Saturday, 25. June 2016
16.11.2015
 
 

»Durchgeknallt«: Wie Mainstream-Moralisten die Debatte nach den Pariser Anschlägen vergiften

Markus Mähler

Zwei der Pariser Terror-Bomber schmuggelten sich im Deckmantel der Flüchtlingswelle ein, Waffen und Sprengstoffe wurden über Deutschland transportiert. Es ist Zeit, sachlich über die Offenheit unserer Grenzen zu reden, oder? Mainstream-Moralisten verhindern das jetzt erst recht: Wer an der Flüchtlingspolitik ohne »Obergrenze« zweifelt, ist »durchgeknallt«. Inzwischen werden kritische Stimmen mundtot gemacht und das Land in Meinungshaft genommen.

 

Die Terroranschläge von Paris haben nicht nur das deutsche Flüchtlingsmärchen zerstört, sie erschüttern auch unsere Freiheit. Weil Hysterie wieder die Vernunft besiegt, wurde der schon bedrohlich enge Meinungskorridor bei uns jetzt ganz geschlossen. Was denen passiert, die trotzdem über die dunklen Seiten der unkontrollierten Migration sprechen wollen, zeigt der Fall Matthias Matussek.

Nach den blutigen Attacken zog der WELT-Kolumnist eine Querverbindung zur deutschen Flüchtlingspolitik und schrieb auf Facebook:

»Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen.«

Das ist sachlich unaufgeregt und auch richtig. Einer der Terror-Bomber, die sich vor dem Stade de France in die Luft sprengten, kam mit syrischem Pass über die grenzenlose Balkanroute. Er wurde unerkannt durchgewunken. Über Griechenland, Serbien, Österreich und Deutschland bis nach Paris, wo er am Ende mordete.

 

Die grenzenlose Offenheit ist auch für den Terror ein Einfallstor

 

Der staatliche griechische Rundfunk ERT meldete, dass ein zweiter Attentäter aus der Türkei nach Griechenland in die EU einreisen konnte. Die Rosenheimer Polizei kontrollierte zufällig einen Montenegriner in seinem VW Golf auf der Autobahn Salzburg-München. In einem Versteck des Autos fand sie kiloweise Sprengstoff, Kalaschnikows, Pistolen und Munition. Im Navigationsgerät war als Ziel Paris eingegeben.

 

All das gibt Matussek recht. Seine Mit-Journalisten bei Axel Springer haben ihn trotzdem in die Meinungswüste verbannt und gleich ganz ruiniert. Wären wir noch alle bei gesundem Menschenverstand, hätte das eigentlich anders ablaufen müssen: Die schrankenlose Offenheit in der Flüchtlingswelle öffnet auch dem Terror ein Einfallstor. Damit werden unsere europäischen Werte der Freiheit bedroht. Ja, über unsere Flüchtlingspolitik müssen wir dringend reden.

 

»Durchgeknallt«: Wer für Klartext in die Karrierewüste verbannt wird

 

Stattdessen richtete Matusseks Chefredakteur Jan-Eric Peters den Kolumnisten öffentlich auf Facebook hin: Dessen Kommentar sei »durchgeknallt«. Alles Weitere werde »intern« geregelt. Das ist ein Rauswurf mit Ansage. BILD-Chefredakteur Kai Diekmann zündelte gewohnt plakativ im sozialen Netzwerk: »Einfach nur ekelhaft.« Matussek war jetzt zum Abschuss freigegeben und die gesamte deutsche Medienlandschaft kam mit Fackel und Mistgabel herbeigeeilt. Philip Jessen, Chefredakteur von Stern.de, schrieb: »Gestörter Typ.« Annette Milz, Chefredakteurin vom Journalisten-Fachblatt Medium Magazin, klatschte auf Twitter: »Klare Kante: GUT SO.«

 

Medienkritiker Stefan Niggemeier ergänzte: »Immerhin: WELT-Autor Matthias Matussek ist guter Laune.« Eine Anspielung auf einen falschen Lach-Smiley, den der Autor unter seinen Kommentar gesetzt hatte und später mit einem traurigen Smiley korrigierte. Der Branchendienst Meedia nagelte den Kolumnisten, den sein eigener Brötchengeber bereits kahlgeschoren hatte, an den ganz großen Pranger: »Matussek nutze die Anschläge, um alle ›islamischen Männer‹ unter Generalverdacht zu stellen.« Das sei nicht das erste Mal, dass er sich »auffällig verhält«.

 

Erst war die Flüchtlingspolitik alternativlos, jetzt ist sie heilig

 

Was aber auch auffällt: Unsere freiheitlichen Werte stehen mit den Attentaten unter Beschuss, aber Deutschlands Medienprofis geben sich uneinsichtig. Sie verfallen zusammen mit dem Parteienkarussell in eine Art Meinungs-Totalitarismus. War vorher unsere Flüchtlingspolitik alternativlos, ist sie jetzt heilig. Damit Asyl-Kritiker nach den Eindrücken des Pariser Terrorwahns keine Deutungshoheit gewinnen. Damit rechte Extremisten bloß kein Kapital daraus schlagen können. Der Verfall unserer nicht mehr so offenen Debattenkultur nimmt paranoide Züge an.

 

Hier ein Kurzdurchlauf der Durchhalteparolen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt: »Flüchtlingskrise – Angela Merkel wankt nicht«. Auf n-tv.de ruft Frankreichs Premierminister Manuel Valls Europa zur »heiligen Union« gegen den Terror auf. Moment, sitzen die Glaubenskrieger eigentlich nicht auf der anderen Seite? Scheinbar nicht: Bei ZEIT Online warnt Justizminister Heiko Maas (SPD) davor, die »Flüchtlingsdiskussion« mit dem »Thema Terrorismus« zu vermischen. Die Flüchtlinge würden vor denen fliehen, »die verantwortlich sind für die Anschläge in Paris«. Das stimmt, nur fehlt dabei die halbe Wahrheit: Unter denen, die kommen, sind auch Terroristen. Das ist seit dem 13. November 2015 eine unumstößliche Tatsache. So etwas darf man nicht totschweigen!

 

Jauchs Kurzschluss: CSU betreibe das Terrorgeschäft des IS

 

In der ARD produzierte Günther Jauch in seiner Talkshow am Sonntag geistige Kurzschlüsse: Er wollte in der Runde wissen, ob der bayerische Finanzminister Markus Söder mit seiner Forderung nach einer Obergrenze beim Flüchtlingszuzug nicht das Geschäft der Terrormiliz IS betreibe. So etwas zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche ARD-Sendungen seit den Terroranschlägen. Es wird immer wieder das gleiche Mantra beschworen: Jetzt über die »Obergrenze« in der Flüchtlingsfrage diskutieren? Niemals!

 

Es ist sinnbildlich: Während sich draußen schon zwei Terror-Bomber in die Luft sprengten, ließ man Deutsche und Franzosen auf dem Rasen weiterspielen. Erst hinterher liefen Tausende Zuschauer erschüttert durch das Stade de France - als sie endlich durch die Handyrufe ihrer Mitmenschen bemerkten, wie knapp sie mit dem Leben davon gekommen waren. Eigentlich wollten sich die Selbstmordattentäter mit ihren Bomben unter die Menschen im Stadion schmuggeln.

 

Heiligt der Zweck jetzt alle Mittel?

 

Unter dem Strich war die Strategie der Sicherheitskräfte erfolgreich, sie hat eine Massenpanik verhindert. Gerade wird so etwas aber in viel größerem Maßstab wiederholt, und das führt zu der Frage: Heiligt der Zweck jetzt alle Mittel? Darf man einer ganzen Gesellschaft Scheuklappen aufsetzen oder sie in Meinungshaft nehmen? Auch wir sollen nicht die ganze Wahrheit erfahren, während wir um eine grenzenlose Flüchtlingspolitik wie um das goldene Kalb tanzen.

 

Gerade unter dem Eindruck des Schreckens in Paris können aber immer weniger Menschen in Deutschland mit Merkels naiv-sturem »Wir schaffen das!« etwas anfangen. Es ist Zeit, auf diese Bedenken einzugehen. Weil jeder, der klar bei Verstand ist, sieht, dass es so nicht weitergehen kann. Wenn eine selbsternannte Meinungselite behauptet, dass sie es besser weiß als andere, hat sie noch keine Freikarte, um stellvertretend für alle zu handeln. Dann macht sie es nicht besser als die Terroristen des IS.

 

Unsere Freiheit bekommt immer weniger Luft zum Atmen

 

Das ist keine Generalverurteilung aller Medien in Deutschland. Inzwischen erdrosselt dort aber ein zunehmender Meinungsterror unsere Freiheit. Sie hat immer weniger Luft zum Atmen. Springer-Chef Mathias Döpfner brachte das in einem klugen Kommentar in der WELT am Sonntag auf den Punkt: »Wer die Freiheit mit Zensur oder Folter oder Intoleranz beantwortet, verrät die Ideale der Freiheit.«

 

Vielleicht sollte er aber auch auf die Zensur im eigenen Verlag achten. Sein Kolumnist Matthias Matussek wurde kaltgestellt. Nur weil er darauf hinwies: Wir haben mit der Flüchtlingswelle neben einigen Terroristen auch Hunderttausende ins Land geholt, die inzwischen untergetaucht sind. Keine Sicherheitsbehörde weiß, wer sie sind, wo sie stecken, was sie vorhaben. Über diese Entwurzelten muss man jetzt reden dürfen. Gerade weil wir nicht mal wissen, wie viele es sind oder noch werden. Es wäre naiv, zu glauben, dass dort nicht die gleiche Radikalisierung der Hoffnungslosen möglich ist, die in den Pariser Banlieues längst blutige Realität ist.

 

Bis Merkels »Wir schaffen das!« die dunklen Seiten der unkontrollierten Migration überdeckt hat, hat besonders der Springer-Verlag eindringlich davor gewarnt.

 

 

 

 

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