehen wir in wachsender Schlagzahl alarmierende Meldungen auf uns hereinstürzen. Dabei fühlen wir uns, als hätte jemand im kollektiven Gedächtnis die Rufnummer 110 ausgelöscht.

 

 

 

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Leser-Kommentare (33) zu diesem Artikel

03.12.2014 | 16:53

Franz Schwarz

Es gibt mehr Literatur über den 3.WK als offen zugänglich.ME wird er völlig aus dem Ruder laufen,es wird keine Sieger geben. Die einzige Genugtuung für mich wäre ,daß es dieses mal auch die wahren Schuldigen,mitsamt ihrer gesamten Nachkommen voll erwischt. MfG franz


03.12.2014 | 14:56

Conlatdat

@Udo : Ist es nicht seit dem Versinken des Kursks am 12.08.2000 ---> 11.09.2001 !?


03.12.2014 | 13:25

Udo

Der Niedergang unserer Zivilisation läuft seit dem 11.9.2001. Seit diesem Zeitpunkt wird nur noch Chaos und Gewalt gesät. Der 11.September ist auch das letzte aufgezeichnete Datum unserer Menschheitsgeschichte. Amerikaner und Russen werden auch nicht vor dem Einsatz von atomaren Waffen zurückschrecken, denn die Elite sind keine Menschen sondern Tiere. Die Zahl des Tieres ist 666.


03.12.2014 | 10:50

Conlatdat

@AJD : Nach Irlmaier ist ein Atom-Krieg mit Rußland unwahrscheinlich , oder ? Denn sonst brauchen die Russen nicht nach Süd-Europa einzumarschieren. Die Frage ist : Wer tut 3 Tage Finsternis ? Ist es Gott oder Mensch ? Wenn das wirklich ein Naturkatastrophe wäre , dann könnte es sein , dass die Raketen sowie Schutzschirme nicht so richtig funktionierten . Dann könnten die Russen tatsächlich auf die Idee kommen , mit vielen Soldaten und mit Panzern nach Süd-Europa zu überfallen !?...

@AJD : Nach Irlmaier ist ein Atom-Krieg mit Rußland unwahrscheinlich , oder ? Denn sonst brauchen die Russen nicht nach Süd-Europa einzumarschieren. Die Frage ist : Wer tut 3 Tage Finsternis ? Ist es Gott oder Mensch ? Wenn das wirklich ein Naturkatastrophe wäre , dann könnte es sein , dass die Raketen sowie Schutzschirme nicht so richtig funktionierten . Dann könnten die Russen tatsächlich auf die Idee kommen , mit vielen Soldaten und mit Panzern nach Süd-Europa zu überfallen !? Wir wissen , USA sind mit millitärischen Mitteln nicht zu zerschlagen . Aber wenn eine enorme Katastrophe passieren würde , könnten die USA von sich aus zerstört werden und was danach geschieht , weiss keiner ! Oder ein neues Reich ? Andererseits könnte 3 Tage Finternis ein menschliches Werk sein , um damit eine Möglichkeit mit einem riesigen DE-Köder zu schaffen , sodass die Russen reinfallen würden ?


03.12.2014 | 09:32

Elisa

Europa hätte sicher bessere Regierungsleute als diejenigen, die jetzt am Ruder sind oder es vor kurzem noch waren und dafür viel Geld kassieren. Aber diese Besseren wären auch die Kritischeren und gingen eigene Wege, die von der US-Regierung nicht toleriert werden. Wer nicht genehm ist, wird abserviert und kann von Glück reden, nicht das Zeitliche segnen zu müssen. Wer zu viel weiss und eine Gefahr fürs diktatorisch selbstgebastelte System wird, dem verringern sich seine...

Europa hätte sicher bessere Regierungsleute als diejenigen, die jetzt am Ruder sind oder es vor kurzem noch waren und dafür viel Geld kassieren. Aber diese Besseren wären auch die Kritischeren und gingen eigene Wege, die von der US-Regierung nicht toleriert werden. Wer nicht genehm ist, wird abserviert und kann von Glück reden, nicht das Zeitliche segnen zu müssen. Wer zu viel weiss und eine Gefahr fürs diktatorisch selbstgebastelte System wird, dem verringern sich seine Überlebenschancen merklich.

Gegenüber dieser brachialen und mafiosen Gewalt ziehen sich viele kompetente Führungspersönlichkeiten zurück - verständlicherweise. Es gibt noch andere Werte im Leben.


03.12.2014 | 06:54

rotepmal

@jurgen pagel: Sie haben ja grundsätzlich recht und doch sind das alles nur Scheingefechte, in die wir da hineingezogen werden sollen. Menschen, die sich Juden oder Christen nennen und äußerlich auch so geben aber mit dem jüdisch-christlichen Menschenbild nichts zu schaffen haben, sind trotzdem keine Juden oder Christen. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Und Bibel oder Talmud oder Koran verbieten allemale das Handeln dieser Lakaien und Anbeter des Mammons!

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